Dresdner Anzeiger

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Erstausgabe 1730
Unter Johann Christoph Arnold wird der Dresdner Anzeiger zum Tagesblatt.
Justus Friedrich Güntz überführt den Dresdner Anzeiger in städtisches Eigentum.
Am Vorabend des Ersten Weltkriegs vor dem Anzeigerhaus
Jubiläumsplakat von Kurt Fiedler
Heinrich Wilhelm Clemens Blochmann brachte sein Druckhaus in die Güntz-Stiftung ein, wodurch der Dresdner Anzeiger eine eigene Druckerei erhielt.

Der Dresdner Anzeiger wurde am 1. September 1730 als Intelligenzblatt gegründet und war die erste Dresdner Zeitung überhaupt. Als Amtsblatt publizierte der Anzeiger offizielle Mitteilungen sächsischer Behörden und der Stadtverwaltung. Er blieb für mehr als 200 Jahre das führende Informationsmedium für eine bürgerlich-konservative Leserschaft.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Chronologie

[Bearbeiten] Die erste Dresdner Zeitung

Der Zeitungsmarkt jener Tage unterschied strikt zwischen Nachrichten- und Inseratenblättern, die jeweils mit bestimmten Privilegien ausgestattet wurden. Théophraste Renaudot hatte in Paris um 1633 die erste Inseratenzeitung herausgegeben. Gottlob Christian Hilscher stützte sich bei der Gründung 1730 in der Schlossgasse auf das Vorbild der sogenannten Intelligenzzettel, die vom Auktionator Gottlieb Grießbach ab 1721 herausgegeben wurden. Das Wort "Intelligenz" stand für Erkenntnis, insbesondere jene wirtschaftlicher Vorteile. Hilscher selbst konnte diese aber kaum erlangen, denn die Konkurrenz bekämpfte sein Vorhaben von Beginn an. Insbesondere die Kirchner beschwerten sich erfolgreich bei August dem Starken, dass Hilscher auf keinen Fall Tauf-, Hochzeits- und Sterbenachrichten drucken dürfe, die man selbst in Form von Kirchenzetteln vertrieb. Als Voraussetzung für die Herausgabe der Zeitung hatte Hilscher das Privileg zum Betreiben eines Adreß-Comptoir erhalten. Dabei handelte es sich um eine Vermittlungsstelle zwischen Kauf- und Verkaufsinteressenten - zeitweise vertrieb man auch Waren des täglichen Bedarfs. Die Zeitung war also zunächst nur ein zweiter Vertriebsweg für die Vermittlung von Waren, Dienstleistungen und Informationen.

[Bearbeiten] Aus einer Wochenzeitung wird ein Tagesblatt

Die Zeitung erschien zunächst zweimal wöchentlich ("Der Königl. Pohln. Churfl. Sächsischen Residentz-Stadt Dreßden Wöchentlicher Anzeiger") und hieß zwischenzeitlich Dresdner Anzeigen. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde daraus ein Wochenblatt. 1791 erwarb Carl Christian Richter eine Anwartschaft auf das Adreß-Comptoir. Seine Witwe, Wilhelmine Henriette Friederike Richter, musste ihr Erbe gegen verschiedene Ansprüche verteidigen und erhielt erst 1802 den verbindlichen Zuschlag. Von 1803 bis 1806 gab Johann Christoph Arnold den Anzeiger als Pächter heraus. Die Zeitung erschien wieder zweimal wöchentlich. Nachdem Richter das Adreß-Comptoir verkauft hatte, führten verworrene Eigentums- und Pachtverhältnisse zu einem wechselhaften Erscheinen. Erneut Johann Christoph Arnold und Friedrich Gottlieb Aster übernahmen von 1827 bis 1836 zusammen die Pacht des Comptoirs und damit die Herausgabe der Zeitung, die inzwischen Dresdner Anzeiger hieß seit dieser Zeit täglich erschien.[1]

Seit 1813 durfte man auch offiziell kirchliche Nachrichten drucken, weil auf das Adreß-Comptoir mittlerweile ein diesbezügliches Privileg der Dresdner Merkwürdigkeiten übergegangen war. Zu den Annoncen und örtlichen Mitteilungen kamen Beilagen mit Reiseberichten und Beiträgen zur Stadt. Mit der Pachtübernahme durch Arnold und Aster zu Beginn des Jahres 1827 wurden die Unterhaltungsbeilagen aus wirtschaftlichen Gründen wieder eingestellt und man konzentrierte sich auf gewerbliche Informationen sowie für Mitteilungen von Vereinen, brachte aber unter der Rubrik Örtliches manche Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen.

[Bearbeiten] Blatt der Dr. Güntz'schen Stiftung

1837 übernahm Justus Friedrich Güntz den Dresdner Anzeiger und 1839 löste er Aster als Pächter und Herausgeber aus. Im selben Jahr am 1. Juli wurde der Dresdner Anzeiger Amtsblatt. Die Bekanntmachungen von Stadtrat, Polizeideputation, Armenversorgungsbehörde und Stadtverordneten wurden zwar kostenlos veröffentlicht, trotzdem erwies sich die von Güntz ausgehandelte Konzession als wirtschaftlicher Erfolg, denn allein in den ersten drei Jahren nach der Erhebung zum amtlichen Organ konnte die Auflage um 50% erhöht werden. In der Zeitung veröffentlichte Werbeanzeigen dokumentieren die Dresdner Industriegeschichte: Die Annonce vom 31. Oktober 1839 von Friedrich Wilhelm Enzmann markierte die Geburtsstunde der deutschen Fotoindustrie. Richard Wagner wurde mit seinem "Tannhäuser" 1845 von Julius Schladebach noch regelrecht verrissen, im Juni 1848 publizierte er anonym einen Artikel "Wie verhalten sich republikanische Bestrebungen dem Königstum gegenüber?" [2] und er forderte die Einreihung Deutschlands unter die Weltmächte: "Nun wollen wir in Schiffen über das Meer fahren, da und dort ein junges Deutschland gründen".[3] Die Dresdner nutzten eine Inseratspalte für Privatsachen, um sich im Dresdner Anzeiger politisch zu artikulieren. Mit der Revolution wurden bisherige Presseprivilegien abgeschafft. Was Güntz mit der Gründung des Dresdner Morgenblattes noch verhindern wollte, wurde Realität. Ab 1850 erschienen die offiziellen Mitteilungen der sächsischen Regierung in einem von B.G. Teubner gegründeten Konkurrenzblatt. Güntz bestand in jener Zeit auf einem Dresdner Anzeiger als reines Inseratblatt.

Güntz gründete 1856 die nach ihm benannte Dr. Güntz'sche Stiftung, der er das Adreß-Comptoir übertrug. Diese, der Stadt Dresden gehörende Stiftung gab in der Folgezeit den Dresdner Anzeiger heraus. Der jeweilige Oberbürgermeister hatte als Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung einigen Einfluss auf das Blatt, obwohl dies den Statuten nach eigentlich ausgeschlossen war. Güntz hatte vielmehr Vorsorge für einen von jeglicher Zensur befreiten Journalismus treffen wollen und dem Stadtrat lediglich das Adreß-Comptoir unterstellt. Die mit der Zeitung erzielten Erlöse flossen in die vielen kulturellen und sozialen Projekte, bei denen die Dr. Güntz'sche Stiftung Dresden unterstützte.

[Bearbeiten] Der Ausbau zur Nachrichtenzeitung

Der Erfolg der Konkurrenzblätter bewog Güntz im Verein mit Oberbürgermeister Friedrich Wilhelm Pfotenhauer, dem Dresdner Anzeiger ab dem 1. Januar 1869 eine Nachrichtenabteilung beizugeben. Besonders wegen dem kurz darauf ausgebrochenen Deutsch-Französischen Krieg und dem rasch wachsenden Informationsbedarf zur Gründerzeit erwies sich diese Entscheidung als bedeutsam für die weitere Entwicklung des Blattes. Neben Politik und Lokalnachrichten fand von Anfang an die Kultur Beachtung. Der Anteil der redaktionellen Beiträge wuchs stetig. Betrug die Auflage noch 1870 nur 3950 Stück, wuchs sie unter der Leitung von Hermann Thenius ab 1878 bis 1901 auf rund 35000 Stück.

[Bearbeiten] Die Ära von Schumann und Lier

Beim Dresdner Anzeiger arbeiteten stets namhafte Redakteure, z. B. Ferdinand Gleich für Musik. Ab 1881 schrieb Paul Schumann erste Aufsätze für diese Zeitung, ab 1884 wirkte er als Kunstkritiker und 1888 übernahm er hauptamtlich das Feuilleton, später die verantwortliche Redaktion für Wissenschaft und Kunst. Bis zu seinem Ruhestand 1923 hat er den Dresdner Anzeiger maßgeblich geprägt. In Schumanns Zeit fallen bedeutende Neuerungen. Er war entschiedener Fürsprecher der Freilichtmalerei - und machte sich damit bekannte Dresdner Künstler wie Johannes Schilling, Leon Pohle und Friedrich Preller d.J. zu Gegnern. Schumann behielt aber die Unterstützung der Stiftungsverwaltung, die auf die journalistische Unabhängigkeit pochte, und mit der Hilfe von Woldemar von Seidlitz setzten sich moderne Künstler in Dresden durch. Gemeinsam mit Gotthardt Kuehl organisierte Schumann die Internationale Kunstausstellung von 1897 im Ausstellungspalast. Ab 1901 erschien die Sonntagsbeilage, die sich als Plattform der Dresdner Wissenschaft verstand. Schumann wurde außerdem weithin durch seine im Anzeiger geführte leidenschaftliche Debatte gegen Karl May bekannt.[4] Auch sein Sohn, Wolfgang Schumann, begann seine journalistische Tätigkeit bei dieser Zeitung und Friedrich Palitzsch erwarb sich einen Namen als Redakteur der Schachspalte.

1890 kam Leonhard Lier zum Dresdner Anzeiger.[5] Er übernahm zunächst das Theaterreferat, wo er als Fürsprecher von Ibsen, Tolstoi und Gerhart Hauptmann auftrat. 1902 wurde Lier Chefredakteur in der Nachfolge von Thenius. Er amtierte bis 1917. Seine Stelle im Theaterreferat übernahm Friedrich Kummer, ein bekannter Literaturwissenschaftler, der seit 1897 in der Redaktion für politische und lokale Themen zuständig war. 1914 hatte der Dresdner Anzeiger fast 50000 Leser.

[Bearbeiten] Zeit der Weimarer Republik

Die Büros des Dresdner Anzeigers befanden sich Breite Straße 7 und 9.[6] Im Vorfeld der Wahlen zur neuen Nationalversammlung der Weimarer Republik verleibte sich die Deutsche Volkspartei auf Initiative von Bürgermeister Bernhard Blüher den Anzeiger als Parteizeitung ein.[7] 1925 plante die Güntz'sche Stiftung mit ihrem Direktor Gustav Adolf Kuhfahl, für den Anzeiger ein Verwaltungsgebäude zu errichten.[8] Als Standort war der Johannes-Ring vorgesehen, heute Ecke Dr. Külz-Ring - Marienstraße, Dippoldiswalder Platz. Das Projekt stand wegen seiner Größenordnung und seiner Wirkung auf das Stadtbild in heftiger Kritik, obwohl im selben Jahr die Notwendigkeit von Hochhausbauten für Dresden wissenschaftlich begründet wurde und sich namhafte Architekten an der Ausschreibung beteiligten. Die Jury, der u. a. Bürgermeister Bernhard Blüher sowie Paul Wolf und Georg Wrba angehörten, vergab schließlich keinen 1. Preis und das Projekt wurde nicht realisiert. Anlässlich der II. Internationalen Hygieneausstellung ließ der Dresdner Anzeiger 1930 - im 200. Jahr seines Bestehens - von Arnulf Schelcher und Fritz Meister für sein Gebäude im Ausstellungsgelände westlich der Lennéstraße einen Glockenspielturm errichten.[9] Chefredakteur war zu jener Zeit Wilhelm Frölich. Die Auflage wuchs auf über 60000 Stück.

[Bearbeiten] Jahre des Niedergangs und Neubeginns

Die Nazis schalteten den Anzeiger nach der Machtergreifung gleich. Zu ihren Aktivisten zählte Hans Schnoor, als Redakteur verantwortlich für Kunst und Wissenschaft. Chefredakteur war 1934 Curt Weithas. In Berlin besaß der Dresdner Anzeiger eine Niederlassung. Die Nazis veranlassten 1943 eine Fusion mit den Dresdner Neuesten Nachrichten zur Dresdner Zeitung, die nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgelöst wurde. Das Dresdner Amtsblatt versteht sich als heutiger Nachfolger des Dresdner Anzeigers.

[Bearbeiten] Adressen

1730: Schlossgasse 6 | 1749: Landhausstraße 8 | 1749: Friesengasse 7 | 1750 Rampische Straße 7 | 1759: Landhausstraße (Kreishauptmannschaft) | 1760: An der Frauenkirche | 1762: Töpferstraße 2 | 1772: Rampische Straße 16/18 | 1785: Große Schießgasse | 1788: Neumarkt 4 | 1792: Altmarkt 16 | 1797: Große Schießgasse | 1799: Neumarkt 4 | 1803: Altmarkt 15 | 1807: Schloßstraße 14 | 1807: Altmarkt 7 | Wilsdruffer Straße 18 | 1811: Schloßstraße 36 | 1814: Moritzstraße 6 | 1814: Zahnsgasse 6 | 1817: Moritzstraße 6 | 1820: An der Frauenkirche 8 | 1822: Rampische Straße 16/18 | 1825: Moritzstraße 10 | 1827: Zahnsgasse 1 | 1827: Kreuzstraße 7 | 1834: Kreuzstraße (Rathaus) | 1837: Waisenhausstraße 15 / Ringstraße 14 | 1839: Wilsdruffer Straße 42 | 1846: Altmarkt 13 | 1881: An der Kreuzkirche 18 | 1900: Breite Straße 7/9

[Bearbeiten] Druckhäuser

Die mit dem Druck beauftragten Firmen sind nicht durchgängig nachgewiesen. Es wird angenommen, dass zunächst Johann Conrad Stößel von Paul Christian Hilscher beauftragt worden war. Nach der Übernahme des Dresdner Anzeigers durch Siegmund Ehrenfried Richter erfolgte der Druck in Löbau in einem Zweigbetrieb einer Richter gehörenden Görlitzer Druckerei, spätere Besitzer ließen auch in Leipzig und Meißen drucken. Die Zeitung musste nach Dresden transportiert werden. 1798 übernahm die Walthersche Hofbuchdruckerei die Produktion und ab 1811 Carl Gottlob Gärtner. Von 1814 bis 1815 war zwischenzeitlich Meinhold beauftragt. Am 1. Januar 1848 erhielt Ernst Ehrenfried Blochmann die Konzession. Bei ihm und seinem Sohn Heinrich Wilhelm Clemens Blochmann verblieb sie, bis die Druckerei 1895 durch Schenkung in den Besitz der Güntz-Stiftung überging und der Dresdner Anzeiger damit eine hauseigene Druckerei erhielt.

[Bearbeiten] Anzeigen im Dresdner Anzeiger

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Martin B. Lindau: Geschichte der Haupt- und Residenzstadt Dresden von der frühesten bis auf die gegenwärtige Zeit. 1. Aufl., Band 2, Verlag Kuntze, 1860, S. 687
  2. Armin Gebhardt: Robert Schumann. Tectum Verlag, 1998
  3. Jutta Bückendorf: Schwarz-weiß-rot über Ostafrika! Verlag LIT, Münster, 1997
  4. Artikel im Karl May Wiki
  5. Leonhard Lier in Frank Fiedler, Uwe Fiedler: Lebensbilder aus der Oberlausitz, Books on Demand, ISBN 3842351771
  6. Paul Schumann, Friedrich Kummer: Dresden und das Elbgelände. Verlag des Vereins zur Förderung Dresdens und des Fremdenverkehrs, 1918.
  7. Ben Bütner: Die Novemberrevolution in Dresden 1918/19. Akademische Schriftenreihe, GRIN Verlag, 2008
  8. Hochhaus-Wettbewerb
  9. II. Internationale Hygiene Ausstellung 1930-31 in Dresden

[Bearbeiten] Weblinks

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