Karl May

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Karl May 1907
Grabinschrift in Radebeul

Karl May, mit bürgerlichem Namen Carl Friedrich May (* 25. Februar 1842 in Ernstthal, † 30. März 1912 in Radebeul) war ein deutscher Erzähler und Schriftsteller. Obwohl er weder Land noch Leute aus eigenem Erleben schildern konnte, schrieb er zahlreiche spannende Abenteuerromane und Romanserien.[1]

[Bearbeiten] Leben

[Bearbeiten] Familie

Karl May entstammte einer armen Arbeiterfamilie aus Ernstthal (heute ein Stadtteil von Hohenstein-Ernstthal). Sein Vater, Heinrich August May (1810-1888) war Weber, seine Mutter, Christiane Wilhelmine May geb. Weise (1817-1885). Er war das fünfte Kind einer an sich kinderreichen Familien von 14 Kindern, von denen allerdings nur fünf die ersten Lebensjahre überstanden.

[Bearbeiten] Kindheit und Ausbildung

May erblindete bereits kurz nach der Geburt, wahrscheinlich infolge einer mangelhaften Ernährung. Behandelt wurde er an der Chirurgisch-medicinischen Akademie. Erst mit fünf Jahren wurde er geheilt. Durch seine Blindheit entwickelte er bereits frühzeitig eine große Fantasie, besonders aufgrund der Märchenerzählungen seiner Großmutter, Johanne Christiane Kretzschmar (1780-1865). Auch sein Patenonkel Christoph Weißpflog, der mehrere Reisen unternahm, erzählte ihm exotische Geschichten.

Sein Vater zwang ihn als einzigen überlebenden Sohn der Familie auch nach dem Besuch der Volksschule noch zu Hause wissenschaftliche Bücher und Enzyklopädien zu lesen, ja fast auswendig zu lernen, damit er aufgrund seiner Bildung sich später ein besseres Leben ermöglichen könne. Samuel Friedrich Strauch (1788-1860), ein Ernstthaler Lehrer und Kantor, gab Karl kostenlos Orgel-, Klavier- und Geigenunterricht und unterrichtete ihn in den Grundlagen der Komposition, als er das musikalische Talent des Jungen entdeckte.

Karl May, Unterschrift mit "Doktortitel"

1856 wurde innerhalb der Familie fast das gesamte verfügbare Geld aufgebracht, um May auf das Lehrerseminar nach Waldenburg zu schicken, das er am 29. September 1856 antrat. Hier schrieb er seine erste Indianergeschichte und schickte sie an das Illustrierte Familienblatt "Die Gartenlaube", wo sie allerdings nicht gedruckt wurde. Am 28. Januar 1860 wurde May von Mitschülern des Diebstahls bezichtigt und infolgedessen von der Schule entfernt. Dabei ging es um die Entwendung von sechs Kerzen aus dem Lehrerseminar, wahrscheinlich verwendet für das private Weihnachtsfest in Ernstthal. Nach einer Vermittlung des Pfarrers seiner Heimatstadt durfte er das Lehrerseminar im Juni 1860 fortsetzen und schloss es im Herbst 1861 in Plauen im Vogtland mit der Note "Gut" ab.

[Bearbeiten] Beruf und Betrugsdelikte

Nach seiner Ausbildung arbeitete Karl May zuerst als Hilfslehrer an einer Armenschule in Glauchau. Aufgrund der Beschuldigung des Hauswirts, er habe sich dessen Ehefrau unsittlich angenähert, musste er die Stelle nach 12 Tagen bereits wieder aufgeben. Doch hat er Glück, als er im Anschluss eine Anstellung als Fabrikschullehrer in Altchemnitz erhielt. Wiederum wurde er dort des Diebstahls beschuldigt, diesmal beim Buchhalter der Fabrik. May bekam vom Gericht die Höchststrafe: sechs Wochen Gefängnis. Danach war der Staatsdienst als Lehrer nicht mehr möglich, da er von den sächsischen Staatsorganen Berufsverbot erhielt.

Da er nun ständig an Geldmangel litt, versuchte er weiter mit Betrügereien durchzukommen. Er beschaffte sich Kleidung, gab sich als Lehrer unter falschem Namen aus, erschien in Leipzig unter dem fantasievollen Namen Hermes Kupferstecher und ergaunerte sich dort einen Pelz. Aufgrund der gegen ihn vorgebrachten Delikte wurde er mittlerweile steckbrieflich gesucht, am 26. März 1865 verhaftet und nach über zehn Wochen Untersuchungshaft am 8. Juni zu vier Jahren und einem Monat Arbeitshaus verurteilt. Die Strafe saß er in Zwickau ab, wurde aber wegen guter Führung vorzeitig aus der Haft entlassen.

Doch auch nach der Haft wurde er wieder betrügerisch tätig, verkleidete sich abermals, erschien mit falschen Bärten und gab sich sogar als Polizist und Geheimagent aus. Erneut steckbrieflich wegen Hochstapelei gesucht, wurde er am 4. Januar 1870 in Nordböhmen als vermeintlicher Plantagenbesitzer festgenommen. Nach 14 Wochen Untersuchungshaft wurde er schließlich am 13. April zu vier Jahren Zuchthaus mit anschließender Polizeiaufsicht verurteilt. Die Strafe musste er als Rückfalltäter vollständig absitzen.

Fünf Jahre später, am 9. Januar 1879 wurde er von einem Stollberger Gericht nochmals zu drei Wochen Gefängnis wegen Amtsanmaßung verurteilt, als er sich als höherer Beamter ausgab, um Auskünfte über den Unfalltod des Onkels seiner ersten Ehefrau Emma Pollmer (1856-1917) zu bekommen. Seine insgesamt vierte Gefängnisstrafe saß er im September 1879 im Arresthaus von Hohenstein-Ernstthal ab.

[Bearbeiten] Tätigkeit als Schriftsteller

Karl May als Old Shatterhand
Karl May als Kara Ben Nemsi

Nach dem Zuchthausaufenthalt begann Karl May seine schriftstellerische Tätigkeit. Vorab prüfte er noch, welche Art von Erzählungen sich am besten verkaufen würden. Im November 1874 wurde Mays Erzählung "Die Rose von Ernstthal" bei Hermann Oeser in Neusalza verlegt.

Daneben wurde er Redakteur beim Dresdner Verlag Heinrich Gotthold Münchmeyer (1836-1892), wo er aber bereits 1876 wieder kündigte. Allerdings hatte er da bereits Kontakte zu anderen Verlagen. Im Münchmeyer-Verlag erschienen erste Wild-West-Geschichten, unter anderem über "Old Firehand", sowie Erzählungen aus dem Orient.

Im "Deutschen Hausschatz in Wort und Bild", einem Wochenblatt, erschienen zahlreiche seiner Abenteuergeschichten. Erstmals war auch eine Geschichte über "Old Shatterhand" zu lesen. Es erschienen "Der Waldläufer" und "Im fernen Westen". Im "Allgemeinen Deutschen Literaturkalender" wurde 1880 ein "Dr. Karl May" genannt. Außerdem erschienen mehrere Orient-Bände, in denen May in der Ich-Form als Kara Ben Nemsi erzählte. Bezüglich dem Wahrheitsgehalt wurde den Lesern mitgeteilt, dass der Verfasser, Doktor Karl May alles selbst erlebt habe.

1882 wurde May vom Verleger Heinrich Gotthold Münchmeyer überredet, unter einem Pseudonym wieder für ihn zu schreiben. May willigte ein und schrieb in den Folgejahren bis 1887 fünf Romane für den Dresdner Verleger. Da kein schriftlicher Vertrag darüber abgeschlossen wurde, erhielt May dadurch später erhebliche Nachteile, als die Romane unter seinem richtigen Namen auftauchten.

1891 trat Friedrich Ernst Fehsenfeld (1853-1933) in Karl Mays Leben. Er wurde sein späterer wichtigster Verleger und Mitbegründer des Karl-May-Verlags. Er brachte alle bisherigen Geschichten von May als Buchform als "Gesammelte Reisegeschichten" heraus, was der Popularität von Karl May einen enormen Aufschwung verlieh.

1884 erschienen "Winnetou" im "Hausschatz" und "Old Shatterhand" beim "Dresdner Gesangsverein". Nun stellte sich auch der wirtschaftliche Erfolg ein, seine Bücher wurden auch im Ausland verlegt.

[Bearbeiten] Ehe und weiteres Leben

Am 17. August 1880 heiratete Karl May seine erste Ehefrau Emma Pollmer standesamtlich in Ernstthal. Die kirchliche Trauung fand etwa vier Wochen später, am 12. September 1880 statt. Da ab 1882 die schriftstellerischen Geschäfte von Karl May immer besser liefen und viele Geschichten im Dresdner Münchmeyer-Verlag veröffentlicht wurden, zog das Ehepaar nach Dresden um und mietete 1883 in der Sommerstraße 7 in Blasewitz die komplette Etage einer Villa. Im Eingangsbereich befindet sich heute eine 1991 gestiftete Gedenktafel des wissenschaftlichen Beirates des Karl-May-Hauses in Hohenstein-Ernstthal.

Villa Shatterhand des Ehepaares May, 1895 in Radebeul erworben
Karl May in seiner Bibliothek in der Villa Shatterhand

1895 zog das Paar nach Radebeul um, kaufte eine Villa in der Kirchstraße 5[2] und nannte diese "Villa Shatterhand". Ein Jahr später gab Karl May die beiden wohl bekanntesten Gewehre aus seinen Erzählungen, die "Silberbüchse" und den "Bärentöter", bei einem Büchsenmacher in Auftrag. Er kostümierte sich und veröffentlichte zahlreiche Abbildungen als Old Shatterhand bzw. Kara Ben Nemsi.

Nunmehr mit den nötigen finanziellen Mitteln ausgestattet, unternahm er 1899 seine ersten großen Auslandsreisen, unter anderem nach Ägypten, nach Jerusalem, Damaskus, Istanbul sowie auch bis nach Sumatra. Dabei reiste das Ehepaar May auf der zweiten Orientreise gemeinsam mit dem befreundeten Ehepaar Plöhn.

Zu Hause in Deutschland jedoch veröffentlichte die Witwe von Münchmeyer nun Mays Erzählungen unter seinem richtigen Namen, nicht mehr unter dem Pseudonym. Zweifel kamen nun bei Lesern und Kritikern auf, ob May das Erzählte auch wirklich selbst erlebt habe. Auch die Legende vom Doktor-Titel fiel in sich zusammen.

Das Ehepaar selbst hatte sich im Laufe der Ehejahre immer mehr entfremdet. Im Januar 1903 wurde die Ehe mit Emma geschieden. Bereits zwei Monate später heiratete May Klara Auguste Wilhelmine Plöhn (1864-1944), die Witwe seines verstorbenen Freundes Richard Plöhn (1853-1901). 1908 fuhr Karl mit Klara zum ersten Mal in seinem Leben nach Amerika und traf auch dort auf Indianer. Die Begegnungen waren aber weit weniger romantisch als die Geschehnisse in seinen Erzählungen.

Die Prozesse um Karl May gingen 1904 in eine neue Runde, als der Journalist Rudolf Lebius (1868-1946) eine Hetzkampagne gegen den Schriftsteller startete und seine Vorstrafen veröffentlichte. Es folgten Klagen und Gerichtsverfahren zu seinen Werken als auch gegenüber seiner ersten Ehefrau Emma Pollmer, die wieder ihren Mädchennamen tragen musste.

1912 wurde May in Wien nochmals auf einer Vortragsreise bejubelt, starb aber wenige Tage danach am 30. März 1912 an Herzversagen. Einige seiner Gerichtsprozesse wurden erst nach seinem Tod beendet.

[Bearbeiten] Situation nach 1945

Indianermuseum der DDR in der Villa Shatterhand in Radebeul

Einen zweiten großen Aufschwung bekam May als Romanschriftsteller mit der Verfilmung von 18 seiner Werke ab 1962 in der Bundesrepublik Deutschland. Mit der aufkommenden May-Renaissance in der DDR in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden die Filme auch im östlichen Teil Deutschlands - noch vor der Maueröffnung - gezeigt. Außerdem wurde 1985 im Geburtshaus von Karl May in Hohenstein-Ernstthal ein Museum eröffnet.

Im gleichen Jahr wurde die Hölderlinstraße in Radebeul, in der die Villa Shatterhand steht, wieder zurück in Karl-May-Straße umbenannt. Diesen Namen trug die Straße bereits von 1932 bis 1945. Gleichzeitig wurde hier das Indianer-Museum der Karl-May-Stiftung eröffnet, das heutige Karl-May-Museum. Besonders der 75. Todestag von Karl May, 1987 begangen, wurde in Radebeul publik gemacht. Die Deutsche Post setzte im Postamt Radebeul einen Sonderstempel ein. Außerdem gab es Sonderveranstaltungen der Schmalspurbahn Radebeul/Ost-Radeburg, wo örtliche Indianervereine erstmals "Überfälle" auf die Lößnitzgrundbahn inszenierten und damit die Karl-May-Festtage begingen.

[Bearbeiten] Werke, vor allem seine "Reiseerzählungen"

Der Karawanen-Würger, 1894

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Quellen

  1. Meyers Jugendlexikon, VEB Bibliographisches Institut Leipzig 1976, 6. Auflage
  2. Adressbuch für Dresden und seine Vororte, 1904
  3. www.zeno.org

[Bearbeiten] Weblinks

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