Gerhart Hauptmann

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Gerhart Hauptmann, um 1900
Gerhart Hauptmann, um 1910
1900 von Schilling & Graebner gebaute Villa Hauptmanns
Brief von Ferdinand Avenarius an Hauptmann mit der Bitte, eine vom Dürerbund organisierte Schillerfeier zu unterstützen, 1904
Briefmarke
Straßenschild in Langebrück

Gerhart Hauptmann (* 15. November 1862 in Salzbrunn (Schlesien); † 6. Juni 1946 in Agnetendorf/Agnieszków (Schlesien)) war ein bedeutender Dramatiker des deutschen Naturalismus. Große Bekanntheit erlangten vor allem seine Schilderungen der Lebensumstände des Proletariats (Die Weber).

[Bearbeiten] Leben und Wirken

Gerhart Hauptmann besuchte von 1874 bis 1878 in Breslau die Realschule und erhielt danach auf dem Rittergut eines Onkels eine landwirtschaftliche Ausbildung. 1880 bezog er die Breslauer Kunstakademie, um Bildhauer zu werden. 1882 wechselte er nach Jena zu den Naturwissenschaften. Von 1883 bis 1884 lebte Hauptmann als Bildhauer in Neapel und Rom, wo er an Typhus erkrankte.

Nach seiner Rückkehr aus Italien ließ sich Hauptmann zunächst in Dresden nieder. 1884 nahm er an der Kunstakademie Zeichenunterricht. In Dresden lernte er auch seine spätere Frau Marie kennen, deren Schwester wiederum mit Hauptmanns Bruder in Hamburg verheiratet war. Die Trauung mit Marie fand 1885 in der Johanneskirche statt, die Hochzeitsfeier im Belvedere.[1] Die Heirat mit der vermögenden Kaufmannstochter ermöglichte Hauptmann wirtschaftliche Unabhängigkeit.

Hauptmann unternahm viele Auslandsreisen und lebte abwechselnd in Berlin, in Schlesien und Italien sowie auf Hiddensee.[2] In Berlin fanden seine ersten uraufgeführten Dramen großen Beifall, die Uraufführung von "Die Weber" aber ließ Kaiser Wilhelm II. seinen Logenplatz im Berliner Theater kündigen.

Mit Unterstützung des Dresdner Anzeigers fanden Hauptmanns Stücke Eingang in das Repertoire des Hoftheaters, seine Ehe geriet aber in eine Krise und Hauptmann kam nur noch gelegentlich nach Dresden. Schilling & Graebner bauten für ihn 1900 in Blasewitz in der Hochuferstraße 12 eine Villa. Sie wurde nach der Trennung der Eheleute von seiner ersten Frau bewohnt.[3] Hauptmann selbst zog mit seiner Geliebten und späteren zweiten Ehefrau, Margarete Marschalk, nach Schlesien.

Anlässlich der Hundertjahrfeier der Befreiungskriege schuf Hauptmann als Auftragswerk das Festspiel in deutschen Reimen. Dessen Uraufführung zur Eröffnung der Jahrhunderthalle in Breslau verursachte einen großen Skandal. Hauptmann gehörte zu jenen Dichtern und Denkern, die den Ersten Weltkrieg begeistert begrüßten.[4]

Gerhart Hauptmann erlebte den Höhepunkt seines Ansehens während der Weimarer Republik, zu der er sich ausdrücklich bekannte. Im Dresdner Staatsschauspiel wurde am 23. Februar 1922 die dramatische Dichtung "Indipohdi" (in Dresden unter dem Titel "Das Opfer") uraufgeführt, wobei Hauptmann selbst Regie führte.[5] In seiner Villa in Agnetendorf sammelte er bildende Kunst, darunter von Wanda Bibrowicz und Johannes Maximilian Avenarius.[6]

In der Zeit der Nazidiktatur arrangierte sich Hauptmann mit den Herrschenden.[7] Während der Luftangriffe am 13. Februar 1945 hielt er sich in Dr. Weidners Sanatorium auf.[8] Die Kammerspiele Johannstadt feierten am 8. Dezember 1945 Premiere von Hauptmanns "Der Biberpelz".

Im Zusammenhang mit der Vertreibung der Deutschen aus Schlesien nach dem Zweiten Weltkrieg stand Hauptmann kurz vor seiner Ausweisung nach Deutschland, als er 1946 starb. Mit Zustimmung der polnischen und sowjetischen Behörden wurde sein Leichnam nach Deutschland überführt und auf Hiddensee bestattet.

[Bearbeiten] Familie

Hauptmanns Vaters, Robert Hauptmann, war ein Hotelier und mit Maria geb. Strähler verheiratet. Wie Gerhart wurde auch dessen Bruder Karl Hauptmann, geboren 1858 in Salzbrunn, ein Dramatiker.

1885 heiratete Hauptmann die Dresdner Kaufmannstochter Marie Thienemann. Das Paar hatte drei Söhne. Zusammen mit ihrem Sohn Ivo war Marie Mitglied in der Litterarischen Gesellschaft.[9] Nach der Scheidung von Marie heiratete Hauptmann 1904 Margarete Marschalk. Mit ihr hatte er zwei weitere Söhne.[10]

[Bearbeiten] Ehrungen

[Bearbeiten] Werke

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Paul Schlenther: Gerhart Hauptmann, Leben und Werke. Neue, gänzlich umgearbeitete Ausgabe, Mit acht Abbildungen, 1912, S. Fischer, Verlag/Berlin, Kapitel 3
  2. Ostseeinsel Hiddensee: Unaufhörlich bläst das Meer, auf spiegel.de
  3. Adreßbuch für Dresden und seine Vororte, 1901
  4. "Sein, sein, deutsch sein!!"
  5. Uraufführung "Das Opfer" bei der Deutschen Fotothek
  6. Silesian Art Collections
  7. Biografie beim Staatsschauspiel Dresden
  8. Wachwitz 1945 auf http://www.dresdner-stadtteile.de/
  9. Dirk Hempel: Literarische Vereine in Dresden. Kulturelle Praxis und politische Orientierung des Bürgertums im 19. Jahrhundert. Walter de Gruyter - Max Niemeyer Verlag, Berlin und New York, 2008
  10. Hass, Hans-Egon, "Hauptmann, Gerhart Johann Robert" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 103-107
  11. Urkunde zur Ehrenbürgerschaft der Universität Breslau

[Bearbeiten] Weblinks

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