Fischersiedlungen in Dresden

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Infolge der Elbe gab es eine ganze Reihe von Fischersiedlungen bereits im altsorbischen Nisan und im späteren Dresden (stromabwärts aufgeführt). Auch an den Altwasserarmen der Elbe lagen etliche Fischersiedlungen (siehe Anhang).

Seit Beginn des Fischfangs mit Reusen und/oder Netzen kann man von Fischerdörfern sprechen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Copitz (1417 Kopicz)

[Bearbeiten] Fischerdorf um 600 (unbekannt) zu Cebegrin (um 1200) zu Söbrigen

Cebegrin war der altsorbische Name für Söbrigen.

Cebegrin wurde 1378 erstmals urkundlich erwähnt und bedeutet Leute des Sebekury.

Sebekury war der Name des elbslawischen Lokators in Cebegrin. Er wurde in den Jahrzehnten um 1200 durch die deutsche Grundherrschaft mit dem Aufbau dieses Rundlings beauftragt. Cebegrin wurde 1378 erstmals urkundlich erwähnt.

Sebekury wurde von einigen Historikern und Namenkundlern als Stammesältester oder Stammesführer angesehen. Dies verkennt aber die Funktion eines Lokators. Nach der Gründungsphase von Cebegrin ist Sebekury als dessen erster Lehnschulze anzusehen.

Außer diesem Rundling existiert noch eine Häuserzeile an der Elbe, wo der Ursprung des Ortes vermutet wird.

Vor der Verdorfung als Rundling bestand hier seit der slawischen Landnahme um das Jahr 600 eine typische elbsorbische Fischersiedlung unbekannten Namens. Solche Siedlungen lagen bei den Sorben wie Perlen an einer Kette entlang der damals fischreichen Elbe.

Die Nisaner (böhmische Niederländer) bauten zum Fischfang Jehsen bis tief in die Elbe - wehrartige Wasserbauwerke in Pfahlbauweise, im 17. Jahrhundert auch Jehsenschlag genannt.

[Bearbeiten] Pillnitz

Pillnitz war ursprünglich eine Fischersiedlung am Ausgang des Meixgrundes an der Elbe. 1403 an die Frau des Heinrich Karas belehnt, gehörte das Dorf und Vorwerk Pillnitz den Grundbesitzerfamilien Ziegler, Loss und Bünau. Im 18. Jahrhundert bestand die Einwohnerschaft nur noch aus Häuslern und Gärtnern. Der günstigen Lage am Elbhang des Borsberg verdankt Pillnitz den erfolgreichen Weinbau besonders in jüngerer Zeit.

[Bearbeiten] Hosterwitz

Durch Ausgrabungen wurde eine frühe slawische Fischersiedlung in Hosterwitz entdeckt.

Die frühen Namensformen Ossenbricz[6] (1371) und Hostembricz (1406) sind demzufolge ebenfalls slawischen Ursprungs und stammen von hostis = 'Gast, Fernhändler' (lateinisch 'hospes').

Eine Holzkirche wurde hier vermutlich um 1200 erbaut.[8]

[Bearbeiten] Einmündung des Altelbarmes bei Alttolkewitz

siehe:

[Bearbeiten] Wachwitz


[Bearbeiten] Loschwitz

Loschwitz war ursprünglich ein slawisches Fischerdorf an der Elbe. An den Hängen wurde später Weinbau betrieben. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Weinbau unrentabel. Durch eingekaufte Rebstöcke wurde die Reblaus aus Amerika eingeschleppt und das Winzertum gänzlich beendet. 1887 wurde das Winzerland schnell zu Bauland für Landhäuser und Villen.

[Bearbeiten] Blasewitz

1349/1350: Erste Erwähnung als elbslawisches Fischerdorf Blasenwicz im LBFS = Lehnbuch Friedrich des Strengen (nach seinem Regierungsantritt als Markgraf von Meißen erstellt).

[Bearbeiten] Ranvoltitz

Das Vorwerk Ranvoltitz oder Ramwoltitz[14][15], an das die Rampische Straße erinnert, lag im Gebiet der heutigen Johannstadt.

Es wurde 1310 urkundlich erwähnt (Ranuoltycz[15]). Der Hospitalmeister Heinrich tauschte das nördlich von Dresden gelegene Vorwerk Knapsdorf gegen mehrere Äcker der Flur Ranvoltitz.

Eine zweite und letzte Erwähnung erfolgte 1315 als Ramalticz.

Im Jahr 1370 wurde nur noch die platea Ramticz genannt, die Siedlung war wüst. Zwischen 1315 und 1370 lagen die Jahre des Schwarzen Todes, der Pest (in Dresden 1349 ausgebrochen).

[Bearbeiten] Fischergemeinde östlich des Elbberges (Pirnaische Vorstadt)

Die Fischergemeinde östlich des Elbberges war eine der zehn Vorortgemeinden, die sich seit dem Mittelalter um die Stadt Dresden entwickelt hatten.

Sie entstand aus einer Fischersiedlung auf dem nordöstlichen Sporn zwischen der Elbe und dem Altwasserarm Gruna-Striesen, der hier einmündete und den natürlichen Hafen von Nisan bildete. Die Senke dieses Altarmes verlief von Striesen her über die Holbeinstraße und die Dürerstraße. Bis 1875 floß hier noch der Landgraben.

Westlich des Hafens lag an der Elbfurt nach Altendresden die ursprüngliche, weitaus ältere Fischersiedlung, die möglicherweise auf die Zeit der elbsorbischen Landnahme um 600 zurückgeht.

Die Fischersiedlung östlich des Elbberges ist wahrscheinlich erst nach der Erweiterung der Stadtbefestigung ab 1520 entstanden, die zu einem Verdrängungsprozeß der Fischer aus dem remparierten Stadtgebiet führte.


[Bearbeiten] Einmündung des Altwasserarms Gruna-Striesen bei Nisana

siehe

[Bearbeiten] Aldenfischerßdorff um 600 (Ostragehege) im 13./14. Jh. nach Vischerdorf (Viehweide) und 1480 nach Fischerstorff (Fischhofplatz) in der Wilsdruffer Vorstadt verlegt

Altfischersdorf - wohl mehrfach verlegter Vorgänger von Fischersdorf:

1547: Fisschersdorf (HOV); 1583: Fischerstorff (DS 11, 36)[22]

Fischersdorf war ein Dorfkern, später ein Platz (Fischhofplatz) in der Wilsdruffer Vorstadt. Es hatte namenlose Straßenverbindungen nach Süden zur Entenpfütze am heutigen Freiberger Platz und nach Osten zur Gasse An der Weißeritz, die eigentlich am Weißeritzmühlgraben lag, und zur Nachbarschaft Am Obersee.

[Bearbeiten] Beginn der Kaditzer Flutrinne bei Altmickten

siehe:

[Bearbeiten] Gohlis

Gohlis wird 1144 das erste Mal urkundlich erwähnt. Der Ortsname geht zurück auf das altsorbische „Gołuš(a)“/„Gołyš“ und leitet sich ab von „goły“ (kahl, leer), bedeutet also „Siedlung auf kahlem/waldlosem Land“.

[Bearbeiten] Anhang: Fischersiedlungen an den Altwasserarmen

[Bearbeiten] Fischersiedlungen am Altelbarm

[Bearbeiten] Alttolkewitz

Die Gemarkung Tolkewitz wird von der Elbe geprägt. Der Fluss hat sich in die eiszeitlichen Ablagerungen eingegraben und schuf Auen mit tieferen und höheren Bereichen. Diese sind heute als Flusslandschaft mit den Elbwiesen und den etwas höher gelegenen Altelbarmen erlebbar. Die hochwassergeschützten Schotterterrassen tragen die Siedlungen. Noch um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert gab es ausgeprägte Dünengebiete, die so genannten Sandberge. Sie wurden zur Bausandgewinnung restlos abgebaut, zuletzt in der Schumann’schen Sandgrube Nähe der Wehlener Straße in Neutolkewitz um 1935. Das Tännicht - Reste sind im Bereich des Urnenhains noch erhalten - gehörte einst zu einem ausgedehnten Kiefern- und Birkenwaldgebiet zwischen Johannstadt und Tolkewitz.


Gassendorf Blockflur, 163 ha, 112m

1350: allodium

1547: 12 besessene(r) Mann, 8 Hufen

1764: 10 besessene(r) Mann, 10 Häusler, 8 Hufen je 24 Scheffel


1350: Tolkenwicz, Tolkemicz (LBFS 37, 70)

1378: Tolkewicz (RDMM 263)

1396: Tulkewicz


1378: castrum Dresden

1547: Amt Dresden

1764: Religions-Amt Dresden[26]

[Bearbeiten] Fischersiedlungen am Altwasserarm Gruna-Striesen(-Nisana)

[Bearbeiten] Dorf und Siedlung an der Frauenkirche mit dem Handelsplatz Nisana (später Frauenvorstadt mit der Großen und Kleinen Fischergasse)

Die günstige Verkehrslage an einer Elbfurt wurde bereits frühzeitig durch eine slawische Schiffer- und Fischersiedlung genutzt. Hier war die natürliche Verbindung von Franken nach Bautzen (Sächsische Frankenstraße). Die Fischergemeinde lag im sog. Dorf an der Frauenkirche am Hafen von Nisan (später Siedlung an der Frauenkirche mit dem Handelsplatz Nisana) und entwickelte sich nach 1521 zu einem Teil der Newen Stadt (1555: Frauenvorstadt). Heute erinnern nur noch die Münzgasse (bis 1849: Große Fischergasse) und die Brühlsche Gasse (bis 1882: Kleine Fischergasse) an diese Fischersiedlung.

Der natürliche Hafen von Nisan wurde möglicherweise schon 805 mit dem Neidhart befestigt.

Die Fischersiedlung wäre demnach noch älter und könnte ortstypisch schon um 600 entstanden sein - gegenüber der Kontaktfundstelle in Altendresden am Kohlmarkt, wo aus der Zeit um 600 sowohl germanische als auch slawische Siedlungsreste ausgegraben wurden.

Für die frühe Zeit ist hier auch eine temporäre (saisonale) Fischersiedlung denkbar, wie sie aus historischer Zeit neben dem Honigheim Altmickten überliefert ist (heute Kaditzer Flutrinne, ein ausgebauter ehemaliger Eltaltarm) .

Die Nisaner benutzten bevorzugt die Einmündungen von Altarmen zum Fischfang - so auch die Einmündung des Altelbarmes bei Alttolkewitz.

Die elbsorbische Fischergemeinde in der Frauenvorstadt gehört neben anderen Fischersiedlungen und natürlich Altendresden zu den ältesten Siedlungskernen von Dresden. Durch die Elbe und die elbsorbischen Jehsen (umfangreiche Fischfangbauwerke) war deren Lage fixiert - im Gegensatz zu den zahlreichen kleinen slawischen Streusiedlungen, die zwecks wirtschaftlicher Verdorfung um 1200 von den neuen deutschen Grundherren mittels Lokatoren zu Rundlingsdörfern zusammengefaßt wurden.

[Bearbeiten] Fischersiedlungen an der Kaditzer Flutrinne

[Bearbeiten] Temporäre Fischersiedlung bei Altmickten

An der Spitze zwischen dem ehemaligen Elbaltwasser der Kaditzer Flutrinne und der Elbe bei Altmickten lag eine saisonal benutzte temporäre Fischersiedlung unweit des Rundlingsdorfes, das als Honigheim für seine Honigproduktion berühmt war. In der Elbe und im Altwasserarm waren elbsorbische Jehsen zum Fischfang eingebaut.

Die Nisaner benutzten bevorzugt die Einmündungen von Altwasserarmen zum Fischfang, so auch:

[Bearbeiten] Anmerkungen

  1. "Söbrigen – Elbnaher Stadtteil von Dresden." auf so-lebt-dresden.de (abgerufen am 9. Juni 2025).
  2. Vgl. auch: "Das kleine Elbdorf Söbrigen wurde vermutlich zwischen dem 6. und 7. Jahrhundert gegründet." Zitiert nach Lars Herrmann: Söbrigen auf Dresdner-Stadtteile.de (Archivlink).
  3. HSt A. Collectio Schmidiana, Amt Dresden, Mühlensachen, 2. Abt.
  4. '"Lars Herrmann: Pillnitz auf dresdner-stadtteile.info.
  5. „Oh Hosterwitz, oh Ruhe! Ruhe!“ auf sachsen.tours nach: Sieghart Pietzsch: "Chronik von Hosterwitz – 1406 – 2006".
  6. CDS II 2 Nr. 608 vom 13. Dezember 1371: "B. Conrad eignet der Domkirche mit Zustimmung des Capitels vom Domherrn Conrad Pruze in Mittelebersbach erkaufte Zinsen." - Unter den Zeugen: "Henrico de Ossenbricz capellano nostro", Besitzer des Vorwerkes Hosterwitz.
  7. Lars Herrmann: Hosterwitz auf Dresdner-Stadtteile.de (Archivlink).
  8. Jürgen Helfricht: "Dresden und seine Kirchen." Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2005, S. 68.
  9. Lars Herrmann: Wachwitz auf dresdner-stadtteile.info.
  10. Dresden-Wachwitz: Fischerdorf und königliche Familie auf sachsen.tours.
  11. Lars Herrmann: Loschwitz bei dresdner-stadtteile.info.
  12. Geschichte von Blasewitz auf blasewitz.de: "Blasewitz - ein bisschen was Besonderes. Vom sorbischen Fischerdorf zum Stadtteil Dresdens. 650 Jahre und älter"
  13. Lars Herrmann: Blasewitz bei dresdner-stadtteile.info.
  14. Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Liste der Wüstungen in Dresden“
  15. a b Ramwoltitz (Ranvoltitz) im Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  16. E. O. Schulze, die Kolonisirung der Gebiete zwischen Saale und Elbe. Leipzig 1896.
  17. In: Otto Richter: Geschichte der Stadt Dresden. Erster Theil: Dresden im Mittelalter. Mit Abbildungen und einem Plane. [= Veröffentlichung des Vereins für Geschichte Dresdens] Wilhelm Baensch’ Verlagshandlung, Dresden 1900, S. 6ff.
  18. Pirnaische Vorstadt auf dresden-und-sachsen.de (abgerufen am 13. Juni 2025).
  19. Martin Bernhard Lindau: "Geschichte der Haupt- und Residenzstadt Dresden von der frühesten bis auf die gegenwärtige Zeit". Band 1. Rudolf Kuntze, Dresden 1858, S. 91.
  20. RV III 33 Anm. 1
  21. Fischersdorf † (Wüstung) im HOV (Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen).
  22. Fischersdorf † (Wüstung) im HOV (Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen).
  23. Lars Herrmann: Gohlis auf dresdner-stadtteile.info.
  24. Gohlis in so-lebt-dresden.de.
  25. Lars Herrmann: Tolkewitz in dresdner-stadtteile.info.
  26. Tolkewitz im HOV.
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