Stadtplanung in Dresden

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Die Stadtplanung in Dresden umfasst die städtebauliche Entwicklung der Stadt und wird vom gezielten Wiederaufbau kriegszerstörter Innenstadtbebauung begleitet. Insbesondere Entscheidungen über ein direktes Nebeneinander von historischer oder historisierender Bausubstanz und modernen Neubauten stehen dabei häufig in der Kritik.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Bauleitplanung

Die Dresdner Bauleitplanung ist zurzeit bemüht, einem historischen Stadtbild des Zentrums näherzukommen. Gegenwärtig läuft dieser Prozess insbesondere am Neumarkt mit dem Bau von Gebäuden beziehungsweise Fassaden nach historischen Vorbildern auf den Grundrissen Dresdens vor den Kriegszerstörungen. Ein überregional bekanntes Teilprojekt ist die Frauenkirche. Die vorgesehene Bebauung des Platzes entspricht weitgehend, wenn auch nicht vollständig, den Grundrissen unmittelbar vor der Zerstörung Dresdens. Das wiederaufgebaute Hôtel de Saxe war bereits 1888 abgerissen worden, um einem Gebäude der Post zu weichen. Die wiedererrichteten Gebäude Salomonis-Apotheke, Weigelsches Haus und Haus „Zum Schwan“ hatten demgegenüber noch unmittelbar vor der Zerstörung am Neumarkt existiert.

Kritiker, in der Regel der Moderne verschriebene Architekten, werfen dem Vorhaben vor, nach Belieben in der historischen Bebauung zu selektieren. Befürworter sehen die Möglichkeit einer baulichen Aufwertung des Stadtzentrums, das – unter anderem durch Plattenbauten – über Jahrzehnte verschandelt worden sei. Darüber hinaus ist der Wiederaufbau vieler Gebäude, die in Dresden während der Renaissance und des Barock entstanden und 1945 zerstört wurden, eine Chance, Dresden eine Altstadt zurückzugeben, die bisher (neben der historischen Altstadt) fehlte.

Die Bemühungen, moderner Architektur in Dresden Raum zu bieten, werden durch die Diskussionen um den Neumarkt kaum wahrgenommen. Dresden ist so in den Augen vieler Architekturkritiker die „Hauptstadt der Nostalgie“.[1] Dabei wird darüber hinweggesehen, dass es in unmittelbarer Nähe der Elbfront der historischen Altstadt moderne Gebäude von europäischer Bedeutung gibt. Speziell Postmoderne Architektur versucht, auch in Dresden Motive, Fragmente und Stilelemente historischer Bebauung zu verwenden. Die Neue Terrasse nimmt klassische Formen der historischen Gebäude auf und überführt sie in moderne Sachlichkeit. Städtebaulich wurde damit ein Zusammenspiel von historischer und neuer Architektur erzeugt.

Der historische Wiederaufbau des Neumarktes ist in Architektenkreisen ebenso umstritten wie die moderne Bebauung des Wiener Platzes. Gestritten wird auch um den Abriss von Architektur aus den 1960er und 1970er Jahren, wie der des Centrum Warenhauses an der Prager Straße, das nach 1990 als Hertie- und später als zweites Karstadt-Warenhaus genutzt wurde. Das 1978 gebaute Gebäude hatte eine auffällige wabenförmig strukturierte Metallfassade, die jedoch nicht unter Denkmalschutz stand. Befürworter eines Abrisses halten die ästhetische Wirkung des Centrum-Gebäudes, das in seiner Form austauschbar sei, für gering. Eine Bürgerinitiative und die Akademie der Künste setzten sich dagegen für den Erhalt des Gebäudes auf der Prager Straße ein. Die Prager Straße sei ein bedeutsames Beispiel der Bauperiode des „International Style“ in Europa, bemerkte die Klasse Baukunst der Akademie der Künste. Beim Bau der Centrum-Galerie wurde schließlich erneut eine Wabenstruktur in die Fassade gesetzt.

Es bestehe auch die Sorge, dass die Moderne der 1960er Jahre ganz aus dem Stadtbild getilgt werde. Auch einzelne in Plattenbauweise errichtete Gebäude werden mit dem Argument, Sichtbeziehungen und Straßenzüge wiederherzustellen, abgerissen, so geschehen 2011 an der Hauptstraße (Durchbruch der Heinrichstraße) und ebenfalls nach der Wende am Terrassenufer. Ein wichtiges Ziel ist dabei der Erhalt bzw. die Wiederherstellung der Altstadt-Silhouette, wie sie sich bereits im „Canaletto-Blick“ zeigte. Umfangreichere Rückbauten zur Verringerung des Leerstandes von Wohnungen gab es in den Plattenbausiedlungen Gorbitz und Prohlis. An ausgewählten Stellen wurden Wohnungen aber auch in ihren Grundrissen zeitgemäß umgestellt und sogar um Etagen erweitert, um mehretagige Wohnungen mit Dachterrassen anbieten zu können.

Das Dresdner Straßennetz wird seit der Wende umfangreich saniert und ausgebaut. Kritiker bemängeln bei einigen Projekten den Verlust von Baumalleen, die mehr und mehr dem Verkehrsausbau weichen müssten. Weiterhin steht die einseitige Beschleunigung des Autoverkehrs in der Kritik, die umwelt- und finanzpolitisch fraglich sei und städtebauliche Probleme erwarten lasse (Diskussionen zur A 17, Königsbrücker Straße, Bergstraße, Waldschlößchenbrücke und Kesselsdorfer Straße).

Traditionell sind Dresdner Straßen mit großen Granitsteinen gepflastert. Die umfangreiche Beseitigung des Kopfsteinpflasters verringert die Lärmbelastung der Anwohner und fördert den Radverkehr. Gleichzeitig ist die Asphaltierung umstritten, da sie einen erheblichen Verlust für das Stadtbild darstellt und die Flächen stärker versiegelt. In der Innenstadt wurden deswegen einige Straßen neu gepflastert (Sophien- und Königstraße, Neumarkt, Postplatz).

Sehr früh wurden planmäßig mehrreihige Alleen angelegt, um den Zugtieren und Reisenden Schatten zu spenden, Hecken wurden angepflanzt. In der spätbarocken Epoche Dresdens rückten unter August dem Starken die gestalterischen Aspekte in den Vordergrund. In einer Stadtlandschaft zwischen sorgsam staffierten Elbhängen sollte die Elbe als Canal Grande fließen. Schon Daniel Pöppelmann legte Sichtachsen und Grünanlagen an, die Dresden in seine unverwechselbare liebliche Landschaft einbanden. Zu dieser Zeit wurde die Landschaft auch „romantisierend“ in Szene gesetzt und akzentuiert; zum Beispiel die künstliche Ruine auf dem Borsberg oder die gotische Ruine und die Weinbergkirche in Sichtweite des Schlosses Pillnitz sowie die Kirche Maria am Wasser, malerisch an der Elbe gelegen.

Dieser Historismus setzte sich auch im 19. und 20. Jahrhundert fort, in denen sowohl repräsentative Bauten entlang der Elbe entstanden (Schloss Eckberg, Staatskanzlei, Finanzministerium, das Elbschlösschen (1945 zerstört), Waldschlösschen), und auch später im 20. Jahrhundert, als Gartendenkmäler am Königsufer wie der Rosengarten und der Staudengarten entstanden. In dieser Zeit wurden auch die Bürgerwiese angelegt und das ehemalige Jagdgehege Großer Garten als Park überformt und planmäßig Straßenbäume gepflanzt. Dresden war zur Jahrhundertwende eine Stadt der Gärten und Alleen (LH Dresden, 1998).

Mit der Industrialisierung begann aber auch die Zerstörung dieses Bezuges der Stadt zur Landschaft, die sich, nach Ansicht von Kritikern, bis in die aktuelle Raumpolitik mit Brüchen fortsetze. Im Integrierten Stadtentwicklungskonzept der Stadt werde das städtebauliche Ideal der europäischen Stadt der Gründerzeit postuliert (LH Dresden, 2001). Der Architekturkritiker Andreas Ruby behauptet, der „vegetative Charakter“ der Stadt werde durch etwas, das er als „urbane Pathosformeln des 19. Jahrhunderts“ bezeichnet, überdeckt. Er fordert, sich von den, wie er es bezeichnet, „klassischen Leitbildern des Städtebaus“ zu verabschieden und Landschaft und Architektur „prinzipiell gleichwertig“ zu behandeln (Ruby, 2000).

Auf offene Ohren stößt er dabei bei Soziologen und Ökologen. Auch das Leitbild der europäischen Stadt der Gründerzeit sei vor allem aus Sicht der Stadtökologie nicht unumstritten. Durch die architektonisch bevorzugte Schließung von Lücken in geschlossener Gründerzeitbebauung, die in Dresden vor allem in den Stadtteilen Äußere Neustadt und der Friedrichstadt vorherrscht, kann sich das in Dresden stark ausgeprägte Stadtklima verschärfen. In manchen Sommernächten ist die Dresdner Innenstadt trotz Nähe zum Erzgebirge und großzügigen Elbwiesen um bis zu 10 °C wärmer als das Umland. Die angeführte Erklärung dafür ist, dass die bereits vorhandene Bebauung ein Einsickern von Frischluft behindert. Die nach der Wende durch den Zusammenbruch der Industrie verringerte Luftbelastung werde durch die dichtere Bebauung und durch die Zunahme des Straßenverkehrs wieder steigen, da der Luftaustausch vermindert und die staubfilternde Vegetation verringert wird. Insbesondere sind Verkehrsbauwerke in Kaltluftschneisen der Seitentäler, wie im Plauenschen Grund, problematisch.

Die ohnehin schlechte Freiraumversorgung in manchen Dresdner Stadtteilen (G. Gülzow, pers. Mitteilung; Rohde, 2002) könne sich durch den Druck der Bebauung weiter verschlechtern. Dresden sei zwar mit dem Großen Garten, den Elbwiesen und der Dresdner Heide eine statistisch „grüne Stadt“. Allerdings seien diese Freiräume relativ schlecht zu erreichen, da die Verkehrswege an vielen Stellen für Fußgänger und Radfahrer erhebliche Sicherheitsmängel aufwiesen und nicht barrierefrei seien (Rohde, 2002). Die Elbwiesen und insbesondere die Dresdner Heide haben, wenngleich sie auf Stadtgebiet liegen, mehr den Charakter von Naherholungsgebieten als den von Stadtparks beziehungsweise Erholungsflächen. Viele Spielplätze oder Grünanlagen würden schlecht gepflegt (Rohde, 2002). In den meisten Stadtteilen herrsche, der statistischen Versorgung zum Trotz, ein Mangel an erholungswirksamen Freiräumen.

Durch die Ausweisung von billigem Bauland im Einzugsbereich der Stadt und aufgrund des Mangels an Ruhe und Erholung sei der Abwanderungsprozess maßgeblich beschleunigt worden (LH Dresden, 2001 a). Nachteilig wirke sich dabei auch aus, dass mit Stadtteilen wie Laubegast, Blasewitz oder anderen im Südosten der Stadt solche in der Nähe der großen Parks und Erholungsgebiete lägen, die aufgrund ihrer leichteren Bebauung die an sich schon größeren Grünflächenanteile besäßen (Waldpark Blasewitz). Durch die heterogene Bebauung Dresdens seien auch die Grünflächen sehr unterschiedlich verteilt.

Dennoch müsse auch anerkannt werden, dass die Stadt- und Landschaftsplaner zuweilen sehr erfolgreich Industriebrachen in die Nutzung zurückführten und somit den Flächenverbrauch minimieren und attraktive Wohn- und Gewerbestandorte anbieten können. Auch gelinge es in zunehmendem Maße, Wohnumfelder zu verbessern (Wohnumfeldverbesserung), verwilderte Flächen von Müll geräumt der Öffentlichkeit zugänglich zu machen oder der Natur zurückzugeben.

[Bearbeiten] Verkehrsplanung

Das Leitbild der Dresdner Verkehrsplanung ist in dem 1994 vom Stadtrat beschlossenen „Verkehrskonzept 1994“[2] verankert. Seit den 1990er Jahren gab es Bemühungen, bei der Verteilung von Investitionsmitteln den Umweltverbund gegenüber dem motorisierten Individualverkehr nicht zu benachteiligen. So entstanden beispielsweise Vorrangschaltungen für öffentliche Verkehrsmittel und Teile eines Radverkehrsnetzes.

Nach mehr als zehn Jahren deutete sich 2006 noch an, dass das Verkehrskonzept 1994 weiterverfolgt und fortgeschrieben wird.[3] Drei Jahre später entmachtete jedoch die neue Oberbürgermeisterin Helma Orosz bald nach ihrem Amtsantritt den seit 18 Jahren amtierenden Verkehrsplanungs-Chef Gerhard Ritscher, was von Beobachtern als Wende zugunsten einer autofreundlicheren Politik interpretiert wird.[4]

[Bearbeiten] Chronologie

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde für Dresden ein städtebaulicher Generalplan erarbeitet. Nach der Zerstörung weiter Teile der Stadt durch die Luftangriffe auf Dresden galten ab 1950 auch in Dresden die 16 Grundsätze des Städtebaus.

Im Jahr 2010 wechselte der langjährige Stadtplanungs-Chef Andreas Wurff als Technischer Beigeordneter nach Mönchengladbach, die Stelle wurde neu vergeben an Stefan Szuggat, der zuvor diesen Posten in Hemer innehatte.[5]

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Christian Tröster in Die Zeit, Wo die Moderne verbuddelt wird, Hamburg, 2002
  2. Landeshauptstadt Dresden: Verkehrskonzept 1994 (Textteil), 28. Januar 1994 (PDF 31,0 MB)
  3. Landeshauptstadt Dresden: Fortschreibung des Verkehrskonzeptes 1994 – Sachstand (2006) (PDF; 17 kB) und Dresdner Neueste Nachrichten: „Mehr City, weniger Schneise – der Verkehr nimmt ab“, 27. Oktober 2006
  4. Sächsische Zeitung: Warum der Verkehrsplaner entmachtet wurde, 11. August 2009
  5. Rathaus bekommt neuen Stadtplaner, Zitat aus Sächsische Zeitung vom 20. November 2010
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