Martin Dülfer

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Martin Dülfer

Prof. Dr.-Ing. E. h. Martin Dülfer (* 1. Januar 1859 in Breslau; † 21. Dezember 1942 in Dresden) war ein Professor für Architektur an der TH Dresden. Er gilt als Wegbereiter der deutschen Jugendstilarchitektur und des Stahlbetonbaus, vor allem in der Kombination von Stil und Material. Gleichzeitig blieben in seinem Werk die Traditionen des Historismus sichtbar, so dass Dülfer zu einem Mittler zwischen den Architekturstilen wurde.

[Bearbeiten] Leben und Wirken

Dülfer besuchte in Breslau das Realgymnasium und anschließend in Schweidnitz die Gewerbeschule. Von 1877 bis 1886 studierte er Malerei an der Kunstakademie München sowie Architektur an der TH Hannover und der Polytechnischen Schule Stuttgart. In dieser Zeit erwarb er sich zudem erste praktische Erfahrungen in Architekturbüros in Berlin und Breslau.

Ab 1887 arbeitete Dülfer als Architekt in München, 1892 gründete er ein eigenes Architekturbüro. In München machte sich Dülfer mit finanziell lukrativen Wohn- und Geschäftshäusern im Jugendstil einen Namen. Zunehmend widmete er sich jedoch auch repräsentativen Kulturbauten wie Theatern, Opern oder Bibliotheken. 1904 vertrat Dülfer Bayern auf der Weltausstellung in St. Louis. München war die architekturhistorisch wohl bedeutendste Station im Wirken Dülfers. Die Stadt wurde auch dank ihm zum Vorbild des zeitgenössischen Bauens in Deutschland hinsichtlich Stil und dekorativer Gestaltung.

Dülfer unterrichtete ab 1906 an der Technischen Hochschule in Dresden Hochbau. 1907 gehörte er zu den Mitbegründern des Deutschen Werkbundes[1], der maßgeblich von Dresden aus beeinflusst wurde, ungefähr ab 1908 war er Mitglied der Dresdner Künstlervereinigung Die Zunft.[2] 1909 holte Dülfer Heinrich Tessenow aus München zu sich als Assistent nach Dresden. Tessenows Bauten prägten in den Folgejahren die Gartenstadt Hellerau.

1910 entwarf Dülfer den ersten Masterplan für den neuen Campus der TH in der Südvorstadt.[3] Dies geschah vor dem Hintergrund eines zunehmenden Platzmangels am Bismarckplatz aufgrund steigender Studentenzahlen.[4] Wegen dem Ersten Weltkrieg konnten seine Pläne jedoch nicht vollständig umgesetzt werden.[5] Bei den Dresdner Hochschulbauten griff Dülfer wieder verstärkt auf historisierende Stilmittel zurück.[6] Er wohnte in jenen Jahren Bendemannstraße 8 und war Mitglied der Loge Zum Goldenen Apfel.[7] 1914 wirkte er in Dresden als Stadtverordneter.[8]

1912 wurde Dülfer Vorsteher der Hochbauabteilung der TH, von 1920 bis 1921 leitete er die Technische Hochschule als Rektor. Anschließend wirkte er zwei Jahre als Prorektor. Sein Einfluss auf die zeitgenössische Architektur schwand jedoch in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. 1929 wurde Dülfer emeritiert. Er war weiterhin Mitglied im Sächsischen Altertumsverein.[9] Zuletzt wohnte Dülfer Rugestraße 8 (ehemalige Bendemannstraße).[10]

Dülfers Nachlass wurde bei den Luftangriffen 1945 größtenteils vernichtet. Das Universitätsarchiv der TU Dresden bewahrt heute einige Zeichnungen von Gebäuden der ehemaligen TH Dresden auf.[11],[12] Dülfers Grabstätte ist nicht mehr auffindbar, auf dem Alten Annenfriedhof wird mit einer Gedenkstätte an ihn erinnert.

[Bearbeiten] Ehrungen

Straßenschild Dülferstraße

[Bearbeiten] Familie

Martin Dülfer war das dritte von 11 Kindern des Breslauer Verlagsbuchhändlers Carl Dülfer und dessen Frau Marie geb. Heyn. An die Buchhandlung war eine Leihbibliothek angeschlossen.[15] 1893 heiratete Martin Dülfer seine Frau, Katharina geb. Weighardt. Vermutlich ist sie bei den Luftangriffen 1945 ums Leben gekommen.

[Bearbeiten] Bauten von Dülfer an der TH Dresden

Von Bis Gebäude Adresse Nutzung
1910 1913 Beyer-Bau George-Bähr-Straße 1 Hauptgebäude der Fakultät Bauingenieurwesen, Institut für Angewandte Physik, Institut für Siedlungs- und Industriewasserwirtschaft, siehe auch Bernhard Pattenhausen
1921 1924 Fritz-Foerster-Bau Mommsenstraße 6 Fachrichtung Chemie und Lebensmittelchemie, Feinmechanische Werkstatt
1921 1924 König-Bau Bergstraße 66c Fachrichtung Chemie und Lebensmittelchemie
1921 1926 Erich-Müller-Bau Bergstraße 66b Fachrichtung Chemie und Lebensmittelchemie, Feinmechanische Werkstatt
Das Schauspielhaus Dresden wurde von Dülfer im Zusammenwirken mit William Lossow und Max Hans Kühne errichtet.
Dülfer war auch für seine repräsentativen Geschäftshäuser in Großstädten bekannt. In Leipzig errichtete er für die Dresdner Bank eine Filiale. Das Gebäude befand sich zur DDR-Zeit im Besitz der Universität.

[Bearbeiten] Weitere Werke Dülfers (Auswahl)

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. 1907: Die Gründung des Deutschen Werkbundes
  2. Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 19.1908
  3. Prof. Dr. Hans Georg Lippert: Vorlesung Baugeschichte (Hauptstudium), Winter 2010/11
  4. Die Bauten der TH ab 1905 im heutigen Kerngelände
  5. Nils Meyer, Prof. Thomas Will / Professur für Denkmalpflege und Entwerfen; Andreas Schwarting / Professur für Baugeschichte: Der Fritz-Foerster-Bau als Kulturdenkmal, Grundlagen für einen angemessenen Umgang
  6. Fritz-Foerster-Bau
  7. Mitteilungen aus dem Verein Deutscher Freimaurer, 1911
  8. Biografie auf http://www.gentzsch-seiten.de
  9. Jahresbericht des Sächsischen Altertumsvereins, 1926
  10. Adreßbuch der Landeshauptstadt Dresden, 1942
  11. Nachlässe und persönliche Dokumentationen (Vorlässe) A - Z an der TU Dresden
  12. Die Dülferzeichnungen der Ingenieur-Abteilung
  13. Ehrendoktoren der TH/TU Dresden
  14. Dülfer-Tagungssaal
  15. Carl Dülfer im Breslauer Adressbuch
  16. Das Stadttheater Meran
  17. Heutige Commerzbank-Filiale in Leipzig
  18. Sechste Jahresschau Deutscher Arbeit Dresden 1927: "Das Papier", amtlicher Führer S. 186 (Schreibweise "Kaffe Guck"), Paul Wolf: "Die 6. Jahresschau Deutscher Arbeit, Dresden, 1927" in Deutsche Bauzeitung, 27.8.1927 und Ostdeutsche Bau-Zeitung, Breslau, 7.9.1927

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Literatur

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