Cornelius Gurlitt

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Cornelius Gurlitt als Rektor an der TH Dresden
Büste von Georg Wrba, 1927
Landhaus des Herrn Barteldes, entworfen zur Zeit von Gurlitt bei Ernst Giese und Ferdinand Hartmann, gebaut 1875

Cornelius Gurlitt (* 1. Januar 1850 in Nischwitz; † 25. März 1938 in Dresden) war ein Architekt und bedeutender Kunsthistoriker. Er hat sich besonders um die Denkmalpflege in Sachsen verdient gemacht, wobei er für das gleichberechtigte Nebeneinander historischer und moderner Stilrichtungen plädierte.

[Bearbeiten] Leben und Wirken

Nach dem Besuch des Gothaer Gymnasiums erlernte Gurlitt zunächst den Zimmermannsberuf, besuchte in Berlin die Bauakademie und war in Wien im Architekturbüro von Emil von Förster tätig. Danach studierte er in Wien, Berlin und Stuttgart (ohne Abschluss) Architektur und Kunstgeschichte. Nach der Teilnahme am Deutsch-Französischen Krieg belegte er ab 1872 am Dresdner Polytechnikum Volkswirtschaftslehre und Philosophie. Ab August 1873 arbeitete er für das Dresdner Architekturbüro von Ernst Giese und Ferdinand Hartmann, wenig später begann Gurlitt seine archivalischen Studien.[1]

Nach einer ersten bedeutenden Publikation über die Architektur Dresdens, "Das Zeughaus, der Zeughof und die Brühlsche Terrasse zu Dresden", erhielt er 1879 von Carl Ludwig Theodor Graff eine Anstellung als Assistent am Kunstgewerbemuseum. Er gehörte zu den Mitbegründern des Kunstgewerbevereins. Zur Barockgeschichte promovierte er 1889 in Leipzig zum Dr. phil. Nach einer Privatdozentur in Berlin und einer außerordentlichen Professur 1893 in Dresden erhielt Gurlitt schließlich 1899 in der Nachfolge von Richard Steche die Berufung zum ordentlichen Professor an die TH Dresden für "Stillehre der technischen und tektonischen Künste sowie der Formenlehre und der Geschichte der Baukunst des Mittelalters". Seine Antrittsrede galt dem protestantischen Kirchenbau. Gurlitt lehrte ab 1896 bis zu seiner Emeritierung 1920 Geschichte der Baukunst und Kunstgeschichte. 1897 gründete er an der TH die Sammlung für Baukunst, die Exponate zur Baukonstruktionslehre, für das Entwerfen von Hochbauten und für die Fächer Bauformenlehre, Freihand- und Ornamentzeichnen und Stillehre des Kunstgewerbes sowie später das Archiv der sächsischen Kommission zur Erhaltung der Kunstdenkmäler, der Gurlitt angehörte, enthielt.[2]

Von 1902 bis 1904 und 1909/1910 leitete Gurlitt das Hochbauamt der Stadt Dresden, wobei er sich dabei mit Hans Erlwein abwechselte. 1904 und 1915 wurde Gurlitt zum Rektor der TH gewählt. Er zählte zu den Mitbegründern des Deutschen Bundes für Heimatschutz und gehörte ab 1908 dem Landesverein Sächsischer Heimatschutz, der Künstlervereinigung Die Zunft und ab 1914 dem Deutschen Werkbund an. Er war zudem Mitglied in mehreren Literatur-Vereinen, so im Dürerbund, im Literarischer Verein und in der Lese-Gesellschaft.[3] Von 1920 bis 1929 war er Gründungsvorsitzender des Bundes Deutscher Architekten und von 1922 bis 1925 Präsident der Freien Deutschen Akademie für Städtebau.

Gurlitt hatte nachhaltigen Einfluss auf die Architekten seiner Zeit. So promovierte bei ihm 1902 - also zwei Jahre nachdem die TH das Promotionsrecht erhalten hatte - Hermann Muthesius als erster Architekt in Deutschland überhaupt. Gurlitt gehörte zudem zu den Beratern von Schilling und Graebner und unterstützte maßgeblich die Berufungen von Hans Erlwein als Stadtbaurat und Fritz Schumacher an die TH. Gurlitt selbst nahm entscheidend darauf Einfluss, das Elbufer offen zu halten.[4]

Gurlitt wohnte 1893 in der Franklinstraße 4 und ab 1896 Kaitzer Straße 26. 1897 wurde ihm der Titel Hofrat verliehen, 1903 der Titel Geheimer Hofrat (nachdem er einen Ruf nach Stuttgart abgelehnt hatte). Weitere Auszeichnungen folgten, so 1913 die Goldene Ehrenmedaille der Stadt Dresden. Georg Wrba schuf 1927 zwei Porträtbüsten auf Cornelius Gurlitt.

Nach seinem Tode wurde er auf dem Johannisfriedhof beigesetzt. Der Dresdner Anzeiger publizierte einen ehrenvollen Nachruf, obwohl die Nazis Gurlitt wegen vermeintlicher halb-jüdischer Abstammung abgedrängt hatten. Die Cornelius-Gurlitt-Straße in Gittersee trägt seinen Namen.

[Bearbeiten] Familie

Gurlitt stammte aus einer Künstlerfamilie. Sein Vater war der Maler Louis Gurlitt, ein Onkel Komponist und Fanny Lewald, eine Tante mütterlicherseits, Schriftstellerin. Ein Bruder hatte später eine Professur für Altertumswissenschaften in Graz inne. Verheiratet war Gurlitt seit 1888 mit Marie Gerlach (18591949), der Tochter des Dresdner Justizrates Heinrich Ferdinand Gerlach. Sie hatten eine Tochter und zwei Söhne, darunter den Museumsdirektor und Kunstsammler Hildebrand Gurlitt.

[Bearbeiten] Schriften

Gurlitt gab 1886 mit Hähnel und Adam das Buch "Sächsische Herrensitze und Schlösser" heraus. Die dreibändige Darstellung der Barockgeschichte, die er 1889 abschloss, begründete seinen wissenschaftlichen Ruf. Ab 1894 führte Gurlitt eine vom Altertumsverein initiierte Erfassung der sächsischen Kunstdenkmale fort, an der er bereits ab 1881 unter Federführung von Steche mitgewirkt hatte und die er 1923 mit Heft 41 der "Beschreibenden Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen" vollenden konnte. Mit seiner Arbeit gelang es ihm, dem Barock wieder zu einer besseren Geltung zu verhelfen. Gurlitt publizierte regelmäßig in den Zeitschriften "Die Denkmalpflege" und Der Kunstwart.[5] Zusammen mit Ferdinand Avenarius und Paul Schumann zählte er zu den Kritikern von Karl May.[6] Er leitete die "Aktiengesellschaft Ernst Wasmuth, Architektur-Verlag, Architektur-Buchhandlung und Kunstanstalten", gehörte zu den Mitbegründern der "Zirkel Architektur-Verlag Gesellschaft mit beschränkter Haftung" und er gab die Zeitschrift "Die Kultur" heraus, ebenso die "Stadtbaukunst alter und neuer Zeit". 1924 erschien sein Alterswerk über August den Starken.

Weitere Schriften: »Möbel deutscher Fürstensitze« (Berl. 1886–87); »Das Barock- und Rokokoornament Deutschlands« (das. 1886–90); »Im Bürgerhaus. Plaudereien über Kunstgewerbe« (Dresd. 1888); »Deutsche Turniere etc.« (das. 1889); »Kunst und Künstler am Vorabend der Reformation« (Halle 1890); »Andreas Schlüter« (Berl. 1891); »Die Albrechtsburg zu Meißen« (mit Wanckel, Dresd. 1895); »Die Kunst unter Friedrich dem Weisen« (das. 1897); »Die Baukunst Spaniens« (mit Junghändel und Madrazo, das. 1895–79, 3 Bde.); »Die Baukunst Frankreichs« (das. 1899–1900); »Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts« (2. Aufl., Berl. 1900); »Historische Städtebilder« (das. 1900 ff.); »Geschichte der Kunst« (Stuttg. 1902, 2 Bde.) u. a.[7]

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Frank Fiedler, Uwe Fiedler: Referenzen zu Gurlitt in: Lebensbilder aus der Oberlausitz, Books on Demand, ISBN 3842351771
  2. Zur Geschichte des IBAD
  3. Dirk Hempel: Literarische Vereine in Dresden. Kulturelle Praxis und politische Orientierung des Bürgertums im 19. Jahrhundert. Walter de Gruyter - Max Niemeyer Verlag, Berlin und New York, 2008.
  4. Reiner Pommerin, Thomas Hänseroth, Dorit Petschel: 175 Jahre TU Dresden: Die Professoren der TU Dresden, 1828-2003. Band 3 von 175 Jahre TU Dresden, Böhlau Verlag Köln Weimar, 2003
  5. Die Entwicklung des „Kunstwart“
  6. Artikel im Karl May Wiki
  7. Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 8. Leipzig 1907, S. 530.

[Bearbeiten] Weblinks

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