Kunstwart-Verlag

Stadtwiki Dresden - Freiraum für Ideen und Wissen über Dresden
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ferdinand Avenarius - Gründer und langjähriger Herausgeber des Kunstwart.
Titelblatt 1908

Der Kunstwart-Verlag wurde als Eigenverlag zur Herausgabe der Zeitschrift Der Kunstwart gegründet. Als deutschlandweite Plattform für Ideen der Kulturreformbewegung besaß diese Zeitschrift die Meinungsführerschaft zu allen Themen der Kultur und Ästhetik. "Der Kunstwart war damals eine geistige Macht in Deutschland", wie sich später der erste Bundespräsident, Theodor Heuss, erinnerte, der selbst als Rezensent für den Kunstwart tätig gewesen war.

Ferdinand Avenarius gründete im Oktober 1887 die Zeitschrift Der Kunstwart als "Rundschau über alle Gebiete des Schönen", zu Themen der Literatur, Theater, Musik und zu den bildenden Künsten. Er setzte dafür sein ganzes Erbe ein. Paul Schumann gehörte von Beginn an zu seinen engsten Mitstreitern. Sie fühlten sich einer Bewegung "Kunst für alle, Musik für alle, Wissen für alle" verpflichtet. Gleichzeitig wollten sie damit ein Ungleichgewicht in der vorherrschend rationalen Welt beheben.[1] Der Verlag hatte seinen Sitz Stephanienstraße 1 bzw. Stephanienplatz 3.[2]

Der Kunstwart geriet anfangs in wirtschaftliche Schwierigkeiten und wurde 1892 von der Druckerei Kreyß und Kunath in der Pillnitzer Straße 51 zeitweilig übernommen.[3] Zu den bekanntesten frühen Mitarbeitern zählten Friedrich Kummer und Karl Söhle, ab 1893 Redakteur bzw. freier Musikkritiker beim Kunstwart. Als die Abonnentenzahl weiterhin bei etwa 600 stagnierte, verkaufte Avenarius am 1. April 1894 die Hälfte des Kunstwart an den Callwey Verlag München. 1904 erreichte der Kunstwart bereits 22000 Abonnenten. Er wurde zum Bildungsblatt des mittleren Bürgertums schlechthin. Zu den bekanntesten Autoren jener Zeit zählte Oskar Walzel, ein 1907 gleichzeitig an die TH Dresden und die Kunstakademie berufener Literaturhistoriker.

Der Kunstwart blieb auch nach dem Verkauf mit Dresden eng verbunden. Callwey übernahm die bekannte Marke und nannte seinen Verlag Kunstwartverlag Georg D.W. Callwey. Er weilte mehrfach in Hellerau beim Geschäftsführer der Vertriebsstelle Deutscher Qualitätsarbeit, Gustav Lehmann[4]. Avenarius wirkte von Dresden aus als Herausgeber. Der 1902 gegründete Dürerbund verstand sich als Verein zur Förderung des Kunstwartgedankens - und auch als dessen Vertriebsorgan. Gemeinsam gab man eine Sammlung Meisterbilder und Künstlermappen für das deutsche Haus heraus. 1908 übernahm Wolfgang Schumann den Literaturteil der Zeitschrift. Im Dürerbundhaus in Blasewitz befanden sich ab 1911 die Dresdner Redaktionsräume.

1920 verkaufte Avenarius zugunsten von Rentenzahlungen für sich und seine Frau die restlichen Anteile am Kunstwart an Callwey. Nach Avenarius' Tod übernahm dessen Stiefsohn, Wolfgang Schumann, bis 1925 die Herausgeberverantwortung. In dieser Zeit befanden sich 45 Künstlermappen, z. B. zu Ludwig Richter und Käthe Kollwitz, und etwa 30 Editionen der Kunstwart-Bücherei, darunter v. a. Klassiker, im Verlagsprogramm. Die Künstlermappen erschienen in einer Gesamtauflage von 1,3 Mio. Weitere bekannte Reihen waren Das Hausbuch deutscher Lyrik und Das Balladenbuch. Durch die Mitarbeit beim Kunstwart begann die lebenslange Freundschaft von Marianne Bruns mit Wolfgang und Eva Schumann.

Der Kunstwart erschien bis 1937, wechselte aber mehrfach seinen Namen. Er stand für die Bewahrung bürgerlicher Ideale in der Tradition der Aufklärung unter den Bedingungen der aufkommenden Industriegesellschaft, für einen konservativen und teilweise antisemitischen Patriotismus und in der Nazizeit für die innere Emigration.

[Bearbeiten] Autoren beim Kunstwart-Verlag

Ferdinand Avenarius | Marianne Bruns | Cornelius Gurlitt | Hermann Häfker | Karl Hanusch | Friedrich Kummer | Eva Schumann | Wolfgang Schumann | Paul Schumann | Karl Söhle | Heinrich Tscharmann | Oskar Walzel

[Bearbeiten] Quellen

  1. Ferdinand Avenarius über die schönen Künste: Erstausgabe von Der Kunstwart
  2. Adressbuch der Stadt Dresden, 1892
  3. Adressbuch der Stadt Dresden, 1896
  4. BEGER, Claudia: Gartenstadt Hellerau - Architekturführer, Deutsche Verlags-Anstalt, 2008, S. 140

[Bearbeiten] Weblinks

Meine Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Navigation
Werkzeuge