Ökonomische Gesellschaft im Königreiche Sachsen

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Die Ökonomische Gesellschaft im Königreiche Sachsen war eine Gelehrtengesellschaft, die sich den Fragen der Volkswirtschaft und dabei traditionell besonders der Landwirtschaft widmete.

[Bearbeiten] Geschichte

Die Ökonomische Gesellschaft wurde am 2. Oktober 1816 in Dresden gegründet und entstand durch Abspaltung von der Leipziger Societät, die erst 1825 nach langem Streit endgültig vollzogen werden konnte. Direktor war Detlev von Einsiedel. Beide Gesellschaften bemühten sich um die Einführung neuer Technologien zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion, um wiederholt aufgetretene Hungersnöte in Sachsen vermeiden zu können.

1827 trug der Geheime Rat mit Prinz Friedrich August II. an die Gesellschaft das Anliegen heran, die Gründung einer polytechnischen Lehranstalt vorzubereiten. Dem Entwurf von Rudolf Sigismund Blochmann wurde in Grundzügen zugestimmt. Um Bedenken der Kommerzien-Deputation auszuräumen, wurde jener die Führung der neuen Einrichtung angetragen, die Ökonomische Gesellschaft sicherte sich jedoch Mitspracherechte bei der 1828 unter Anton dem Gütigen gegründeten Einrichtung.[1] 1831 übernahm Gustav von Flotow die Leitung der Ökonomischen Gesellschaft, in den 1840er Jahren war August Gottfried Schweitzer, Landwirtschaftsprofessor an der Forstakademie Tharandt, Leiter der Gesellschaft.

Nach einigen Krisenjahren – die Anzahl der ordentlichen Mitglieder war zwischen 1818 und 1872 von 141 auf 24 zurückgegangen – besann sich die Gesellschaft wieder auf ihre Wurzeln in der Landwirtschaft und erwarb sich große Verdienste um die Aus- und Weiterbildung der Landwirte und deren genossenschaftliche Zusammenarbeit. Die Adresse der Geschäftsstelle war Halbegasse 4, später Wiener Platz 1.[2] Die Gesellschaft betrieb in der Waisenhausstraße bzw. in der Johannisallee eine öffentlich zugängliche Bibliothek und Modellsammlung. 1882 übergab die Ökonomische Gesellschaft ihren 5000 Bände umfassenden Buchbestand der ein Jahr zuvor gegründeten Dresdner Stadtbibliothek.[3] In den Wintermonaten lud die Gesellschaft zu Vorträgen in die Marienstraße 20 ein, die als „Mitteilungen der Oekonomischen Gesellschaft“ gedruckt und vertrieben wurden.[4] Bis 1907 stieg die Mitgliederzahl auf 210. Sie wurde seinerzeit geleitet von Ökonomierat Molde, der ein Jahr später sein Amt niederlegte und von Ökonomierat Sachse abgelöst wurde.

Um 1913 übernahm Bruno Steglich die Leitung der Ökonomischen Gesellschaft, nachdem er zuvor jahrelang im Gesellschaftsausschuss und als Obmann des Sonderausschusses für landwirtschaftliche Erzeugnisse und Hilfsstoffe gewirkt und viele Vorträge gehalten hatte.[5] Steglich hielt 1914 auch den Festvortrag zum 150-jährigen Bestehen der Ökonomischen Societät Leipzig und war Mitherausgeber der Festschrift. Sein Schwiegergroßvater, Dr. August Mothes, hatte seinerzeit als Syndikus auf Seiten der Leipziger Societät die gerichtlichen Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit der Abtrennung begleitet. In den Folgejahren konnte Steglich sein Amt aber nicht mehr ausüben. Er hatte sich nach dem frühen Kriegstod seines einzigen Sohnes freiwillig zum Dienst an der Front gemeldet.

Während der Inflation verlor die Gesellschaft ihr Vermögen und wurde später aufgelöst. Ihr ehemaliger Buchbesitz verbrannte in der Dresdner Stadtbibliothek 1945 während der Luftangriffe auf Dresden.

[Bearbeiten] Mitglieder

Christoph Friedrich Ammon | Christian Karl Brescius (später auch Ehrenmitglied) | Carl Gustav Carus (Ehrenmitglied) | Heinrich Cotta | Detlev von Einsiedel | Heinrich David August Ficinus (Ehrenmitglied) | Gustav von Flotow | Hanns Bruno Geinitz | Harry Gravelius | Friedrich Christian Güntz | Friedrich Ludwig Kreyssig (Ehrenmitglied) | Wilhelm Gotthelf Lohrmann | Johann Gottfried Nake | Friedrich Nobbe | Gottlob Adolf Ernst von Nostitz und Jänkendorf | Heinrich Wilhelm Rachel (Ehrenmitglied) | Ludwig Reichenbach | August Gottfried Schweitzer | Burkhard Wilhelm Seiler | Bruno Steglich | Friedrich Adolph August Struve | Karl Christian Leberecht Weigel (Ehrenmitglied) | Theodor Winkler

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Reiner Pommerin, Thomas Hänseroth, Dorit Petschel: 175 Jahre TU Dresden: Geschichte der TU Dresden 1828–2003. Band 1, Böhlau Verlag Köln Weimar, 2003.
  2. Sitzungsberichte und Abhandlungen – Flora, Sächsische Gesellschaft für Botanik und Gartenbau, Dresden.
  3. Wissenschaftliche Bibliothek des Stadtarchivs
  4. Adressbuch der Stadt Dresden, 1904.
  5. Frank Fiedler und Mathias Hüsni: Regierungsrat Prof. Dr. Bruno Steglich (1857–1929) – ein bedeutender Wissenschaftler Sachsens. In Sächsische Heimatblätter. 2/2004, S. 176–180. Anmerkung: Möglicherweise leitete Steglich die Gesellschaft nur kommissarisch, da er im Adressbuch nicht als Vorstand aufgeführt wird.

[Bearbeiten] Weblinks

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