Rudolf Sigismund Blochmann

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Rudolf Sigismund Blochmann
Modell einer Dampflokomotive mit Tender der englischen Typenreihe “Patentee“ im Maßstab 1:10 von Rudolf Sigismund Blochmann (1838) im Maximilianeum München
Urkunde von 1853 zur Erinnerung an das 25-jährige Eröffnungsjubiläum der ersten deutschen Gasanstalt im Jahre 1828
Auch heute brennen noch weit über 1000 Gaslaternen in Dresden.
Grab auf dem Trinitatisfriedhof

Rudolf Sigismund Blochmann (* 13. Dezember 1784 in Reichstädt; † 21. Mai 1871 in Dresden) war ein Pionier der Gasbeleuchtung in Deutschland und der städtischen Kanalisation und gehörte 1828 zu den Gründern der Königlichen Technischen Bildungsanstalt in Dresden.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Biografie

[Bearbeiten] Kindheit und Jugend

Der Sohn eines Landpfarrers zog nach dem frühen Tod des Vaters im Jahre 1798 mit seiner Mutter und 7 Geschwistern, darunter die Brüder Karl Justus Blochmann und Ernst Ehrenfried Blochmann, nach Dresden. Die Mutter, Henriette Juliane geb. Bucher, stammte aus einer Dresdner Advokatenfamilie.[1] In Dresden nahm Blochmann eine Mechanikerlehre auf. Die Familie wohnte Pirnaische Straße 43, wo die Mutter Handarbeiten und die Herstellung künstlicher Blumen unterrichtete.[2]

[Bearbeiten] Bei Fraunhofer

1806 ging Blochmann nach München, wo er im Mathematisch-mechanischen Institut von Reichenbach, Utzschneider und Liebherr neben praktischen Kenntnissen auch wissenschaftliche Grundlagen erwerben konnte. Im selben Jahr gründeten die Geschäftsführer ergänzend ein optisches Institut, das sie 1807 nach Benediktbeuren verlegten. Blochmann schloss Freundschaft mit dem hiesigen Vorarbeiter Joseph von Fraunhofer. Nachdem Fraunhofer 1809 in die Geschäftsleitung aufgerückt war, übernahm Blochmann die Leitung der mechanischen Werkstätten.[3] Zudem leitete er eine Bierbrauerei, eine Tabakfabrik und er beschäftigte sich mit der Gewinnung von Zucker aus Kartoffeln. 1810 heiratete Blochmann in München Henriette Eleonore Nagel.

[Bearbeiten] Blochmann in Dresden

1818 wurde Blochmann nach Dresden gerufen und zum Oberinspektor des Mathematisch-Physikalischen Salons und der Kunstkammer (bis 1864) ernannt. Später übernahm er auch die Stelle eines Mechanikers bei der Münzanstalt. Blochmann stellte in seinem eigenen mechanischen Atelier, zum Teil auf der Grundlage eigener Erfindungen, Apparate für die Mineralwasserbereitung bei Friedrich Adolph August Struve, eine Maschine zum Prägen von Gewehrkugeln und eine zum Justieren von Münzplatten her. Zusammen mit Fraunhofer in München entwickelte Blochmann jene optischen Instrumente, mit denen Wilhelm Gotthelf Lohrmann die Topographie der sichtbaren Mondoberfläche untersuchte.[4] Zu seinen Mitarbeitern gehörte Johann Andreas Schubert. 1821 wurde Blochmann in die Gesellschaft für Natur- und Heilkunde aufgenommen.

Besonders hervorzuheben sind Blochmanns Verdienste um die Einführung der Gasbeleuchtung in Deutschland. 1819 nahm er in seiner Werkstatt seine erste Gaslaterne in Betrieb. Am 25. April erteilte Friedrich August der Gerechte den Befehl, die geplante Beleuchtung des Platzes zwischen Hofkirche, Hoftheater und Schloss durch Blochmann realisieren zu lassen. Der musste erklären, auch ohne jede ausländische Hilfe auszukommen, nachdem Angebote der Imperial Gas Association und der Londoner Ölgasgesellschaft abgelehnt worden waren. Am 27. April 1828 brannte Blochmann schließlich die ersten 36 Gaslaternen vor dem Schloss an, die von seinem im selben Jahr errichteten Gaswerk am Zwingerwall versorgt wurden. Es folgten weitere Installationen in Aue (1834), Zwickau (1835) und Leipzig (1838) sowie in vielen anderen Städten, so zwischen 1844 und 1847 in Berlin, Breslau und Prag. In Leipzig wurde nicht nur die gesamte Innenstadt ausgeleuchtet, sondern auch die Vorstädte. Insgesamt kamen in Leipzig 877 Gaslaternen zum Einsatz.[5]

1827 trug der Geheime Rat mit Prinz Friedrich August II. an die Ökonomische Gesellschaft im Königreiche Sachsen das Anliegen heran, die Gründung einer polytechnischen Lehranstalt vorzubereiten. Der in Grundzügen so auch realisierte Entwurf von Blochmann sah den Schwerpunkt in der mechanischen Ausbildung. Daneben sollten die mathematischen Grundlagen vermittelt bzw. Künstlern und Handwerkern Weiterbildungsmöglichkeiten angeboten werden, was besonders an der Kunstakademie kritisch gesehen wurde.[6] Um Bedenken der Kommerzien-Deputation auszuräumen, wurde jener die Führung der neuen Einrichtung angetragen, die Ökonomische Gesellschaft sicherte sich jedoch Mitspracherechte bei der 1828 unter Anton dem Gütigen gegründeten Einrichtung.[7] Wilhelm Gotthelf Lohrmann übernahm die Leitung der neuen Lehranstalt auf der Brühlschen Terrasse. Blochmann leitete bis 1831 deren praktisch-mechanische Abteilung. Dessen Mitarbeiter Johann Andreas Schubert unterrichtete Buchhaltung. Blochmann gehörte zu den Beratern beim Bau der 1839 eingeweihten Leipzig-Dresdner-Eisenbahn.

Auf der Grundlage eines von ihm 10 Jahre zuvor konstruierten selbst schärfenden Steinbohrers, mit dem ab 1841 60,7 Kilometer gebohrte Steinblöcke verlegt wurden, errichtete Blochmann für Dresden ein vollwertiges Kanalisationssystem mittels Sandsteinröhren, das 1864 vollendet wurde. Es bestand aus 9 Hauptsträngen und leitete Wasser aus dem Weißeritzmühlgraben und aus dem Heiligen Born in die Wasserhäuser.[8],[9] Neben sandsteinernen Wasserröhren zeigte Blochmann 1845 auf der Ersten großen sächsischen Gewerbe-Ausstellung, organisiert vom Gewerbe-Verein, auch das Modell einer Lokomotive.[10] 1857 führte seine Maschinenbaufabrik die Dampfkraft ein.[11] 1869 ging Blochmann in den Ruhestand. Er wohnte zu jener Zeit Pillnitzer Straße 30.[12] Sein Grab befindet sich auf dem Trinitatisfriedhof.

[Bearbeiten] Vermächtnis und Würdigungen

Blochmanns Sohn Georg Moritz Sigismund (18201894) übernahm die Leitung der Berliner Gaswerke. In Dresden gibt es seit dem 10. Januar 2012 eine Petition zum Erhalt der Gasbeleuchtung in Dresden.[13] Seitens des Amtes für Denkmalschutz ist geplant, 850 dieser Denkmäler für Blochmanns Wirken zu erhalten. Die Blochmannstraße ist nach ihm benannt. Auf dem Theaterplatz wurde für Blochmann eine Gedenktafel angebracht. 1996 errichtete ihm seine Heimatgemeinde Reichstädt einen Gedenkstein. 2011 stifteten die ENSO Energie Sachsen Ost AG und die Berghotel Bastei GmbH eine Gaslaterne am Restaurant Bastei mit einer Gedenktafel, auf der auch die Verdienste Blochmanns gewürdigt werden.[14]

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Zur Genealogie der Familie Blochmann in Frank Fiedler, Uwe Fiedler: Lebensbilder aus der Oberlausitz, Books on Demand, ISBN 3842351771
  2. Herbert Zeißig: Eine Deutsche Zeitung. 200 Jahre Dresdner Anzeiger, Dresden 1930
  3. Moritz von Rohr: Joseph Fraunhofers Leben, Leistungen und Wirksamkeit, SEVERUS Verlag, 1929
  4. Wilhelm Gotthelf Lohrmann: Topographie der sichtbaren Mondoberfläche: Mit VI Kupfertafeln, Verlag Joh. F. Hartknoch, 1824
  5. SHK-Handwerk in Sachsen: 1800 bis 1861: Industrielle Revolution und Gewerbefreiheit (Wikibook)
  6. Blochmanns Plan zur Gründung einer technischen Lehranstalt in den Schriften und Verhandlungen der ökonomischen Gesellschaft
  7. Reiner Pommerin, Thomas Hänseroth, Dorit Petschel: 175 Jahre TU Dresden: Geschichte der TU Dresden 1828-2003, Band 1, Böhlau Verlag Köln Weimar, 2003
  8. Sandsteinröhren von Blochmann für die Wasserversorgung
  9. Die Blochmannschen Sandsteinröhren - FRONTINUS-Gesellschaft
  10. Katalog der Ersten großen sächsischen Gewerbe-Ausstellung, 1845
  11. Karl Wilhelm Clauß: Chronik des Gewerbevereins zu Dresden: als Festschrift zur 50-jährigen Stiftungsfeier, 1884
  12. Adressbuch der Stadt Dresden, 1868
  13. Online-Petition zum Erhalt der Gasbeleuchtung
  14. Gedenktafel am Restaurant Bastei

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Weblinks

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