Prag

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Prag
Karlsbrücke
Das in Prag gebraute Staropramen wird auch in Dresden gern getrunken.
Krönung des ersten böhmischen Königs Vratislav und Swatawa in Prag, 1086
Die Prager Groschen seit etwa 1300 wurden zum Vorbild für die Meißner Groschen ab 1338 unter Friedrich dem Ernsthaften.

Prag ist die Hauptstadt der Tschechischen Republik. Die Stadt liegt an beiden Ufern der Moldau etwa 186 m n.p.m. Am rechten Ufer liegt die Altstadt, am linken Ufer unterhalb des Burgbergs Hradschin befindet sich das Stadtviertel Kleinseite. Prag hat mehr als 1,2 Millionen Einwohner. Mit Dresden bestehen vielfältige politische, kulturelle und wirtschaftliche Verbindungen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Sehenswürdigkeiten

Das Stadtbild von Prag wird von den Inseln und Brücken, den zahlreichen Kirchen und Türmen und den vielen mittelalterlichen Bauwerken bestimmt. Das Ensemble gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Prags zählen die Burg und die Kirchen auf dem Hradschin, die Karlsbrücke und das Rathaus in der Altstadt mit der astronomischen Uhr. Aber auch die Kneipen mit dem tschechischen Bier werden gerne aufgesucht.[1]

[Bearbeiten] Karlsbrücke

Die älteste Brücke Prags, die steinerne Karlsbrücke, verbindet die Altstadt mit der Kleinseite. Sie wurde von 1357 bis 1503 erbaut, ist 502 Meter lang, 10 Meter breit, mit 16 Bogen und zwei Türmen an beiden Enden ausgestattet, von denen der Altstädter Brückenturm, ein gotischer Bau von 1452, die Steinbilder Karls IV. und Wenzels IV. sowie mehrere Wappen trägt. Einen malerischen Anblick gewähren die an den Pfeilern der Brücke angebrachten Statuen; darunter befindet sich auch die Bronzestatue des heiligen Johann von Nepomuk von 1683.

[Bearbeiten] Hradschin

Auf dem Hradschin befindet sich das größte geschlossene Burgareal der Welt. Die Burg wurde im 9. Jahrhundert gegründet und ist heute die Residenz des Präsidenten der Tschechischen Republik. Der Dom St. Veit inmitten der Burganlage wurde 1344 gegründet und ist ein schöner gotischer Bau mit Chorumgang und einem Kranz von 12 Kapellen, mit doppelten Strebebogen und leichtem, mit breiten Fenstern ausgestattetem Oberbau. Das Kirchenschiff und der 1400 begonnene Turm blieben unvollendet. Im Dom befinden sich mehrere Grabdenkmäler böhmischer Herzoge, Könige und Bischöfe, wertvolle Holzschnitzereien, ein gotischer Hochaltar sowie die Schatzkammer, worin auch die böhmischen Krönungsinsignien aufbewahrt werden.

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Frühgeschichte

Die gemeinsame Geschichte von Sachsen und Böhmen reicht bis in die Zeit um 600 n. Chr. zurück. Im Gebiet des heutigen Dresdens lebten seinerzeit die Nisaner. Dabei handelte es sich um aus Böhmen zugewanderte Slawen. Schon im 9. Jahrhundert erbaute das Fürstengeschlecht der Premysliden die Prager Burg. Im Jahr 928 wurde Prag ersterwähnt. Im Jahr darauf unterwarf König Heinrich I. Böhmen, also im selben Jahr, als er in Meißen eine Burg errichten ließ.[2] Der Prager Burg gegenüber, am rechten Moldauufer, hatten die böhmischen Fürsten ihre Residenz Vyšehrad.

[Bearbeiten] Ostsiedlung

Die Böhmen spielten seinerzeit in der Mark Meißen eine bedeutende Rolle. Ihre Herzöge griffen wiederholt in die regionalen Machtkämpfe ein, wurden jedoch auch ihrerseits von den Deutschen mit Unterstützung aus der Mark Meißen angegriffen. Beispielsweise unterwarf eine königliche Allianz mit maßgeblicher Beteiligung von Ekkehard II. im Jahre 1041 im Auftrag von König Heinrich III. Böhmen. Vratislav wurde 1075 dagegen sogar Markgraf für seine treuen Dienste unter dem deutschen König Heinrich IV. Unter Vratislav wanderten viele Deutsche in Böhmen und speziell Kaufleute in Prag ein.[3] Unter Ottokar, in erster Ehe mit Adelheid von Meißen verheiratet, wurde die böhmische Königskrone erblich. Die Prager Alstadt erhielt 1235 deutsches Stadtrecht, die Kleinseite 1257.

[Bearbeiten] Prags goldene Zeit

Die 1348 gegründete Karlsuniversität war die erste Universität Mitteleuropas. Unter Kaiser Karl IV. wurde Prag 1355 Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches.

[Bearbeiten] Reformation

Erster Prager Fenstersturz 1419
Jan-Hus-Denkmal

Die Reformation begann dank Jan Hus in Prag frühzeitig. Betroffen war auch der spätere Bischof des Bistums Meißen Johann IV. Im Zusammenhang mit kirchlichen Konflikten in Bezug auf die Loyalität zu Papst und Gegenpapst in Rom bzw. Avignon, aber auch nationalen Reibereien zwischen Deutschen und Böhmen sowie den Auseinandersetzungen um Jan Hus verließ er als Rektor der Universität zusammen mit den deutschen Studenten und Lehrkräften, darunter Peter von Dresden, 1409 Prag. Nach der Hinrichtung von Jan Hus 1415 in Konstanz kam es in Prag zu Unruhen und 1419 zum ersten Prager Fenstersturz. Dessen Anhänger stürmten das Neustädter Rathaus, um Gefangene zu befreien. Dabei warfen sie zehn Amtsträger aus dem Fenster, darunter den Bürgermeister, und töteten sie. Dieser Fenstersturz wurde zum Auslöser der Hussitenkriege. 1429 marschierten die Hussiten in Sachsen ein.[4] Friedrich der Sanftmütige musste seine Besitzungen bis 1432 gegen sie verteidigen.

[Bearbeiten] Prags zweite goldene Epoche

Seit 1526 regierten die Habsburger von Wien aus Böhmen. Mit Kaiser Rudolf II. wurde Prag 1583 nochmals zwischenzeitlich Regierungssitz. Viele berühmte Wissenschaftler, beispielweise Tycho Brahe und Johannes Kepler, wirkten hier.

[Bearbeiten] Dreißigjähriger Krieg

1618 kam es zum zweiten Prager Fenstersturz, der zum Auslöser des Dreißigjährigen Krieges wurde. Weil ihnen vom österreichischen Landesherrn die Religionsfreiheit beschnitten wurde, lehnten sich die protestantischen Stände auf und warfen die Statthalter der Österreicher aus einem Fenster der Burg. Nach einem Strafgericht an allen Aufständischen begann eine gewaltsame Rekatholisierung und es kam zu einem großen Zustrom von Exulanten nach Sachsen. Die böhmische Gemeinde in Dresden wuchs rasch sehr stark an. Von 1631 bis 1632 war Prag durch sächsische Truppen besetzt. 1635 erfolgte in Prag der Friedensschluss zwischen dem österreichischen Kaiser und Johann Georg I., dem fast alle protestantischen Regierungen Deutschlands beitraten. Kursachsen erhielt vom Kaiser die Ober- und Niederlausitz als böhmische Lehen. Als es mit dem Westfälischen Frieden von 1648 klar geworden war, dass eine Rückkehr der Exulanten nach Böhmen unmöglich sein würde, wurde am 23. August 1649 erstmals eine Bittschrift zur Gewährung eines öffentlichen böhmischen Gottesdienstes verfasst. Man wagte aber zunächst nicht, die Bittschrift dem Kurfürsten Johann Georg I. vorzulegen, der nur die weitere Durchführung von Hausgottesdiensten gestattete. Am 15. Mai 1650 wurde die Mitnutzung der Johanniskirche durch die böhmische Gemeinde erlaubt. Ihr Pfarrer war der aus Prag stammende Johannes Hertwitz.

[Bearbeiten] Napoleonische Kriege

Nach dem gescheiterten Russland-Feldzug Napoleons im Jahre 1812 sagte sich König Friedrich August der Gerechte trotz der Wünsche des Volkes und der Aufforderungen der verbündeten deutschen Monarchen nicht von Frankreich los, sondern entwich vor dem in Sachsen eindringenden Heer der Alliierten über Plauen und Regensburg nach Prag, schloss sich Österreich an und traf am 20. April 1813 in Wien ein geheimes Abkommen. Während des Krieges und auch nach der Niederlage, d. h. während der Gefangenschaft des Königs in Preußen, hielten sich hochrangige Vertreter des sächsischen Königshauses wie Prinz Friedrich August und Prinz Johann in Prag auf.

[Bearbeiten] Zeit des Nationalsozialismus

Die Tschechoslowakei hatte nach dem Ersten Weltkrieg ihre Unabhängigeit erlangt. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten fanden deutsche Antifaschisten in Prag zeitweise Zuflucht, beispielsweise Hermann Häfker. Nach dem deutschen Einmarsch in das Sudetenland 1938 blieben Prag und weitere Teile des Landes zunächst formal unabhängig, wurden jedoch am 16. März 1939 als Protektorat Böhmen und Mähren ebenfalls annektiert. Reinhard Heydrich, Reichsprotektor seit 1941 und als "Schlächter von Prag" verrufen, wurde am 27. Mai 1942 bei einem Attentat verwundet, in dessen Folge er wenig später verstarb. Die Nationalsozialisten übten grausame Rache. Viele Verhaftete wurden nach Dresden verbracht, am Landgericht Münchner Platz abgeurteilt und anschließend ermordet.

[Bearbeiten] Prager Frühling

Die gewaltsame Unterdrückung der tschechoslowakischen Bemühungen um einen Sozialismus mit menschlichem Antlitz nahm ihren Anfang am 23. März 1968 auf einer Konferenz in Dresden, als die "Bruderparteien" ultimative Forderungen nach einer Niederschlagung der "Konterrevolution" formulierten.[5]

[Bearbeiten] Züge mit Botschaftsflüchtlingen

Nachdem in Dresden kurz zuvor bekannt geworden war, dass Züge mit Ausreisewilligen aus der Prager Botschaft der DDR durch Dresden fahren würden, stürmten am 3. Oktober 1989 etwa 800 Bürger den Hauptbahnhof. Die Polizei ging brutal gegen mehrere Tausend versammelte Bürger im Umfeld des Bahnhofs vor.[6] Es kam zu Ausschreitungen und Massenverhaftungen durch Polizei und Staatssicherheit.

[Bearbeiten] Verkehrsverbindungen

Mit der durchgängigen Inbetriebnahme der A17 am 17. Dezember 2016 nach jahrelangen Verzögerungen werden sich die Verkehrsverbindungen zwischen Dresden und Prag verbessern.[7] Die Züge Richtung Prag fahren aktuell vom Hauptbahnhof über Pirna. In der Planung befindet sich eine neue Hochgeschwindigkeitstrasse abseits der Elbe, von der eine Halbierung der Fahrtzeit auf etwa eine Stunde erwartet wird. Mit ihrer Fertigstellung ist nicht vor 2035 zu rechnen.[8]

Zacharias Frankel, geboren in Prag, Oberrabbiner in Dresden

[Bearbeiten] Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt:

Weitere Persönlichkeiten, die sowohl mit Dresden als auch Prag verbunden waren (Auswahl): Agnes von Böhmen | Barthel von Prag | Pasquale Bondini | Hermann Häfker | Matthias Hoë von Hoënegg | August Gottlieb Meißner | Franz Pettrich | Franz Seconda | Joseph Seconda | Peter von Dresden | Sidonie von Böhmen

[Bearbeiten] Siehe auch

Elberadweg | Café Prag | Prager Straße | Böhmischer Bahnhof | Tatrawagen

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Brauereiführung in Prag: Ein Besuch bei Staropramen
  2. Eintrag in der Regesta Imperii zu Heinrich I. (929)
  3. V.V. Tomek, Geschichte der Stadt Prag
  4. Martin Bernhard Lindau: Geschichte der königlichen Haupt- und Residenzstadt Dresden. 2. verbesserte Auflage, Dresden 1885
  5. Steffen Kramer, Der "Prager Frühling". Moskaus Entscheid zur Invasion
  6. Gewalteskalation am Dresdener Hauptbahnhof. Tatort-Fotos und ein MfS-Videoprotokoll vom 4. Oktober 1989 in Dresden. Ausreisewillige Bürger wollten zu einem Zug mit DDR-Flüchtlingen aus Prag gelangen.
  7. Das letzte Stück der Autobahn von Dresden nach Prag wird fertig. (SZ)
  8. Eisenbahn-Neubaustrecke Dresden - Prag

[Bearbeiten] Weblinks

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