Karl Justus Blochmann

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Karl Justus Blochmann

Karl Justus Blochmann (* 19. Februar 1786 in Reichstädt bei Dippoldiswalde; † 31. Mai 1855 in Genf) war ein Pädagoge und Schulgründer. Er zählte zu den treuesten und wirksamsten Schülern von Heinrich Pestalozzi, von dem er jedoch im strengeren Anschluss an das kirchliche Dogma abwich.[1]

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben und Wirken

[Bearbeiten] Kindheit und Jugend

Der Sohn eines Landpfarrers zog nach dem frühen Tod des Vaters im Jahre 1798 mit seiner Mutter und 7 Geschwistern, darunter die Brüder Rudolf Sigismund Blochmann und Ernst Ehrenfried Blochmann, nach Dresden. Die Mutter, Henriette Juliane geb. Bucher, stammte aus einer Dresdner Advokatenfamilie.[2] Die Familie wohnte Pirnaische Straße 43, wo die Mutter Handarbeiten und die Herstellung künstlicher Blumen unterrichtete.[3] 1799 bezog Blochmann zusammen mit seinem Bruder Heinrich August, einem späteren Landwirtschaftsreformer, das Gymnasium Bautzen, das er bis 1805 besuchte. Anschließend studierte er in Leipzig Theologie und Pädagogik.

[Bearbeiten] Blochmann bei Pestalozzi

Von 1809 bis 1816 arbeitete Blochmann an der Erziehungsanstalt von Heinrich Pestalozzi in Yverdon-les-Bains als Lehrer für Religion, Deutsch, Geografie und Musik. Nach Meinungsverschiedenheiten im Kollegium verließ Blochmann 1816 die Schule. Danach durchreiste er als Führer eines jungen Briten Italien und schloss sein Theologie-Studium 1818 in Merseburg ab. Blochmann bekannte sich in der Theologie zunehmend zum Pietismus.

[Bearbeiten] Rückkehr nach Dresden

Das v. Vitzthum-Blochmann'sche Gymnasial-Erziehungshaus, gezeichnet von Ernst Ferdinand Oehme

1818 kam Blochmann als Vizedirektor der neuen Friedrich-August-Schule zurück nach Dresden. 1824 begründete er auf Veranlassung des Ministers Detlev von Einsiedel und mit finanzieller Unterstützung von König Friedrich August dem Gerechten in der Großen Plauenschen Gasse 7 eine höhere private Bildungsanstalt für Knaben der bemittelten Stände, die als Blochmannsches Institut nach ihm benannt wurde. 1828 verband der Administrator das seit 1638 bestehende und vom Kammerherren Vitzthum von Eckstädt gegründete Vitzthumsche Gymnasium mit Blochmanns Institut zu einem Gymnasial-Erziehungshaus. Es war gegliedert in ein Progymnasium, ein humanistisches Gymnasium und ein Realgymnasium.

Blochmanns Gymnasium erwarb sich bald einen ausgezeichneten Ruf und zog Schüler aus dem ganzen Land und sogar darüber hinaus an. Vor allem in der naturwissenschaftlichen Ausbildung übernahm seine Einrichtung eine Pionierrolle. Dazu trug bei, dass es Blochmann gelang, ausgezeichnete Lehrer zu gewinnen. In den Anfangsjahren unterrichteten ausgewiesene Gelehrte wie Carl Gustav Carus, Heinrich David August Ficinus, Ludwig Thienemann und Ludwig Reichenbach, später kamen spezielle Fachlehrer für Chemie und Physik wie Julius Adolph Stöckhardt und Hanns Bruno Geinitz.[4] Aber auch in den künstlerischen Fächern standen renommierte Lehrkräfte zur Verfügung, beispielsweise Ernst Julius Otto und Ernst Ferdinand Oehme. Mit Ludwig Richter stand Blochmann ebenfalls in Verbindung.[5] Unter Blochmanns Schülern befanden sich auch seine Neffen Heinrich Wilhelm Clemens Blochmann, Ludwig und Franz Schnorr von Carolsfeld. Blochmann selbst war weit mehr pädagogischer Praktiker als Theoretiker. Trotzdem verfasste er einige bekannte Schriften zu pädagogischen Themen, vor allem zu seiner Schule und zu Pestalozzi, die er anfangs beim Meinhold-Verlag drucken ließ, wo sein Bruder Ernst Ehrenfried Blochmann bis 1832 in leitender Stellung war.

Blochmann war 1833 Mitbegründer des Pädagogischen Vereins von Dresden, den er in der Folgezeit lange leitete. Er gehörte zudem dem Sächsischen Altertumsverein [6] und dem Botanikverein Flora an.[7] Im Jahr 1851 übergab Blochmann die Direktion des Instituts an einen seiner Schwiegersöhne, Georg Bezzenberger, und behielt sich nur die Erteilung des Religionsunterrichts vor. Ostern 1855 gab er auch diesen Unterricht auf. Auf der Reise zu seiner Tochter Johanna nach Château-Lancy bei Genf verstarb Blochmann.

[Bearbeiten] Familie

Karl Justus Blochmann heiratete 1819 in Leipzig Ottilie Schnorr von Carolsfeld, eine Schwester von Julius Schnorr von Carolsfeld. Sie wohnte noch einige Zeit nach seinem Tod in Dresden in der gemeinsamen Wohnung Gr. Reitbahngasse 19, II. Stock[8].

Die älteste Tochter Blochmanns war mit dem Pädagogen Georg Bezzenberger in Dresden verheiratet, Johanna in Château-Lancy bei Genf mit Carl Haccius[9], der dort ebenfalls eine Erziehungsanstalt begründet hatte, und die jüngste Tochter mit dem Stadtpfarrer F. Summa in Amberg.

[Bearbeiten] Werke

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 3. Leipzig 1905, S. 64
  2. Frank Fiedler, Uwe Fiedler: Zur Genealogie der Familie Blochmann in: Lebensbilder aus der Oberlausitz, Books on Demand, ISBN 3842351771
  3. Herbert Zeißig: Eine Deutsche Zeitung. 200 Jahre Dresdner Anzeiger, Dresden 1930
  4. Festschrift zur Feier des hundertjaehrigen Bestehens der naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis in Dresden, 1934
  5. Richter, Ludwig: Lebenserinnerungen eines deutschen Malers. Berlin, 1923, S. 271-290
  6. Sächsischer Altertumsverein, Mittheilungen, Ausgaben 1-6, Dresden 1853
  7. Mittheilungen über Flora, Gesellschaft für Botanik und Gartenbau in Dresden, Band 2, 1842
  8. Adressbuch von 1856
  9. Johanna Blochmann bei gedbas.genealogy.net

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Literatur

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