Anton Raphael Mengs

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Selbstporträt in Pastell (1744)

Anton Raphael Mengs (* 12. März 1728 in Aussig; † 29. Juni 1779 in Rom) war ein sächsischer Hofmaler. Er gilt als der bedeutendste deutsche Maler des 18. Jahrhunderts und als Mitbegründer des europäischen Klassizismus.[1] Von vielen seiner Zeitgenossen, und dies zuerst im europäischen Ausland, wurde er sogar als der größte Maler aller Zeiten gefeiert, später galt seine handwerkliche Perfektion als Zeichen geringerer Genialität. Vor allem warf man ihm aber vor, nicht ausreichend deutsch gewesen zu sein. Viele bekannte Maler, darunter Giovanni Battista Casanova, Crescentius Jakob Seydelmann, Johann Friedrich Matthäi und Carl Christian Vogel von Vogelstein, wurden entscheidend von Mengs geprägt. Der Ruf als Gründungsdirektor der Dresdner Kunstakademie blieb ihm jedoch verwehrt.

Mengs lernte zunächst bei seinem Vater, dem Miniaturmaler Ismael Mengs. Der Vater, in Dresden Hofmaler, erzog ihn und seine zwei Schwestern, darunter Theresa Concordia Maron, ausschließlich zur Malerei. Sein strenges Erziehungsregime machte bei Fehlern seiner Kinder auch vor körperlichen Züchtigungen nicht halt. Mengs' älterer Bruder entzog sich dem durch Flucht aus dem elterlichen Hause. Der große Ehrgeiz des Vaters ging auf die Erkenntnis zurück, dass die zeitgenössische Malerei dringend neuer Impulse bedurfte. Und der Vater hatte seinen Sohn auserkoren, diese Mission zu übernehmen, weswegen er ihm auch die beiden Vornamen gab: Antonio Allegri (Correggio) und Raphael Santi (Raffael) in einem.[2] Zur Geburt dieses, ihres dritten Kindes hatte Ismael Mengs seine uneheliche Partnerin nach Aussig geschickt; die Hoffnungen, die er in den Sohn setzte, bewogen den Vater schließlich zur Heirat. Kurz nach der Geburt seiner zweiten Schwester verlor Anton Raphael seine Mutter. Die Familie ging 1741 nach Rom, wo der Vater seine verbliebenen Kinder die italienischen Meister studieren ließ, Anton Raphael kopierte in dieser Zeit wiederholt Michelangelo im Vatikan, und kehrte 1744 nach Dresden zurück.

Mengs' Schwester Julia, von der anderen Schwester Theresa gemalt

Die Geschwister Mengs hatten die seinerzeit moderne Pastellmalerei perfekt erlernt. Zur offiziellen Entdeckung Anton Raphaels wurde später die Legende erzählt, dass zufällig der Kammermusiker Domenico Annibali beim Vater zu Besuch gewesen sei. Annibali soll demnach die Entdeckung am Hofe von August III. bekannt gemacht haben und der alte Mengs mit Gewalt gezwungen worden sein, die Kunstwerke seiner Kinder an den Hof bringen zu lassen, in Anbetracht des planvollen Vorgehens des Vaters eine eher unwahrscheinliche Schilderung. Besonders die Werke des Sohnes hatten es August angetan. In Gegenwart seiner Familie und des Grafen Heinrich von Brühl ließ der König sich in Pastell malen. Das Ergebnis gefiel ihm so vorzüglich, dass er dem jungen Mengs 100 Dukaten auszahlte und eine Pension von 600 Talern gewährte. Ab 1744 ließ er ihn in Rom studieren, denn in Dresden gab es seinerzeit noch keine Werke von Raffael und Corregio, die Sixtinische Madonna kam erst einige Jahre später. Nicht nur Anton Raphael, sondern auch der Vater und beide Schwestern erhielten dafür die Mittel bewilligt, insgesamt 1800 Taler jährlich. Per Dekret vom 1. Oktober 1745 verlieh August III. ihm den Titel Hofmaler, in Anbetracht der Jugend des 17-Jährigen ein beispielloser Vorgang. In Rom besuchte Mengs die Akademie und fertigte 1748 einige eigene größere Kompositionen, darunter eine heilige Familie, bei der ihm ein schönes Bauernmädchen, Margareta Guazzi, zum Modell diente. Um sie zu heiraten, trat er auf ihren Wunsch 1749 zur katholischen Kirche über. Zu Weihnachten des selben Jahres kehrten sie heim nach Dresden. In der Folge kam es zu einem schwerwiegenden Zerwürfnis von Vater und Sohn. In patriarchalischer Manier wollte der Vater dem gemeinsamen Haushalt vorstehen, und dafür auch Zugriff auf alle Einnahmen haben. Spätestens nach der Geburt der Enkelin Anna Maria (1750) eskalierte der Konflikt, der schließlich per Vergleich in einer Trennung des Haushalte mündete.

Altargemälde in der Hofkirche

Mengs schuf mehrere Porträts der Wettiner in Pastell bzw. Öl. Für die neue katholische Hofkirche (1751 geweiht, nachdem die Maler Mengs den König überzeugen konnten, dass böswillige Gerüchte über den Bauzustand unzutreffend waren) erhielt er den Auftrag, das Gemälde für den Hochaltar, die Himmelfahrt Christi, anzufertigen.[3] Dies war ein großer Triumph über Louis de Silvestre und Charles Hutin, die sich mit Bildern für den Chorgang und das Kirchenschiff begnügen mussten, während Mengs zudem für die Seitenaltäre die Jungfrau mit dem Kinde auf der Mondsichel und Josephs Traum malte (1750 fertiggestellt). 1751 wurde Mengs zum sächsischen Oberhofmaler ernannt. Die Empfehlung sprach sein Vorgänger Silvestre persönlich aus: "Sire, voici un jeune homme dont je serais bien jaloux si je n'etais pas si vieux." Seine 1000 Taler waren ein Grundgehalt, alle Werke wurden extra bezahlt. Mengs erhielt die Erlaubnis, das große Altargemälde in Rom auszuführen, und reiste noch 1751 zusammen mit seinen Schwestern ab - er sollte Dresden nie wiedersehen. Die Fertigstellung des Altarbildes für die Hofkirche ließ auf sich warten. Er hatte in Dresden schon 4000 Taler Vorschuss erhalten. Aber erst nach der Zahlung der restlichen 2000 Taler - Mengs war inzwischen schon in Madrid - kam das Bild Ende 1766 nach Dresden.

Deckengemälde in der gemeinsam mit Winckelmann eingerichteten Albani-Villa in Rom

Seit 1751 war Giovanni Battista Casanova für etwa zehn Jahre sein Schüler, erst in Venedig, dann in Florenz und in Rom. Hier wurde Mengs zum Mitglied der berühmten Accademia di San Luca gewählt, 1754 übernahm er die Direktion der neu errichteten Malerakademie auf dem Kapitol. Kurz darauf wurde er in Rom Johann Joachim Winckelmanns engster Freund, studierte unter dessen Leitung die Antike, in der er außerordentliche Fortschritte machte, und fing nun auch mit ausnehmendem Geschick die Fresko-Malerei an. Benedict XIV. verlieh Mengs das Ritterkreuz, eine Ehre, die der Papst nur außergewöhnlichen Künstlern zuteil werden ließ. Als die Pension, die er aus Sachsen erhielt, 1755 von Brühl gestrichen wurde, forcierte Mengs seine Verhandlungen mit dem Hof von Neapel. Dieser Wechsel war schon länger geplant gewesen - Königin in Neapel war Maria Amalia, Tochter August III. Der Ausbruch des Siebenjährigen Krieges 1756 verhinderte die Auszahlung noch offener Rechnungen durch Sachsen und Mengs ging 1758 zunächst nach Neapel, dann mit dem König, als derselbe unter dem Namen Carl III. die spanische Krone erlangt hatte, 1761 mit 6000 Scudi Gehalt nach Madrid. 1760 vollendete er zuvor jedoch noch in Rom zusammen mit seinem Lieblingsschüler (und späteren Schwager) Anton Maron für die Cölestinermönche die Decke in Sant'Eusebio, zusammen mit Winckelmann gestaltete er für den Kardinal Albani dessen Villa und schuf dabei mit dem Deckengemälde Parnass (1760) ein herausragendes Kunstwerk jener Zeit.

Allegorie der Geschichte (um 1773, Vatikan)
Selbstporträt (um 1775)

Madrid wurde zu Mengs' wichtigster Station als Künstler, obwohl seine Gönnerin, Maria Amalia, inzwischen verstorben war. Er malte daselbst im königlichen Palast und in Kirchen unvergessliche Meisterwerke, vielfach geprägt durch Winckelmanns Einfluss, und schuf unter anderem eine Götterversammlung und eine Kreuzabnahme. Mengs' Frau war schon 1763 mit den Kindern nach Rom zurückgekehrt, jetzt verschlechterte sich auch das Verhältnis zu Winckelmann, der erst ein Abenteuer mit Frau Mengs gesucht hatte und dann deren Mann "auf dem Leim" gegangen war, als dieser ihm vermeintlich antike Originalgemälde untergeschoben hatte. Gleichzeitig änderte sich die Situation in Sachsen dramatisch. Nach dem Tod von August III. trat Heinrich von Brühl zurück, starb kurz darauf selbst. Nach dem schnellen Tod von Friedrich Christian wurde dessen Leibarzt und Kunstkenner Bianconi als Gesandter nach Rom versetzt. Damit waren die wichtigsten politischen Kontakte Mengs' erloschen. Im Vorfeld der Gründung der Kunstakademie 1764 hatte auch er als möglicher Direktor in der Diskussion gestanden, den Ruf erhielt jetzt aber Christian Ludwig von Hagedorn, für 600 Taler als durchschnittliches Professorengehalt war Anton Raphael Mengs nicht zu bekommen und als dieser 1766 trotzdem seine Hilfe anbot, zahlte Prinz Xaver lieber ihm und seinen Familienangehörigen die offenen Pensionszahlungen nach. Die mögliche Heimkehr des übermächtigen Mengs hatte in Dresden bereits große Befürchtungen geweckt. Intrigen in Madrid veranlassten ihn, 1769 nach Italien zurückzukehren, wo er zunächst acht Monate in Florenz verweilte und darauf in Rom, wo er jetzt der Accademia di San Luca vorstand, für den Papst ein großes allegorisches Deckengemälde in der vatikanischen Bibliothek ausführte. 1772 ging Mengs zwar wieder nach Spanien, um den Plafond im Speisesaal des Königs, der die Vergötterung des Trajan und den Tempel des Ruhms darstellt, zu malen; aber schon 1775 war er wieder in Rom zurück. Seine bedeutenden Einnahmen von etwa 10000 Scudi jährlich verwandte Mengs teils zur Unterstützung unbemittelter Künstler, teils für den Ankauf von Handzeichnungen berühmter Meister, von Vasen, Gipsabgüssen, Kupferstichen und anderen Kunstgegenständen. Den Auftrag von Papst Pius VI., ein großes Altarblatt für die Peterskirche zu malen, konnte er nicht mehr ausführen. 1778, ein Jahr vor seinem eigenen Tod, verlor er seine Frau. Von ihren insgesamt 20 Kindern überlebten nur 7 die Eltern.

Johannes der Täufer in der Eremitage St. Petersburg

Der Grundzug in Mengs' Kunst ist ein strenges Studium schöner Formen. Auch wenn seinen Werken zum Teil die freie, lebendige Originalität eines Genies abgesprochen wird, so sind sie doch in ihrer Komposition, durch korrekte Zeichnung und schönes, kräftiges Kolorit hervorragende Schöpfungen. Mengs war Eklektiker, der die Schönheiten der Antike, Raffaels, Tizians und Correggios zu verschmelzen suchte. Auch durch seine theoretischen Schriften über die Kunst hat er diese wesentlich gefördert. Die italienische Ausgabe seiner Werke in zwei Bänden ist ein Jahr nach seinem Tode (1779) vom Ritter José Nicolás de Azara, die deutsche in Halle (1786) in drei Bänden von Prange besorgt worden. Ein junger Engländer, Webb, dem Mengs seine Ideen über Kunst mitgeteilt hatte, gab diese als seine eigenen unter dem Titel »Untersuchungen über die Schönheit« (Zürich, 1771) heraus und machte sich durch dieses Plagiat einen Namen. Mengs' hinterlassene Schriften gab Schilling 1843 bis 1844 in Bonn in zwei Bänden heraus.

Nach Dresden gingen das Ölgemälde einer büßenden Magdalena sowie viele andere Werke, die sich heute in der Gemäldegalerie Alte Meister befinden.[4] Die Münchener Pinakothek erhielt das Bildnis eines Kapuziners und das eigene Bildnis des Künstlers, das Hofmuseum in Wien eine Madonna zwischen Engeln, den Traum Josephs, den heiligen Petrus mit der Flamme auf dem Haupte, die Bildnisse der Infantin Maria Theresia von Neapel und der Infantin Maria Ludovika von Spanien, Großherzogin von Toskana. Viele Bilder von Mengs besitzen die Galerien in Madrid und St. Petersburg. Der Ritter de Azara ließ Mengs ein Denkmal neben jenem Raffaels setzen und die Kaiserin Katharina II. von Russland in der Peterskirche, wo er beigesetzt wurde, ein prachtvolles Grabmal errichten. Ein Teil von Mengs' Gipsabgüssen hatte er der königlichen Akademie in Madrid geschenkt. Kurfürst Friedrich August der Gerechte kaufte im Jahre 1782 einen anderen großen Teil von Mengs' berühmter Sammlung. Es waren nicht weniger als 833 Stück. Das 1794 gegründete Mengs'sche Museum, das später mit der Antikensammlung vereinigt wurde, war lange Zeit die einzige bedeutende Sammlung dieser Art in Deutschland. Camillo Graf Marcolini veranlasste, dass von diesen Objekten Meissener Porzellane modelliert wurden, und holte dafür Johann Gottlob Matthäi nach Dresden.[5] Die Mengsstraße in Übigau trägt heute seinen Namen.

[Bearbeiten] Weitere Werke

Die Gemäldegalerie Alte Meister bewahrt auf (einzelne Motive in verschiedenen Ausführungen):[6]

Bildnis seines Vaters Ismael Mengs | Selbstbildnis des Künstlers in rotem Mantel | Bildnis der Frau des Hofmalers Johann Alexander Thiele | Bildnis des Herren Franz Josef von Hoffmann | Die Sängerin Regina Mingotti | Der Sänger Domenico Annibali | August III., Kurfürst von Sachsen und König von Polen | Königin Maria Josepha | Friedrich Christian, Kurprinz von Sachsen | Kurprinzessin Maria Antonia Walpurgis | Friedrich August der Gerechte, als Kind | Amor, den Pfeil schleifend | Heilige Familie | Die büßende Maria Magdalena

Weitere bedeutende Werke von Mengs gelten als verschollen.[7]

[Bearbeiten] Trivia

In Dresden nutzte die Künstlerfarben-Manufactur Müller & Hennig (Verkaufslokal in der Prager Straße 52, Fabrikation in der Liliengasse 21) die Mengsche Expertise für Pastellmalerei, indem sie einen Malkasten als Verkaufsschlager entwickelte. Später findet sich u.a. im Nachlass von Ernst Hassebrauk ein solcher, der in der Ausstellung Schöne Frauen und Stillleben 2012 im Pillnitzer Schloss ausgestellt wurde.

[Bearbeiten] Quellen

  1. Harald Marx: Wunschbilder: Sehnsucht und Wirklichkeit. In: Sächsische Heimatblätter. Jg. 55, 1/09, S. 2-9. Verlag Klaus Gumnior. Chemnitz 2009. ISSN 0486-8234.
  2. Mengs schrieb über seine Namensgeber später selbst: "So sehr ich das Talent des Correggio bewundre, so kann ich es nicht über Raffael stellen; denn obwohl seine Werke von gleichmäßigerer und angenehmerer Ausführung sind, besitzt er doch in keinem so hohen Grade wie der Maler von Urbino den Ausdruck der Empfindungen, der wirklich erst den Wert der Malerei ausmacht und der sie zur Schwester der Beredsamkeit und der Poesie macht, weil damit der Verstand des Menschen angesprochen wird." (Gertrud Rudlof-Hille. Die Dresdner Galerie. Henschelverlag Berlin, 1957)
  3. Steffi Roettgen: Anton Raphael Mengs in Dresden und Madrid. Zur Geschichte des Hochaltarbildes in der katholischen Hofkirche
  4. Staatliche Kunstsammlungen Dresden: Gemäldegalerie Dresden Alte Meister. 1978
  5. Dresdens erstes Abgussmuseum
  6. Eintrag in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden Online Collection
  7. Lost Art Internet Database

[Bearbeiten] Weblinks

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