Julius Jacoby

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Julius Jacoby (* 1845 in Nauen (Brandenburg) bei Berlin; † 16. April 1925 in Dresden) war ein sächsischer Kaufmann, Unternehmer und königlich-sächsischer Hofjuwelier. Er war außerdem Besitzer einer heute nicht mehr existierenden Villa im Landhausstil in Blasewitz.

[Bearbeiten] Familie

Jacoby entstammte der jüdischen Familie Jacoby aus dem brandenburgischen Nauen bei Berlin, wo es im Frühjahr 1855 zur Bildung der neuen Kreis-Synagogengemeinde Nauen kam, die sich bis 1894 aus den drei Ortsverbänden Kremmen, Nauen und Spandau (heute Stadteil von Berlin) zusammensetzte.[1]

Julius Jacoby heiratete Jenny geb. Löwald/ Laewald (* 26. Juni 1856 in Berlin; † 27. September 1942 in Theresienstadt, Böhmen), Tochter des Chemikers und Kommissionswarenhändlers Lewin Abraham Löwald/ Laewald (1801–nach 1868).[2] Das Paar hatte sechs Kinder:

Jacobys Ehefrau war eine gute Musikerin und konnte hervorragend Klavier spielen. Sie war nach dem Tod ihres Mannes Hauseigentümerin der großen Villa im Lothringer Weg 2 in Blasewitz.[6] Sie musste noch miterleben, wie ihre Villa enteignet und von den Nationalsozialisten in ein Judenhaus umgewandelt wurde. Sie kam am 7. September 1942 mit einem Deportationszug in das Konzentrationslager Theresienstadt, wo sie kurz nach der Ankunft starb.

[Bearbeiten] Leben und Wirken

Nach dem Tod von Moritz Elimeyer fiel dessen Hofjuweliergeschäft als Erbe an seinen Neffen Carl Mankiewicz. Dieser wollte aber das Geschäft als alleiniger Inhaber nicht fortführen, weil er bereits von seinem Schwiegervater Philipp Elimeyer das Bankhaus geerbt hatte. Daher verkaufte Mankiewicz 1871 Anteile der Gold- und Silberwarenhandlung an seinen Halbbruder Fritz Chrambach sowie an den Kaufmann Julius Jacoby, der bereits seine Lehre im Juweliergeschäft Moritz Elimeyer abolvierte.

Jacoby ist erstmals 1872 im Dresdner Adressbuch als Kaufmann verzeichnet. Er wohnte anfangs am Jüdenhof 2, ab Ostern 1872 dann nur für etwa ein halbes Jahr am Neumarkt 2,[7] Zusammen mit Mankiewicz und Chrambach war er königlich-sächsischer Hofjuwelier, anfangs auch Juwelier der Königin von England und herzoglich-Sachsen-Coburg-Gothaischer Hofjuwelier. Das Gold- und Silberwarengeschäft behielt weiterhin den Namen Moritz Elimeyer und befand sich auch weiterhin im Erdgeschoss des Eckhauses gegenüber dem Johanneum und nur wenige Meter von der Dresdner Frauenkirche entfernt.[8] Ab 1877 wohnte Jacoby am Jüdenhof 1.[9]

1879 zog Jacoby privat nach Blasewitz, anfangs in die dortige Marschall-Allee 8.[10] 1891 dann in die Hausnummer 12/13.[11] Ab 1893 ließ Jacoby eine große, repräsentantive Villa im Landhausstil an der Ecke zum Lothringer Weg errichten. 1894 wurde er Eigentümer dieser Villa in der Emser Allee 12,[12] wo er bis zu seinem Tod lebte.[13]

Nach dem Tod von Mankiewicz waren ab Mai 1896 nur noch Chrambach und Jacoby Besitzer des Hofjuweliergeschäfts am Jüdenhof.[14] 1900 wurde Chrambachs jährliches Einkommen als Mitbesitzer des Juweliergeschäftes Moritz Elimeyer auf 1,4 Millionen Mark geschätzt. Noch im gleichen Jahr verkaufte er seine Anteile an Jacoby, so dass dieser von diesem Zeitpunkt als Alleineigentümer fungierte. Gleichzeitig erhielten Franz Rudolf Friesicke und Johannes Ludwig Georg Standfuß Prokura für das Juwelier-, Gold- und Silberwarengeschäft.[15] Ab 1901 verlegte Jacoby die Werkstatt für den Hofjuwelierladen in die Neue Gasse 42, die Geschäftsräume verblieben am Jüdenhof.[16] Vom 22. April 1903 ist ein Brief von Jacoby an den Geologen und Naturforscher Moritz Alphons Stübel kurz vor dessem Tod erhalten.[17]

1910 wurde Jacobys Sohn Fritz Mitinhaber des Hofjuweliergeschäfts,[18] der aber 1914 zum Ersten Weltkrieg als Soldat eingezogen wurde. Nach dessen Rückkehr aus dem Krieg führte er noch bis 1919 gemeinsam mit seinem Sohn Fritz das Unternehmen.[19] im gleichen Jahr ging Julius Jacoby in den Ruhestand und übergab das Geschäft auch an seinen Sohn jüngsten Alexander als Teilhaber,[20] der es mit Fritz Jacoby weiter bis 1938 führte,[21] bevor sie zwangsenteignet wurden und das Geschäft an einen Parteigenossen der NSDAP zur Liquidation übergeben wurde.

[Bearbeiten] Trivia

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde Jacobys Villa 1940 auf Grund der Verordnung zur Einrichtung von „Judenhäusern" enteignet und in solches umgewandelt. Hier mussten auf engstem Raum Dresdner Juden leben, die dort zwangsweise eingewiesen wurden. Jacobys Witwe musste miterleben, wie ihr Haus von jüdischen Zwangsarbeitskräften noch vor ihrer Deportation geräumt und alles für die Beschlagnahmung zusammengestellt wurde. Im Oktober 1942 inventarisierten zwei Beamte des Finanzamtes das Inventar, bevor der Rest der Familie deportiert wurde.

Nach der Deportation der letzten Bewohner nutzten die SS und der Auslandsgeheimdienst die Villa Jacoby ab 1944 als "Mullah-Schule", wo muslimische Geistliche, überwiegend aus der UdSSR, untergebracht und unterrichtet wurden. Ziel war die Ausbildung islamischer "Feld-Mullahs" zur religiösen Betreuung islamischer Kämpfer, die auf Seiten der deutschen Wehrmacht kämpften. Für diesen Zweck erhielten die Innenräume eine künstlerische Ausgestaltung nach dem Vorbild vorderasiatischer Moscheen und wurden mit islamischen Kultgegenständen ausgestattet. Am 13. Februar 1945 fiel die Villa den Luftangriffen auf Dresden zum Opfer. An gleicher Stelle entstanden 1996 zwei neue Wohnhäuser.[22]

[Bearbeiten] Quellen

  • aus der Ahnenliste von Prof. emer. Dr. Till von Egidy, München
  • aus dem Archiv im Yad V'shem, Israel (mit Unterstützung von Dr. Yehuda Meinhardt)
  • aus Ancestry und MyHeritage

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde im deutschen Sprachraum: Nauen (Brandenburg) auf www.jüdische-gemeinden.de
  2. Jacob Jacobson: Die Judenbürgerbücher der Stadt Berlin 1809–1851: Mit Ergänzungen für die Jahre 1791-1809, Walter de Gruyter & Co., Berlin 1962, Leseprobe auf Google Books, S. 316: geboren am 26. Dezember 1801 in Schneidemühl, Großherzogtum Posen, zuletzt Kleiderhändler
  3. Datensatz auf MyHeritage, Schellhorn - Hvalsøe Web Site
  4. Datensatz auf Ancestry
  5. Fred Watty: WATTY - Juweliere, Gold- und Silberschmiede | 215 Jahre hanseatisches Kunsthandwerk 1743-1958, editione pro-equus, Leipzig 2009/10, Leseprobe auf Google Books, S. ISBN 978-3-940895-88-2
  6. Erstmals so im Adressbuch Dresden 1928, S. 448, SLUB: Die Adresse wurde ab 1928 geändert, vorherige Adresse des Hauses war Emser Allee 12.
  7. Adressbuch Dresden 1872, S. 154, SLUB
  8. Adressbuch Dresden 1872, S. 76, SLUB
  9. Adressbuch Dresden 1878, S. 196, SLUB
  10. Adressbuch Blasewitz 1880, S. 28, SLUB
  11. Adressbuch Blasewitz 1892, S. 48, SLUB
  12. Adressbuch Blasewitz 1896, S. 93, SLUB
  13. Adressbuch Dresden 1925/26, S. 445, SLUB
  14. Handelsregistereintrag von 1900 im Adressbuch Dresden 1900, S. 1768, SLUB
  15. Handelsregistereintrag von 1901 im Adressbuch Dresden 1900, S. 1856, SLUB
  16. Adressbuch Dresden 1902, S. 234, SLUB
  17. Findbuch Moritz Alphons Stübel (1835–1904), Archiv für Geographie im Leibnitz-Institit für Länderkunde, Online-pdf, Finbuch-Nr. 244, Brief von Julius Jacoby, Blasewitz, an A. Stübel
  18. Erstmals erwähnt und als solcher im Adressbuch Dresden 1911, Vororte: Blasewitz, S. 2532, SLUB
  19. Handelsregisterauszug im: Adressbuch Dresden 1919, S. 1281
  20. Handelsregisterauszug im Adressbuch Dresden 1920, S. 2078, SLUB
  21. Letztmalig als Juweliergeschäft am Neumarkt im Adressbuch Dresden 1938, S. 264, SLUB
  22. Lars Herrmann : Straßen und Plätze in Blasewitz auf www.dresdner-stadtteile.de
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