Ludwig Tieck

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Ludwig Tieck, 1833

Ludwig Tieck (* 31. Mai 1773 in Berlin; † 28. April 1853 ebenda) gehörte zu den berühmtesten deutschen Dichtern der Romantik. Er machte sich auch als Übersetzer von Shakespeare einen Namen. In Dresden wirkte er von 1825 bis 1841 als Dramaturg am Hoftheater.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben und Wirken

[Bearbeiten] Ausbildung

Tieck, der Sohn eines Seilermeisters, hatte schon in der Schulzeit begonnen, sich mit Poesie zu beschäftigen. Er besuchte in Berlin das Friedrichs-Werder'sche Gymnasium, das unter der Leitung des Bildungsreformers Friedrich Gedike stand. Tieck übertraf an Belesenheit alle seine Mitschüler. Zudem wurden seine schnelle Auffassungsgabe, Urteilsfähigkeit, stilistische Gewandtheit und reiche Phantasie gelobt. Dank eines Schulfreundes fand er Eingang in das Haus des Kapellmeisters Johann Friedrich Reichardt, wo nicht nur Musik, sondern auch Theater gespielt wurde. Tieck besuchte regelmäßig das Berliner Nationaltheater, spielte selbst kleine Rollen im Freundeskreis, schrieb seine ersten eigenen kleinen Werke und übersetzte aus dem Englischen, vor allem begeisterte er sich für Shakespeare. Mit seinem Mitschüler Wilhelm Heinrich Wackenroder schloss er Freundschaft. Nach seinem Abitur im Jahre 1791 studierte Tieck an den Universitäten Halle, Göttingen und Erlangen, wo er sich vorrangig mit Geschichte und Literatur beschäftigte. In Giebichenstein bei Halle wohnte inzwischen Reichardt und in Göttingen besaß die Bibliothek eine größere Sammlung älterer englischer Literatur, die Tieck ausgiebig las. Während seiner Studienjahre prägte sich sein romantischer Stil zu dichten. Er hatte später auf die gesamte deutsche Poesie großen Einfluss.

[Bearbeiten] Zusammentreffen mit berühmten Romantikern, erste Erfolge

Ludwig Tieck

Tieck kehrte nach dem ohne Abschluss beendeten Studium über Göttingen nach Berlin zurück, wo er mit Friedrich Nicolai bekannt wurde, der seine Werke verlegte. Eine Reise nach Jena brachte ihn mit den ihm Geiste nahe stehenden Brüdern August Wilhelm Schlegel und Friedrich Schlegel sowie mit Novalis zusammen. Zudem lernte er in Weimar Johann Gottfried Herder kennen, der ihn aber eher kritisch sah. Tieck hatte sich durch seinen »Abdallah« (1795) und seinen »Richard Lowell« (1795), durch »Peter Lebrecht, eine Geschichte ohne Abenteuerlichkeiten« (1796) und durch »Peter Lebrecht's Volksmärchen« (1797) bereits einen Namen gemacht. Während er in »Lowell« noch um seinen eigenen Stil rang, so trat in den nächsten Werken schon ein freier, mit Laune und Witz ungebunden in seinem Gebiet schaltender Dichtergeist auf, welcher allgemeine Aufmerksamkeit erregte. Aufsehen erzielten sein »Blaubart« (1798) und sein »Gestiefelter Kater« (1797), in welchen er mit graziöser Keckheit und jugendlichem Übermut gegen die seichte Aufklärerei und gegen die gemeinprosaische Ansicht in Leben und Kunst zu Felde zog. Besonders der in Weimar bei Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller in Misskredit geratene Carl August Böttiger wurde im »Gestiefelten Kater« in der Person eines Kritikers Bötticher zu seiner Zielscheibe.[1]

Ludwig Tieck mit seiner Schwester Sophie (1796). Die Geschwister Tieck lebten zu jener Zeit in Berlin in einer gemeinsamen Wohnung. Der Bruder Friedrich wurde Bildhauer und die Schwester Sophie eine Schriftstellerin.
Carl Christian Vogel von Vogelstein: Der Bildhauer David D`Angers porträtiert Ludwig Tieck, hinter Tieck steht seine Tochter Dorothea.
Medaille von Reinhard Krüger
Briefmarke nach einem Gemälde von Carl Christian Vogel von Vogelstein
Gedenktafel von Ernst Hähnel

Tiecks Liebe zur Kunst, seine tiefen künstlerischen Anschauungen und seine gründlichen Kenntnisse in der Beurteilung von Werken der bildenden Kunst wurden in den Schriften deutlich, welche er mit seinem Freund Wilhelm Heinrich Wackenroder gemeinschaftlich schrieb und zum Teil erst nach dessen Tod herausgab. Sie sind die: »Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders« (1797), die »Phantasien über bildende Kunst« (1799) und »Franz Sternbald's Wanderungen« (1798). An den ersteren Werken hatte Wackenroder, an dem zuletzt genannten Tieck den größeren Anteil. In Jena, wo sich Tieck längere Zeit aufhielt, schloss er sich noch enger an die Schlegel an und wurde auch mit Friedrich Wilhelm Joseph Schelling bekannt. Eine Fortsetzung des »Gestiefelten Katers« war sein »Zerbino, oder die Reise zum guten Geschmack«, welchen er in den »Romantischen Dichtungen« (17991800) veröffentlichte. Auch durch seine Übersetzungen ausländischer Dichter erwarb sich Tieck Verdienste. Er übersetzte den »Don Quixote« von Cervantes (17991801) und begann schon damals sein gründliches Studium des Shakespeare, welches nachmals in der Herausgabe der ergänzten und vervollkommneten Übersetzung der Werke Shakespeares von August Wilhelm Schlegel Früchte trug.

[Bearbeiten] Jahre der Reife

Im Jahre 1801 kam Tieck erstmals nach Dresden und gab hier den »Musenalmanach für 1802« heraus. Er fand hier auch Kontakt zu dem damals führenden literarisch-geselligen Kreis um Christian Gottfried Körner. Nachdem Tieck Dresden wieder verlassen hatte, hielt er sich abwechselnd in Berlin und in Ziebingen unweit Frankfurt/Oder auf. Besonderes Verdienst hat sich Tieck durch seine Wiedereinführung alter Dichtungen in neuem Gewand erworben. »Genoveva«, »Octavianus«, »Die Haimonskinder«, »Magelone«, »Die Schildbürger«, die »Minnelieder aus dem schwäbischen Zeitalter« 1803) u. a. gehören hierher. Der Leser wurde durch den kecken Humor, durch sprudelnden Witz zu einem neuen Interesse an jenen alten Volksbüchern hingezogen. Der Dichter verstand es, die leisesten Züge in jenen schlichten Erzählungen zu benutzen, sodass er aus ihnen ein an Charakteren überreiches dramatisches Leben sich gestalten lässt. Nachdem Tieck noch 1805 die Werke seines früh verstorbenen Freundes Novalis herausgegeben hatte, begab er sich nach Italien, um seine hierhin aus ihrer Ehe entflohene Schwester Sophie zu besuchen. Auch ihr Bruder Friedrich kam nach Italien. Nach seiner Rückkehr im Winter 1806 lebte er einige Zeit in München und dann wieder in Ziebingen. Teils die Zeitverhältnisse, teils die schmerzhaften Gichtanfälle waren Ursache, dass in seiner schriftstellerischen Tätigkeit eine lange Pause eintrat. Frühere und neue kleinere poetische Werke verband Tieck im »Phantasus« (18121817) und setzte sie untereinander durch geistreiche Gespräche über Gegenstände des Lebens und der Kunst in Verbindung. Die Universität Breslau ernannte ihn 1817 zum Ehrendoktor.[2] Von seinen fortgesetzten Studien über Shakespeare und seine Zeit legte sein Werk »Altenglisches Theater« (18141816) Zeugnis ab, in welchem unter anderem einige Shakespeare gewöhnlich nicht zuerkannte Stücke enthalten sind. Auf einer Reise nach London im Jahre 1818 studierte er Shakespeare und 1823 bis 1829 erschien in Leipzig seine Schrift »Shakspeare's Vorschule«.

[Bearbeiten] Dresden

Im Jahre 1819 kam Tieck erneut nach Dresden, wo er sich nahe der Kreuzkirche, Ecke Kreuzstraße/Altmarkt, niederließ. Er war hier nicht nur als Dichter tätig, sondern trug durch seine fast öffentlichen Vorlesungen poetischer Kunstwerke maßgeblich zur Bildung des Geschmacks bei. Tieck besaß ein künstlerisch ausgebildetes und in dieser Macht vielleicht noch nicht dagewesenes Talent im Vorlesen, und versammelte daher häufig in den Abendstunden einen Kreis von Freunden und gebildeten Fremden um sich, welchen er durch seinen Vortrag poetische Kunstwerke nahe brachte. Zu diesem Kreis gehörten unter anderem Carl Gustav Carus, Friedrich Kind, Julius Mosen und Wolf August von Lüttichau sowie Friedrich August Schulze und Friedrich Schlegel. Auch mit Friederike Serre und Christoph August Tiedge stand er in Verbindung.[3] Diese Abendversammlungen hielten den Dichter zugleich in Kontakt mit der Welt, von der er sich sonst eher fernhielt, auch wegen seiner Gicht-Erkrankung. Zeitweise schrieb er für die Dresdner Abendzeitung und die Dresdner Morgenzeitung. Ludwig Tieck hatte einige Zeit auch Kontakt zum Dresdner Liederkreis und gehörte der Albina an. Sein Verhältnis zu Carl August Böttiger war aber gespannt, hier war sich Tieck mit Goethe einig. Im Zusammenhang mit Tiecks harscher Kritik an einem Werk von Eduard Heinrich Gehe, einem Freund von Theodor Hell, kam es zum Zerwürfnis und Tieck beendete 1826 seine Zusammenarbeit mit der Abendzeitung.[4]

1824 holte ihn der neuberufene Intendant Wolf August von Lüttichau als Dramaturg an das Hoftheater. Tieck, in Dresden zum Hofrat ernannt, hatte sich seit seiner Jugend für dramatische Poesie und Theater interessiert, in allen seinen Schriften herrschte ein dramatisches Element vor und seine »Dramaturgischen Blätter« (1825) sind Zeugnis seiner Einsicht in das Wesen des Theaters. Je tiefer aber Tiecks Einsicht in dieser Beziehung wurde, desto schmerzlicher empfand er auch den Verfall der Bühne, bei welcher die Direktoren nur nach dem Geld des Publikums geizten, die Schauspieler nur um den Beifall der Masse buhlten und die Zuschauer nur Unterhaltung suchten, aber niemand ein höheres, der Kunst würdiges Interesse hegte. Tieck förderte talentvolle Schauspieler am Dresdner Hoftheater, indem er ihnen Zutritt zu seinen dramatischen Vorlesungen gestattete und auch privat ihnen zu Auffassung und Darstellung wichtiger Rollen Anweisung gab. Zu den bekanntesten Schauspielerinnen unter Tieck gehörten Caroline Bauer, Franziska Berg, Doris Devrient und Friederike Antoinette Josephine Schirmer, namhafte Schauspieler waren Karl August Devrient und Emil Devrient. Auch mit Theodor Hell arbeitete Tieck am Hoftheater zusammen, da dieser hier als Sekretär angestellt war. Berühmte Kapellmeister der verbundenen Hofkapelle waren Francesco Morlacchi, Carl Maria von Weber und Carl Gottlieb Reißiger.

In Dresden schuf Tieck eine Reihe ausgezeichneter Novellen, welche zum Teil einzeln, zum Teil in Sammelwerken, zum Teil in Almanachen, namentlich in der »Urania«, erschienen. Ein wichtiger Verleger von seinen Werken in Dresden war Johann Christoph Arnold. Tiecks Novellen trugen sämtlich ein eigentümliches Gepräge. Man sagte ihnen nach, dass in vielen eine gewisse Willkürlichkeit herrsche, aber die eigentümlichen Situationen, welche dadurch herbeigeführt werden, waren mit so hoher poetischer Wahrheit, mit einer solchen Kenntnis des menschlichen Gemüts und mit so wahrer Kunst dargestellt, dass Tieck in dieser Beziehung als unübertroffen galt. Viele dieser Novellen gingen mit jugendlicher Laune und zugleich mit dem Ernst eines gereiften Bewusstseins auf die Behandlung der interessantesten Zeitfragen ein. Unter den größeren Werken dieser Gattung zeichneten sich »Der Aufruhr in den Cenennen« (1826), »Der junge Tischlermeister« (1836) und »Vittoria Accorombona« (1840) aus. Im Schloss Pillnitz las Tieck um 1838 dem Dantekomitee unter Prinz Johann, dem späteren König von Sachsen und Liebhaber der Werke von Dante, aus dessen Übersetzung von "Göttliche Komödie" vor. Diesem Komitee gehörten seinerzeit auch Carl Gustav Carus und Ludwig Reichenbach an. Außerdem zählten Johann Gottlob von Quandt, Johan Christian Clausen Dahl und Adelheid Reinbold zu Tiecks guten Bekannten jener Zeit. Auch mit Wilhelm Hauff stand er in Kontakt. Carl Christian Vogel von Vogelstein porträtierte ihn.

Tiecks Jahre in Dresden waren lange seine glücklichsten. Er stand auf der Höhe seines Ruhmes, mehrere seiner Novellen wurden ins Englische, Französische und Dänische übersetzt. König Ludwig von Bayern, der als Kronprinz einmal zu ihm gesagt hatte: "Heiße auch Ludwig, große Ehre für mich, auch so zu heißen wie ein ordentlicher Dichter", ließ ihm durch seinen Gesandten am 31. Mai 1834 als Geburtstagsgeschenk den Civilverdienstorden mit einem eigenhändigen Schreiben überreichen, in dem es hieß: König Ludwig dem Meister Ludwig. Schließlich geriet Tieck aber doch zunehmend in die Kritik, weil er Friedrich Schiller am Hoftheater vermeintlich nicht ausreichend wertschätzte.

[Bearbeiten] Rückkehr nach Berlin

Wenige Tage nach dem Tod seiner Tochter Dorothea im Februar 1841 wurde Tieck von Friedrich Wilhelm IV. von Preußen eingeladen, den Sommer in Potsdam zu verbringen. Gleich nach dem Regierungsantritt dieses kunstsinnigen Königs hatte Tieck ihm im Jahr zuvor seinen eben vollendeten Roman »Vittoria Accorombona« überreicht. Der König gewährte ihm ab dem 1. Januar 1841 eine Pension von 1000 Talern, die mit keinerlei Verpflichtungen verbunden war. 1842 wechselte Tieck endgültig nach Berlin. Der König verdreifachte sein Salär und verlieh ihm den Roten Adlerorden 3. Klasse und den Titel eines Geheimen Hofrats. Tieck besuchte den König einmal jährlich in seiner Residenz, um ihm vorzulesen.

[Bearbeiten] Familie

Tieck heiratete 1798 in Hamburg Amalie, eine Tochter des Pastors Alberti. Er hatte sie schon als Gymnasiast in Berlin kennen gelernt, wo sie mit Reichardt verwandt war. 1799 wurde ihre Tochter Dorothea geboren. Im Unterschied zu Tieck konvertierten Frau und Tochter zum Katholizismus. Seine Frau starb am 11. Februar 1837, seine Tochter am 21. Februar 1841.

[Bearbeiten] Würdigungen

Schon um 1834 hatte der französische Bildhauer d’Angers eine kolossale Büste Tiecks für die Bibliothek in Dresden-Neustadt sowie ein Medaillon für das Museum Angers geschaffen.[5] Auch Tiecks Bruder Friedrich schuf eine Büste. In Erinnerung an die mehr als zwei Jahrzehnte, in denen sich Tieck um Literatur und Theater in Dresden verdient gemacht hat, entwarf Ernst Hähnel für Tiecks ehemaliges Wohnhaus an der Kreuzkirche im Jahre 1874 eine Gedenktafel. Seit 1873 ist die Tieckstraße nach ihm benannt.

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Ludwig Tieck; Der gestiefelte Kater. Ein Kindermärchen in drei Akten, mit Zwischenspielen, einem Prologe und Epiloge
  2. Karl Pretzsch: Verzeichnis der Breslauer Universitätsschriften 1811-1885, Georg Olms Verlag, 1905
  3. Dirk Hempel: Literarische Vereine in Dresden, Niemeyer-Verlag, 2008, Onlinevorschau auf Google Books, ISBN 978-3-3484-35116-5
  4. Armin Gebhardt: Ludwig Tieck: Leben und Gesamtwerk des "Königs der Romantik". Tectum Verlag, 1997
  5. Paul Schumann: Dresden

[Bearbeiten] Weblinks

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