Friedrich Schlegel

Stadtwiki Dresden - Freiraum für Ideen und Wissen über Dresden
Wechseln zu: Navigation, Suche
Friedrich Schlegel
Jugendbildnis
Altersbildnis

Friedrich Schlegel (* 10. März 1772 in Hannover; † 12. Januar 1829 in Dresden) war ein bedeutender Philosoph, Literaturwissenschaftler und Schriftsteller der Romantik.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Biografie

[Bearbeiten] Ausbildung

Schlegel wurde in Hannover als jüngster Sohn eines Pastors geboren. Aufgewachsen ist er zeitweise bei seinem älteren Bruder Moritz. Nach dem Willen seines Vaters sollte er eigentlich in Leipzig Kaufmann werden, weswegen er bei dem Bankier Schlemm in die Lehre ging. Schlegel las aber lieber Bücher zum Altertum, darunter von Johann Joachim Winckelmann. In Göttingen, wo schon sein Bruder August Wilhelm studierte, bezog er die Universität, um bei Christian Gottlob Heyne Jura zu hören. Ab Ostern 1791 belegte er in Leipzig neben Jura auch Philologie, Kunstgeschichte, Philosophie und Literatur. Schlegel genoss das ausschweifende Leben in Leipzig, ohne innere Zufriedenheit zu erlangen. Auch das Geld wurde knapp. Caroline Böhmer, die Freundin seines Bruders, half ihm aus mancher Lebenskrise. 1793 reifte der Entschluss, auf eine juristische Laufbahn zu verzichten und sich stattdessen ganz Kunst und Kultur zu widmen. Besonders interessierte sich Schlegel für bildende Kunst - dazu trugen gelegentliche Besuche in Dresden bei seiner Schwester bei - sowie die griechischen Dichter.

[Bearbeiten] Dresden, Berlin, Jena

Anfang 1794 zog Schlegel zu seiner Schwester Charlotte Ernst nach Dresden, wo er auch mit Christian Gottfried Körner sowie später in deren literarisch-geselligen Kreis mit Ludwig Tieck und Anton Graff bekannt wurde.[1] Seine Schwester war mit dem damaligen Hofwirtschaftssekretär Ludwig Emanuel Ernst verheiratet und wohnte Moritzstraße 748.[2] Schlegel fasste den Plan, an einer Kritik seiner Zeit und einer Theorie der Bildung zu arbeiten. Auch die Philosophie von Kant wollte Schlegel weiterentwickeln und für die griechische Literatur dasselbe leisten wie Johann Joachim Winckelmann für die griechische Kunst. Seine materielle Lage verhinderte aber solche anspruchsvollen Großprojekte, denn Schlegel musste seinen Lebensunterhalt mit Artikeln für Zeitschriften verdienen. Aber auch die tatsächlich publizierten Skizzen seines Programmes enthielten bemerkenswerte Gedanken. Schließlich lenkte er sein Augenmerk lieber auf die neueste deutsche Literatur, für die ja auch sein Bruder August Wilhelm in hervorragender Weise kritisch tätig war.

1796 ging Schlegel nach Jena zu seinem Bruder. Hier verfeindete er sich aber mit Friedrich Schiller, der Schlegel überkritische Kommentare zu seinen Werken übelnahm. Der schloss sich jetzt immer enger an den Philosophen Johann Gottlieb Fichte an. 1797 ging Schlegel nach Berlin. Mit seinem Bruder August Wilhelm gab er die ästhetisch-kritische Zeitschrift »Athenaeum« (1798-1800) heraus. Sie trugen damit erheblich zur Weiterentwicklung der deutschen Literatur bei, obwohl sie sich mit Übermut und kritischen Kommentaren viele Gegner machten. 1799 kehrte Schlegel wieder nach Jena zurück, wo er sich zunehmend für Johann Wolfgang von Goethe und vor allem dessen Roman »Wilhelm Meister« begeisterte, den er neben der französischen Revolution und Fichtes Wissenschaftslehre als eine der drei größten Tendenzen des Jahrhunderts ansah. Mit Ludwig Tieck, Novalis, seinem Bruder August Wilhelm und dessen nunmehriger Frau Caroline verw. Böhmer fand er sich zu einem Romantiker-Kreis zusammmen. 1800 promovierte Schlegel unter Umgehung des Examens. Daraufhin wurde er zur Lehrtätigkeit als Privatdozent zugelassen. Aber seine paradoxen Einfälle ohne wissenschaftliche Fundierung ließen dieses Experiment in Jena scheitern. Zusammen mit seinem Bruder gab er eine Sammlung vermischter Aufsätze unter dem Titel »Charakteristiken und Kritiken« in zwei Bänden heraus. Zudem versuchte sich Schlegel als Dichter.

[Bearbeiten] Schlegel und die Dresdner Gemäldegalerie

Die Romantiker um Friedrich und August Wilhelm Schlegel, Wilhelms Gattin Caroline, Fichte, Schelling und Novalis haben sich um die Dresdner Gemäldegalerie verdient gemacht. Den Sommer 1798 verbrachten sie gemeinsam in der Stadt, betrachteten und diskutierten die seinerzeit im Stallhof untergebrachten Dresdner Kunstschätze. Sie grenzten Historien-, Bildnis- und Landschaftsmalerei voneinander ab, besprachen die Aufgaben von Zeichnung und Farbe und diskutierten die Wirkung der Gemälde. Die Ergebnisse ihrer Betrachtungen veröffentlichten die Brüder Schlegel in der Zeitschrift »Athenaeum«. Sie trugen damit gerade anhand der Dresdner Gemälde dazu bei, dem breiten Publikum ein lebendiges Bild von der Kunst zu vermitteln. Mit dem Bau eines neuen Galeriegebäudes viele Jahre später wurden die Bilder der Allgemeinheit frei zugänglich.[3]

[Bearbeiten] Rückkehr nach Dresden, Wechsel nach Paris

1802 kam Schlegel nach einer kurzen Zwischenstation in Berlin erneut nach Dresden, von wo aus er jedoch bald zusammen mit seiner Freundin Dorothea nach Paris zog. Das Verhältnis mit der zuvor mit einem Bankier Veit verheirateten Schriftstellerin hatte schon Jahre zuvor in Berlin begonnen und war von Schlegel in seinem Roman »Lucinde« offenbart worden. Schlegel beschäftigte sich in Paris mit den romanischen Sprachen und mit der französischen Geschichte. Danach fesselte ihn alles Persische und das Indische. Schlegel zielte mit der von ihm herausgegebenen Zeitschrift »Europa« auf ein breites Publikum. Er sah dieses Projekt als Fortsetzung des »Athenäum« an, nur populärer, weniger gewählt und weniger parteiisch, praktischer und vielseitiger im Inhalt. Die Zeitschrift sollte die Kraft der Poesie, das Licht der Schönheit und Wahrheit so weit als möglich verbreiten und in bunter Mannigfaltigkeit der Gegenstände alles berühren, was die Ausbildung des menschlichen Geistes angehe. Es folgten Aufsätze über die neueste deutsche Literatur und Philosophie, Nachrichten vom Pariser Theater und Berichte über Meisterwerke im Pariser Louvre.

[Bearbeiten] Köln und Wien

Nachdem Schlegel 1804 nach Deutschland zurückgekehrt war, konvertierte er zum Katholizismus und heiratete Dorothea Schlegel kirchlich. Er hielt in Köln Vorlesungen, gab aber auch Sagen und Rittergeschichten von Wilhelmina von Chezy heraus. 1808 ging er nach Wien, wo er 1809 als kaiserlicher Hofsekretär im Hauptquartier des Erzherzogs Karl angestellt wurde. Seine Stiefsöhne Philipp Veit und Johannes Veit, die an der Dresdner Kunstakademie bei Johann Friedrich Matthäi Malerei studiert hatten, schlossen sich in Wien u. a. mit Julius Schnorr von Carolsfeld zusammen. Durch begeisterte Aufrufe suchte Schlegel das deutsche Volk zum Kampf gegen Napoleon zu entflammen. 1815 wurde er in den österreichischen Adelsstand erhoben. Eine Zeit lang war Schlegel als Legationsrat der österreichischen Gesandtschaft beim Deutschen Bundestag in Frankfurt tätig, kehrte aber 1818 nach Wien zurück. Er hielt in Wien Vorlesungen über Geschichte und Literatur, in denen er historische Begründungen des christlichen Staates in monarchischer Verfassung darlegte. Schlegel leitete die Zeitung »Oesterreichischer Beobachter« und gab das »Deutsche Museum« und später die Zeitschrift »Concordia« heraus, durch welche er streitende Ansichten über Staat und Kirche versöhnen wollte. Bei einem Besuch in Dresden frischte er 1824 seine alten Beziehungen zu Ludwig Tieck wieder auf.

[Bearbeiten] Erneut Dresden

1828 kehrte Schlegel nach Dresden zurück, um hier Vorlesungen zur Philosophie der Sprache und des Wortes zu halten. Nach seinem Tod im Folgejahr wurde er auf dem Alten Katholischen Friedhof beigesetzt. Ob Schlegel tatsächlich auch Freimaurer war wie häufig angenommen, ist fraglich.[4]

[Bearbeiten] Werk

[Bearbeiten] Schlegels Philosophie

Schlegel war als philosophischer Denker vor allem von Johann Gottlieb Fichte beeinflusst, dessen Idealismus er aber im Sinne eines ästhetischen Individualismus (Ästhetizismus) modifizierte. Das absolute »Ich« ist demnach vom endlichen Ich nicht zu scheiden. Dieses, das empirische Subjekt, das künstlerische Genie insbesondere, ist der freie Schöpfer seiner Phantasiegebilde, über die es sich in romantischer Ironie selbst hinwegsetzen kann, sich immer wieder selbst überwindend (vgl. Nietzsche). In der »Ironie« erhebt sich das Ich über alles Bedingte, auch über die eigene Kunst, Tugend oder Genialität, es gibt sich keiner Sache so hin, dass es diese Hingabe ernst nehmen würde. Das Ich kennt kein anderes Gesetz als das seines wechselnden Willens, es lässt sich innerlich nicht binden, ist schrankenlos. Der wahre Mensch ist der Künstler; in ihm, dem Genie, spricht die Gottheit. Wahre Tugend ist Genialität. Für das Genie tritt der Genuss an die Stelle der Arbeit.

Später in den »Philosophischen Vorlesungen« (1803-1806) rückte Schlegel von diesem Subjektivismus ab und wandte sich einem (von Schelling, Böhme, Baader u. a. beeinflussten) pantheistischen Idealismus zu, nach welchem das »Welt-Ich« die einzige Realität ist. In seiner spiritualistischen »Philosophie des Lebens« betrachtete Schlegel das Wissen als höheres Erfahrungswissen, welches auf der Offenbarung Gottes in der Natur und im Gewissen beruht. Das Unendliche ist werdend, ist Leben. Raum und Zeit sind Produkte des göttlichen Seins. Die Gesetze der Natur haben ihren Grund in einer »absoluten göttlichen Willkür«. Die Weltgeschichte deutete Schlegel theologisch als zwischen Sündenfall und Erlösung eingeschlossen. »Die Geschichte ist eine göttliche Epopoee und der Geschichtsschreiber selbst ein rückwärtsgekehrter Poet oder Prophet«.

Schlegels philosophische Vorlesungen aus den Jahren 1803 bis 1806 erschienen postmortem 1836, die Vorlesungen über die Philosophie des Lebens schon 1828, über die Philosophie der Geschichte 1829 und die Vorlesungen über die Philosophie der Sprache und des Wortes 1830.

Titelblatt von »Lucinde«

[Bearbeiten] Literatur

Während seines ersten längeren Dresden-Aufenthalts verfasste Schlegel mehrere Essays zur griechischen Literatur, darunter 1795 »Ueber das Studium der griechischen Poesie«. Gemeinsam mit weiteren Aufsätzen publizierte er diese Schrift 1797 unter dem Titel »Die Griechen und Römer«. Neben der fragmentarischen Beschäftigung mit griechischer Literaturgeschichte schrieb er 1796 zur antiken Politikgeschichte eine welthistorische Vergleichung von »Cäsar und Alexander«, die von Friedrich Schiller jedoch nicht zum Druck angenommen wurde.

Schlegel konnte kein einziges größeres Projekt vollständig abschließen. Diesen Mangel machte er aber zu einer Tugend, indem er »Fragmente« zu einem eigenständigen Literaturstil führte. In »Fragmenten« glaubte er sogar die eigentliche Form der Universalphilosophie zu erkennen, und in Fragmenten verfasste er seine Offenbarungen zu den unterschiedlichsten Themen in Literatur, Kunst und Leben. 1797 publizierte Schlegel in Berlin zu Gotthold Ephraim Lessing eine Charakteristik des Wesens und Geistes aus seinen Schriften und Briefen.

Unter dem Einfluss von Goethe fing Schlegel an, sich für Romandichtung zu begeistern. Sie erschien ihm jetzt als absolute, ideale Gattung der Poesie. Seinen ersten eigenen Roman gab Schlegel 1799 in Berlin heraus. »Lucinde« erregte großes Aufsehen, aber auch den Vorwurf, dass in ihm die Wollust auf eine sittengefährliche Weise verklärt dargestellt werde.

Weiterhin verfasste Schlegel philologische und historische Werke. Als Ergebnis langjähriger Vorarbeiten zu Shakespeare, Cervantes und Boccaccio publizierte er 1800 das »Gespräch über die Poesie«, in seiner Form ein idealisiertes Abbild des geselligen Verkehrs unter den Romantikern in Jena. Schlegels Trauerspiel »Alarcos« aus dem Jahre 1801 wurde zwar dank Goethes Fürsprache einige Male in Weimar und Lauchstädt aufgeführt, hatte aber dabei keinen großen Erfolg. Sein »Über die Sprache und Weisheit der Indier« (Berlin 1808) beförderte das Interesse am indischen Altertum. Noch allgemeineres Interesse fand zuvor seine »Geschichte der Jungfrau von Orleans« (Berlin 1802).

In Köln veröffentlichte Schlegel 1805/1806 das »Poetische Taschenbuch« mit Reisebriefen und lyrischen Gedichten. Seine Vorlesungen »Über die neuere Geschichte« und »Geschichte der alten und neuen Literatur« wurden 1811/1815 in Wien verlegt.

[Bearbeiten] Familie

Die Familie Schlegel stammte ursprünglich aus Meißen. Drei Söhne eines dortigen Appellationsrats und Stiftssyndicus' erwarben sich große Verdienste um Wissenschaft und Kultur in Deutschland.

Bildnis Dorothea Schlegel von Anton Graff. Schlegel lebte mit der Tochter von Moses Mendelssohn nach deren Scheidung von dem Kaufmann Veit ab 1798 zusammen, konvertierte mit ihr zum Katholizismus und heiratete sie 1804.

Berühmtheit erlangten vor allem die Kinder von Johann Adolf Schlegel, neben Friedrich Schlegel auch:

[Bearbeiten] Quellen

  1. Dirk Hempel: Literarische Vereine in Dresden. Kulturelle Praxis und politische Orientierung des Bürgertums im 19. Jahrhundert. Walter de Gruyter - Max Niemeyer Verlag, Berlin und New York, 2008
  2. Adressbuch der Stadt Dresden, 1799
  3. Paul Schumann: Dresden. Leipzig: E. A. Seemann, 1909
  4. Alte Freie und Angenommene Maurer bei freimaurerei.de
  5. Zovko, Jure, „Schlegel, Carl Wilhelm Friedrich von“, in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 40-42

[Bearbeiten] Weblinks

Meine Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Navigation
Werkzeuge