Carl August Böttiger

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Böttiger in Weimar
Büste von Ernst Rietschel
Böttiger wurde von Frauen gerne gelesen und thematisierte auch Frauen. Szene aus: Sabina, oder, Morgenszenen in Putzzimmer einer reichen Römerin.

Carl August Böttiger (* 8. Juni 1760 in Reichenbach; † 17. November 1835 in Dresden) war Schriftsteller, Altertumsforscher und Pädagoge.

[Bearbeiten] Leben und Wirken

Böttiger wurde zunächst von seinem Vater, einem Conrektor in Elsterberg, privat unterrichtet. Ab 1772 besuchte er das Landesgymnasium Schulpforta, wo er sich mit Friedrich Wilhelm Döring anfreundete.[1] 1778 begann Böttiger mit der Unterstützung des Stiefvaters, bei Johann August Ernesti in Leipzig Philologie zu studieren. Die finanzielle Unterstützung versiegte jedoch, als nach dem großen Brand von Gera 1780 die Eltern in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerieten. Böttiger musste das Studium unterbrechen und seinen Lebensunterhalt als Hofmeister und Privatlehrer selbst verdienen.

1781 kam Böttiger erstmals nach Dresden in einer Anstellung beim Herrn von Pfeilitzer, Kommandant der Neustadt, um dessen Sohn zu unterrichten. Danach trat er in die Dienste des Geheimen Finanzdirektors von Ferber und als Hofmeister bei der Gräfin von Zinzendorf. Zu seinen wichtigsten Förderern in Dresden zählte Hofmarschall Joseph Friedrich von Racknitz, der ihn auch in die Freimaurerei einführte.[2] 1784 erlangte Böttiger in Wittenberg schließlich den Abschluss als Magister. Die Berufslaufbahn begann er in Guben als Gymnasialdirektor in der Nachfolge seines Freundes Döring, wo er mit der Unterstützung seiner Frau Eleonore geb. Adler, die er 1786 in Loschwitz geheiratet und mit der er später 4 Söhne hatte, auch ein Privatinstitut gründete. Von 1790 bis 1791 leitete Böttiger das Gymnasium Bautzen. Dort machte ihm aber der langjährige Conrektor Johann Gottlieb Cober, ein ehemaliger Mitarbeiter von Heinrich von Brühl, das Leben schwer.

Böttiger ging auf Vermittlung von Johann Gottfried Herder als Gymnasialdirektor nach Weimar, wo er zunächst ein gutes Verhältnis zu Johann Wolfgang von Goethe hatte, mit dem er sich jedoch später entzweite. Er ging in der literarischen Gesellschaft des klassischen Weimar ein und aus, war wegen seiner breiten Gelehrsamkeit vor allem in Fragen des Altertums hochgeschätzt, pflegte eine umfangreiche Korrespondenz und erreichte mit seinen Publikationen in vielen Zeitschriften eine breite Öffentlichkeit. Er schrieb alles auf, was ihm an menschlichen Schwächen und sozialen Ungerechtigkeiten begegnete - ohne Ansehen der Person und ohne Rücksicht auf Vertraulichkeiten. Teilweise verkleidete er seine Kritiken in einem historischen Gewand. Goethe sah in ihm schließlich den "Böttigerschen Kobold", Friedrich Schiller den "Magister Ubique".[3][4]

Befreundet war Böttiger in Weimar besonders eng mit Christoph Martin Wieland, dessen Teutschen Merkur er auch noch von Dresden aus herausbrachte. Gottlob Adolf Ernst von Nostitz und Jänkendorf hatte Böttiger schon in Weimar besucht und blieb ihm später in Dresden freundschaftlich verbunden.

Nachdem die Konflikte mit Goethe immer mehr eskalierten, wechselte Böttiger 1804 nach Dresden, wo er seit seiner Tätigkeit in den 1780er Jahren einflussreiche Freunde besaß. Er arbeitete hier zunächst als Studiendirektor am Pageninstitut und ab 1814 als Leiter des Antikenmuseums sowie als Studiendirektor an der Ritterakademie. Ab 1822 verblieb ihm die Tätigkeit im Museum. Mit vielen Vorträgen in seiner Wohnung im Cosel-Palais an der Münzgasse sowie Publikationen zur Antike und Archäologie bemühte er sich um die Wissensvermittlung. Arthur Schopenhauer versicherte sich seiner Unterstützung, als er 1812 nach Dresden kommen wollte.[5] Elisa von der Recke war ihm viele Jahre freundschaftlich verbunden.

Politische Bedeutung besaß sein journalistisches Schaffen während der Befreiungskriege. Er redigierte die Zeitschrift London und Paris von Bertuch. Sie war durch die französische Revolution angeregt worden, sich mit den europäischen Antipolen England und Frankreich auseinanderzusetzen, und wurde zu einem der frühen Wegbereiter des europäischen Kulturtransfers. Die hier erschienenen Karikaturen auf Napoleon ermutigten auch andere Künstler, die französische Besatzungsherrschaft zu kritisieren.

Böttiger gehörte dem Dresdner Liederkreis, der Sächsischen Akademie der Künste (als Oberinspektor des Antikenkabinetts und des Mengs'schen Museums für Gipsabdrücke), der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft ISIS und der Leipziger Societät an, er initiierte den Sächsischen Altertumsverein, war Mitglied in der Albina und im Verein zu Rath und That [6] und gründete 1828 den Sächsischen Kunstverein.[7] Böttiger redigierte für die Dresdner Abendzeitung und publizierte in vielen weiteren Zeitschriften, so in den Blättern für die literarische Unterhaltung und in der Allgemeinen Zeitung. Er war Mitglied der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Görlitz und der Akademien der Wissenschaften zu München, St. Petersburg, Göttingen und Neapel. Hervorzuheben sind seine engen Beziehungen nach Frankreich und Russland. Seit 1781 war er zudem Freimaurer. In Dresden leitete er die Loge Zum Goldenen Apfel als Meister vom Stuhl.[8] Böttiger wohnte An der Frauenkirche 5.[9]

Böttiger war königlich-sächsischer Hofrat und Träger weiterer hoher Auszeichnungen und gilt heute als eine der einflussreichsten (und schillerndsten) Persönlichkeiten und als Chronist des Weimar von Goethe und Schiller, aber auch als ein profunder Kenner des Altertums. In der Sprache der Moderne ist er als früher, erfolgreicher "Infotainer" und "Networker" anzusehen. Mit seiner Umtriebigkeit hatte er es zu großem Wohlstand gebracht, wovon auch seine Privatbibliothek von etwa 20.000 Bänden zeugte.[10] Nach seinem Tode wurde er auf dem Eliasfriedhof beigesetzt.

[Bearbeiten] Trivia

Der Naturphilosoph Gotthilf Heinrich von Schubert (1780-1860) schrieb in Das alte Dresden über öffentliche Vorträge:

"Böttiger, in der anziehenden, allgemein verständlichen Weise, die seinen mündlichen Vorträgen eigentümlich war, führte seine Zuhörer in die Geschichte der Kunst, sowie selbst in das Familienleben und den Haushalt der alten Griechen und Römer ein; er hatte stets einen dankbaren Kreis der Hörer und Hörerinnen um sich ... Er liebte es, die Antiken bei Fackelbeleuchtung zu erklären."[11]

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Friedrich Wilhelm Döring in der Allgemeinen Deutschen Biographie
  2. Josef Friedrich von Racknitz im Freimaurer-Wiki
  3. Karl August Böttiger - "Literarische Zustände und Zeitgenossen" auf bela1996.de
  4. Frank Schäfer: Der erste Klatschreporter, Vergessene Autoren auf zeit.de
  5. Arthur Schopenhauer und Carl August Böttiger auf webable.de
  6. Dirk Hempel: Literarische Vereine in Dresden. Kulturelle Praxis und politische Orientierung des Bürgertums im 19. Jahrhundert. Walter de Gruyter - Max Niemeyer Verlag, Berlin und New York, 2008
  7. 75 Jahre Sächsischer Kunstverein
  8. Die Spur von Freimaurern in der Geschichte Dresdens
  9. Adressbuch der Stadt Dresden, 1831
  10. Lulia A. Schmidt-Funke: Karl August Böttiger (1760-1835) auf sehepunkte.de
  11. Erich Haenel, Eugen Kalkschmidt: Das alte Dresden, 1925, S. 83ff

[Bearbeiten] Weblinks

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