Striesen

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Der Stadtteil Striesen liegt im Ortsamtsbereich Blasewitz und gehört zu den bevölkerungsreichsten Gebieten Dresdens. Er zeichnet sich durch eine dichte aber trotzdem durchgrünte Bebauung aus.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Lage und Charakter

Striesen liegt östlich des Stadtzentrums südlich der Elbe. Nachbarstadtteile und angrenzende Gebiete sind Blasewitz, Tolkewitz, Seidnitz, die Johannstadt und der Große Garten. Betrachtet man Striesen auf weitläufigen Luftaufnahmen, fällt die schachbrettartige Struktur mit langen Straßen und die einzeln stehenden vierstöckigen Würfelhäuser auf. Durch viele Straßenbäume und eingestreute Grünflächen wirkt die Umgebung angenehm durchgrünt.

Am Boden und von Nahem betrachtet wirken diese Häuser oft ihrem Mehrfamilienhauscharakter zum Trotz sehr edel. Sie entstanden um die Wende zum 20. Jahrhundert und in den anschließenden Jahrzehnten und bilden einen nahtlosen Übergang zum historischen Villenviertel Blasewitz. Außerdem gibt es in Striesen Industriegebebiete und auch größere Plattenbaugebiete. Bekannt ist die f6-Zigarettenfabrik. Außerdem befanden sich in Dresden einige Kamerawerke, zum Beispiel Zeiss Ikon und Praktica.

[Bearbeiten] Geschichte

Am 1. Juli 1892 wurde Striesen nach Dresden eingemeindet.

... Zur Geschichte der Borsbergstraße


[Bearbeiten] A. Die Geschichte Dresden-Striesens

Eine Zusammenstellung von Fakten aus verschiedenen Quellen von Heinz Bergmann aus Altstriesen

Teil 1

Das Elbtal im Gebiet um Dresden ist alter menschlicher Siedlungsraum. Die ältesten, von Menschen stammenden Funde im Dresdner Stadtbereich lassen sich auf den Anfang der letzten pleistozänen Kaltzeit datieren. Es handelt sich um einen altsteinzeitlichen Lagerplatz einer Jägergruppe, der uns Knochenreste von Mammut, Nashorn und Wildpferd sowie Feuersteingeräte und Feuerspuren hinterließ. Der Lagerplatz befand sich im Gebiet der Felsenkellerbrauerei (Eiskeller) in Plauen.

Im 5. Jahrhundert vor Chr. sind Anfänge von Getreideanbau und Viehzucht zu finden, die die Voraussetzung für eine Sesshaftigkeit bildeten. Von Heidenau über Niedersedlitz bis zu Kemnitz entstanden Siedlungen mit großen Rechteckhäusern und Speichern, aus denen reiche Funde der Brandkeramik stammen. In Striesen lässt sich die Schnurkeramik am Striesener Friedhof nachweisen. An gleicher Stelle wurde auch eine Herdgrube gefunden, die mit einem Steinpflaster versehen war. Die ermittelte Frittierung von Sand lässt auf die Nutzung als Feuerstelle schließen. In der Gärtnerei Olberg an der Geisingstraße fand man ein Beil aus Feuerstein, und auf der Comeniusstraße 80 wurde ein Axthammer aus Schiefer aus der älteren Bronzezeit entdeckt. Schon vor der Wende zum 2. Jahrtausend vor Chr. fand ein Übergang zum ersten Metalleinsatz statt.

Bei Feldarbeiten auf der Striesener Flur stießen Arbeiter auf römische Münzen mit unterschiedlicher Prägung, die offenbar von Germanen stammen, die mit den Römern Handel trieben oder gar als Söldner im römischen Dient standen. Weitere Münzenfunde (Schellerauer Straße) und aufgefundene Grabstellen (Wormser Straße 50) gehen auf die Kriegsereignisse von 1813 zurück.

Im 14. Jahrhundert vor Chr. erfolgte eine intensive Besiedlung mit der sogenannten lausitzischen Kultur. Im Jahre 1666 fand man im Bereich des Hauptbahnhofes (ehemals Böhmischer Bahnhof) ein Gräberfeld. Am Ende des 6. Jahrhunderts begann in mehreren Schüben eine slawische Landnahme des Gebietes, das die Germanen während der Völkerwanderung zum großen Teil verlassen hatten. Die slawischen Bewohner begruben ihre Toten, während die Germanen ihre Toten verbrannten. Die Slawen ließen sich bevorzugt an den Bergzügen und in den Flusstälern nieder und legten ihre Dörfer in Gassenform oder als Rundlinge an. Derartige Gassendörfer sind die meisten Dörfer der Elbniederung zwischen Pirna und Meißen.

Die Bewohnerschaft der slawischen Dörfer wurde nach und nach von König Heinrich in das deutsche Reich einverleibt - eine Landnahme, die in der Gründung der Burg Meißen im Jahre 928 in diesem Raum ihren Abschluss fand. Weitere Burgen folgten, so die Burgen Dohna (1040), Pesterwitz (1068) und Briesnitz (1071). Das Besitzergreifen auf dem Lande erfolgte durch Ritter, die mit den Dörfern oder Teilen davon belehnt wurden. In dieses geschichtliche Umfeld kann auch die Vergangenheit Striesens eingeordnet werden.

[Bearbeiten] A.1. Die Lage Striesens im Elbtal

Striesen liegt im Osten Dresdens, einem Ortsteil, der sich auf der Altstädter Seite über das mehrere Kilometer breite Tal der Elbe erstreckt. Die Talweitung besteht aus vorwiegend sandigen bis sandig-lehmigen Gebieten und wurde von ehemaligen Elbarmen durchflossen. Die flachen Senken der Elbarme verfüllten sich im Laufe der Zeit mit Aulehm und sind vielfach grundfeucht. Diese Talsandflächen bilden den alten Siedlungsraum. Ihre städtische Erschließung erfolgte zunächst von den alten Dorfkernen aus, zu denen auch Striesen zählt, und setzte sich dann vor allem längs der Ausfallstraßen Dresdens fort.

Die Grenze der Striesener Flur verläuft im Westen gegen Johannstadt ungefähr auf der Hutten-, Krenkel- und Heubnerstraße. Andere Quellen sprechen von der Fetscherstraße (Fürstenstraße) als Grenzlinie. Gegen Gruna im Süden wird die Grenzlinie nördlich der Comenius-, Hepke- und Eibenstocker Straße, gegen Blasewitz im Süden nördlich der Otto-Galle, Niederwald- und Teutoburgstraße gebildet.

Im Osten stellt die Altenberger Straße die Abgrenzung gegenüber der ehemaligen Flur von Neugruna dar. Zwischen Bergmann-, Schlüter- und Schandauer Straße befanden sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts große Lehm- und Kiesgruben. Nach ihrer Verfüllung entstanden Kleingartenanlagen, die zum Teil heute noch anzutreffen sind. Auf den Talsanden breitete sich weiter im Osten das Tännicht bis nach Laubegast aus.

Schräg durch die Flur zieht sich von Altgruna nach Altstriesen und weiter nach Johannstadt ein breiter Aulehmstreifen, der einen ehemaligen schmalen Elbarm nachzeichnet. In Gruna erinnert die Bezeichnung "Alte Elbe" für eine Kleingartenanlage an die damaligen Verhältnisse. Aus dem Elbarm wurde um 1300 zur Entwässerung und Verteidigung der Landgraben angelegt. Als Landgraben bezeichnete man Entwässerungswege, die die vom Südhang der das Elbtal umrahmenden Berge kommenden Abflüsse im Talbodenbereich des Elbtales fortsetzten und auch zu Verteidigungszwecken dienten. Im Laufe der Geschichte wurden die Entwässerungswege mehrfach verlegt. Ab 1409 wird der Landgraben auch als Landwehr bezeichnet.

Das alte Striesen (Altstriesen) ist eine slawische Niederlassung der Sorben in Form eines Langdorfes (Straßenangerdorf), das wahrscheinlich um 1000 an einem kleinen Nebenarm der Elbe gegründet wurde. Der Nebenarm erstreckte sich in Richtung Tolkewitz, Seidnitz, Gruna und Striesen in einer kleinen Talsenke an der Nordseite des Dorfes. Der Nebenarm verlief weiter in Richtung Dresden über die Holbein- und Dürerstraße bis zur Pirnaischen Vorstadt und bildete später den bereits erwähnten Landgraben.

Die Striesener ernährten sich damals vom Ackerbau. Ihre Felder waren wenig ertragreich. An vielen Stellen lag der blanke Sand offen in der Landschaft. Der Landgraben, der von Leubnitz kam und sich zwischen Seidnitz und Gruna (etwa Gasanstalt Reick) mit dem Prohliser Landgraben (Gerberbach) vereinigte, erweiterte sich in der Dorfmitte zu einem kleinen Teich. An diese Verhältnisse erinnerte noch die Bezeichnung "Am Landgraben" für einen kleinen Weg, der sich durch Gärten von Altstriesen in westliche Richtung über die Spenerstraße zur Tittmanstraße zog und heute nur als Rest noch vorhanden ist.. Der Landgraben verlief weiter über die Haydnstraße bis zur Ziegelei an der Ziegelstraße vor Dresden. Dort mündete er in die Elbe. Im Jahre 1876 wurde der Landgraben von Gruna aus über die Lauensteiner Straße zur Elbe geführt.


[Bearbeiten] A.2. Erste urkundliche Erwähnungen, das Vorwerk Striesen

Eine erste Erwähnung Striesens, das auch als Stresen, Stresin, Streußin oder Streiszen geschrieben wird, ist im Lehnbuch Friedrichs des II. des Strengen, Landgraf von Thüringen und Markgraf von Meißen, im Jahre 1350 zu finden, wonach der Dresdner Bürger Ulrich Große mit einem Vorwerk in Striesen belehnt wurde. "Item contulit Ulrico Grozen, civi Dresdensis, allodrium in Stresen" - so lautete der Lehnbucheintrag in Lateinisch. Unter einem Vorwerk versteht man ein landwirtschaftliches Gut außerhalb der Befestigungsmauern (hier von Dresden).

Dieser Hinweis wird unterstützt durch das Kanzleiausgangsregister der Wettiner für die dauernden Verfügungen (Registrum perpetuum), in dem mit Datum vom 27. Dezember 1350 der Eintrag zu finden ist, nach dem Katharina, die Ehefrau Jenchen Großes, mit Einverständnis von Jenchens Brüdern Reinfried, Georg und Ulrich die Hälfte des Vorwerks Striesen als Leibgedinge erhalten sollte. Nach den damaligen Gepflogenheiten ist davon auszugehen, dass die Belehnung und die Leibgedingeverschreibung über das Vorwerk Striesen am gleichen Tage oder wenigstens in einem geringen zeitlichen Abstand erfolgten. Das Allod war demnach gemeinsamer Besitz der vier Brüder Große. Als Allod wird ein lehnzinsfreies, eigenerbliches Gut bezeichnet, das an Bürgerliche gegen bereits erbrachte Leistungen abgegeben oder verkauft wurde.

Der oberste Lehnsherr Dorfes war der Markgraf. Laut alten Urkunden war die obere Gerichtsbarkeit für Dorf und Vorwerk Striesen in den Händen des Amtes Dresden, oder auch einfach das Schloss genannt. Noch 1828 wurden die Zinsleute des Stadtrates vom Amt Dresden als Amtsuntertanen des Amtes verpflichtet. Als Amtsuntertan war der Dörfler zu den unterschiedlichsten Diensten nach altem Herkommen verpflichtet.

Im Register des heiligen Kreuzes zu Dresden um 1370 erfährt man (G.Hiltscher): Heynich Weyse zahlt III gr. De agro infra Albeam et Striesenkin zu Michaelis. Heynich Weyse wird damit als ein Bauer bezeichnet, der Felder des Vorwerkes bestellt. Im Jahre 1378 wird das Vorwerk neben dem Dorf Striesen, wahrscheinlich slawisch, gesondert erwähnt. 1408 bestätigen die Markgrafen für Dresdener Bürger Güter und Zinse, die sie schon vormals zu Lehn gehabt haben. … uff dem forwerk zcu Stresin neun schog ein vnde zcwenzig groschen vnd drye malder korns mit den tichen vnd garten, die darzcu gehoren. Das Vorwerk umfasste auch Teiche und Gärten. Im Stadtbuch von Dresden wird 1408 der Bürger Lukas Hertil als Lehninhaber benannt. Im Eintrag wird das Vorwerksfeld mit einer Größe von 9 Hufen angegeben.

Auf einer aus dem Jahr 1705 überkommenen Karte kann die Lage des Vorwerkes am heutigen Ausgang zur Merseburger Straße erkannt werden. Es war geteilt und zeigt sich als ehemals großer Gutshof (9 Hufen, in Sachsen 1 Hufen = 12 ha, aber auch mit 20 ha angegeben) mit einigen Nebengebäuden. Das Vorwerk wurde immer wieder geteilt, die neuen Besitzer tragen in den folgenden Urkunden die Bezeichnung "forwerksleute". Die frühen urkundlichen Nachweise sind in Latein verfasst, wie es damals üblich war.

Aus dem Jahre 1373 (24. Juni) stammt der Vermerk, dass Franz von Magdeburg, ein Dresdner Bürger, ein gewisses Geld in Freiberger Münze und Naturalzinsen zu Striesen dem Kirchhof der Frauenpfarrei vermachte. Im Jahre 1384 wird das Allod Striesen dem Dresdner Bürger Nikel Herteln und seiner Gattin Magdalene zum Leibgedinge verliehen. Einem weiteren Vermerk (12. Mai 1388) ist zu entnehmen, dass der Burggraf Heyde von Dohna Franz von Magdeburg Getreidelieferungen aus Striesen zusicherte. Lehninhaber des Dorfes Striesen waren laut Ratsliste (Otto Richter) 1296 Andreas de Magdeburg, zuletzt 1311 benannt, 1308 Jenchin der Groze, 1309 Johannes der Groze, 1324 Hannuiz Wolf, 1337 Jacof Grose, 1352 Andreas de Meydeburg, 1354 Andricus de Meydeburc, 1362 Henczil Grose, Jenchin Grose, 1365 Francze Meydeburg, Henczil Grozze, Reinfried Grozze, 1380 Henczil Große, Jacof Grosze, Heynrich Weyse, 1387 Jacof Groß, Hannus Nuremberg, Nickel Hertil, 1397 Nicolaus Hertil, 1411 Hans Hertil, Wynand Noremberg, 1414 Johannes Hertilund 1420 Hans Hertel als letzter Eintrag für die Ratslinien. Es lässt sich schlussfolgern, dass die Lehninhaber des Dorfes Striesen vorwiegend Ratsmitglieder von Dresden und deren Familienangehörigen waren. Andreas de Magdeburg wird nach 1311 als Beteeinnehmer am Hof geführt, um 1355 verstorben. Dessen Nachfolger als Lehninhaber ist sein Sohn Andricus, der auch für den Rat urkundete.


[Bearbeiten] A.3. Eine Theorie - Die zweifache Gründung Striesens (G. Hiltscher)

Der Ortsname geht vermutlich auf die Landnahme durch eine slawische Sippe zurück. Es gab nicht den typischen Rundling, nur einen großen Hof, in dem das spätere Vorwerk zu sehen ist. Gustav Hey, der wohl bekannteste Forscher zu den slawischen Siedlungen und ihren Namen, schreibt den Namen Striesen einem Gut der Střeža zu. Wolfgang Fleischer, ein anderer Forscher, macht den heute immer zitierten strož „Wächeter“ oder Stroza „Wache“ zum Ursprung des Namens. Die häufigste Schreibweise des Ortsnamens ist Stresen. Im 14. und 15. Jahrhundert, aber auch später, gibt es ca. 15 verschiedene Schreibformen.

Interessant ist die Bezeichnung in einer Urkunde aus dem Jahre 1370: agro infra albeam et Striesenkin. Es handelt sich um den ersten Eintrag mit der heutigen Schreibform von Striesen, und berichtet aber auch von dem Vorhandensein eines Vorwerks, dessen Name volktypisch mit Striesenkin, Klein- Striesen, gleichzusetzen ist. Im Jahr 1408 wird das Vorwerk mit einem Feldbesitz von 9 Hufen bezeichnet. Der Hof war sicher in der Lage, eine Großfamilie zu nähren, was der Lebensweise der Slawen entsprach. Betrachtet man die Größe des Vorwerkes für sich, würde es sich in die Siedlungsformen der Umgebung einfügen. Blasewitz, Gruna, Seidnitz aber auch Tolkewitz waren nicht größer als das Vorwerk Striesen. Die an Striesen nördlich angrenzenden, leichten Sandböden konnten mit dem Hakenpflug der Slawen bearbeitet werden. Die feuchten, lehmigen Böden der Südseite eigneten sich als Weideland. Auch eine bis um 1840 übliche Art der Einladung zur Gemeindeversammlung ist aus der Slawen-Zeit übernommen worden. Die Einladung erfolgte durch ein Holz, was von Hof zu Hof weitergegeben wurde. In Striesen ging man mit dem Holz von Hof zu Hof und schlug wohl manchmal etwas derb an das Tor, was dann als nicht schicklich abgeschafft wurde.

Die zweite Gründunghypothese ist eventuell deutschen Ursprungs. Es gab im Dorf im Jahr 1350 noch ein zweites Allodialgut. Ein weiterer Bürger Dresdens wurde mit ihm beliehen. Die Flur des Dorfes umfasste 23 Hufen, 9 gehörten zum Vorwerk.14 Hufen waren geteilt in ein Allod und weitere kleine Höfe, die weiter verliehen wurden.

Im Elbtal war noch viel ungenutztes Land, es bot für die deutschen Siedler Möglichkeiten, sich neben den alteingesessenen Slawen anzusiedeln. Die Anlage des Landgrabens machte erst die Entwässerung des sumpfigen Geländes möglich und war eine Möglichkeit an Siedlungsland zu kommen. Ob man die slawischen Bewohner des Vorwerks vertrieben hat oder mit ihnen eine Nachbarschaft gepflegt hat, ist unbekannt. Das Vorwerk wurde erst in der nachreformatorischen Zeit in kleinere Hufengüter umgewandelt, ging also nicht in der Kolonialisierung unter. Da Wacht-Getreide an Dohna zu zahlen war, ist es als ein Lehngut zu betrachten. Die in Urkunden erscheinenden Namen der Bauer weisen nach 1350 nur auf deutsche Familien hin. Es würde also auch die Möglichkeit einer deutschen, zweiten Gründung in Betracht kommen. Striesen war das größte Dorf, östlich von Dresen (Gerd Hiltscher Nov. 2013). Zum alten Dorfplatz gehören auch die Häuser an der Merseburger Straße ab der Nummer 2. Die Häuser bildeten einst das Vorwerk des Dorfes. Die Nr. 3 ist erst nach 1990 abgebrochen worden. Die vier großen Häuser, Nr. 2, 2a, 5 und 5a gehörten zum alten Dorfplatz. Auch das um das Jahr 2010 abgebrochene Haus, Geisingstraße 5, gehörte dazu. Archäologische Untersuchungen wurden nicht durchgeführt. Der Landgraben durchschnitt das Dorf und trennte damit die Nord- und Südseite des Dorfes. Die Anlage des Landgrabens ist in keiner Urkunde belegt. Um 1310 war er vorhanden.


[Bearbeiten] A.4. Striesen als Dorf des Amtes Dresden und seine abzugeltenden Leistungen

Hier soll als Überblick aufgezeigt werden, welche Diensts die einfachen Leute (Untertanen) an die Obrigkeit zu leisten hatten, die neben der Aufrechterhaltung ihres Lebensunterhalts zu verrichten waren. Das Dorf gehörte stets zum Amt Dresden. Es ist seit seiner Ersterwähnung im Jahr 1350 nie von dem Amt weggekommen. Noch 1828 wurden die Lehns- und Zinsleute des Stadtrates von Dresden, die in Striesen wohnten, als Amtsuntertanen des Amtes Dresden vereidigt. Die von den Striesener Einwohnern zu leistenden Spann- und Handdienst waren immer dem Amt zu verrichten.

Der oberste Lehnsherr Dorfes war der Markgraf. Laut alten Urkunden war die obere Gerichtsbarkeit für Dorf und Vorwerk Striesen in den Händen des Amtes Dresden (Schloss genannt). Als Amtsuntertan des Amtes Dresden war der Dörfler in Striesen zu den unterschiedlichsten Diensten nach altem Herkommen verpflichtet. Der nachfolgende Text wurde entnommen (Hiltscher, G.) aus Heinrich Haug: „Das kurfürstliche Amt Dresden“, hier sprachlich angepasst und gekürzt..

Die Frondienste wurden in gemessene und ungemessene geteilt, nämlich solche, die nur eine bestimmte Anzahl von Tagen oder nur zu ganz bestimmten Verrichtungen gefordert, und solche, die zu allen Verrichtungen und beliebig oft und zu jeder Zeit verlangt werden konnten. Beim Amt Dresden bestand der größte Teil der Dienste in ungemessenen, doch hatte auch eine große Anzahl Dörfer außer der Beihilfe zur Stellung der Heerwagen und Heeresfolge gar keine Dienste ins Amt zu leisten. Vielfach und oft auf lange Zeit wurden die Fron-Pflichtigen durch so genannte Landfuhren in Anspruch genommen, wobei die Geschirre häufig auf Reisen mitgeführt oder bei Jagden in entfernte Gegenden gebraucht wurden. Die Bauern hatten dabei die Verpflichtung, die ersten drei Tage für ihren Unterhalt aus eigenen Mitteln zu sorgen, während ihnen für die spätere Zeit die Verpflegung gewährt wurde. Die Baudienste mit Pferden und mit der Hand wurden bei Erbauung und Unterhaltung der landesherrlichen Schloss-, Forst-, Mühlen- und anderer Gebäude, bei Ufer- und Wegebau, Schuttfuhren bei der Reinigung der Straßen, Gebäude und Gärten in Anspruch genommen. Ferner waren zu leisten Jagddienste mit Pferden oder Personen, so genannte Vorwerksdienste, welche in Feldarbeit bestanden, Fischereidienste, Holzfuhren und andere.

Im Jahre 1615 wurde eine „Ordnung wegen der Leistung der Land- Jagdzeug- und Baufuhren im Amt Dresden“ aufgestellt, wonach die Fuhren nach Anzahl der aufgelegt und in drei Abteilungen, Anlagen genannt, eingeteilt, von welchen jede nach Ablauf der dritten Woche wieder zu Dienstleistungen verlangt werden konnte. Die Dienstpflichtigen hatten sich, auf am Tage vorher durch den Landknecht erfolgte Bestellung, früh beim Toraufschließen mit ihren Wagen und Pferden einzustellen und die ihnen auferlegten Fuhrendienste abzuleisten. Wer eine Stunde nach Aufschließen des Tores nicht eintraf, musste 6 Groschen und wer ganz ausblieb 12 Groschen Strafe zahlen. Die Verpflichteten hatten sich mit Proviant und Futter für ihre Pferde auf 2 Tage zu versehen und mussten 2 Tage in der Stadt bleiben. Wer 2 Tage gewartet hatte und zu Landfuhren nicht gebraucht worden war, wurde abends vor Torschluss entlassen und die Wartezeit ihm als geleisteter Dienst in das Einschreibebuch verzeichnet. Diese Einschreibebücher, mit welchen sie sich bei der Ankunft im Amt melden mussten, führten die Fron-Pflichtigen vorschriftsmäßig in einer hölzernen oder blechernen Büchse bei sich. Zu den Jagdzeugfuhren hatten die Dienstleistenden, wie es scheint, nur die Pferde zu stellen. Die 1664 aufgestellte Baudienstordnung enthält im Wesentlichen nicht viel anderes als die von 1615.

Die Handdienste zu den Bauten wurden in allen dazu verpflichteten Dorfschaften nach der Einwohnerzahl angeordnet und in 6 Abteilungen eingeteilt. Die Dienstpflichtigen hatten sich früh mit Sonnenaufgang auf dem Bau einzufinden und durften ihn erst mit Sonnenuntergang wieder verlassen. Die Dauer der Dienstleistung betrug jedes Mal eine Woche, so dass jede der 6 Abteilungen nach Ablauf der 6. Woche wieder zur Dienstleistung herangezogen werden konnte. Seit 1696 war bei den Handfrönern ein neunwöchentlicher Turnus eingeführt worden. Es wird in der „Ordnung“ gesagt, dass nur starke und tüchtige Personen, und nicht wie bisher, kleine Jungen geschickt werden sollen.

Die Fron-Pflichtigen versuchten es, die eingeforderten Leistungen nach und nach in Geldabgaben zu verwandeln. Schon in den achtziger Jahren des 16. Jahrhunderts hatten sich die Amtsuntertanen wegen der Jagd- Wildpret- Hof- und Landfuhren sowie der anderen Dienste, die sie mit Pferden und mit der Hand zu leisten hatten, beklagt und sich erboten, im Falle der Befreiung davon eine Abgabe in Geld zu erlegen. Es erging deshalb an eine große Anzahl der Ämter unterm 8. März 1587 ein Reskript des Inhaltes, dass die Anspänner, Gärtner, Häusler und Hausgenossen gegen einen in ihr Amt zu entrichtenden Geldbetrag von allen Jagd- und Wildfuhren, Diensten mit Pferden und mit der Hand bei Hirsch-, Reh-, Sau-, Bären-, Wolfs-, Fuchs- und Hasenjagten, der Nachtwachen beim Zeuge und was dieser Dienste mehr seien, auch der Küchen- und Kellerfuhren in die Jagdlager etc. befreit bleiben sollen. Für das Amt Dresden wurde bestimmt, dass von jeder Hufe 2 Gulden, von jedem Gärtner ½ Gulden, von jedem Häusler 5 Groschen 3 Pfennig und von jedem Hausgenossen drei Groschen Jagddienstgeld jährlich gezahlt und zu den auf die vier Quatember festgelegten Terminen entrichtet werden solle. Die Vereinbarung war auf Widerruf getroffen, und es wurde mit Remiscere 1588 mit der Erhebung der Abgabe begonnen.

Diese Einrichtung bestand jedoch nur bis zum Jahre 1590 und wurde durch Reskript vom 20. März wieder aufgehoben, die die Obrigkeit mit dem bewilligten Geldäquivalenten nicht auskam und aus der Kammer zugezahlt werden musste. An Stelle der Jagddienstpflichtigen wurden einige hundert Jagdknechte angenommen, die sich zum Teil bei Hofe in Besoldung und zum Teil auf dem Lande in Wartegeld befanden, doch wären dieselben den Einwohnern sehr beschwerlich gefallen und hätten allerlei Mutwillen getrieben, weshalb sie, wenigstens teilweise, wieder abgeschafft werden sollten. Dagegen sollen die Amtsuntertanen soviel Personen, als nötig stellen und diesen letzteren ein Tagelohn von 24 bis 30 Pfennigen gezahlt werden.

Die Bestrebungen der Dienstpflichtigen, die Frondienste in Geldabgaben zu verwandeln, nahmen indes ihren Fortgang und führten im Jahre 1618 zur Errichtung des Hufenrezesses. Durch diesen Rezeß wurden alle Pferde- und Handdienste, Landfuhren nebst den sonstigen darauf bezüglichen Fuhrendiensten gegen eine jährliche Geldabgabe (Hufengeld) erlassen. Die Ableistung der Dienste war nach Hufen geregelt war. Bezüglich der für Jagden nötigen Leute mussten sich die Dorfschaften zu deren Stellung gegen Lohn noch besonders verpflichten. Das Hufengeld betrug für die Orte im Elbtal liegenden drei Hufenbezirke 10 Gulden. In der nach dem Hufenrezeß von 1618 festgelegten Weise sind die Frondienste beim Amte Dresden bis zum Jahre 1827 geleistet worden, und erst bei Gelegenheit der in Aussicht genommenen Ablösung zeigte sich, in wie vielseitigen Leistungen dieselben bestanden.

Im königlichen Schlosse wurden die Frondienst-Pflichtigen zum Reinigen der Treppen, Höfe Gänge und Wachstuben, zum Wassertragen, Fensterwaschen, Abfahren der Asche und ähnlichen Dienstleistungen gebraucht, ebenso im Rüstkammergebäude, im Jägerhofe, im Opernhause, in den neuen Ställen, im so genannten Löwenhausstalle, im Klosterhofe bei der Sophienkirche und auch im Jakobshospitale, sowie auch zum Reinigen der Straßen vor diesen Gebäuden. Bei der Hauptkellerei hatten sie Beihilfe bei den Mostlieferungen zu leisten und mussten die Kufen auswaschen. In vielen Kanzleien wie im Finanzhause, im Berggemach, der Münze, im Justizamte, im Oberkonsistorium, bei der Oberrechnungsdeputation, in den Kanzleihäusern zu Altstadt (im Kanzleigässchen) und zu Neustadt (in der großen Meißner Gasse, Justizministerium) wurden sie zum Aktentragen, scheuern, Treppenkehren, Reinigen der Kanzleistuben, Holz- und Kohlentragen, Fensterwaschen, Holzspalten und dergleichen Arbeiten benutzt. Ferner hatten sie Kies, Sand und Steine zur Unterhaltung der Straßen und Baumaterialien für die landesherrlichen Gebäude anzufahren, sowie zur Unterhaltung der Alleen im Ostragehege nötigen Fuhren zu leisten. Auch im Großen Garten, im Palaisgarten, im Herzogin Garten und dem Garten beim Schlosse zu Übigau waren Gartenarbeiten zu leisten. Sehr bedeutend waren die Dienste für die Weinberge in der Lößnitz und in Cossebaude; für die ersteren wurden z.B. im Jahr 1825 839 zweispännige Wagen und 1451 Handfröner gebraucht; ebenso zu Chaussee- und Straßenbauten, wozu in dem selben Jahre 1058 Wagen und 2280 Handfröner in Anspruch genommen wurden.

Weiter waren noch Frondienste zu leisten für die Amtsziegelscheune, die Pulvermühle, die Stückgießerei, die Forsthäuser. Die sämtlichen Dienste, auf die der Fiskus nach den Bestimmungen des Hufenrezesses, nach sonstigen Dokumenten und dem Herkommen Anspruch machen konnte, betrugen im Amte Dresden ungefähr 14568 zweispännige Fuhren und 47860 Handtage, wovon aber jährlich nur 3729 Spanntage und 22697 Handtage regelmäßig in Anspruch genommen wurden.

Um bei der Ableistung der Frondienste vielfach vorkommende Differenzen ein Ende zu bereiten, wurde durch Reskript vom 27.November 1827 angeordnet, die sämtlichen Dienste an Bau-, Schutt- und Heidefuhren, sowie die freien Handdienste in eine Geldabgabe zu verwandeln, worauf im Jahre 1828 deren Ablösung erfolgte. Einige Spanndienste wurden noch aufrecht erhalten Die Stellung der Heerwagen war in der Weise geregelt, dass gewöhnlich mehrere Dörfer gemeinschaftlich einen solchen und mehrere Fußknechte zu stellen hatten, so stellten z.B. die 18 Dörfer Altfranken, Striesen, Seidnitz Gruna, Roßthal, Leutewitz, Pennrich, Löbtau, Döltzschen, Zöllmen, Naußlitz, Kaufbach, Rennersdorf, Hühndorf, Omsewitz, Kemnitz, Pesterwitz und Weißtropp zusammen 1 Wagen und 10 Knechte.

[Bearbeiten] Die Geschichte Dresden-Striesens, Teil 2

[Bearbeiten] A.5. und 6. Striesen im 15. und 16. Jahrhundert

Über das Leben der Striesener im 15. und 16. Jahrhundert ist wenig bekannt. Die einzigen Quellen, auf die zurückgegriffen werden kann, sind einige urkundliche Eintragungen, die jedoch nur auf Besitzverhältnisse und zu leistende Abgaben hinweisen. Daraus lässt sich schließen, dass Striesen ein unbedeutendes Dorf war, dessen Einwohner sich recht und schlecht durch das Leben schlugen.

Im Jahre 1398 eignete Markgraf Wilhelm dem Hospital Sondersieden auf der Viehweise eine von Roth erkaufte Hufe Landes in Striesen zu. Im Jahre 1408 gaben die Markgrafen Friedrich und Wilhelm reichen Dresdner Bürgern Güter und Zins zu Lehen, wozu auch mit 9 Schock und 21 Groschen das Vorwerk Striesen gehörte. Ferner erwähnt eine Urkunde vom Jahre 1408 "der drei Fürsten Friedrich, Wilhelm und Friedrich", dass die Gebrüder Bußmänner, die Buling, Hertel usw., mit dem Vorwerk Stresen belehnt wurden. Im Jahre 1449 bestätigte der Bischof Johann zu Meißen die an die Kreuzkapelle zu entrichtenden Abgaben, zu denen auch Striesen verpflichtet wurde.

Die Hussitenkriege (1419-1436) gingen auch an der Dresdner Landschaft nicht spurlos vorüber. Altdresden und die Vorstädte wurden 1426 fast völlig zerstört, und viele Dörfer in der Umgebung erlitten arge Verwüstungen. Einige Ansiedlungen sind dabei völlig verschwunden (Wüstungen). Im Jahre 1450 kamen die Kriegswirren und -nöte nochmals zurück.

In den Dörfern um Dresden - inwieweit auch Striesen dazu zählte ist unbekannt - wurde oftmals noch slawisch bzw. wendisch gesprochen, zumal die Christianisierung unter den Slawen in deren Muttersprache betrieben wurde. So ist vom Bischof Eido von Meißen bekannt, dass er gerade wegen seiner slawischen Sprachkenntnisse vom Kaiser zum Bischof empfohlen wurde. Erst im Jahre 1424 wurde die wendische Sprache beim Meißner Gericht abgeschafft. Daraus ist zu schließen, dass in der häuslichen Sphäre weiter wendisch gesprochen wurde. Auch in der Kirche war noch lange wendisch zu hören.

Ein Bauer Koschmann musste als Vorwerksbesitzer, so ist nachzulesen, der Stadt Dresden mit einem Wagen und drei Pferden Transportdienste leisten. Aus dem Jahr 1458 ist bekannt, dass zwischen den Einwohnern in Striesen durch den Vogt zu Dresden, Balthasar Redder, unter Hinzuziehung von Hans Carlowitz in Gemeindesachen verhandelt wurde.

Dresden gelang es mehr und mehr, die Gemarkung seiner Flurgrenzen bis an die benachbarten Dörfer, so auch Striesen, heranzuführen. Dresden war 1485 durch die Übersiedlung der Wettiner aus Meißen zur Residenz- und Hauptstadt geworden und wandelte sich seitdem zu einer Festung nach italienisch-niederländischem Vorbild mit Erdwällen, Kasematten und vorgeschobenen Bastionen oder Basteien.

Im 16. Jahrhundert standen 9 Hufen aus Grund und Boden unter dem kurfürstlichen Amt, 14 unter dem Dresdner Religionsamt. Bei der Anlage des Großen Gartens ab 1676 und nochmals bei der Verlegung der Pirnaer Landstrasse außerhalb des Großen Gartens verloren die Striesener Bauern einen Teil ihres Ackerlandes. Im Jahre 1608 verfügt Striesen über 14 Pferdner, 7 Halbhufner (ein Pferd), 11 Gärtner und 10 Häusler. Ein Hufen Land entspricht etwa 6 Hektar.

[Bearbeiten] A.7. Striesen im 17. und 18. Jahrhundert

Aus dem Hufen-Receß des Amtes Dresden wegen Erlass der Pferde- und Handdienste gegen Entrichtung eines Dienstgeldes vom 29. Januar 1618 geht hervor, dass Striesen über 23 Hufen und 46 Haushalte verfügte.

Die Striesner Flur war zum Teil kleinteilig aufgeteilt, und die Böden der Felder wiesen unterschiedliche Qualitäten auf. Die neun Forwerkshufen hatten die besten Böden. Sie befanden sich auf der Fläche, das heute von der Geising-, Borberg-, Krenkel- und Stübelallee abgegrenzt wird. Diese Flurgebiete mit den guten Böden wurden nach 1860 von den zahlreichen heranziehenden Gärtnern übernommen. Längs der heutigen Schandauer Straße lagen im Osten von Striesen die Oberhufenfelder, die auf Grund von Sand und Kies über Lehm von nicht ganz so guter Qualität waren.

Die nördlichen Flurteile Striesens trugen die Bezeichnungen Niederhufen, Vogelherdstücke und Tännicht und bildeten mittelgute und schlechte Böden. Dennoch konnte man hier an einigen Stellen auch Weingräten anlegen, deren Weintrauben für saure Weine ausreichten. Eine Verbesserung des Geschmacks konnte mit allerlei Gewürzen erzielt werden. In dieser nördlichen Flur waren auch einige Geländehügel anzutreffen. Der Windmühlenberg (Gluckstraße) erhielten seit 1790 vier Windmühlen, die bis 1813 bestanden haben.

Die von Kurfürst Herzog Johann Georg zu Sachsen am 11. März 1638 ernannte Kommission zu Erfassung der Schäden durch den Dreißigjährigen Krieg zählte in Striesen 44 Häuser. Die Einwohner Striesens waren durch den Krieg derart ausgesogen, dass sie keine Abgaben abführen konnten. Von größeren Schäden war Striesen verschont geblieben, während die Nachbardörfer Gruna, Seidnitz und Tolkewitz verwüstet wurden.

Striesen war ein Dorf mit vielen Häuslern. Im Jahre 1708 zählte es 69 selbständige Haushaltungen, davon 28 Bauern und Gärtner, 22 Tagelöhner, 9 Handwerker, 8 Häuslerwitwen und 2 Dresdner Röhrmeister. 24 Familien waren mit einem Kind ausgestattet, 15 Familien mit zwei Kindern, sechs mit drei und acht Familien hatten vier bis sieben Kinder. Von den Bauern hatten 7 zwei Pferde und 10 je ein Pferd. Nur 15 Bauern konnten sich Knechte oder Mägde leisten.

Im Jahre 1751 war Christoph Ridig Richter in Striesen. Als seine Schöffen werden Johann Winkler und Gottlieb Grahl genannt. Im Jahre 1755 hieß der Richter Hans Schindler, seine Schöffen waren Johann George Pietzsch und Adam Gottlieb Pietzsch.

In Striesen wurden die Häuser mit ihren Giebelseiten zur Straße hin gebaut. Das Dorf verfügte neben seiner Straßendorfanordnung über drei Gassen, die als Eingänge oder Ausgänge dienten. Von Dresden erreichte man auf der nach Pillnitz führenden Straße, wenn man den Rampischen Schlag verlassen und ein flachwelliges Hügelland durchquert hatte, nach einer reichlichen halben Stunde die Geisingstraße (Grunaer Weg), in die man links abbiegen musste. Um weiter nach Pillnitz zu gelangen, musste man das Dorf durchqueren und über die heutige Eilenburger Straße weiter reisen, die damals etwa am Pohlandplatz erst auf den Vorgänger der Schandauer Straße stieß.

In Richtung Blasewitz ging es über die Rosa-Menzer-Straße. Eine Sackgasse war zunächst die Merseburger Straße, die erst später nach ihren Durchbruch Verbindungscharakter in Richtung Neustriesen erhielt. Diese Sackgasse und die sich daran befindlichen Grundstücke zählt man auch als in den ältesten Urkunden genanntes Allod, mit dem der Dresdner Große belehnt wurde.

Mitten im Dorf lag der Dorfplatz, auf dem sich neben Gärten auch einige Restgewässer des Landgrabens in Form von Teichen befanden, auf denen sich Enten und Gänse tummelten und die aber mehr und mehr verschwanden. Diese Restgewässer erfuhren in den Jahren 1784 und 1845 große Elbüberschwemmungen. An der Einmündung der Geisingstraße, die in Verlängerung über die Borsbergstraße nach Gruna führte, nach Altstriesen stand anfangs der alte Ziehbrunnen, der den Ort mit Trinkwasser versorgte. Der Ziehbrunnen ist noch auf einer Zeichnung von A. Zingg aus dem Jahre 1801 zu erkennen. Auf der Zeichnung sind Häuser mit Fachwerksunter- und -obergeschoß, Strohdächern und mit Giebelspießen und Schornsteine mit Rauchdach zu sehen. Der Ziehbrunnen stand vermutlich an der Kurve der Gesingstraße nach Altstriesen.

Einige Striesner mussten in Ermangelung von Pferden ihre Felder mit Kühen bestellten und erhielten den Spitznamen Kuhbauern. Die wohlhabenderen Striesner Bauern hatten Pferde, Kühe und Schweine und wohnten mehr im westlichen Teil des Dorfes. Zu ihnen zählte der Bauer Hans Schindler. Um den Platz herum waren die Güter der Halbhufner angeordnet. Die Ärmsten waren die Häusler, die über keine Güter und keine Pferde verfügten, umso mehr Kinder hatten und in Richtung Blasewitz und Gruna in einfachen Katen wohnten.

Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) waren die Gegenden östlich von Dresden von den Kriegseinwirkungen betroffen, die durch den Einfall der Truppen unter Friedrich den Großen von Preußen entstanden. Neben den üblichen Verwüstungen hatten die Striesener unter Einquartierungen und Schanzarbeiten zu leiden, zu denen sie von den preußischen Truppen herangezogen wurden. Im Blasewitzer Tännicht entstanden erhebliche Schäden. Von unmittelbaren Kampfhandlungen blieb Striesen jedoch verschont.

Bis zum Jahre 1768 führte die Pillnitzer Landstraße von der Geisingstraße (Grunaer Weg) kommend durch das Dorf bis in die Nähe des Pohlandplatzes. Der Weg durch das Dorf störte den kurfürstlichen Hof auf seiner Reise zur Sommerresidenz. In einem Wegebericht des Sächsischen Hofes, die Fahrten durch das Dorf Striesen in Richtung Pillnitz betreffend, heißt es: "Das Steigen und Fallen der Straße wegen des durch das Dorf gehenden Landgrabens machte die Passage allzeit hinderlich und unbequem. Wegen der Tiefenlage und vielfältigen Zusammenläufe des Wassers, desgleichen deren Unreinlichkeiten aus deren Bauernhöfen gab es immerwährendes Reparieren und Ausräumung." Deshalb wurde eine Straße angelegt, die an der Geisingstraße geradeaus führte und den Bogen durch das Dorf umging. Der Knick in der Schandauer Straße dort erinnert noch heute an die Verlegung der Landstraße. Ein Schlagbaum an dieser Straße sorgte dafür, dass nur die Wagen des Hofes auf der neuen Straße fahren konnten.

Großen Schrecken brachte im März 1784 ein Elbehochwasser, das den ganzen, nördlich des Landgrabens gelegenen Dorfteil überschwemmte. Viele Häuser standen bis an die Strohdächer im Wasser, dessen Pegel am 18 März an den tiefsten Stellen 2 m hoch war.

Im Gebiet zwischen Borsbergstraße, Geising- und Krenkelstraße und Stübelallee waren Felder mit guten Böden vorzufinden, die nach 1860 mehr und mehr von Gärtnern übernommen wurden. Es entstand ein Zentrum des Gartenbaus. Von diesem Areal mussten die Striesner Teile für den Großen Garten abgeben. Deshalb wurden auch Prozesse geführt. Eine mögliche Entschädigung erhielten die Striesener durch die Übereignung der Reicker Felder. Im Osten Striesens entlang der heutigen Schandauer Straße befanden sich die Oberhufenfelder mit vorwiegend Sand, Kies und Lehm. Auch im Norden wiesen die Felder mindere Qualität mit sandigen Böden auf.

Im Gebiet der Huttenstraße befand sich ein kleiner Hügel, der Windmühlenberg, auf dem in den Jahren 1784 bis 1789 vier Windmühlen auf allerhöchtste Anordnung vom 27. November 1784 und vom 2. März 1789 errichtet wurden, um bei Wassermangel die Residenz mit Mehl zu versorgen. Es waren nicht die ersten im Dresdner Raum. Bereits 1513 wurde vom Rat der Stadt die erste Windmühle hinter der alten Frauenkirche gegenüber dem Maternihospital erbaut. Auch die Striesner Bauern begrüßten den Windmühlenneubau, mussten sie doch nicht mehr die Laubegaster Schiffsmühle oder die Plauener Hofmühle benutzen.

Die Windmühlen waren 12 Jahre für 140 Reichstaler jährliche Pacht an den Pächter der an der Weißeritz gelegenen Buschmühle, Gottlieb Leberecht Vogel, verpachtet und wurden nach ihrer Zerstörung im Jahre 1813 im Napoleonischen Krieg und Verwendung als Biwakfeuer nicht wieder aufgebaut. Zu diesem Zeitpunkt wurden sie von Johann Gottfried Reinhold betrieben, der sie für 2050 Reichstaler Erbstand-Quantum und 70 Reichstaler jährlichen Canon in Erbpacht hatte. Später wurde der Berg abgetragen. Die Gaststätte "Zum Windmühlenberg" in der Gluckstraße erinnert an die damaligen Verhältnisse.

Eine am Hause Markgraf-Heinrich-Platz 5 (Altstriesen 8) nach 1813 angebrachte Gedenktafel berichtete über einen Brand aus dem Jahre 1794, bei dem das halbe Dorf durch "eines bösen Buben Hand" abbrannte.

[Bearbeiten] A.8. Von Wein, Bier und Wirten aus früher Zeit

Am 2. April 1756 wurde dem Hofuhrmacher Johann Heinrich Naumann und seinen Nachfolgern vom Kurfürsten Friedrich August die alleinige Erlaubnis erteilt, auf seinem Gute (später Gasthof "Zum Sächsischen Prinzen", Teil des Petermannschen Gutes, dann 1926 bis 1945 Gloria-Palast-Lichtspiele) Dresdner Stadtbier zu verzapfen und zu "verschänken". Bis dahin kamen die Striesner offenbar ohne Wirtshaus aus, und sie brauten selbst Bier, das nach alten Dorfgesetzen im Reiheausschank ausgegeben wurde.

Durch einen Erlass vom 1. Januar 1758 waren die Striesner in ihrem Recht, den Reiheschank auszuüben, geschützt. Danach durfte ein Bauer für sechs Jahre lang sein Bier über die Straße verkaufen oder aber auch im eigenen Haus ausschenken. Nach sechs Jahren kam dann der nächste Bauer an die Reihe. Der Reiheschank kam im Jahre 1876 für eine jährliche Pacht von 142 Talern ständig an einen gewissen Reuter aus Laubegast, der später auf sein 1836 erbautes Haus (Merseburger Straße 4) die behördliche Schankkonzession erhielt. Damit entfiel die Pachtzahlung an die Gemeinde Striesen.

An der Südseite des Windmühlenbergs wuchs Wein, den man aber mit allerlei Gewürzen versehen musste, ehe er genießbar wurde. An diese Alkoholversorgung hatten sich die Striesner gewöhnt und benutzen den Reiheschank auch weiterhin, vor allem bei Kindtaufen, Hochzeiten und zu Fastnacht. Sicherlich aus Konkurrenzneid verklingelte Naumann die Striesner beim Amtshauptmann und berichtete von "Exzessen, Schlägereien und sonstigem greulichen Unfug", der besonders vom Dorfrichter ausging, der bei seinem Bierausschank mit Musik das Jungvolk anzöge. Die Obrigkeit wollte sich aber offenbar nicht richtig einmischen, und erst als Naumann eines Fastnachts ein Fass Bier spendierte, konnte der Disput feucht fröhlich beendet werden.


[Bearbeiten] A.9. Striesen im 19. Jahrhundert

Hatte bereits der 30jährige Krieg Schrecken im Dorf verbreitet, so ging die Weltgeschichte in Form der Napoleonischen Feldzüge auch nicht spurlos an dem kleinen Ort vorbei. Einen Vorgeschmack auf die anstehenden Kampfhandlungen erhielten die Striesner am Sonntagnachmittag, dem 23. August 1813, als vom Petermannschen Schankgute her der Ruf erschallte: "Die Kosaken kommen". Man rannte zur Pillnitzer Straße und sah aus Richtung Seidnitz kommend einige Reiter in blauen Uniformen, auf die ein französischer Posten schoss. Die Reiter verschwanden daraufhin rasch wieder. Am nächsten Morgen zogen sich Truppen der Verbündeten auf den Höhen von Räcknitz und Zschertnitz zusammen. Einige Striesner flüchteten nach Dresden, aber vergebens, die Stadttore waren schon geschlossen.

Von Tolkewitz kommend drangen russische Truppen gegen Striesen vor, und die Franzosen wichen in Richtung Großer Garten zurück. Die russischen Truppen wurden vom Windmühlenberg her von den Franzosen unter Artilleriebeschuss genommen. Durch das Artilleriefeuer wurde Striesen gegen Abend des 25. August 1813 in Brand geschossen. Schnell standen acht Gebäude im Feuer. Trotz Bedrängnis durch die einrückenden Russen konnten die Striesner das Feuer eingrenzen und löschen. Auf dem Dorfplatz herrschte wüster Soldatenlärm, und manches wurde aus den Häusern der Striesner geplündert.

Am 26. August besetzten die Russen den Windmühlenberg und feuerten mit ihrer Artillerie auf die Franzosen im Großen Garten. Als am Nachmittag der Sturm auf die Stadt erfolgen sollte, brachen plötzlich die Truppen Napoleons, verstärkt durch in Eilmärschen aus Schlesien anrückende Kontingente, auf die Russen ein. Unter besonders starken Beschuss stand der Windmühlenberg, auf dem die Russen große Verluste erlitten. Die Windmühlen fingen Feuer, russische Pulverwagen flogen in die Luft. Die Russen wichen in Richtung Striesen zurück und wurden von den Franzosen verfolgt. Um jedes Haus wurde Mann gegen Mann gekämpft. Die Franzosen drangen über den Landgraben aus Richtung Haydnstraße immer mehr in das Dorf ein und steckten das Dorf Haus für Haus in Brand, um die Russen schneller zu vertreiben. Die Russen zogen sich in die Gegend von Pohland- und Schlüterstraße zurück. Am anderen Tag wurde der Kampf trotz Regen in den Dörfern Gruna, Seidnitz, Reick und Dobritz weitergeführt.

Am 28. August 1813 schlugen die Dresdner Turmuhren um halb zwölf nach 42 Stunden Stillstand wieder, die nach damaligem Kriegsbrauch bei Beginn der Schlacht abgestellt worden waren. Das Ergebnis war grauenhaft. Das ganze Dorf Striesen lag in Schutt und Asche, Felder waren zum Teil erntereif verwüstet. Viele Einwohner waren umgekommen, noch mehr Soldaten lagen tot und verwundet im Dorf. 71 Feuerstellen wurden vernichtet, nur drei Häuser blieben erhalten, unter ihnen die alte Dorfschmiede und das Seitengebäude des Gutes, Altstriesen 16. Auch der Große Garten war Kriegsschauplatz. Die Zerstörungen und Verwüstungen waren so stark, dass der für Dresden zuständige russische Generalgouverneur Nikolaus von Repnin die den Großen Garten umfassende Mauer abtragen ließ und die Steine den Bauern von Gruna und Striesen für den Wiederaufbau ihrer Gehöfte zur Verfügung stellte.

Der Wiederaufbau Striesens erfolgte nach den alten Grundstücksgrenzen, und auch die Dreiseitenhöfe erhielten wieder ihre Bogentore. Die Steine der Ummauerung des Großen Gartens konnten die Bauern von Striesen zum Aufbau ihrer niedergebrannten Gehöfte gut verwenden. Das Holz für die Häuser erhielten die Striesener aus der Lausnitzer Heide unentgeltlich. 22.000 Taler für den Wiederaufbau kamen als Spende aus England. Der Aufbau zog sich bis in die 50er Jahre des 19. Jahrhunderts hin. Zuerst wurden die Ställe aufgebaut, dann folgten die Wohnbauten. Die oberen Etagen erhielten Öfen, die meisten unteren nicht, da man auch wieder mit Überschwemmungen rechnen musste.

Die 1789 erbauten und 1813 zerstörten Windmühlen, die sich am Windmühlenberg (Hutten-, Wartburgstraße) befanden, wurden nicht wieder errichtet, da ihr Wiederaufbau zu teuer für den im Krieg verarmten Pächter Reinhold war. Eine Versteigerung am 2. März 1818 blieb ohne Bieter, niemand war zum Termin erschienen. Im Jahre 1819 (Ostern) gingen die Feldgrundstücke für jährlich 4 Reichstaler und 8 Groschen in Pacht an den Striesner Petermann. Später stand hier das Gasthaus "Kuchengarten", zu dem die Striesner gern einen Ausflug unternahmen

Im Giebel des 1818 wieder aufgebauten Hauses Altstriesen 8 (davor Markgraf-Heinrich-Platz 5) wurden drei französische Kanonenkugeln eingemauert, die bis zum 13. Februar 1945 gut zu sehen waren. Auch Gedenktafeln fanden Platz an den Häusern. In der wieder aufgebauten Form hatte Altstriesen in seinem Altbaucharakter seinen Bestand bis zum 13. Februar 1945.

Im Jahre 1845 hatte Striesen abermals unter Überschwemmungen zu leiden. Diesmal führte ein Dammbruch beim Windmühlenberg zu einem hohen Wasserstand im Dorf, der den von 1784 übertraf. Um die Jahre 1820 bis 1830 lebten in Striesen etwa 450 Menschen. Striesen umfasste damals 70 Häuser. Die Einwohnerzahl wuchs alsbald auf 678 in 75 Häusern im Jahre 1858 und 4894 in 263 Häusern im Jahre 1871.

[Bearbeiten] A.10. Die Zeit der wirtschaftlichen Umwälzung in Striesen

Die politischen und wirtschaftlichen Veränderungen in Sachsen nach dem Jahre 1830 haben auch die Entwicklung Striesens maßgeblich beeinflusst. Der Wiederaufbau nach der Zerstörung Striesens im Jahr 1813 war etwa um 1830 abgeschlossen. Die Einwohner hatten sich wirtschaftlich wieder gefestigt. Große Veränderungen warfen ihre Schatten voraus. Der Gesindezwang wird abgeschafft, die Frondienste und Hufengelder werden in Grund- und Gewerbesteuern umgewandelt, die Bauern können ihr Land kaufen. Einige, vor allem Besitzer der kleineren Höfe, konnten die Abgaben nicht aufbringen und mussten ihre Höfe oder Bodenanteile verkaufen. In die Zeit der Ablösung fiel auch das große Hochwasser von 1845, wovon der Nordteil des Dorfes besonders betroffen war. 1846/47 folgten eine große Dürre und ein Hungerjahr. Neue Schulden mussten aufgenommen werden, mit den Hilfen des Landes konnte man die Schäden an den Häusern kaum bezahlen.

Die alt hergebrachte Dreifeldwirtschaft, geprägt vom Leben nach Gesetz und Kalender, wurde abgeschafft. Nach 1836 geht die Dreifeldwirtschaft in Fruchtwechselwirtschaft (Abwechselnder Anbau von Getreide und Kartoffeln oder Rüben auf einem Felde) über. Der Bauer wird frei von Zwängen, die sein Leben bestimmten, er musste aber jetzt selbst nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten sein Feld bestellen. Einige Bauern versuchten sich mit Gemüsebau, da die Getreidepreise durch den jetzt offenen Markt und zollfreien Importen den Anbau nicht mehr lohnten. Auf der Suche nach neuen Einnahmequellen kam der wirtschaftliche Aufschwung im nahen Dresden den Dorfbewohnern zu Hilfe. Erste Einlieger-Wohnungen entstanden in den Bauernhäusern, und der Bedarf an Lebensmitteln in der Stadt wuchs beachtlich. Die großen Höfe konnten sich einiges Vermögen erwirtschaften.

Mittels einer Verordnung vom 15. August 1835 wurde der Gemeinde Striesen die Konzession über die Ausübung des Bankschlachtens bzw. seiner Verpachtung erteilt. Zuvor aber wurde bereits Jahre zurück heimlich für die zahlreiche Einwohnerschaft geschlachtet. Auch Gottlieb Diettrich versuchte eine Schlachtkonzession zu erhalten, die aber angesichts der der Gemeinde erteilten Erlaubnis abgelehnt wurde.

Im Krieg Preußen gegen Österreich erduldete auch Striesen großes Ungemach durch die Kriegseinquartierung preußischer Truppen. Am 18. Juni 1866 nachmittags rücken die Preußen in Striesen ein.

Die Geschichte Dresden-Striesen, Teil 3

[Bearbeiten] A.11. Striesen erhält einen Gemeinderat

Nach den Freiheitskriegen gegen Napoleon wurden überalterte Strukturen des Feudalstaates abgeschafft und in Form der landständischen Verfassung gewisse Wege einer Demokratisierung beschritten. Im Jahre 1838 wird eine neue Landgemeindeordnung mit Selbstverwaltung, Gemeinderäten mit Ausschüssen und Richter mit Polizeigewalt eingerichtet. So kam es im Jahre 1826 in Striesen zur Ablösung der Frondienste und zur Einführung einer neuen Gemeindeverfassung, nach der man mit einem Drei- bzw. Vierklassenwahlrecht wählte.

Die Striesner Obrigkeit hatte frühzeitig im Sinn, eine Erweiterung der nutzbaren Fluren durch eine Trockenlegung sumpfiger und nasser Gebiete zu erreichen, die noch von den Wassern des Restelbearme durchsetzt waren. Eine solche Trockenlegung erforderte Geld, und Striesen hatte keins. Also kam man auf die Idee, beim König eine Förderung zu erbeten. Diese Idee nahm in einem Brief vom 30. Juni 1838 Gestalt an, den der Striesner Johann Gottlieb Zeibig an den Sächsischen König Friedrich August richtete und der unter "Prämiengesuche auf ökonomische Verbesserungen" eingeordnet wurde. Er unterbreitete im Brief dem König einen Vorschlag, wie man die Ställe trocken und frei vom eindringenden Grund- und Regenwasser halten könne.

Die Wahl des ersten Striesner Gemeinderates und Gemeindevorstandes fand am 3. Juni 1839 statt. Der Gutsbesitzer Gottlob Leberecht Zeibig, eben der auch den oben erwähnten Brief zur Ausreichung von "Fördermitteln" geschrieben hatte, ging aus der Wahl als erster Gemeindevorstand hervor. Der gewählte Gemeinderat fand sich zum ersten Male am 4. August 1839 zu einer Sitzung zusammen. In der Vergangenheit wurden Angelegenheiten der Gemeinde vornehmlich durch Richter und Schöffen erledigt.

Die Gemeinderatsversammlungen fanden, so berichtet es die Überlieferung, offenbar aus praktischen Gründen in einer Verbindung des Angenehmen mit dem Nützlichen in der Küche des Gasthofes "Zum Sächsischen Prinzen" statt. Am 28. Oktober 1844 war eine erneute Wahl des Gemeindevorstandes notwendig, auf der der Gutsbesitzer Karl August Franz gewählt wurde, der das Amt 24 Jahre inne hatte. Im Jahre 1869 wurde Clemens Jähnichen Gemeindevorstand. Am 6. April 1870 folgte der Friedensrichter Friedrich August Diettrich, der am 27. September 1881 zum dritten Mal auf sechs Jahre zum Vorstand gewählt wurde, und am 1. Februar 1897 Ernst Emil Clauß, der auch später die Eingemeindung nach Dresden mit vollzog.

Die Einladungen zu den Gemeinderatssitzungen wurden von einem sogenannten "Heimbürge" überbracht - einer Eigentümlichkeit von Striesen. Der Heimbürge schlug mittels eines Knüttels dreimal an das jeweilige Hoftor. War es unschicklich oder gingen zu viele Tore kaputt, im August 1844 wurde diese Sitte eingestellt. Weitere Veränderungen bildeten das Schulgesetz von 1836, die Armenordnung von 1840, die Ablösung des gutsherrlichen Jagdrechtes von 1858, die Errichtung von Sparkassen und Altersrentenbanken 1858 und die Einführung der Gewerbefreiheit 1861.

Am 27. Juli 1872 fasste der Gemeinderat den Entschluss, in Striesen eine öffentliche Straßenbeleuchtung einzuführen. Es handelte sich um eine Gasstraßenbeleuchtung, deren schummriges Licht verschnörkelte Laternen abstrahlten. Am 7. Januar 1872 protestierte die Gemeinde Striesen gegen die vom Kreuzkirchenvorstand zu Dresden auf der Striesner Flur beabsichtigte Anlage eines Kirchhofes.

In das Schulhaus 4. Straße Nr. 21 (Tittmannstraße 21) zog 1875 das Gemeindeamt Striesen ein, in dem es bis 1892 verblieb. Auch das kaiserliche Postamt, eröffnet am 1. Mai 1877, fand seinen Platz in diesem Gebäude, bis es 1882 in ein Haus gegenüber, dann nebenan in einen Neubau und später als Kaiserliches Postamt und Telegraphen-Station zu Striesen in die E-Straße 21 (Wartburgstraße) verlegt wurde. Im Gebäude Tittmanstraße 21 befand sich um die Jahrhundertwende die Sparkasse und das Steueramt. Am 8. Januar 1876 wählte der Gemeinderat den "Elbtalboten" zu seinem Amtsblatt.

Am 1. Dezember 1880 zählte man in Striesen 7223 Einwohner. Die Ortsbeschreibung aus diesem Jahr schätzte ein, dass Striesen sich zu einer volkreichen ländlichen Villenvorstand von Dresden mit allen "Kommunikationsbequemlichkeiten mit der Residenz" entwickelt hat.

In diesen Jahren war Friedrich August Diettrich Gemeindevorstand und gleichzeitig auch Ortsrichter, Standesbeamter und Friedensrichter und wohnte am Landgraben. Der Sitzungssaal befand sich nicht mehr im Gasthof "Zum Sächsischen Prinzen", wie zur Anfangszeit, als eine erste Gemeindeverwaltung in Striesen gewählt wurde, sondern in der Kinderbewahranstalt auf der F-Straße 19 (Wormser Straße). Für Ordnung und Sicherheit sorgten ein Ortspolizist und zwei Nachtpolizisten. Das Gemeindeamt umfasste einen Personal von 6 Personen. Dort waren auch die Gemeindekassenverwaltung und die Orts-Steuereinnahme, das Königliche Standesamt und der Friedensrichter zu finden.

Striesen hatte damals auch eine Armenpflege. Der Vorsitzende der Armenkommission war Karl August Richter, der Gemeindeälteste, in Altstriesen. Ihm zur Seite standen der Armenarzt Dr. Schiffner und eine Reihe Armenpfleger, die in 12 Pflegebezirken tätig waren. Zu den kommunlichen Anstalten gehörten die Sparkasse, die Volksbibliothek, die Feuerwehr, die Lehrlings- und Dienstbotenkasse und die Ortskrankenkasse. Zur Sparkasse heißt es: "Die am 3. April 1877 eröffnete Sparkasse bezweckt, den Sinn für Sparsamkeit zu wecken, namentlich den minder bemittelten Bewohnern von Striesen und Umgebung Gelegenheit zu geben, ihre kleinen Ersparnisse und andere Gelder in nächster Nähe sicher und zinsbar anzulegen."

Die "Kinderbewahr-Anstalt" befand sich in der F-Straße 19, und die "Speise-Anstalt" war in der 4. Straße zu finden. Zur Kinderbewahr-Anstalt wird vermerkt: "Die vom Johannisverein zu Dresden in Gemeinschaft mit dem Gemeinderat errichtete Anstalt, welche zur Zeit vom hiesigen Frauenverein fortgeführt wird, bezweckt, Kinder von denjenigen armen Eltern, welche des Tages über auswärts beschäftigt sind, während dieser Zeit in Pflege und Aufsicht zu nehmen und so vor Verwahrlosung zu schützen. Kinder von 2 bis 6 Jahren finden gegen eine tägliche Gebühr von 10 Pf. Aufnahme."

Der Zweck der Speise-Anstalt ist es: "Die vom Verein gegen Armennot und Bettelei unterm 4. Oktober 1881 gegründete Anstalt ist errichtet worden, um den weniger bemittelten Bewohnern Striesens Gelegenheit zu bieten, auf billige Weise guten und nahrhaften Mittagstisch zu beschaffen. Die Ausgabe der Speisen erfolgt an jedem Wochentage mittags von 11 1/2 bis 12 1/2 Uhr. Preis pro Portion mit Fleisch 15 Pfg."

Das Kaiserliche Postamt, E-Straße 21, war mit drei Beamten und sechs Briefträgern gut bestückt. Aus Dresden kam die Post täglich viermal an, nach Dresden ging sie täglich fünfmal ab. Die fünf Briefkästen wurde bis zu fünf Mal am Tage geleert.

Das Jahr 1881 ist von besonderer Bedeutung für Striesen. Vom "Gemeinnützigen Verein von Striesen" wird die Bepflanzung der Striesner Straßen mit Bäumen angeregt, eine Besonderheit von Striesen. Viele Grundstücksbesitzer beteiligten sich an der Bepflanzung, die auch für den Verein mit erheblichen finanziellen Belastungen verbunden war. Zum Teil ist noch heute der alte Baumbestand vorhanden oder rechtzeitig durch neue Bäume ersetzt worden. Borsberg- und Schandauer Straße und andere sind Beispiele dafür.

Am 3. April 1881 Jahres öffnete auf der Tittmanstraße die Sparkasse ihre Tor, die den "Sinn für Sparsamkeit" wecken sollte. Der Zinssatz betrug 3,6 % auf Einlagen über 5 Mark. Angenommen wurden Anlagen bereits ab 50 Pfennig.

Auch 1881 begannen Verhandlungen zwecks Anlegung eines Friedhofs in Striesen, der am 16. Juli 1883 als Striesener Friedhof feierlich eingeweiht werden konnte. Die Bauentwürfe stammten vom Baurat Möckel, der auch die Erlöserkirche erbaut hatte.

Am 17. April 1883 konnte der Gemeinderat ein besonderes Jubiläum feiern, er tagte zu seiner 500. Sitzung nach Einführung der Landgemeindeordnung. Anwesend zu dieser Zusammenkunft war auch der Amthauptmann von Metzsch.

Mit Datum vom 18. Oktober 1884 beschloss der Gemeinderat die Einführung eines Gemeindebürgerechts. Die hierzu notwendigen Bestimmungen der revidierten Landgemeindeordnung wurden auch vom Königlichen Ministerium des Inneren in Dresden genehmigt, so dass am 27. Februar und am 2. März 1885 die Verpflichtung von ca. 600 Gemeindebürgern vorgenommen werden konnte. Am 7. April 1885 fand eine erforderliche Ergänzungswahl des Gemeinderates durch die Gemeindebürger statt

Das rege Baugeschehen in Striesen machte auch eine Beschleusung notwendig, die im Jahre 1888 begonnen und 1890 einen gewissen Abschluss erhielt. Im September 1890 trat ein Elbehochwasser ein, das leicht über die Schleusen zu einer Ortsüberschwemmung geführt hätte, wenn nicht Dank der Vorsicht der Gemeindeverwaltung ein Hochflutschütz eingebaut worden wäre.

Im Jahre 1889 wurde anlässlich der 800-Jahr Feier des Hauses Wettin auf dem früheren Dorfplatz (Altstriesen) ein Denkmal errichtet und der Platz in Wettinplatz getauft. Im gleichen Jahr wurde auch die geschlossene Bauweise in der Straße G genehmigt, so dass am Wettinplatz vier große, vierstöckige Gebäude (Wettin-Häuser) errichtet wurden, denen bald weitere in der Straße 7 folgen sollten.

Der Gemeinnützige Verein beschloss auch, vor dem Gemeindeamt (Tittmanstraße) eine Wettersäule zu errichten, die den Luftangriff auf Dresden überdauerte, aber später verschwand. Im gleichen Jahr erklärte sich der Gemeinderat mit einer eventuellen Einverleibung Striesens in die Stadt Dresden einverstanden. Damit war der Weg für die spätere Eingemeindung geebnet.

Im Jahre 1885 zählte man in Striesen bereits 8003 Einwohner in 408 Häusern.


[Bearbeiten] A.12. Striesner Verhältnisse um 1886

In einer Ortsbeschreibung von 1886 wird mitgeteilt, dass "sich Striesen mit einer Längenausdehnung von 2330 m und einer Durchschnittsbreite von 1500 m nördlich an Blasewitz, östlich und südlich an Gruna und den Königlichen Großen Garten und westlich an Dresden anschmiegt. Die ganze 613 Acker (ca. 340 ha) umfassende Flur wird durch die Dresdner-Pillnitzer Chaussee (Borsberg- und Schandauer Straße) in zwei ziemlich gleich große Hälften geteilt. Die nördliche, dem Elbstrom zu liegende Seite besteht zum größten Teil aus gutem, tragfähigen Sandboden, während die südliche besten Lehmboden enthält."

Das Geschäfts- und Adressbuch von Striesen aus dem Jahre 1886, das hier zur Erläuterung der damaligen Verhältnisse zitiert werden soll, stellt 84 Geschäfts- und Gewerbetreibende zusammen, angefangen von einem Annoncen- und Zeitungsbüro über 11 Bäcker, 47 Gärtner, 42 Produktenhändler, 33 Schuhmacher bis zu 2 Ziegeleien und 16 Restaurationen und Gasthöfen.

Der Gemeindevorstand Friedrich August Diettrich war gleichzeitig auch Ortsrichter, Standesbeamter und Friedensrichter und wohnte am Landgraben. Der Sitzungssaal befand sich nicht mehr im Gasthof "Zum Sächsischen Prinzen", sondern in der Kinderbewahranstalt auf der F-Straße 19. Für Ordnung und Sicherheit sorgten ein Ortspolizist und zwei Nachtpolizisten. Das Gemeindeamt selbst befand sich auf der 4. Straße, Nr. 21 (Tittmanstraße) mit einem Personal aus 6 Personen. Dort waren auch die Gemeindekassenverwaltung und die Orts-Steuereinnahme, das Königliche Standesamt und der Friedensrichter zu finden.

Die 1874 erbaute Schule in der E-Straße 23 (Wartburgstraße) enthielt 15 Schulzimmer sowie eine Wohnung für den Direktor (Richard Rößler) und fünf Lehrer. Striesen hatte auch eine Armenpflege. Der Vorsitzende der Armenkommission war Karl August Richter, der Gemeindeälteste, in Altstriesen. Ihm zur Seite standen der Armenarzt Dr. Schiffner und eine Reihe Armenpfleger, die in 12 Pflegebezirken tätig waren.

Zu den kommunlichen Anstalten gehörten die Sparkasse, die Volksbibliothek, die Feuerwehr, die Lehrlings- und Dienstbotenkasse und die Ortskrankenkasse. Zur Sparkasse heißt es: "Die am 3. April 1877 eröffnete Sparkasse bezweckt, den Sinn für Sparsamkeit zu wecken, namentlich den minder bemittelten Bewohnern von Striesen und Umgebung Gelegenheit zu geben, ihre kleinen Ersparnisse und andere Gelder in nächster Nähe sicher und zinsbar anzulegen.

Die "Kinderbewahr-Anstalt" (F-Straße 19) und die "Speise-Anstalt" (4. Straße) zählten zu den gemeinnützigen Anstalten. Zur Kinderbewahr-Anstalt wird vermerkt: "Die vom Johannisverein zu Dresden in Gemeinschaft mit dem Gemeinderat errichtete Anstalt, welche zur Zeit vom hiesigen Frauenverein fortgeführt wird, bezweckt, Kinder von denjenigen armen Eltern, welche des Tages über auswärts beschäftigt sind, während dieser Zeit in Pflege und Aufsicht zu nehmen und so vor Verwahrlosung zu schützen. Kinder von 2 bis 6 Jahren finden gegen eine tägliche Gebühr von 10 Pf. Aufnahme."

Der Zweck der Speise-Anstalt ist es: "Die vom Verein gegen Armennot und Bettelei unterm 4. Oktober 1881 gegründete Anstalt ist errichtet worden, um den weniger bemittelten Bewohnern Striesens Gelegenheit zu bieten, auf billige Weise guten und nahrhaften Mittagstisch zu beschaffen. Die Ausgabe der Speisen erfolgt an jedem Wochentage mittags von 11 1/2 bis 12 1/2 Uhr. Preis pro Portion mit Fleisch 15 Pfg."

Das Kaiserliche Postamt, E-Straße 21, war mit drei Beamten und sechs Briefträgern gut bestückt. Aus Dresden kam die Post täglich viermal an, nach Dresden ging sie täglich fünfmal ab. Die fünf Briefkästen wurden bis zu fünf Mal am Tage geleert.

Im Jahre 1886 sah das behördliche Striesener Wesen wie folgt aus:

- Gemeinderat - Diettrich, Friedrich August, Gemeindevorstand, Ortsrichter, Standesbeamter und Friedensrichter und stellvertretender Kirchenvorstand, wohnhaft Am Landgraben Richter, Karl August, Gemeindeältester, Stellvertreter des Gemeindevorstandes und des Standesbeamten, Schöffe, wohnhaft in Altstriesen Cat.-Nr. 54 Engelhardt, Gustav, Gemeindeältester, wohnhaft Grunaer Weg, Cat.-Nr. 724 Schöne, Gottlieb August, Gemeindeältester und Schöffe, 1. Straße Nr. 26

Gemeindeamt: 4. Straße Nr. 21 mit Gemeindevorstand Diettrich, 3 Mitarbeiter, Ortspolizist, 2 Nachpolizisten.

Gemeindekasse und Orts-Steuereinnahme, Königliches Standesamt, Friedensrichter und Sparkasse waren im Gemeindeamt, 4. Straße Nr. 21, untergebracht. Das Kaiserliches Postamt: befand sich auf der E-Straße Nr. 21.

[Bearbeiten] A.13. Neustriesen - neue Siedlungen außerhalb Altstriesens

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vollzog sich in Dresden ein gesellschaftlicher Umwandlungsprozeß von einer Residenzstadt zu einer Industrie- und Verwaltungsstadt. Dieser Prozess hatte auch seine Auswirkungen auf Striesen, dessen Bevölkerung sich in diesem Zeitraum sprunghaft vergrößerte. Die bisher meist land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen im Osten Dresdens gestalteten sich nach und nach zu großen Baugebieten. Davon war auch Striesen betroffen.

Von 1858 an bis 1880 erfolgte im Nordwesten der Aufbau von Neustriesen zwischen der Hutten- und Rosa-Menzer-Straße. Mit der Besiedlung des Gebietes, das ortsüblich mit "auf dem Sande" bezeichnet wurde, ist eine kleine Geschichte verbunden, die sich im Jahr 1855 etwa wie folgt abgespielt haben soll. Am 1. April 1855 kam zu später Stunde ein gewisser Karl Friedrich Adam, Ortsansässiger Striesner und Glasermeister, in den Gasthof "Zum Sächsischen Prinzen" in die Gemeinderatsversammlung, die wie üblich in der Küche stattfand. Er berichtete deren Mitgliedern, dass er drüben auf dem Sande ein Stück Land gekauft habe. Er wolle sich dort niederlassen, und alles inklusive Baukosten betrage nur 100 Taler. Man lachte über Adam und sein Vorhaben, das alle für einen Schuf in den Ofen hielten, da die Gegend für nicht ansiedlungswürdig und als eben sehr sandig galt.

Noch im selben Jahre erhielt Adam die ministerielle Erlaubnis zum Hausbau. Und so entstand das erste Haus dieses Neubaugeschehens, das Haus Teutoburgstraße 2 (Straße A, Brandkataster 264), in Neustriesen im Jahre 1856. Das Haus war ursprünglich ein Erdgeschoßhaus mit fünf Fenstern und wurde von den Maurern-Brüdern Krebs für 20 Taler errichtet. Das Gelände hatte Adam vom Gartennahrungsbesitzer Traugott Zieger für 80 Reichstaler gekauft. Das Lachen sollte den Altstriesnern bald vergehen. Dem ersten Siedler auf dem Sande, Glasermeister Adam, folgten bald weitere. Im Jahre 1858 wurde vom Schneidermeister Schneider das zweite Haus in Neustriesen errichtet. Es schloss sich sieben Jahre später die Huttenstraße 1 (1. Straße 1, Bengels Ruhe) an. Beim Bau dieses Hauses soll es ein Windstoß wieder umgerissen haben. Damit erhielt eine Spottrede über Striesen neue Nahrung: "Wer in Striesen ein Haus bauen will, nimmt eine Fuhre Sand und fährt, wenn es fertig ist, zweie wieder ab."

Bereits am 5. August 1860 legte der Ratsgeomter Lehmann dem Gemeinderat einen ersten Bauplan vor, der das Baugeschehen in dem neuen Ortsteil regeln sollte. Fünf Jahre später wurde nach dem Bauplan die erste Straße gebaut.

Am 16. November 1861 reichte der wohlhabende Ziegelmeister Kirsten für den neuen Anbau ein Gesuch für eine Schankkonzession ein, die er am 15. Februar 1863 spät, aber doch genehmigt erhielt. Somit entstand in Neustriesen die erste Schankwirtschaft ("Bergels Ruhe") und 1878 das Restaurant "Zum Kaisergarten" (später "Deutsche Eiche"). Die relativ lange Bearbeitungsdauer lässt auf Meinungen in der Gemeinde schließen, die gegen eine Erweiterung von Striesen in Richtung Neustriesen waren.

Ein Gemeinderatsbeschluss vom 9. November 1862 kam dieser Meinungsbildung nach und legte für Neuhinzuziehende nach Striesen ein "Einzugsgeld" fest, das für Gewerbetreibende 5 Reichstaler, für ein Ehepaar 2 und für ledige Personen einen Reichstaler betrug. Dieser Beschluss wurde aber bald hinfällig.

Weitere Häuser entstanden in der unteren und mittleren Huttenstraße, an der Teutoburg- und Senefelder- und Spenerstraße, also mehr am Rande des späteren Neustriesens. Manche waren so klein, dass sie die Bezeichnung "Quetschen" erhielten. Das erste größere Haus war auf dem Sandberg Ecke Wittenberger und Paul-Gerhard-Straße erbaut und trug die Bezeichnung Villa Schönhals, von der man eine schöne Sicht bis zu den Loschwitzer Höhen hatte. Erbaut hatte die Villa der Hofschneider Schneider. Größere, aber weniger schöne Häuser folgten auf der Löscher-, Tittmann- und Spenerstraße. Ihre "üblen" Bewohner sollen Striesen oftmals in schlechten Ruf gebracht haben. Die Villa Klara auf der Wartburgstraße, die Villa Bella Vista, die 7 Windmühlen oder 7 gleichen Raben (1877, Baumeister Rabe) am Barbarossaplatz wurde als schmuck bezeichnet. Im Stadtplan von 1871 ist Neustriesen bereits eingezeichnet.

Trotz der regen Bautätigkeit in dieser ersten Periode des Baugeschehens gab es in Neustriesen noch viele freie Flächen. Östlich der Spenerstraße waren noch vorwiegend Felder und teilweiser Baumbestand vorzufinden. Um das wilde Bauen einzudämmen, wurden Bauordnungen erlassen. So sind das Bauregulativ vom 23. Dezember 1862 sowie ein Nachtrag vom März 1870 zu nennen, die die Bebauung regelten und für eine offene Bauweise (Landhäuserstil) sorgten. Diese Bauordnung wurde dann von der "Localbauordnung" vom 21. Januar 1881 aufgehoben. Eine Straßenbauordnung aus dem Jahre 1879 regelte das Anlegen von Straßen und Plätzen.

Vom oben genannten Sandberg kaufte die böhmische Exulanten-Gemeinde 1878 den vorderen Teil für 12.000 Mark ab. Der Sand wurde fuhrenweise 60 Pfennige verkauft (verpfundet), so dass damit der Berg abgetragen wurde. Auf der entstandenen Fläche wurde dann die Erlöserkirche erbaut. Ein weiterer Sandberg lag hinter der Spenerstraße vor den 7 Windmühlen an der Barbarossastraße und war mit Wald und Getreide bewachsen. Er wurde im Laufe der Bautätigkeit auch abgetragen. Zusammen mit dem Windmühlenberg befanden sich damit auf der Striesener Flur drei Hügel (Berge). Der Windmühlenberg war davon der höchste und breiteste.


[Bearbeiten] A.14. Schlechte Wege zwischen Alt- und Neustriesen

Altstriesen und Neustriesen unterschieden sich schon in der örtlichen Anlage deutlich, so dass sie von Außenstehenden für zwei Dörfer gehalten wurden. Beide Teile Striesens waren vollständig voneinander getrennt durch eine sumpfige Niederung, die sich von der Rosa-Menzer-Straße (52. Bezirksschule) in Richtung Wormser- und Haydnstraße am Landgraben vorbei erstreckte. Eine richtige Straßenverbindung gab es anfangs nicht. Historische Quellen berichten von drei Verbindungswegen.

Ein erster war die Blasewitzer Gasse, die ganz hinten aus Striesen heraus zur Wartburgstraße 57 (Schweinevilla) führte. Von dort lief der Weg schräg nach Neustriesen und weiter bis zur Ecke Wittenberger-/Spittastraße zur Blasewitzer Straße und zum Trinitatusfriedhof, der nach den Freiheitskriegen außerhalb von Dresden als der Weite Friedhof angelegt wurde und seinen heutigen Namen im Jahre 1834 erhielt. Zu diesem Friedhof fuhr man auch auf diesem Wege die Toten Altstriesens mit einem Bauernwagen, an dessen Seiten schwarze Bretter gesteckt wurden. Dieser Weg hieß deshalb auch Leichenweg. Die schwarzen Bretter wurden im Armenhaus (Rattenpalais) verwahrt, das sich zwischen den Teichen inmitten Altstriesens befand und 1873 abgerissen wurde.

Ein zweiter Weg verlief in der Richtung Tittmannstraße zur Merseburger Straße. Er stand oft unter Wasser, und man musste erst Bretter legen, ehe man ihn benutzen konnte. Der dritte Weg war der sogenannte Nachtwächterweg, auf dem auch der Nachtwächter seine regelmäßigen Rundgänge machte. Er verlief versteckt unter Büschen um Altstriesen herum. In der Höhe der Kernert´schen Gärtnerei am Ende der Spenerstraße zweigte vom Nachtwächterweg ein schmaler Fußweg über eine kleine Holzbrücke nach Neustriesen hinüber. Dieser Weg war weniger bekannt, außerdem "scheechte" es auf ihm.


Die Bewohner von Altstriesen und Neustriesen waren sich auch oftmals nicht grün. Die alteingesessenen Altstriesner blickten mit Geringschätzung auf die armen Schlucker von Neustriesen, die sich auf dem Sande, dem "Fiebg", ansiedeln mussten. Andererseits hielten die Neustriesner die Altstriesner für eingebildet und dickköpfig. So waren die Einwohner auch aus zwei Dörfern.

Unter den Altstriesnern selbst herrschte zum Teil ein Kastengeist. Obwohl es keine wirklich Reichen gab, war der geringe Besitzstandsunterschied Anlass, auf Ärmere herablassend zu schauen. So sah der Pferdner auf den Halbhufner herab, der die Tagelöhner untere sich wähnte, die dann wieder verächtlich auf die Bewohner des Armenhauses schauten. So kam es auch, dass man sich in der Schankstube nur ranggleich setzte oder bei Versteigerungen nie mehr bot als der "gesellschaftlich" höher stehende.

[Bearbeiten] A.15. Die Verbindung von Striesen nach Dresden

Die Verbindung von Striesen zur Stadt Dresden erfolgte über die Pillnitzer Straße und über die Blasewitzer Straße. Die meisten Striesner werden wohl nach Dresden zu Fuß gegangen sein, einmal um die Kirche zu besuchen oder zum anderen um etwas zu erledigen. Nur wenige besaßen ein Pferdefuhrwerk, ganz zu schweigen von der Benutzung einer Sänfte, wie man sie ab 1705 in Dresden bei der Sänftenträgeranstalt bestellen konnte.

Im Jahre 1819 wurde dann in Dresden der Fiakerbetrieb eröffnet, aber nur selten wird ein Striesner darauf zurückgegriffen haben. Die Eröffnung der ersten Pferdeomnisbuslinie in Dresden geht auf das Jahr 1838 zurück. Der Pferdeomnisbusbetrieb erstreckte sich auch auf die Vororte von Dresden. In den von einem bis zwei Pferden gezogenen Wagen wurde man ordentlich durchgeschüttelt, und auch der Fahrpreis war für die damaligen Verhältnisse nicht für die breite Masse geeignet.

Der Striesner Pferdeomnibus (Dietze & Thamm) fuhr dreimal täglich die Tittmannstraße bis zur Blasewitzer Straße und von dort nach Dresden bis zur Frauenkirche. Er diente vornehmlich dem Güterverkehr und zum Einkaufen, denn in Striesen gab es sehr wenige Geschäfte. Wollte man selbst mitfahren, so musste man einen Tag im Voraus einen Platz reservieren.

Der direkte Weg von Striesen nach Dresden führte über die Dresden-Pillnitzer Chaussee, die später als Straße J (Borsberg-, Schandauer Straße) bezeichnet wurde. Um 1860 herum siedelten sich in der J-Straße die ersten Anlieger an, zumeist Kunst- und Handelsgärtner, der bekannteste war Herman Seidel. Neben dem späteren Pferdestraßenbahnhof entstand eine Dampf-Bierbrauerei Riepl, in der Schladitz einen Brauereiausschank betrieb. Die Ziegelei von Friedrichs empfahl Mauer-, Essen-, Dach-, Kanal-, Firsten-, Walm- und Luftziegel. Im Seitengebäude der J Strasse 21 hatte der Chemiker Mehnert zusammen mit seinem Kompagnon Große eine chemische Fabrik. Und in der Nummer 11 handelte Gustav Schering mit photographischen Lichtdruckbildern. Und immer wieder Gärtnereien mit Gewächshäusern sind vorzufinden. Aber auch reine Wohnbebauung entstand an der J Straße, wie im Falle der Gemeinderatsmitglieder Zeibig und Kleber.

Die Straße J befand sich damals in einem wenig Straßen ähnlichen Zustand, sie war an ihrer breitesten Stelle gerade einmal 12 Meter breit und nicht chaussiert. Ein Fußweg fehlte, links und rechts befanden sich kleine Dämme und dahinter die Abzugsgräben der Regenwasser. Der Ratsgeometer Lehmann aus in Dresden sollte hier und an anderen Stelle Abhilfe schaffen. Die Straße sollte auf 30 Ellen Breite ausgebaut werden.

Am 16. Mai 1882 beschloss der Gemeinderat, die Straße J von der Dresdner Stadtgrenze bis zum Grunaer "Communicationsweg" (Geisingstraße) in "communliche Verwaltung" zu nehmen. Dazu erhielt Striesen aus dem Staatsfiskus eine einmalige Entschädigung für die Unterhaltung der Straße in Eigenregie von 20.000 Mark. Die Straßenübernahme hatte ihre Gründe. So wollte Striesen die Straße auf bauplanmäßige Striesner Breite erweitern und die Verlegung einer Pferde-Straßenbahnlinie nach Striesen zur Geisingstraße fördern. Langwierige Verhandlungen waren dazu in Dresden erforderlich, und so unterzeichnete im November 1882 der Gemeinderat Striesen den Vertrag. Damit gehörte der 635 m lange Abschnitt der Straße J von der Flurgrenze bis zum Grunaer Communicationsweg nun zu Striesen, und letztendlich wurde im Frühjahr 1884 mit dem "Correctionsbau" und dem Verlegen der Schienen begonnen. Am 4. Dezember 1883 fand eine Sitzung im Gasthof zum sächsischen Prinzen unter Vorsitz des Gemeindevorstandes und der Mitwirkung des Herrn von Metzsch statt, es ging um die Vermittlung der Straßenbahnangelegenheit durch die königliche Amtshauptmannschaft. Langsam kam nun auch die Vorbereitung zu Ausbau wieder in Gang, 30 Ellen Breit (über 17 Meter), mit Fußwegen, chaussiert mit Klarschlag und im Bereich der Gleise gar gepflastert. Die Abzugsgräben verschwanden, die Abwässer flossen in so genannte Senkgruben.

Nun hatte Striesen eine Ausfallstraße, die der damaligen Zeit zunächst genügte und auch schon mit Bäumen bepflanzt war. Auch einige neue Straßenlaternen wurden angeschafft und auf der J Straße aufgestellt. Dresden schien von Striesen nicht viel wissen zu wollen. Aus militärischen Gründen lagen in Richtung Striesen vor der Stadt Schanzen, die 1866 von den Preußen gebaut wurden waren. Die kleine Schanze lag gegenüber dem Carolahaus, wo sich auch ein Exerzierplatz befand. Die große Schanze lag in der Nähe des Lämmchen-Vorwerks und eine dritte am Großen Garten (Nähe Stübelplatz, jetzt Straßburger Platz). Die Schanzen sind erst 1885 gefallen. Zwischen Dresden und Striesen befanden damals sich weite Getreidefelder, die später dem Stadtteil Johannstadt gewichen sind.


Die Geschichte Dresden-Striesens, Teil 4

[Bearbeiten] A.16. Striesen wächst und wächst

Nach dem Krieg 1870/71 gegen Frankreich war genug Geld aufzutreiben, und in dieser Zeit begann der eigentliche Wachstum Striesens. Die Mieten in der Stadt stiegen, so dass viele Dresdner vor den Toren in Striesen bauten. Der in der Vergangenheit verachtete Striesner Sand erwies sich bald als Goldgrube für Bauherren und Bauspekulanten. Manch armer Häusler wurde über Nacht zum reichen Mann, indem er Haus und Grundstück verkaufte und sich in anderen Orten, wie Blasewitz oder auf dem Weißen Hirsch, nach einem anderen Grundstück umsah. Die Bauern haben ihre Felder, die durch den Bebauungsplan quasi über Nacht zum Bauland wurden, spekulativ verwertet. Deshalb mussten sich neu einrichtende Bauern Felder in anderen Gebieten anpachten, so in Loschwitz, Hosterwitz und am Schalthof. Die Pferde verbliebener Bauern wurden durch die Bautätigkeit auch für Fuhrzwecke eingesetzt. Man sprach auch von einem Strukturwandel vom Bauerngut zum Fuhrwerksbesitzer.

Das Ortsstatut der Gemeinde und der Bebauungsplan sahen für die Häuser 2 bis 3 Stockwerke und offene Bauweise vor. Die Straßen mussten in Ost-West- und in Nord-Süd-Richtung angelegt werden und eine Breite von 20 Ellen (11,33 m aufweisen). Damit waren die Striesner nicht einverstanden, da die frei herumlaufenden Hühner und Gänse auf so breiten Straßen das Gras nicht auffressen könnten.

Der Gemeinderat beschloss auf seiner Sitzung am 12. Juli 1873 die Straßen nach amerikanischem Vorbild zu benennen. Die von Nord nach Süd verlaufenden Straßen wurden zunächst mit Zahlen, die von West nach Ost verlaufenden mit Buchstaben bezeichnet. So kam der Buchstabe A zur Kyffhäuser Straße, B Eisenacher Straße, C Augsburger Straße, ... und J Borsbergstraße. Nummer 1 erhielt die heutige Huttenstraße und 17 die Altenberger Straße.

Die Straßenverhältnisse der anfangs nur 10 Straßen waren schlecht. Bei Regen stand man im Schlamm, bei Trockenheit wirbelte der Staub umher. So kam es, dass man kurzerhand quer zwischen die Häuser hindurch über die Getreidefelder fuhr oder lief, um so schneller und besser auf die andere Straße zu gelangen. Die Bezeichnung der Straßen mit Zahlen und Buchstaben hielt sich bis 1893.

In der Zeit von Mitte der 70er Jahre bis 1892 (zweite Bauperiode) wurde Lücken in den schon vorhandenen Straßen von der Hutten- bis zur Spittastraße bzw. von der Teutoburg- bis zur Wormser Straße geschlossen und Anfang der 90er Jahre weitere Straßen bis zur Markgraf-Heinrich-Straße angelegt und bebaut. Es herrschten einfache 3-geschossige Häuser ohne Dachausbau und ohne aufwendige Verzierungen vor.

Der 1897 gewählte Gemeindevorstand Ernst Emil Clauß war gleichzeitig auch königlicher Standesbeamter und residierte als solcher im Standesamt 4. Straße 21, in dessen Gebäude sich auch die Sparkasse befand. Er selbst wohnte in der D-Straße 21. Die Wohnung des Gemeindeältesten Friedrich August Ernst Zeibig lag in der 7. Straße 5. Um 1889 traf sich der Gemeindevorstand auch im Saal der Kinderbewahranstalt F-Straße 1.

Die Striesner waren längst nicht nur in Gärtnereien beschäftigt oder arbeiteten auf ihren Feldern. Im Adressverzeichnis von 1884 und 1886 sind Bäcker, Barbiere, Böttcher, Drechsler, Fleischer, Glaser, Goldschläger, Klempner, Korbmacher, Kutscher, Schlosser, Schmiede, Schneider, Schornsteinfeger, Tischler, Töpfer, Uhrmacher und andere aufgeführt, die auf eine rege und umfangreiche handwerkliche und geschäftliche Tätigkeit schließen lassen. Auch das Geschäftsleben entfaltete sich. In den 80er Jahren gab es einschlägige Geschäfte, eine Apotheke, eine Badeanstalt, eine Volksbibliothek, ein Anzeigenbüro und anderes mehr.

[Bearbeiten] A.17. Die Petermanns - eine alt eingesessene Altstriesner Familie

Die Familie Petermann ist eine alt eingesessene Familie aus Altstriesen, die in den geschichtliches Nachweisen schon frühzeitig erwähnt wird. In den Wochenblättern der Kreuzkirche ist der Tod eines Johann Petermanns am 27. Dezember 1735 im Alter von 73 Jahren vermerkt. Ihm folgten wiederum ein Johann Petermann und ein Johann Gottfried Petermann. Am 2. April 1756 wurde dem Hofuhrmacher Johann Heinrich Naumann und seinen Nachfolgern vom Kurfürsten Friedrich August die alleinige Erlaubnis erteilt, auf seinem Gute (später Gasthof "Zum Sächsischen Prinzen", Teil des Petermannschen Gutes, dann 1926 bis 1945 Gloria-Palast-Lichtspiele) Dresdner Stadtbier zu verzapfen und zu "verschänken". Dieser hier genannte Petermann könnte der zuletzt erwähnte Johann Gottfried Petermann gewesen sein, dem am 18. Juni 1776 ein Sohn Johann Gottlieb Petermann geboren wurde. Seine Frau Anna Maria Hennig stammte aus Blasewitz.

Einen weiteren Hinweis findet man im Zusammenhang mit Kampfhandlungen zwischen der französischen Armee Napoleons und der russischen Armee im Jahre 1813. Dort heißt es: Einen Vorgeschmack auf die anstehenden Kampfhandlungen erhielten die Striesner am Sonntag Nachmittag, dem 23. August 1813, als vom Petermannschen Schankgute her der Ruf erschallte: "Die Kosaken kommen". Es ergaben sich Kampfhandlungen, durch die Altstriesen, auch die Petermannschen, Besitzungen, bis auf ein Haus abbrannte.

Die 1789 erbauten und bei diesen Kampfhandlungen 1813 auch zerstörten Windmühlen, die sich am Windmühlenberg (Hutten-, Wartburgstraße) befanden, wurden nicht wieder errichtet. Eine Versteigerung am 2. März 1818 blieb ohne Bieter, niemand war zum Termin erschienen. Im Jahre 1819 (Ostern) gingen die Feldgrundstücke für jährlich 4 Reichstaler und 8 Groschen in Pacht an den Striesner Petermann. Später stand hier das Gasthaus "Kuchengarten", zu dem die Striesner gern einen Ausflug unternahmen.

Nach dem Krieg 1813 wurden auch die Petermannschen Besitzungen wieder aufgebaut. Das Haupthaus wurde 1822 (Jahreszahl über der Haustür) von offensichtlich oben erwähnten Johann Gottlieb Petermann (geb. am 18. Juni 1776) erbaut. Dieser Petermann hatte wieder einen Sohn mit Namen Johann Gottlieb, geboren am 1. Dezember 1811. Später erhielt das Grundstück die Nummer 30 (Brandkataster-Nr. 25) von Altstriesen und einen Torbogen, dessen Schlussstein das Jahr 1834 anzeigte.

Der Wiederaufbau der Altstriesner Häuser nach dem Napoleonschen Krieg erfolgte Haus für Haus über eine länger Zeit, wobei auch Steine aus der Ummauerung des Großen Gartens verwendet werden durften. Das Wohnhaus von Altstriesen 30 bestand nachweislich zum großen Teil aus solchen Sandsteinen, die nach dem Luftangriff auf Dresden am 13. Februar 1945 nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges von der Roten Armee für irgendwelche Zwecke verbaut wurden.

Im Geschäfts- und Adressbuch 1886 ist Johann Friedrich Petermann, geboren am 21. November 1837, als Guts- und Lohnfuhrwerksbesitzer in Altstriesen Nr. 25 aufgeführt. In einer Anzeige empfiehlt er, unmittelbar neben dem Gasthof "Zum Sächsischen Prinzen" gelegen, einem geehrten Publikum von hier und Umgebung seine eleganten Wagen für Spazier-, Hochzeits-, und Kindtauffuhren zur gefälligen Benutzung an und verspricht billigste Preise und prompte Bedienung. Er, gestorben am 13. März 1901 durch einen Reitunfall, und seine Frau Anna Maria geborene Wemme (1850 bis 1924), die aus der Lausitz stammte, sind in der Familiengruft auf dem Striesner Friedhof beigesetzt.

Johann Friedrich Petermann hatte mit seiner Frau Anna Maria 11 Kinder, von denen aber nur sechs das dritte Lebensjahr erreicht haben. Nach dem Reitunfall im Jahre 1901 hat seine Frau Maria die Gutswirtschaft aufgegeben und ein Fuhrgeschäft gegründet. Ein Stück Feld an der Gottleubaer Straße wurde an die Kirche verkauft, die den Striesener Friedhof somit bis zum Landgraben erweitern konnte. Ihr ältester Sohn war Carl Petermann, der auf der Elisenstraße 6 wohnte und ein Strohgeflecht-Großhändler war. Er starb noch vor dem Angriff. Seine Kinder hießen Ingeborg (verheiratete Bierbaum), Hildegard und Hans (Kinder Matthias und Markus, Solingen)

Dann folgte unter den Söhnen Ernst Otto Petermann, der in der Nr. 30 im Erdgeschoß wohnte und nach dem Großvater das Gut bewirtschaftete. Weitere Kinder von Johann Friedrich waren Else, verheiratete Größler (Strohgeflechthändler, Anton-Graff-Straße) und Margarete.

Heinrich Petermann war der jüngste Sohn. Nahezu jedes Jahr gab es eine Zusammenkunft der ganzen Familie, wo über Einnahmen und Ausgaben betreffend den Grundbesitz, das heißt aus dem Erbe des Großvaters, berichtet wurde. Heinrich Petermann wohnte mit seiner Familie im ersten Stock der Nr. 30. Er war Vertreter und zugleich Kompagnon bei der Firma Arthur Sachse & Co, eine Stahlgroßhandlung auf Polierstraße und zog mit seiner Familie noch vor 1945 auf die Reißiger Straße 13.

Im Erdgeschoß wohnte Ernst Otto Petermann mit seiner (zweiten) Frau Maria und den Kindern. Sie betrieben bis 1945 ein Futtermittelgeschäft im Grundstück. Ihre Kinder hießen Otto (Bremen), Ruth und Rolf. In der zweiten Etage wohnte Margarete Petermann, die ledig war. Sie durfte ihre Liebe nicht heiraten, weil ein Fischhändler von der Schandauer Straße nicht standesgemäß für die Familie war. Ernst Otto Petermann (2. Juni 1874 bis 21. Jan. 1953) führte die Tradition des Gutes als Futtermittelgeschäft und Fuhrunternehmen weiter, bis das Anwesen am 13. Februar 1945 in Schutt und Asche fiel. Von der Familie Petermann leben Nachkommen in Bremen (Otto Petermann und sein Sohn Hans) und in Solingen (Markus Petermann). Heinrich Petermann hatte eine Tochter (verheiratete Meinecke), die kinderlos ist.

[Bearbeiten] A.18. Familie Fiedler - eine weitere Familie Altstriesen und Altgruna

Johann Heinrich Fiedler (6. November 1845 bis 11. März 1923), der Begründer der Familie Fiedler in Dresden, stammte aus Niederfrankenhain, Thüringen. Er war als junger Mann aus Thüringen nach Dresden (etwa 1862) gekommen, da er selbst ein so genannter weichender Erbe war und zu Hause keinen Hof von den Eltern bekam. In Dresden fing er als Straßenkehrer an und arbeitete sich später hoch, so dass er sogar Beamter wurde, den Beruf eines Ratsvorarbeiters ausführte und mit 50 Jahren pensioniert wurde.

Er wohnte mit seiner Frau Maria Auguste geb. Hegewald (6. März 1848 bis 9. April 1922) in Altgruna 4 am Hauptplatz (Haus mit Feuermelder). Beide hatten vier Kinder: Richard (1) Friedrich Fiedler (18. Dez. 1874 bis 1936), der später ein Gut in der Geisingstraße 10 bewirtschaftete, Max (2) Friedrich Fiedler (13. Jan. 1876 bis März 1946), der später in Altstriesen 18 lebte, Anna (3) Maria Fiedler (11. Sept. 1878 bis 21. Feb. 1966), die später Georg Hermann Müller heiratete und auch in Altstriesen 18 lebte und Bruno Max (4) Fiedler (25. Nov. 1882 bis 19. März 1964), der später in Altgruna 9 eine Gutswirtschaft hatte.

Im Jahre 1885 kaufte Johann Heinrich Fiedler in Altstriesen das Grundstück Nr. 18 und hat es anschließend bewirtschaftet. Zum Gut gehörten zu diesem Zeitpunkt keine eigenen Felder mehr. Die Vorbesitzer hatten die Felder, die durch einen Bebauungsplan quasi über Nacht zum Bauland wurden, spekulativ verwertet. Deshalb mussten die Fiedlers Felder in anderen Gebieten anpachten, so in Loschwitz, Hosterwitz (Wiesen) und am Schlachthof. Auf dem Gut gab es Kühe, Kälber, Schweine und Pferde. Es war ein Dreiseitenhof mit einem Taubenschlag in der Hofmitte. Auf dem Hofgelände lebten neben den Tauben auch eine Hauskatze und ein Hofhund in vertrauter Gemeinsamkeit. Das Grundstück war für eine Gutswirtschaft eigentlich zu klein, so dass Tiere auch in anderen Gütern standen. So hatten standen zum Beispiel 18 Pferde in Altstriesen 18, und 14 Pferde waren im Gut Geisingstraße 10 bei Richard Friedrich Fiedler untergestellt. Die Pferde wurden durch die Bautätigkeit auch für Fuhrzwecke eingesetzt. Man sprach auch von einem Strukturwandel vom Bauerngut zum Fuhrwerksbesitzer.

Bruno Max Fiedler, das vierte Kind, war mit Elsa Flora Häntschel (13. Juli 1889 bis 6. Februar 1946) aus Waltersdorf (Sächsische Schweiz) verehelicht. Beide hatten eine Tochter, die Elsa Marianne geboren am 6. November 1919 in Altstriesen 18. Später zog die Familie nach Altgruna 9 und bewirtschaftete das dortige Gut. Die Tochter Elsa Marianne heiratete im Jahre 1942 und erhielt den Familiennamen Wagner. Ihr Mann fiel im Kriege wenige Wochen danach. Zum Zeitpunkt des Luftangriffs auf Dresden war sie 24 Jahre, ihre Tochter drei Jahre. Die Fiedlers in Altgruna 9 wurden ausgebombt.

Max Friedrich Fiedler, der zweitälteste Sohn von Johann Heinrich Fiedler, blieb auf dem Gut Altstriesen 18 und heiratete Maria Martha Zscheile (29. Mai 1878 bis März 1947). Aus der Ehe ging Alfred Fiedler (22. Juli 1903 bis 14 Feb. 1983) hervor. Alfred Fiedler, ein später bekannter Heimatkundler, zog mit seiner Frau im Jahre 1934 nach Klotzsche, wo auch die Tochter Uta, später Heinze, geboren wurde. Max Friedrich Fiedler, im Adressbuch als Maurer eingetragen, und seine Frau wurden am 13. Feb. 1946 in ihrem Gut ausgebombt. Den Angriff erlebten sie im Splitterschutzgraben auf dem Platz Altstriesen.

Mit im Grundstück Altstriesen 18 lebte auch die Tochter Anna Maria Fiedler von Johann Heinrich Fiedler. Sie heiratete den Zimmerer Georg Hermann Müller (6. Sept. 1874 bis 6. Nov. 1946). Ihre Tochter Margarete Anna Maria Müller (9. März 1900 bis 1. Feb. 1973) war mit Reinhard Karger (18. Feb. 1894 bis 10. Feb. 1980) verheiratet, ihre Tochter Ruth Karger, später Ruge, wurde am 3. Mai 1928 geboren. Auch diese Familie wurde mit ausgebombt.

Der zweite Sohn von Johann Heinrich Fiedler, Richard Friedrich Fiedler, lebte auf dem Gut Geisingstraße 10 und hatte drei Söhne (Bruno, Walter Kurt). Hier hatte sich auch ein Übergang von der Landwirtschaft zum Fuhrbetrieb vollzogen. Auch hier wurde beim Angriff auf Dresden alles zerstört. Die Häuser auf der Geisingstraße 10 und in Altstriesen 18 wurden nicht wieder aufgebaut. Nachkommen der Fiedlers leben in Dresden und bei Stralsund. Somit sind der Name Fiedler dieser Abstammung und die zugehörigen Wohnorte aus Striesen verschwunden.

Alfred Fiedler (1903 bis 1983) erinnerte sich an die damaligen Verhältnisse: "Nur bescheiden und doch lebensvoll hatte sich in dem Dreiseitenhof Altstriesen 18 die Landwirtschaft noch erhalten. Er gehörte meinem Großvater Heinrich Fiedler. Als er ihn um 1885 übernahm, gehörten dazu keine Eigenfelder mehr; die hatten die Vorbesitzer hübsch für sich behalten, um mit ihnen zu spekulieren. Er vermochte nur Pachtfelder zu erwerben, und sie wurden innerhalb der ehemaligen Flur bei der regen Bebauung mit Wohngebäuden (nicht nur in offener Bauweise, sondern gar und erstmalig schon 1889 mit den am Dorfplatz errichteten Wettinhäusern in geschlossener Bauart) von Tag zu Tag seltener. Dass er schließlich gar in Loschwitz Felder pachtete, noch weiter entfernt gar am Dresdner Schlachthof, ferner die Wiesen zu Hosterwitz nutzte, rentierte sich schließlich nur, indem alles, was vom Hof geliefert wurde, unmittelbar seine Abnehmer fand.

Hier gab es also noch Kühe, Kälber und Schweine im Stalle, aber auch Pferde. Sie spielten in dem am Ort sich vollziehenden Strukturwechsel von bäuerlicher Wirtschaft zu Fuhrwesen, darin bei der rege vorangehenden Errichtung von Wohnbauten eine bemerkenswerte Rolle. Nicht weniger als 12 füllten den Stall am Wohnhaus, den Stall in der Scheune und das dahinter liegende Stallgebäude. Es war ein Bereich vollen Lebens vom frühen Morgen an bis in die Nacht hinein. Meine Eltern hatten hier im Erdgeschoß des Vorderhauses ihre kleine Wohnung, bestehend aus einem schmalen dunklen Küchenraum, einer Schlafkammer und einer sog. guten Stube, die nach der nahezu unverständlichen Mode der Zeit auch in kleinbürgerlichen Kreisen eine gute Stube sein musste, die trotz beengter Wohnweise recht eigentlich nur zu Festtagen, besonders nur zur Weihnachtszeit, genutzt wurde. Aber das war mir als Kind kein kritischer Umstand. Denn was gab es nicht alles gleich zu erleben, wenn ich aus den steingefliesten Hausflur in den Hof trat. Wenn nichts anderes, so nahm hier der unmittel bar vor dem Hause stehende Taubenschlag linker Hand mit seinen zahlreichen Inwohnern meine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch.

Wo gab es auch einen solchen Taubenschlag gleich wieder! Er ruhte auf einem festen Pfosten und den im oberen Teil abgehenden Streben und stieg bis über die untere Kante des Wohnhausdaches hinaus. Vom Flurfenster des ersten Stockes konnte man bequem in die einzelnen Wohnungen der Tauben hineinschauen, von denen der ganze Schlag, ein großer bedachter Würfel, jeweils auf jeder Seite 12 aufwies. Hier saß das meist immer beschäftigte Taubenvolk auf kleinen Vorbrettchen vor der Tür ihrer Wohnzellen, sonnte, schnäbelte, zankte sich und gurrte oder flog hinab zum Wasserbecken, das unweit des Schlages stand und sein Wasser aus der neben dem kleinen Vorgärtchen des Hauses stehenden Schwengelplumpe erhielt. Diese war ebenso wie der Taubenschlag ein beliebtes Motiv der gern sich einfindenden Maler und zeichnenden Schulklassen, die es natürlich auch auf die Tauben abgesehen hatten. Außer ihnen, im Höchstfalle 48 Paaren im Haupttaubenschlag, gab es noch andere, die ihre Wohnstatt gegenüber an Nachbars Hauswand in Form eines einfachen Kastens hatten. Ein solcher befand sich auch neben dem Eingang zum Stall im Scheunengebäude. Im übrigen hing auch einer für 2 Paare über der hinteren Haustüre, der einmal gar Lachtauben beherbergte."

[Bearbeiten] A.19. Striesen und seine Gärtner

Als 1874 die Bausperre für Johannstadt aufgehoben wurde, verlegten die dort ansässigen Gärtner ihre Betriebe zunächst nach Striesen, das im Jahre 1890 mehr als 50 große Kunst- und Handelsgärtnereien zählte. Berühmt waren ihre Züchtungen von Aalen, Kamelien, Eriken und Rhododendron, und das sogar über die Grenzen Deutschlands hinaus. Die meisten Gärtnereien lagen auf gutem Ackerland an der Borsberg- und Geisingstraße, andere für Spezialkulturen auch auf dem Sandboden des Tännichts. Freudenberg, Olberg, Poscharsky, Richter, Mieth, Schäme und T.J. Seidel zählten zu den bekanntesten Gärtnereibesitzern. Fünf Gärtnereien waren größere Anwesen, und ihre Felder lagen zum Großen Garten zu.

Die Seidels waren eine alte ehrwürdige Gärtnerdynastie, die aus Glaubensgründen im Dreißigjährigen Krieg Böhmen verlassen mussten und nach Sachsen kamen. Ein Vertreter dieser Familie, Johann Heinrich Seidel, war sogar königlicher Hofgärtner und stand mit Goethe in Briefwechsel. Einer seiner Enkel war Traugott Jakob Seidel (1833 bis 1896), der 1865 in der Gegend des Stresemannplatzes 67.000 qm Land kaufte und eine moderne Gärtnerei errichtete, die sogar über eine Hochdruckdampfheizung verfügte. 1877 kaufte er von der Gemeinde Striesen ein mit Kiefern bestandenes Gelände an der Augsburger-/Pohlandstraße und zog dort winterharte Rhododendronpflanzen auf. Auf Seidels Wirken hin wurde auch in Dresden am 1. Mai 1887 auf dem Gelände hinter der großen Wirtschaft (Großer Garten) die "Erste Internationale Gartenbau-Ausstellung" eröffnet.

Im Adressbuch von Striesen aus dem Jahre 1891 sind die Seidels in der Straße J (Borsbergstraße), Nr. 2, ganz vorn rechts nahe des heutigen Fetscherplatzes zu finden. Landauswärts lagen rechts an der Straße J weitere Kunst- und Handelsgärtnereien mit den Namen Guido Geißler, Louis Weißbach, Karl Oskar Hartl, Felix Geyer und Ernst Heinrich Lehmann. Auf der linken Seite der Straße J waren die Gärtnereien von Friedrich Karl Schäme und weiter in Richtung Osten Ernst Hugo Simmgen, Friedrich Bley, Julius Mieth und K.H. Freudenberg zu finden.

Als nach der Einverleibung Striesens im Jahre 1892 das Gartenland bebaut werden sollte, mussten die Gärtner in Richtung Osten ausweichen. So verlegte damals Hermann Seidel seine Anlagen nach Laubegast. Andere Gärtner gingen nach Tolkewitz, Reick, Leuben und Dobritz. 1910 waren alle Gärtnereien an der Borsbergstraße verschwunden. Der Volkspark (Rhododendronpark) Striesen im Karree der Augsburger, Eisenacher, Pohland- und Ermelstraße ist noch ein Rest einer solchen Gartenanlage aus dem Seidelschen Rhododendrongarten. Am längsten hielten sich Gärtnereien an der Geisingstraße (Gärtnerei Hofmann bis in die 1970er Jahre).

[Bearbeiten] A.20. Von Gasthöfen und Lokalen

Das an Naumann vergebene Schankrecht und der an Reuter verpachtete Reiheschank bildeten zusammen mit der Schankkonzession, die Kirsten in Neustriesen erhielt, den Anfang der Striesner Gastronomie. Das älteste Lokal in Striesen war der Gasthof "Zum Sächsischen Prinzen", den der Hofuhrmacher Johann Heinrich Naumann und seine Nachfolger betrieben. Die Erlaubnis für den Ausschank des Dresdener Stadtbieres stammt vom 2. April 1756. Der Gasthof, der anfangs eine einfache Schenke war, lag günstig an der Straße in Richtung Osten und Pillnitz und wurde von den "gemeinen Dresdner Klassen" gern aufgesucht.

Im Jahre 1889 wurde der Gasthof um einen prächtigen Ballsaal ergänzt, so dass nunmehr auch größere Feste gefeiert werden konnten. In einer Werbung im Dresdner Anzeiger bietet der Gasthof seine "geräumigen Restaurations- und Gesellschafts-Lokalitäten zur geneigten Berücksichtigung" mit fein dekoriertem Ballsaal und alle Sonntage mit starkbesetzter Ballmusik an. Ausspannungen und Stallungen waren auch vorhanden, es brauchte niemand zu Fuß erscheinen. Im Jahre 1926 erfuhr der Gasthof eine nachhaltige Veränderung, aus dem Ballsaal wurde ein Kino, das allgemein ein neu aufkommendes Unterhaltungsmedium bildete und mehr Einnahmen als ein Ballsaal versprach. Nunmehr trug der Gasthof die Bezeichnung "Gloria-Lichtspiele". Der Kinosaal zeichnete sich durch eine auffallende Ausstattung mit Lüstern, Vorhängen und Verzierungen aus und hatte auch einen Rang. Zu den Pächtern oder Kinobetreibern gehörte auch die jüdische Familie Gottfeld. Der Vater wurde im Krieg verhaftet. Neuer Pächter bis zum Angriff auf Dresden war die Firma Rumrich & Dietze von den Stephenson-Lichtspielen aus Leuben.

Neben Wohn- und Fabrikgebäude dachte man auch an den Bau oder die Eröffnung von Gaststätten. Im Adressverzeichnis von 1884 zufolge gab es in Striesen 16 Restaurationen und Gasthöfe. Die Vielzahl von Restaurants und Gasthöfen lässt nicht nur auf die Geselligkeit der Striesener schlussfolgern, sondern war auch Anziehungspunkt für viele Dresdener aus anderen Stadtteilen und Ausflügler aus der Umgebung. Auch der Bezirksverein Dresden-Striesen warb mit dieser Vielfalt und bezeichnete Striesen als die schönste Vorstadt Dresdens.

Im Jahre 1884 wird in Striesen eine Dampfbierbrauerei eröffnet, und zwar von Emil Johann Leonhardt Riepl an der Schandauer Straße 37 (damals noch J-Straße 29). Sie empfahl sich mit ihren aus "besten Malz und Hopfen gebrauten Bairisch-, Lager-, Eis- und Einfachen Bieren." Das Gesuch zum Bau des Produktionsgebäudes geht auf das Jahr 1876 zurück, für die Errichtung des Schornsteins 1878. Das Objekt umfasste Lager, Fasskeller und Eiskellergebäude sowie ab 1886 einen Pferdestall. Um die Jahrhundertwende führten Riepls Söhne das Unternehmen weiter, dessen Produktion 1915/16 durch Rohstoffverknappung eingestellt wurde. Im selben Grundstück befand sich das Brauerei-Restaurant C.F. Thieme, das mit Garten, Gesellschaftszimmern und Kegelbahn seine Gäste erwartete.

Im Jahre 1895 entstand der "Kaiser Barbarossa" an der Ecke Kyffhäuser/Lene-Glazer-Straße. In das Gebäude zog 1925 die Zigarettenfabrik Pree & Co. ein, später wurden dort Matratzen hergestellt.

Auch 1895 entstand das größte Striesener Konzert- und Balletablissement in Form von "Hammers Hotel" an der Augsburger Straße 7. Als beliebter Gesellschaftssammelpunkt mit schönem Ballsaal und großer Bühne für Tanz und Theater - so der Ruf des Hotels - fanden hier auch politische Veranstaltungen statt. Am 6. September veranstaltete hier der Radfahrverein "Wettin" sein erstes Stiftungsfest. Der Verein besaß eine eigene Rennbahn an der Fürstenstraße mit einem Gasthaus, das vom Besitzer des "Sachsenhofs" bewirtschaftet wurde. In der Dresdner Revue von 1914 bietet Hammers Hotel unter dem Titel Moulin Rouge sonntags + montags eine "Moderne Tanz-Revue" mit dem "Rendez-vous aller modernen Tänzer" und "Pariser Ballnovitäten". Zum Wahlkampf 1928 sprach in "Hammers Hotel" Ernst Thälmann, dessen Rede angesichts des überfüllten Saals nach draußen übertragen wurde. Später nutzen die Nazis die Einrichtung für Volkstumsabende und Frauenschaftsabende. Das Haus wurde beim Angriff zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Am Barbarossaplatz befand sich das Hotel "Sachsenhof" (heute Wohnhaus), an der Ecke Rosa-Menzer-Straße/Wittenberger Straße der "Wittenberger Hof" und in der Wartburgstraße die "Wartburg-Schenke". In der Tittmannstraße in der Nähe des ehemaligen Gemeindeamts fand man den "Ratskeller" und die "Moselschänke". Betrat man wieder die Wittenberger Straße, so stand man vor dem Restaurant "Zur Post", das über einen schattigen Lindengarten verfügte.

In der Augsburger Straße befanden sich vom Barbarossaplatz stadtwärts gesehen das Restaurant "Zum Rübezahl", der "Augsburger Hof" (Ecke Tittmanstraße) und das Restaurant "Reichskrone". Sehr bekannt war auch in dieser Gegend das "Weisse Schloss". Schandauer/Ecke Dornblüthstraße stand das Hotel "Reichsadler". Wittenberger/Ecke Pohlandstraße befand sich der Pohlandgarten, der durch seine gute Küche und seinen Garten bekannt war. Nach dem Krieg war in seinen Räumen ein Haushaltwaren-Konsum untergebracht.

"Knapes Restaurant" war an der Augsburger/Ecke Blasewitzer Straße zu finden und hatte sich als Familienrestaurant einen Namen gemacht. Nach dem Krieg beherbergten die Gaststättenräume ein Blumengeschäft (Centraflor). In der Gluckstraße erinnerte das Restaurant "Windmühlenberg" an die alten Striesner Ortsverhältnisse.

Bergmannstraße 1 (Ecke Hüblerplatz) war die Anschrift des Restaurants "Hübler-Garten". Die "Mosenschenke" war an der Ecke Mosenstraße/Stormstraße gelegen, und den "Krenkelhof" auf der Krenkelstraße gibt es heute noch, wenn sich auch Namen geändert haben. Den "Krenkelhof " übernahm nach dem Angriff Paul Hüllmann, der zuvor den "Schandauer Hof" in der ausgebombten Schandauer Straße 10 hatte.

Andere Lokalitäten trugen die Namen "Rote Amsel", "Zur Aussicht", "Zur Post", "Baubörse, "Straßenbahnhof" und "Zum Grafen Thun" (C-Straße 12). An der Ecke Eilenburger Straße/Altstriesen stand die "Zur Erdkugel" (Eilenburger Straße 3), in der sich die Mitglieder der Kommunistischen Partei trafen, und in Altstriesen 10 gab es den "Striesener Ratskeller", obwohl dort kein Rathaus stand. Einige Gaststätten bzw. ihre Gebäude gibt es heute noch: Rübezahl (Augsburger Straße 49), Pohlandgarten (Wittenberger/Ecke Pohlandstraße), Knappes Restaurant (Augsburger/Ecke Blasewitzer Straße).

[Bearbeiten] A.21. Die Geisingstraße - ein alter Verbindungsweg nach Gruna

Die heutige Geisingstraße bildete über Jahrhunderte hinweg seit der ersten urkundlichen Erwähnung des Dorfes Striesen im Jahre 1350 einen Zugang (Communicationsweg) zum eigentlichen Dorf Striesen. Von Dresden erreichte man auf der nach Pillnitz führenden Straße, wenn man den Rampischen Schlag verlassen und ein flachwelliges Hügelland durchquert hatte, nach einer reichlichen halben Stunde den Grunaer Weg (heutige Geisingstraße), in den man links abbiegen musste. Um weiter nach Pillnitz zu gelangen, musste man das Dorf durchqueren und über die heutige Eilenburger Straße weiter reisen, die damals etwa am Polandplatz erst auf den Vorgänger der Schandauer Straße stieß.

Mitten im als lang gestreckten Rundling ausgebildeten Dorf lag der Dorfplatz mit Gärten und einigen Restgewässer des Landgrabens in Form von Teichen, auf denen sich Enten und Gänse tummelten. Später verschwanden die Teiche, und auf dem Platz wurde das Wettin-Denkmal (1889) errichtet. An der Einmündung der Geisingstraße, die in Verlängerung über die Borsbergstraße nach Gruna führte, nach Altstriesen stand anfangs der alte Ziehbrunnen, der den Ort mit Trinkwasser versorgte. Der Ziehbrunnen ist noch auf einer Zeichnung von A. Zingg aus dem Jahre 1801 zu erkennen.

Bis zum Jahre 1768 führte die Verbindung von Dresden nach Pillnitz vom Grunaer Weg kommend durch das Dorf. Die Wegführung durch das Dorf störte den kurfürstlichen Hof und sein Gefolge auf dem Weg zur Sommerresidenz. In einem Wegebericht des Sächsischen Hofes, die Fahrten durch das Dorf Striesen in Richtung Pillnitz betreffend, heißt es: "Das Steigen und Fallen der Straße wegen des durch das Dorf gehenden Landgrabens machte die Passage allzeit hinderlich und unbequem. Wegen der Tiefenlage und vielfältigen Zusammenläufe des Wassers, desgleichen deren Unreinlichkeiten aus deren Bauernhöfen gab immerwährendes Reparieren und Ausräumung."

Deshalb wurde eine Straße angelegt, die an der Geisingstraße geradeaus führte und den Bogen durch das Dorf umging. Der Knick in der Schandauer Straße/Borsbergstraße dort erinnert noch heute an die Verlegung der Landstraße. Ein Schlagbaum an dieser Straße sorgte anfangs dafür, dass nur die Wagen des Hofes auf der neuen Straße fahren konnten. So entstand der heutige Straßenverlauf der Schandauer und Borsbergstraße.

Das erste Striesener Schulhaus wurde von der Gemeinde im Jahre 1839 am Ende der Geisingstraße "Am Landgraben 3" errichtet. Das Schulhaus trug anfangs eine Inschrift: "Kommt Kinder, kommt, lernt Gottes Wort, - hier ist der rechte Ort, - Lernt Lesen, Schreiben, Rechnen auch, - Und Frömmigkeit nach Christen-Brauch." Bei der Wahl des Schulstandortes entbrannte ein Streit unter den Striesnern. Die einen wollten, dass die Schule mehr in der Geisingstraße in Richtung Gruna steht, damit die Kinder aus Gruna und Seidnitz, die nach Striesen eingeschult wurden, es näher hatten. Die anderen stimmten für den letztendlich gewählten Platz, gegen den der Striesener Kleber, der auch im Gemeindevorstand war, protestierte. Sein Gut lag dicht hinter der geplanten Schule, die ihm die Aussicht versperren sollte. Somit bildete die Geisingstraße für die Kinder aus Gruna und Seidnitz den Schulweg, den sie früh hin zur Schule und nachmittags zurück nach Hause benutzten. Am 18. Mai 1865 wurde die Gemeinde Gruna ausgeschult, sie hatte ein eigenes Schulhaus. Striesen selbst hatte zu diesem Zeitpunkt 126 Schulkinder, Gruna 43.

[Bearbeiten] A.22. Borsberg- und Schandauer Straße - der Weg nach Pillnitz

Die Borsberg- und die weiter führende Schandauer Straße bildeten seit alter Zeit den Verbindungsgweg für den Dresdner Hof nach Pillnitz. Dort stand auch der Gasthof "Zum Sächsischen Prinzen", etwa da, wo heute der Weg aus Altstriesen auf die Schandauer Straße stößt. Am 2. April 1756 wurde dem Hofuhrmacher Johann Heinrich Naumann und seinen Nachfolgern vom Kurfürsten Friedrich August die alleinige Erlaubnis erteilt, auf seinem Gute (später Gasthof "Zum Sächsischen Prinzen", Teil des Petermannschen Gutes) Dresdner Stadtbier zu verzapfen und zu "verschänken".

Auch für den Gemeinderat hatte der Gasthof seine Bedeutung. Die Wahl des ersten Striesener Gemeinderates und Gemeindevorstandes fand am 3. Juni 1839 statt. Der Gutsbesitzer Gottlob Leberecht Zeibig ging aus der Wahl als erster Gemeindevorstand hervor. Der gewählte Gemeinderat fand sich zum ersten Male am 4. August 1839 zu einer Sitzung zusammen. Die Gemeinderatsversammlungen fanden, so berichtet es die Überlieferung, offenbar aus praktischen Gründen in einer Verbindung des Angenehmen mit dem Nützlichen in der Küche des Gasthofes "Zum Sächsischen Prinzen" statt.

Das Jahr 1881 ist noch von besonderer Bedeutung für die Striesener Straßen, so auch für die Borsbergstraße. Vom "Gemeinnützigen Verein von Striesen" wird die Bepflanzung der Striesener Straßen mit Bäumen angeregt, eine Besonderheit von Striesen. Viele Grundstücksbesitzer beteiligten sich an der Bepflanzung. Zum Teil ist noch heute der alte Baumbestand vorhanden oder rechtzeitig durch neue Bäume ersetzt worden. Borsberg- und Schandauer Straße und andere sind Beispiele dafür. Der Gemeinderat beschloss auf seiner Sitzung am 12. Juli 1873 die Straßen nach amerikanischen Vorbild zu benennen. Die von Nord nach Süd verlaufenden Straßen wurden zunächst mit Zahlen, die von West nach Ost verlaufenden mit Buchstaben bezeichnet. Die Borsbergstraße erhielt den Buchstaben J. Die Bezeichnung der Straßen mit Zahlen und Buchstaben hielt sich bis 1893.

Die Straße nach Pillnitz, die nun Straße J hieß, stand unter Dresdner Verwaltung und wurde von Dresden aus offenbar nicht sonderlich vorrangig behandelt. Außerdem passte ihre Breite nicht in den Bebauungsplan der Gemeinde Striesen. Am 16. Mai 1882 beschloss der Gemeinderat, die Straße J von der Dresdner Stadtgrenze bis zum Grunaer "Communicationsweg" (Geisingstraße) in "communliche Verwaltung" zu nehmen. Dazu erhielt Striesen aus dem Staatsfiskus eine einmalige Entschädigung für die Unterhaltung der Straße in Eigenregie von 20.000 Mark. Die Straßenübernahme hatte ihre Gründe. So wollte Striesen die Straße auf bauplanmäßige Striesener Breite erweitern und die Verlegung einer Pferde-Straßenbahnlinie nach Striesen zur Geisingstraße fördern. Langwierige Verhandlungen waren dazu in Dresden erforderlich, und im Frühjahr 1884 wurde mit dem "Correctionsbau" der Straße begonnen.

[Bearbeiten] A.23. Die Pferdestraßenbahn

Am 23. April 1884 vormittags, 10.30 Uhr, wurde mit der Legung des Pferdebahngeleises durch Einschlagen des ersten Nagels begonnen”, so ein Bericht. Vom Fürstenplatz, dem heutigen Fetscherplatz, wurde ein eingleisiger Abschnitt in Straßenmitte lag bis zur heutigen Geisingstraße gelegt. Zwei Ausweichmöglichkeiten entstanden, die erste von der Stadt her gesehen vor der Gärtnerei von Hermann Seidel, etwa in Höhe der heutigen Krenkelstraße. Eine zweite Ausweichmöglichkeit entstand dort, wo sich in etwa heute das Fischgeschäft Zschornak befindet. Die Endstelle befand sich mitten auf der Straße., eine Ausweichmöglichkeit mit etwas weiteren Abstand der beiden Gleise und ein kleines Stumpfgleis zum Abstellen. Gleich dahinter begann der noch nicht ausgebaute und daher enge Teil der J-Straße. Mit der Fertigstellung des Straßenbaus war auch der Einbau der Gleise abgeschlossen und nach einer Probefahrt wurde am 31. Mai 1884 der Verkehr auf dieser Strecke der Pferdebahngesellschaft (Tramways Company of Germany Ltd.) eröffnet.

Am Pfingstsonntag wusste dann der Elbthalbote darüber zu berichten: "Die Einweihung der Pferdebahnstrecke bis an den Grunaer Weg ist gestern mit aller Aufmerksamkeit Altstriesens erfolgt. Punkt 11 Uhr setzte sich der mit Kränzen, Girlanden und Blumen sehr hübsch geschmückte Wagen vom Georgplatz aus in Bewegung. Platz in und auf demselben haben die bei der Einweihung zu fungierenden Behörden und die dazu geladenen Gäste genommen. Es waren die königl. Amtshauptmannschaft durch Herrn Regierungsrat Kretschmar, Herrn Wasserbauinspektor Weber; die königl. Polizeidirektion durch die Herren Polizeirat Dr. Hausmann und Kommissar Paul; die Stadt mit ihrer Deputation für Pferdebahnangelegenheiten, bestehend aus den Herren Teuscher, in Vertretung des abwesenden Stadtrates Herrn Grabowski, die Stadträte Händel, Dantz und Friedrich, Referendar Fischer, Stadtingenieur Manch und Oberinspekteur Wiegner; die Pferdebahn durch Herrn Kaufmann Knob, Direktor Clauß und Ingenieur Curt vertreten. Schon an der Stadtgrenze waren Girlanden gezogen und vom ersten Striesner Hause ab bis zum Grunaer Wege wehten Flaggen und Fahnen von den Dächern, die Straße war mit Birken bepflanzt und am Ende der Schienengleise war eine prächtige Ehrenpforte errichtet. Hier war es auch, wo die Vertretung der Gemeinde, Gemeindevorstand und Gemeinderat, sowie zahlreiche Einwohner Striesens Aufstellung zur Bewillkommnung genommen hatten.

Nach kräftigem Händedruck, Gruß und manch freundlicher Worte, ging es zu Fuß weiter nach dem „Sächsischen Prinzen“, allwo durch ein Festmahl der Bedeutung des Tages noch würdiger Ausdruck gegeben werden sollte. Küche und Keller waren allgemein befriedigend und aus der großen Zahl der Toaste sei nur erwähnt, dass Regierungsrat Kretschmar seiner Majestät, unseres allverdienten Königs, dem hohen Förderer alles Guten und Schönen, in sinnigen Worten gedachte. Herr Vorstand Dittrich gab seiner Freude Ausdruck über das Erreichte, mit Motivierung dessen, wie Striesen sich nach und nach emporgehoben habe, so dass es heute einer der bedeutendsten Vororte Dresdens ist. Herr Stadtrat Teucher toastete auf die gesunde Entwicklung Striesens, das heute durch den verlängerten Schienenstrang ein Stück fortschreitender Entwicklung feiere. Herr Kaufmann Knob als Vertreter des Verwaltungsrates der Pferdebahn betonte, dass mit der heutigen Weihe so eigentlich das Ziel erreicht ist, welches sich die Pferdebahn in ihrem Programme gestellt, und er hoffe, dass auch diese Strecke, wenn man auch nicht allen Wünschen nachkommen könne, ihre Aufgabe erfülle. Mit lebhaften Bravo wurde der Toast des Herrn Direktor Clauß aufgenommen. Er betonte, dass zwar die heute neu eröffnete Linie nach dem alten Programm der Schlussstein im Projekt bilden solle, aber Stillstand sei Rückschritt, er hoffe, dass die Wünsche, die diesmal nicht erfüllt werden konnten, bald Genugtuung widerfahre. Möge die Entwicklung, sowohl der Stadt, wie auch des Ortes Striesen recht bald dazu drängen, noch eine dritte Linie und zwar in das Innere, durch die Straße 4 nach dem Gemeindeamte zu bauen. Die Pferdebahn werde sicher gern die Hand bieten, die jetzt offen gelassene Wunde so schnell wie möglich zu heilen. Die weiteren Toaste waren allgemeiner Natur; gegen 3 Uhr erfolgte der Aufbruch und Rückfahrt nach der Stadt. Abends fand noch Illumination der Ehrenpforte durch elektrische Beleuchtung statt, die Herr Schmiedemeister Thiers aus eigenen Mitteln gestellt und damit seinen gemeinnützigen Bestreben zum besten Ausdruck gegeben hatte. Möge die Bahn die Hoffnungen recht bald erfüllen. Die man in sie gesetzt, möge aber auch die Zeit recht bald kommen, um die Wünsche zu befriedigen, die jetzt noch unberücksichtigt bleiben mussten." Am Fahrplan war zu erkennen, dass die Pferdebahn nunmehr nicht nur bis zur Kreuzstraße, sondern immerhin bis zur Schäferstraße verkehrte und das Abzeichen der Bahn, das S auf dem Dach bedeutende Striesen. Auch konnte der Fahrplan natürlich nur eingehalten werden, wenn es ohne Betriebsstörungen des Weges ging und die so genannten besonderen Vorkommnisse gab es genug, mal sprang der Wagen aus den Schienen, mal waren die Pferde störrisch. Der Fahrpreis war mit 20 Pfennig recht hoch. Abo-Fahrkarten gab es nicht. Das war die Auswirkung der Übernahme der J-Straße in die Unterhaltung Striesens, denn nun konnte die Pferdebahngesellschaft den Vororttarif verlangen. Die Pferdebahn musste sich ständig um Fahrgäste bemühen.

Am 8. April des Jahres 1897 fuhr erstmalig ein Wagen ganz ohne Pferde und elektrisch betrieben zwischen dem Altmarkt und der Straße J, jetzt mit Porsbergstraße bezeichnet, da Striesen seit 1892 zu Dresden gehörte und die Straßennamen geändert wurden. Der übrige Pferdebahnbetrieb auf der Linie wurde vorübergehend eingestellt. Linienverlängerungen in Richtung Osten bahnten sich an. Ab dem 28. September 1898 verkehrte noch die Pferdebahn von der Geisingstraße durch die Schandauer Straße, vorbei am Pohlandplatz bis zur Altenberger Straße, kurze Zeit später, ab dem 20. November des Jahres ging es weiter bis zur Hofmannstraße. Ein viertel Jahr später verkehrte die Bahn bis nach Laubegast und endete am dortigen Forsthaus mit Anschluss an die Leubener Vorortbahn. Nun hatte auch das letzte Pferd ausgedient, die ganze Strecke wurde ab dem 12. Februar 1899 elektrisch befahren.

[Bearbeiten] A.24. Der Pferdestraßenbahnhof Striesen

Die Pferdebahnlinie war gerade in Betrieb genommen, da richtete die Direktion des Pferdebahn-Unternehmens einen Antrag zur Errichtung eines Bahnhofs an den Gemeinderat. Kein geringerer als ein gewisser Herr Zeibig, der sich in den Gemeinderatssitzungen immer gegen die Pferdebahn aussprach, verkaufte seinen wohl brachliegenden Acker an die Gesellschaft. Zur teilweisen Umgehung des strengen Striesener Bauregulativs, das die Lage von Wirtschafts- zu Wohngebäuden und die Stellung der Giebelseiten vorschrieb und Fabriken und Unternehmen von der Straße J fernhalten wollte, stellte die Gesellschaft einen Dispensationsantrag (Ausnahmegenehmigung), und in der Gemeinderatssitzung vom 13. Januar 1885 wurde darüber recht lange debattiert. Schließlich genehmigte der Gemeinderat den Bau des Straßenbahnhofes. Die Fassade der Wagenhalle solle ein gefälligeres Aussehen erhalten, das Wohngebäude eine Etage aufgesetzt bekommen und die Pferdeställe längs der Straße 5 (heutige Spenerstraße) untergebracht werden.

Nun war der Weg zur Errichtung eines Pferdebahnhofes frei. Es entstanden zwei Hallen mit diversen Nebengebäuden wie Futterkammer und Heuboden für die Pferde und ein Verwaltungs- und Wohngebäude sowie eine kleine Hufschmiede. In jeder der beiden Hallen waren vier Abstellgleise eingelegt, ein weiteres Abstellgleis befand sich außerhalb der westlichen Halle. Da der Platz zwischen der Straße und den Halleneinfahrten knapp bemessen war, wurde die Einfahrt der östlichen Halle mit einer Schiebebühne und die der westliche Halle mit einer Drehscheibe versehen. Die Breite der Schiebebühne und der Durchmesser der Drehscheibe waren 3 Meter, was für damaligen Pferdebahnwagen völlig ausreichte. Die Ausfahrt von der Drehscheibe mündete in einer aufwändigen Gleisverschlingung unmittelbar vor der Ausfahrweiche der Endpunktumfahrung, während die Ausfahrt von Schiebebühne mit einer einfachen Weiche auf das 30 Meter lange Stumpfgleis der Endstelle bewerkstelligt wurde. Nach dem Bau konnten Pferde, Wagen und Personal am 16. September 1885 einziehen. Insgesamt 100 Pferde und 50 Kutscher wurden in diesen Betriebshof stationiert. Auch das Wohngebäude wurde vom Stallmeister Carl Thodor Gähler und vom Pferdebahnkutscher Carl Heinrich Seifert bezogen. Und am 26. Januar 1886 wurde dem Pferdebahnkutscher Friedrich Wilhelm Anding die Konzession zur Betreibung eines Kaffee-Ausschanks ausgestellt, inklusive eines Bier- und Branntweinschankes. Im November 1890 verließ Anding den Betriebshof, die Konzession erlosch. Mit der geplanten Aufnahme eines elektrischen Betriebes reichte die Dresdner Straßenbahn einen Bauantrag zum Umbau des Bahnhofes mit Erweiterung ein. So sollte zur Geisingstraße zu eine weitere Halle mit ebenfalls vier Abstellgleisen und neben dem schon bestehenden Außengleis zwei weitere errichtet werden. Da nun die Porsbergstraße zweigleisig ausgebaut werden sollte, musste die Ausfahrt von der Drehscheibe, die gleichzeitig vergrößert werden sollte, in Richtung Fürstenplatz auf das stadtwärtige Gleis gelegt werden. Gleich dahinter sollte sich ein Gleiswechsel auf das landwärtige Gleis befinden. Weiterer Gleisveränderungen waren erforderlich.

Das Projekt wurde zunächst genehmigt, dann aber doch nicht ausgeführt, weil auf Neugrunaer Flur der wesentlich größere Betriebshof Tolkewitz an der Wehlener Straße errichtet wurde. Nach der Stilllegung des Pferdebahnhofes Striesen wurden Drehscheibe, Bühne und die Gleise in den Hallen abgebaut, die Umfahrung blieb zunächst. Mit dem Abschluss der Pflasterung der Porsbergstraße im Jahre 1904 verschwanden neben dem Gleiswechsel die Umfahrung und das Stumpfgleis. Direkt neben dem Straßenbahnhof befand sich eine Dampf-Bierbrauerei, eröffnet 1884 von Emil Johann Leonhardt Riepl, J-Straße 29 (Borsbergstr. 37). Aber auch schon reine Wohnbebauung entstand an der J-Straße. So erbauten sich die Gemeinderatsmitglieder Zeibig und Kleber ihre Anwesen an dieser Straße. Neben diesem Grundstück stand eine Tankstelle, die einstmals der Deutsch Amerikanischen Petroleumgesellschaft gehörte.

Über die Geisingstraße hinweg gelangte man zu einem vierstöckigen Eckhaus, in dem sich unten das Porzellan- und Glasgeschäft Gäbler mit großen Schaufenstern befand. Über die Schandauer Straße hinweg kam man wieder zu einem vierstöckigen Wohnhaus mit der Wettin-Apotheke im Erdgeschoss und dem Schmiedemeister Thiers im Nachbar-Gelände Geisingstraße 15. Am längsten hielt sich von den Striesner Gärtnereien die Gärtnerei Hofmann in der Geisingstraße 29 bis in die 1970er Jahre.

[Bearbeiten] A.25. Das Dorf will zur Stadt - erneuter Bauboom

Striesen wollte schon frühzeitig nach Dresden. Ein erster Antrag von 1876 wurde wegen Problemen mit Johannstadt noch abgelehnt. Ein zweiter Anlauf hatte Erfolg, wenn auch die Eingemeindung bei den Striesnern umstritten war. Die Eingemeindung wurde am 1. Juli 1892 in einem Festakt mit Dresdens Bürgermeister Stübel im Striesener Gemeindehaus (Tittmann-/Ecke Wartburgstraße) mit dem Gemeindevorstand Clauß besiegelt. Der feierliche Akt fand um 12.00 Uhr im Sitzungssaal des Gemeinderates Striesen statt. Anwesend waren alle Gemeinderatsmitglieder unter Führung von Gemeindevorstand Clauß, die Schuldirektoren Rößler und Dr. Nietzold, der Pfarrer Boeß, weitere Mitarbeiter aus der Gemeinde und der Oberbürgermeister Dresdens Dr. Stübel sowie der Amthauptmann Geh. Regierungsrat von Thielau. Reden wurden gehalten, gute Worte und Glückwünsche gewechselt und alles Gute gewünscht.

Die Ansprache Dr. Stübels war mit der Bekantgabe einer Überraschung verbunden, wie aus dem Protokoll zu ersehen ist: "Die Gemeinde Striesen sei nicht minder überrascht worden, als der Rath zu Dresden durch die ministerielle Verfügung, dass bereits heute die offizielle Vereinigung der beiden Gemeinden vollzogen werden solle. Von diesem Beschlusse habe er (Redner) zuerst erfahren durch die Bekanntmachung des königlichen Kultusministeriums über die Zuweisung der Pachorie Striesen zu der Ephorie Dresden 1. Die vom 21. d. M. datierte Verordnung des königlichen Ministeriums des Inneren betreffs der heute zu vollziehenden Einverleibung Striesens mit Dresden sei aber nicht früher als in den Vormittagsstunden des vergangenen Montags, den 27. d. M. in seine Hände gelangt. Der Rath zu Dresden hatte also nichts Schleuniger zu thun, als diesen Anordnungen Folge zu geben. Wünschenswerter wäre es vielleicht gewesen, wenn zwischen dem Erlasse der Verordnung und dem heutigen Einverleibungsakte eine etwas größerer Zeitraum gelegen hätte,."

Das Ortsgesetz (1892) vom 27. Juni 1892, die Vereinigung der Landgemeinde Striesen, nunmehr Vorstadt Striesen genannt, mit der Stadt Dresden betreffend, regelte die zwischen Stadt und Gemeindevorstand ausgehandelten Bedingungen und trug die Unterschriften von Dr. Stübel (Der Rath), Gustav Ackermann (Die Stadtverordneten), Ernst Emil Clauß, Ernst Heinrich Gustav Lehmann und Friedrich Fürchtegott Fischer (Der Gemeinderath zu Striesen) sowie die Genehmigung durch die Königliche Amtshauptmannschaft Dresden-Neustadt mit der Unterschrift von Thielau.

In mehreren Paragrafen werden die verwaltungstechnischen Belange geregelt und festgestellt, dass nunmehr die Regularien der Stadt Dresden in Striesen gültig sind. Der Rath verpflichte sich, mit der Zuführung von Wasser aus dem städtischen Wasserwerke zu beginnen, ebenso mit der Gaszuführung, zum Beispiel auf der Straße J bis zum Sächsischen Prinzen, und mit der Beschleusung. Wer zwei Jahre schon in Striesen wohnte, erhält das Dresdner Bürgerrecht unentgeltlich. Auch für die weitere finanzielle Versorgung des Gemeindevorstandes wurde gesorgt. Ein Anhang regelt das Vermögen und der Schulden der Landgemeinde Striesen. Es entstand ein Überschuss von fast 60.000 Mark. In einem Anhang C wird der Fortbestand des Fabrikdistriktes (zwischen Straße J und 8 sowie Flurgrenze), der Ziegeleien und Gärtnereibetriebe, das Kehren der Schornsteine, das Schlachten von Kleinvieh und das Verbrennen von Unkraut geregelt. Im Anhand D werden Ausführungen zur Bebauung (offene und geschlossene Bauweise) gemacht. Die Striesener konnten sich auch über neue Abgaben freuen, so über einen Anliegerbeitrag von 23 Mark pro Frontmeter (an der Straße).

Durch die Eingemeindung war Striesen zu einer Vorstadt Dresdens geworden und konnte sich auch dadurch einer regen Bautätigkeit erfreuen, an der die Altstriesner ihren Anteil hatten. So fand eine Umstrukturierung der vordem eher bäuerlich vorherrschenden Tätigkeiten zu kleinen Fuhr- und Handwerksbetrieben statt.

Um 1890 war Striesen noch nicht mit der städtischen Häuserbebauung Dresdens durchgehend verbunden. Die dritte Bauperiode nach 1892 war durch ein enormes Aufblühen gekennzeichnet, wobei lange Straßenzüge mit schönen Häusern und reich verzierten Fassaden entstehen. Im Laufe der Jahre hatte sich Neustriesen weiter nach Osten ausgedehnt und um 1880 bereits das Tännicht erreicht. Dort bestanden zunächst noch größere Waldparzellen, doch um 1900 war das nördliche Striesen bis nach Blasewitz überall mit Wohnhäusern besetzt. In den Hintergebäuden waren oftmals Werkstätten und Fabriken anzutreffen.

Die Grenze gegen Blasewitz ist heute noch deutlich an der plötzlichen Verbreiterung der Straßen auf der Striesner Seite zu erkennen. Straßenknicke in der dicht bebauten Gegend um die Huttenstraße lassen erkennen, dass hier zwei nicht aufeinander abgestimmte Baubauungspläne aneinander stoßen. Um 1900 war Johannstadt mit Striesen zusammengewachsen, und die Baulücke im Norden zwischen Blasewitzer und Dürerstraße geschlossen. Durch die Eingemeindung wurde Striesen an die Dresdner Wasserversorgung und Kanalisation angeschlossen.

Im Ortsgesetz Dresdens 1899 für die Bebauung der Vorstadt Striesen wurden auch Elemente der Bebauungspläne der Landgemeinde Striesen übernommen. So wurde die Errichtung gewerblicher Anlagen auf Gebiete zwischen der Straße J (Schandauer Straße) und den Flurgrenzen mit Gruna und Seidnitz beschränkt. Die Einwohnerzahl betrug im Jahre 1892 in Striesen 10.820. Striesen bestand zu dieser Zeit aus 650 Häusern.

Die noch mit Ziffern und Buchstaben versehenen Striesener Straßen bekamen 1893 nun Namen. Die Längsstraßen erhielten Städtenamen, meist nach Lutherstädten (Augsburger-, Wittenberger-, Eisenacher-, Wormser-, Wartburgstraße), die Querstraßen wurden nach Persönlichkeiten, wie ehemalige Bürgermeister der Stadt (Glasewald, Dornblüth, Ermel, Pohland, Bergmann, Tzschimmer), und Dichtern benannt. Die Straßen in der Nähe der Erlöserkirche erhielten Namen von Kirchendichtern (Löscher, Paul Gerhard, Spitta).

Bei der Architektur der Häuser beachtete man vergangene Bauepochen, wie Hochrenaissance, Gotik und Barock und später den Jungendstil. Damit wurden Architektur und Kunstgewerbe vom Historismus beherrscht. Reich gegliederter und farbiger Fassaden mit Schmuckelementen, Türmchen, Balkon, Erker oder Vorsprünge stellen diese Stilrichtung unter Beweis.

Die Häuser weisen einen meist quadratischen Grundriss auf und wurden mit den Spitznamen Würfel oder Kaffeemühle belegt. Zäune und Balkongeländer sind aus Guss- oder Schmiedeeisen. Auch Innen geht es vornehm zu. Hohe Fenster, Bäder, Innentoiletten, Stuckdecken und Parkett waren keine Seltenheit. Küchen wiesen Abstellkammern und benachbarte Dienstmädchenkammern auf. Bereits die Eingangszonen beim Betreten der Häuser gaben der zu erwartenden weiteren Pracht einen Vorgeschmack mit verzierten Haustüren und strukturierten und gemusterten Bodenkacheln, bemalten Decken und Wandverkleidungen aus Holz. Bevor man in das Treppenhaus gelangte, musste man oftmals eine Schwingtür oder Zwischentür passieren. Nicht selten hatten die Treppenhäuser Oberlichter und eine Rundumtreppe, von der die Korridortüren abgingen. Im Dachgeschoß waren bescheidenere Wohnungen anzutreffen, und auch das Kellergeschoß wurde vom Hausmeister in einer Souterrain-Wohnung bewohnt. Oftmals wohnte das Hauspersonal auch in kleinen Hintergebäuden. Dort hatten sich auch Handwerker niedergelassen.

Um die Jahrhundertwende zählte Striesen etwa 60 Straßen mit ungefähr 1100 bewohnten Grundstücken und 40 000 Einwohnern. Das Gebiet um den Barbarossaplatz wurde mehr und mehr in offener Bauweise (Würfelhäuser) bebaut.

[Bearbeiten] A.26. Verhältnisse nach Schließung des Pferdestraßenbahnhofs

Die Gebäude des Pfrerdestraßenbahnhofs wurden nach Schließung des Bahnhofs verpachtet, nicht das Wohnhaus. Hier wohnten auch weiterhin Straßenbahnbedienstete. Ab dem Jahre 1901 vermietete die Dresdner Straßenbahngesellschaft den leer stehenden Pferdebahnhof an die Baufirma Riedig, die einen Lagerplatz einrichtete, und an die Firma Schorler, einem Fuhrunternehmen, das jedoch nicht lange existierte. Im Jahre 1904, die Straße erhielt in diesem Jahre den Straßennamen Borsbergstraße, erschien die Zuckerwarenfabrik Clemens Naumann auf dem Gelände. Auch in diesem Jahre begann der Handel mit Automobilen. Woldemar von Satine, der im unweiten Hinterhaus der Borsbergstraße 33 einen kleinen Handeln der motorisierten Vehikel Marke Mars betrieb, zog in eine der leer stehenden Hallen und vereinte sich mit seinem Kompagnon Rittershaus. Ebenfalls betrieb auf dem Grundstück Melanie Berlich den Handel mit Brennholz und Kohlen.

Zwei Jahre später verschwand die Holzhändlerin mit ihrem Hausbrandgeschäft und der Ingenieur Otto Rehe eröffnete eine Chauffeurschule (Fahrschule). Damals langte es nicht zu, das Automobil führen zu können, es waren vielmehr auch technische Kenntnisse erforderlich, wie beim Tanken (Benzin und Öl), Ölnachfüllen, Zündungsnachstellung, Lampen mit Carbid auffüllen, Rad- und Reifenwechsel. Als die Firma Satine & Rittershaus sich aus dem Automobilgeschäft zurückzog und sich dem Rohrleitungs- und Heizungsbau widmete, übernahm Rehe auch deren Handel mit Automobilen. Von Satine und Rittershaus nutzte einen Teil der Hallen nur noch als Lagerplatz und begab sich nach dem I. Weltkrieg wieder ganz an ihren abgestammten Firmensitz in der Borsbergstraße 33, später 31b.

Otto Rehe warb mit einem quer über die Giebelfenster angebrachten riesigen Schild mit dem "Ein- und Verkauf neuer und gebrauchter Automobile in jeder Preislage sowie Verkauf von Benzin, Oel, Carbid etc." und weiter heißt es: "Reparaturen an allen Systemen werden schnell und sachgemäß zu den billigsten Preisen ausgeführt". Im Jahre 1913 teilte sich die Firma in das "Kraftfahrzeughaus Otto Rehe" und die "Dresdner Chauffeurschule GmbH.". Gleichzeitig mieteten sich im Gelände drei weitere Firmen ein: Eine Transportfirma, ein Brunnenbauer und Rohrleger sowie ein Altstoffhändler. Auch zog der letzte Straßenbahner aus dem Wohnhaus, und die Naumannsche Zuckerwarenfabrik richtete sich im gesamten ehemaligen Wohngebäude ein.

Die Dresdner Chauffeur-Schule GmbH, gegründet 1906 als ein Institut und 1912 in eine GmbH umgewandelt, stand unter Aufsicht des Stadtrates und des königlichen Ministeriums des Inneren. Die Abnahme der Kraftfahrprüfungen wurden durch die mechanisch-technische Versuchsanstalt der Technischen Hochschule durchgeführt. Der Schule lag der Bedarf an ausgebildeten Chauffeuren zu Grunde, da sich die Eigentümer von Autos mit der Wartung und Instandhaltung ihrer Fahrzeuge überfordert fühlten. Ein Chauffeur macht sich also stets bezahlt, so die Philosophie der Schulidee. In einem Bild von 1914 ist das Grundstück Borsbergstraße 39 mit den zwei separat stehenden Hallen und rechts mit dem Wohnhaus gut zu erkennen. Das Grundstück wurde von einem Zaun umgeben. Für die Ausbildung der Damen und Herren als Chauffeure wurde ein Lehrplan eingesetzt, der sich in die Teile Motor, Kraftübertragung, Fahrgestell, Rad und Bereifung und Hilfseinrichtungen gliederte. Die Ausbildung erfolgte praktisch und theoretisch. Dafür standen Schulwagen, ein Lehrsaal, eine Bibliothek, eine Lehrwerkstatt und eine Modellsammlung zur Verfügung.

Der I. Weltkrieg war zunächst mit einem Aus im Autohandel verbunden. Während des Krieges wurde der Hof als Wäschetrockenplatz genutzt, am Ende des Krieges konnte sicherlich nur noch der Altwarenhändler etwas verdienen. Die Firma Clemens Naumann existierte weiterhin, während alle anderen Firmen sich verabschiedeten. Im Jahre 1926 standen die Hallen leer, nur doch die Wäsche auf dem Trockenplatz wehte im Winde.

[Bearbeiten] A.27. Die Firma L. Kreß in der Borsbergstraße 39

Leonhard Kreß mietete im Jahre 1931 eine der leer stehenden Hallen vom ehemaligen Pferdebahnhof. Kreß, geboren 1891, stammte aus der Nähe von Lohr/Main, kam im Jahre 1920 nach Dresden und eröffnete ein Motorradgeschäft. Im Jahre 1928 folgte auf der Steinstraße eine Werkstatt für Motorräder und Autos. Das Ladengeschäft befand sich in der Dresdner Innenstadt auf der Grunaer Straße. Im Jahre 1935 verabschiedete sich dann auch die Firma Naumann und Leonhard Kreß war alleiniger Gewerbemieter des Grundstückes Borsbergstraße 39, das aber immer noch der Dresdner Straßenbahn gehörte.

Im Jahre 1936 vergrößerte er die Firma durch die Anmietung weiterer Hallen und des Wohnhauses auf dem Grundstück und schuf damit eine moderne Auto- und Motorradwerkstatt. In dieser Zeit erhielt er die Generalvertretung für die Marke Hanomag. Später kam noch die VW-Vertretung hinzu. Die Firma Leonhard Kreß wurde auch kurz als Hanomag-Kreß bezeichnet, da es auf der Karcherallee noch eine andere Firma Kreß gab, die DKW-Autos reparierte

[Bearbeiten] A.28. Weiteres vom öffentlichen Nahverkehr

Eine andere Straßenbahnlinie (Linie 3, ab April 1892) fuhr auf der Wartburg und Augsburger Straße eingleisig mit getrennten Richtungsgleisen. Somit war Striesen verkehrsmäßig mit Straßenbahnen sehr gut erschlossen. Die Striesener hatten nur kurze Wege zu überbrücken und konnten schnell eine Haltestelle erreichen. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurden diese Linien (Linie 2 und 3) eingestellt und die Schienen entfernt. Am Pflaster auf den genannten Straßen ist heute noch der Schienenverlauf erkennbar.

Neben der Straßenbahn gab es in Striesen auch einen Autobusverkehr. Ende 1925 wurde eine Buslinie eingerichtet, die vom Hauptbahnhof nach Loschwitz führte und dabei durch die Schlüter-, Ermel-, Wittenberger und Dornblüthstraße fuhr. Ab Juli 1926 trug die Linie die Bezeichnung "C". Eine Buslinie "F" kam vom Altmarkt und befuhr die Schandauer, Schlüter-, Hepke-, Eibenstocker und Junghansstraße. Der Busverkehr wurde auch mitunter nur auf sonntags beschränkt und im Prinzip bis zum Angriff auf Dresden aufrecht erhalten. An der Schandauer Straße entstanden die Albertgaragen, die von 1929 bis 1939 von der Dresdner Straßenbahn AG für Unterstellung von Bussen gemietet wurde. Die Albertgaragen waren ursprünglich für den Kraftverkehr Freistatt Sachsen AG vorgesehen.

Die Eröffnung des Oberleitungsbus-Verkehrs (Obus) am 8. November 1947 war für Dresden ein Ereignis, das mit einer Neuerung auf dem Nahverkehrswesen verbunden war. Bis dahin war dieses umweltfreundliche Verkehrsmittel in Dresden unbekannt. Die Obus-Linie C - in Erinnerung an den Autobus C vor dem Kriege - fuhr von Loschwitz (später verlängert bis Bühlau und Weißig) bis zum Fritz-Förster-Platz in der Nähe der Technischen Hochschule bzw. Technischen Universität (später verlängert zum Willi-Ermel-Platz) und stellte eine Verkehrsverbindung zwischen den östlichen und südlichen Stadtteilen Dresdens her.

Die Linie C verband die Stadteile Strehlen, Gruna, Striesen und Blasewitz auf kürzesten Weg miteinander. In Striesen fuhr der Obus auf der Dornblüth-, Augsburger, Ermel- und Schlüterstraße und stellte einen gewissen Ersatz für die entfallenen Linien auf der Augsburger und Wartburgstraße dar. Am 30. November 1975 wurde der Obusbetrieb (nunmehr als Linie 61) eingestellt und durch Kraftomnibusse ersetzt. Der Grund dafür war die umfangreiche und kostspielige Erneuerung der Oberleitung und des Wagenparks. Andere Städte haben dies aber in den Griff bekommen, dort fährt der Obus heute noch.

[Bearbeiten] A.29. Striesen und seine Feuerwehr

Die Striesener hatten in der Vergangenheit mit Feuer schlechte Erfahrungen gemacht. Brände und Kriege hatten das Dorf mehrfach vernichtet. So mussten sich die Striesener meist selbst helfen. Im Kriegsjahr 1813 gelang es den Striesnern, den beim Beschuss entstandenen Brand zunächst selbst zu löschen. Dann wurde jedoch das Dorf von den Franzosen in Brand gesteckt.

Um Brände erfolgreich bekämpfen zu können, kaufte sich die Gemeinde im Jahre 1841 für 400 Taler eine neue Feuerspritze an. 1868 wurde eine weitere Spritze angeschafft. Am 14. März 1874 wurde in Striesen die Freiwillige Feuerwehr gegründet, um das Feuerwehrwesen in geordnete Bahnen zu lenken. Die Freiwillige Feuerwehr hatte im Dorf stets einen guten Ruf und musste bei Veranstaltungen mit aufmarschieren. So bei Schuleinweihungen oder bei der Einweihung der Erlöserkirche im Jahre 1880.

Im Jahre 1879 erfolgte die Gründung der Pflichtfeuerwehr auf Grundlage der Feuerlöschordnung vom 30. September 1879. Die Feuerwehr zählte 1886 50 Mann uniformiert und 60 Mann nicht uniformiert. Die Mannschaft war eingeteilt in vier Züge, einen Steiger- und zwei Spritzenzüge und einen Zug Schutzmannschaft. Das Kommando führte als Hauptmann der Kaufmann Paul Engelmann, D-Straße 19. Nach der Einverleibung Striesens nach Dresden 1892 wurde die Feuerwehr von Dresden aus geleitet. So erhielt Striesen ein neues Feuerwehrgebäude, das im Jahre 1908 als Feuerwehrwache Schlüterstraße, ein Erlweinbau, vollendet wurde.

[Bearbeiten] A.30. Das Postwesen in Striesen

Postalisch wurde Striesen lange Zeit von Dresden aus versorgt. Neben der Ortsanschrift Striesen gab es nach 1858 auch die Anschrift Neustriesen. Am 1. Mai 1877 eröffnete das Kaiserliche Postamt zu Striesen seine Pforten im Gemeindeamt 4. Straße Nr. 21 (Tittmannstraße 21). Der Schalter des Postamtes bot seinen Kunden einen Post- und Telegraphendient an. Als Postverwalter wird im Jahre 1886 C.F. Knoth genannt.

An fünf Stellen Striesens befanden sich zu dieser Zeit Briefkästen mit mehrmaligen täglichen Leerungszeiten. Auch Briefmarken konnte man in Striesen an verschiedenen Stellen kaufen, so auch in Altstriesen im Haus des späteren Striesener Ratskellers. Im Jahre 1882 zog das Postamt in ein Haus gegenüber dem Gemeindeamt (wahrscheinlich Tittmannstraße 20b), dann am 1. April 1899 ein Haus neben dem Gemeindeamt (Wartburgstraße 29) zwischen Spener- und Spittastraße, bis es dann als Kaiserliches Post-Amt und Telegraphen-Station zu Striesen in der E-Straße 21 (Wartburgstraße 50) zu finden ist.

In den Jahren 1918 bis 1922 wurde der Telefonverkehr in Dresden durch neue Ortsvermittlungsstellen erweitert, zu ihnen zählte auch die Ortsvermittlung Striesen, die im Gebäude Wartburgstraße 50 ihren Platz fand.

Beim Angriff auf Dresden wurde das Postamt Striesen (Dresden A 19) zwar beschädigt, aber nicht völlig zerstört. Dennoch musste der Briefdienst vorübergehend in die 52. Volksschule Rosa-Menzer-Straße verlegt werden. In den beiden oberen Geschossen der Wartburgstraße 50 fanden die Vermittlungseinrichtungen Platz, über die auch die Fernsprechanschlüsse Loschwitz, Bühlau und Weißer Hirsch ließen, so dass eine Erweiterung entsprechend des Bedarfs nicht möglich war. Lange Wartezeiten auf einen Telefonanschluß in der DDR waren deshalb an der Tagesordnung. Ende 1996 wurde die Ortsvermittlung auf der Wartburgstraße eingestellt. Mit Einführung der Digitalvermittlung nahm das Fernmeldeamt am Postplatz eine zentrale Stellung ein.


[Bearbeiten] A.31. Wohnsiedlungen und Genossenschaften

Die Entwicklung von Industrie und Wirtschaft im Striesener Raum brachte auch eine Konzentration von Arbeitskräften mit sich, für die ausreichend Wohnraum zur Verfügung gestellt werden musste. Im Zeitraum von 1892 bis 1901 wurden für Wohnzwecke durchschnittlich 90 Häuser pro Jahr neu errichtet, so dass sich die Grundstückszahl auf 1100 erhöhte. Neben dem privaten Wohnungsbau ist im Zeitraum bis zum ersten Weltkrieg auch der genossenschaftliche von Bedeutung gewesen. Stimulierend wirkten dafür die Industrieansiedlung sowie die Licht-Luft-Sonne-Bewegung zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Neue Siedlungsformen mit Höfen, Gartenanlagen und Balkonen schafften die Voraussetzungen für ein angenehmes und preiswertes Wohnen für Arbeiter und Angestellte von Firmen oder Angehörige der Bauvereine.

Die Bauvereins- und Genossenschaftsidee ging auf die erste Baugenossenschaft Deutschlands im Jahre 1873 in Mittweida zurück. Ein entsprechendes Reichsgesetz von 1889 schaffte dafür die rechtlichen Grundlagen und sorgte für einen Aufschwung.

In den Jahren 1910/11 entstanden die Wohnblöcke der Rudolf-Schilling-Häuser des am 8. Februar 1898 gegründeten Dresdner Bau- und Sparvereins. Die dreiseitige Anlage (Wormser, Tittmann- und Holbeinstraße) bestand aus 15 Häusern mit 215 Wohnungen und umschließt einen begrünten Innenhof, auf dem sich Ruhe- und Spielplätze und ein Gartenhaus (Wäschemangel) befinden. Man verzichtete auf Bäder, um die Mieten niedrig zu halten. Stattdessen gab es Bademöglichkeiten und Waschküchen in einem separaten Gebäude, in dem acht Wannenbäder, vier Duschen, Waschmaschinen und Holzbottiche zur Verfügung standen. Freitags wurden Bademarken verkauft. Im Bad konnte man 30 Minuten bleiben, unter der Dusche 20 Minuten. Die im Sommer innerhalb des Blocks stattfindenden Blockfeste erfreuten sich stets großer Beliebtheit. Die Hauseingänge sind mit farbigen Keramikverkleidungen der Keramischen Kunstwerkstätte Mutz & Rother Liegnitz wohltuend verziert. Der Gesamtbaukörper wird durch Balkone und Dreiecksgiebel aufgelockert. Der Bau wurde von der Architektenfirma Schilling & Graebner geplant und von der Firma Max Schwenke ausgeführt.

An der Junghans-, Kipsdorfer/Glashütter Straße entstanden in den Jahren 1919/11 die König-Friedrich-August-Häuser, deren Architekt Theodor Richter war. Die Bezeichnung geht auf eine Unterstützung des sächsischen Königs zurück. Die Wohnanlage besteht aus drei zueinander parallel und senkrecht zur Junghansstraße stehenden Hauptbauten mit einem Querblock an der Rückseite. Balkone sowie Vor- und Rücksprünge gliedern den Gesamteindruck des mit grünen Innenhöfen versehenen Baus.

[Bearbeiten] A.32. Striesen zur Jahrhundertwende und bis 1945

Im Jahre 1893 erschienen erstmalig Stadtpläne, die Striesen als einen Vorort Dresdens auswiesen. Die östliche Grenze Dresdens lag zu dieser Zeit entlang der Altenberger Straße. Der Bebauungsplan für die "Vorstadt Striesen" aus dem Jahre 1899 weist Straßen für geschlossene und für offene Bebauung mit Auflagen für die gewerbliche Nutzung aus. Allerdings hat man in diesem Plan bereits Altstriesen begraben. Der Plan weist als verbliebenen Teil von Altstriesen nur den Markgraf-Heinrich-Platz aus, die alten Dorfhäuser der Südseite des Platzes sind verschwunden und durch eine neue städtische Bebauung ersetzt. Die Spenerstraße wird durchführend ausgewiesen, Am Landgraben ist verschwunden. Die Geisingstraße führt durchführend zur Alemannenstraße, und die Haenel-Claus-Straße mündet in die Markgraf-Heinrich-Straße. Bereits damals hat man Altstriesen als solches verschwinden lassen - ein Vorgriff auf die Folgen des Luftangriffs auf Dresden.

Nach dem genannten Bebauungsplan war das Gebiet südlich der Schandauer Straße den Industrieansiedlungen vorbehalten. Mit diesem Bebauungsplan hielt man sich im Wesentlichen an die Beschlüsse, die noch der Gemeinderat des Dorfes Striesen vor der Eingemeindung getroffen hatte. Einen Fortschritt stellte auch der 1888 begonnene und 1890 abgeschlossene Schleusenbau dar. Um 1900 hatte Striesen eine Einwohnerzahl von 27 552 erreicht, andere Angaben sprechen von 40.000. Durch die fortschreitende Bebauung wurde mehr und mehr Land, das ehemals den Bauern und den Gärtnern zur Verfügung stand, als Bauland erklärt. Die Folge davon war eine Stadtflucht von Bauern und Gärtner in die Dresdner Randgebiete oder nach außerhalb von Dresden. Gärtner zogen nach Laubegast, Altstriesner Bauern nach Gruna oder Gaustritz.

Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Nordseite des Dorfes Altstriesen mit vierstöckigen Häusern (Wettinhäuser, 1889), die ersten Häuser in Striesen in geschlossener Bauweise, bebaut. Die Tagespresse klagte: "Noch steht ein Stück vom alten Striesen um den Markgraf-Heinrich-Platz herum, doch seine Tage sind gezählt. Schon beginnt von der Wormser Straße her das neue Striesen vorzudringen." In den Wettinhäusern siedelten sich Geschäfte an, so der Bäcker Troschütz in Altstriesen 23, der Schuhmacher Pfüller, das Milchgeschäft Jarzumbek (Nr. 29), der Drogist Reinsch (Nr. 29), die Papierwarenhandlung Kalibabky (Nr. 31) und die Fleischerei Kunze, später Dietrich (Nr. 33). Im Eckhaus Altstriesen/Markgraf-Heinrich-Straße 1a war die Schokoladefabrik Bruno Clauß zu finden.

Im Jahr 1989 wurde anlässlich des 800ten Bestehens des Hauses Wettin auf dem Platz Altstriesen das Wettin-Denkmal errichtet. Es war anfangs umgeben von kleinen Gärten.

Bereits auf der Geisingstraße war von der Borsbergstraße aus die ländliche Idylle Altstriesens erkennbar. Bevor die Geisingstraße langsam abfallend in einer Rechtskurve nach Altstriesen einmündete, ging rechts das Prinzengäßchen - offenbar ein alter Weg zum Gasthof "Zum Sächsischen Prinzen" - ab, an dem sich links drei Wohngrundstücke und rechts die Niederlassung der Firma Spalteholz bis 1945 befand. Die ans Prinzengäßchen angrenzenden Grundstücke waren zum Teil auch mit einem Durchgang nach Altstriesen verbunden, so zum Beispiel Prinzengäßchen 3 mit Altstriesen 12. Dabei fand in Richtung Altstriesen eine leichte Geländeabsenkung (Elbarm) statt, die heute noch hinter den Häusern Schandauer Straße in Richtung der Garagen durch eine kurze Treppe erkennbar ist.

Die alten Häuser am Südteil des Altstriesener Platzes (gerade Hausnummern) entsprachen in ihrer Gebäusesubstanz und ihrer Grundstücksgröße den Verhältnissen nach 1813. Die Stellmacherei Richter (Altstriesen 6), das Haus mit den drei Kanonenkugeln (Nr. 8), der Striesener Ratskeller (Nr. 10), an Bauernhöfe erinnernde Grundstücke (Nr. 16 und 18), in denen einstmals die Bauern Franz und Fiedler ansässig waren, der Lumpenhändler Kambach (Nr. 22), der Schmied Niederschuh (Nr. 24), der Petermannsche Gutshof (Nr. 30) und das Lebensmittelgeschäft Büttner (Nr. 32) sollen stellvertretend für die anderen genannt werden. Als Kuriosität kann die als Erlweinbau ausgeführte, allein stehende öffentliche Bedürfnisanstalt am Ausgang Altstriesens zur Eilenburger Straße hin betrachtet werden.

An der Schandauer/Ecke Geisingstraße entstand die Wettin-Apotheke (Schandauer Straße 1a). In der Schandauer Straße 3 war eine Drogerie, in der 9 ein Milchgeschäft und in der 9 b das Lebensmittelgeschäft Bruno Thalheim. Die Gloria-Palast-Lichtspiele (ehemals Gasthof "Zum Sächsischen Prinzen") war die Nr. 11 am Ausgang des Prinzengäßchen, Metzlers Sporthaus die Nr. 13 und das große Schuhwarengeschäft Schmidt die Nr. 23 mit Schaufenstern zur Bergmannstraße. Ein weiteres Kino waren die Regina-Lichtspiele an der Ecke Paul-Gerhard- und Augsburger Straße.

Striesen erreichte im Jahre 1925 mit 52 265 Einwohnern eine hohe Wohndichte, der nicht mehr mit der offenen Bebauung entsprochen werden konnte. Im Bereich der Borsberg, Müller-Berset-, Mosen, Laube-, Haydn-, Holbein, Schandauer-, Krenkel und Bergmannstraße wurde eine geschlossene Bauweise angewendet oder mit der offenen kombiniert. Nach 1920 entstand das Gebiet um den Stresemannplatz. Die oftmals mit für die damalige Zeit hohem Komfort ausgestatteten Wohnungen bewohnten zumeist Vertreter des Bürgertums, wie Beamte, Kaufleute, Lehrer, Künstler, Wissenschaftler, Schriftsteller und auch wohlhabende Rentner.

Im Verlauf des alten Elbarmes und auf verfüllten Lehm- und Sandgruben entstand eine Reihe von Kleingartenanlagen (Schrebergärten), die die Zeit überdauerten und zum Teil heute noch existieren. In Zeiten der Not wurden hier manch zusätzliche Nahrungsmittel angebaut.

Die Zeit der Weltwirtschaftskrise war für Striesen auch eine schlimme Zeit. Entlassungen in den Zigaretten- und Kamerabetrieben standen auf der Tagesordnung, aber auch andere Betriebe und Handwerker mussten Mitarbeiter entlassen. In dieser Zeit traf die Nazipropaganda, die für Striesen weitere dunkle Tage einleiten sollte, auf offene Ohren. Es wurde in den Lokalen und im privaten Bereich diskutiert, argumentiert und gestritten. Oftmals ging die politische Meinungstrennung mitten durch Familien. Der eine war in der SPD, der andere bei den Nazis, die besonders auch im Mittelstand Anklang fanden. Und mach kleiner "Krauter" stieg eines Tages in SA-Uniform herum.

1933 war es dann mit dem offenen Diskutieren vorbei, Parteien wurden verboten. In den folgenden Jahren gab es noch Widerstandsaktionen, die aber mehr und mehr verebbten, je mehr von den Nazis verhaftet wurde. Otto Galle und Rosa Menzer gehörten zu ihnen. Die Arisierung vertrieb Juden aus den Schulen und Fabriken. Der Widerstand erlahmte, alle die ihre andere Gesinnung zeigten, waren in Konzentrationslagern, Gefängnissen oder später im Krieg.

Auf dem Platz Altstriesen fand sich vor dem Krieg hin und wieder ein Zirkus (Schollini) ein, der neben dem Wettin-Denkmal sein Zweimasten-Zelt aufbaute und die Einwohner, besonders die Kinder, mit seinen Vorstellungen erfreute. Die Darbietungen waren meist artistischer Art, Tiere waren weniger vertreten. Während eines Gastspiels soll auch ein Artist vom Trapez gefallen und tödlich verunglückt sein. Auf dem Platz fanden auch Treffen und Appelle der Hitlerjugend statt

Im Jahre 1943 wurde der bis dahin mit Kleingärten und dem Wettin-Denkmal bebaute Platz, an dessen Südseite sich noch die alten Häuschen und Bauernhöfe befanden und dessen Nordseite bereits moderne vierstöckige Häuser (Wettin-Häuser) aufwies, vollkommen umgestaltet. Der östliche Teil des Platzes erhielt einen Bunker (Splitterschutzgraben), um die Bevölkerung speziell der kleinen Häuser, die keinen Keller besaßen, im Falle eines Luftangriffs aufzunehmen. Der Bunker war nicht sehr tief und konnte bestenfalls vor Brandbomben und Splittern schützen, einen Volltreffer hätte er nicht ausgehalten.

Auf dem westlichen Teil des Platzes wurde ein Wasserbecken errichtet, das Wasser für Löschzwecke bereitstellen sollte. Der Beckenrand zur Wasserentnahme war aber nur über steile Stufen zu erreichen, und für das Löschen musste eine Eimerkette gebildet werden. Beim Angriff auf Dresden am 13. Februar 1945 erwies sich das Wasserbecken als nutzlos, während ein Teil der Einwohner den Bombenhagel vor allem des zweiten Angriffs im Bunker überstand. Als sie am 14. Februar früh den Bunker verließen, waren die Häuser um den Platz herum heruntergebrannt.

Die Geschichte Dresden-Striesens, Teil 5

[Bearbeiten] A.33. Striesens Nachbarn

Im Norden grenzt Blasewitz nördlich der Otto-Galle-, Niederwald und Teutoburger Straße an Striesen. Blasewitz war ursprünglich ein sorbischer Rundweiler an der Elbe und findet im Jahre 1349 erstmalig Erwähnung als Blasenwicz eines Nikolaus Karas, dem in einer Belehnungsurkunde der Markgraf von Meißen, Friedrich der Strenge, für gute Kriegsdienste ein Gut überließ. Auf einer kleinen Rodungsinsel neben einer alten Furt durch die Elbe gelegen, umfasste Blasewitz etwa 6 Hufen im Besitz von 8 Hufnern und war oftmals von Elbehochwasser bedroht. Im Jahre 1384 wurde der Dresdner Bürger Peter Münzmeister mit dem Dorf belehnt, das anfangs zum Burggrafen Dohna gehörig im Jahre 1480 in die Hand der Kreuzkirche gelangte. Im Jahre 1618 zählte Blasewitz 16 Besitzer.

Mittelpunkt von Blasewitz war der alte Dorfplatz, an dem heute sich der Schillerplatz befindet und um den sich die wenigen Häuser mit den Feldern und Wiesen dahinter scharten. Die Elbwiesen wurden gemeinschaftlich genutzt. Der alte Gasthof (Schillerplatz 11) auf dem Karas-Gutsgelände war zunächst ein Jagdhaus, 1683 als Schenke erwähnt und später durch ein Sommerschankhaus (heute Schillergarten) erweitert. Die 1763 geborene Wirtstochter Johanne Justine Segedin wurde als Gustel von Blasewitz in Schillers "Wallenstein" unsterblich.

Auf dem Weg nach Striesen lag gleich am Dorfrand ein kleiner Weinberg. Der Weg nach Striesen endete in Striesen in der Gegend der Rosa-Menzer-Straße. Die Blasewitzer kamen auch selten nach Striesen. Da sie zum Kirchspiel Leubnitz gehörten, führte ihr Weg auf dem damaligen Blasewitzer Kirchwege (Schlüterstraße) an Striesen vorbei. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zählte das Dorf Blasewitz 75 bis 100 Einwohner. 1709 waren es nach einer Zählung genau 79 Erwachsene in 31 Häusern mit 12 Pferden, 52 Kühen und 22 Ziegen. Dementsprechend war das Leben der Blasewitzer einfach und hart. Im Jahre 1666 wütete sogar ein Großfeuer.

Über die Blasewitzer Straße hatte Blasewitz eine Anbindung an die Stadt Dresden. Der Verkehr endete aber mehr oder weniger am Dorfplatz, von dem es nur über eine Fähre weiter nach Loschwitz ging. Auf seinem Weg nach Pillnitz benutzte der Dresdner Hof die über Striesen führende Pillnitzer Straße. Durch die Einrichtung einer Pferdestraßenbahnlinie (Pferde-Eisenbahn der Continental-Pferde-Eisenbahn-Actien-Gesellschaft) am 26. September 1872 (erste Straßenbahn in Dresden) von Blasewitz nach Dresden wurde die Blasewitzer Straße auch für die Striesener interessant, die sie zuvor bereits für den Güter-Omnibus nutzen. Im Jahr 1893 wurde die Loschwitzer Brücke (Hängebrücke, das Blaue Wunder) dem Verkehr übergeben, so dass die Bahnlinie bis Loschwitz verlängert werden konnte.

Östlich vom Schillerplatz bestand seit 1855 eine Schiffswerft, die 1898 nach Laubegast verlegt wurde. Blasewitz bildete 1887 mit Neugruna eine eigene Kirchgemeinde und erbaute 1893 die neugotische Heilig-Geist-Kirche. Im Blasewitzer Tännicht wurde durch Arthur Willibald Königsheim ab 1869 der Waldpark Blasewitz angelegt, um den sich herum prunkvolle Villen gruppierten.

Mitten auf der Kreuzung Hüblerstraße/Kyffhäuserstraße steht noch heute ein Haus, das bis zur Eingemeindung von Blasewitz nach Dresden als Einnehmerhaus diente. Hier prüften Zöllner die Frauen mit ihren Körben oder die Bauern mit ihren Wagen auf zollpflichtige Waren.

Im 19. Jahrhundert erhöhte sich die Anzahl der Sommergäste und Landhäuser und mehr und mehr entwickelte sich Blasewitz zu einem Villenvorort von Dresden für die betuchte Oberschicht. Die Blasewitzer waren relativ wohlhabend und widersetzten sich dem Anschluss an Dresden, bis sie im Jahre 1921, als sie bereits von der Stadt umschlossen waren, zwangseingemeindet wurden.

Im Osten schloss sich an Striesen der Ort Neugruna an. In diesem Gebiet befand sich das 1307 vom Kloster Altzella erworbene Dorf Praschycz (auch Praschütz, vermutlich an der Kreuzung Schandauer/Ludwig-Hartmann-Straße gelegen) und das Vorwerk Grünpraschütz. Beide Dörfer wurden bereits 1310 als wüst und verlassen bezeichnet. Über ihren Untergang rangen sich nicht dokumentierte Geschichten. So sollen sie einer Räuberbande zum Opfer gefallen sein, die alle Bewohner töteten. Die Bauern der umliegenden Dörfer, unter ihnen auch Striesen, teilten sich die Flur untereinander auf.

Grünpraschütz wird oftmals zusammen mit Strehlen genannt. In einer Urkunde vom 26. März 1315 wird es sogar "an der Elbe gelegen" bezeichnet. Das Dresdner Amtserbbuch weiß zu berichten, dass Grünpraschütz und Seidnitz eine Gemeinde bildeten. Die unverständliche Lage wird erhellt durch die Tatsache, dass die Flur von Seidnitz im Norden einen Ausläufer aufweist, der bis zur Elbe heranreicht und zwischen Tolkewitz und Blasewitz liegt. Auch Gruna hatte damals einen solchen Zipfel, der sich westlich an den Seidnitzer Ausläufer anlehnt und auch bis zur Elbe reichte. Damit wird klar, dass diese beiden Flurarme zur Elbe einst die Flur des 1310 untergegangenen Dorfes Grünpraschütz oder zumindest einen Teil bildeten.

Im Jahre 1876 entstand Neugruna als selbständiger Ortsteil von Gruna. In diesem Jahr wurde auch der Landgraben, der bis dahin durch Striesen floss, nach Neugruna verlegt. Von Blasewitz nach Seidnitz führte ein Weg (Ziegelweg), der 1896 zur Altenberger Straße ausgebaut wurde. Bald schon wurde Neugruna für das Baugeschehen interessant. Verschiedene Unternehmer, unter ihnen auch der Musikkritiker Ludwig Hartmann, kauften Gelände im Grunaer Tännicht auf und verkauften sie wieder als Baugrundstücke, nachdem von der von ihnen gegründeten Baugesellschaft "Daheim" fünf Straßen durch den Wald angelegt worden waren. Neugruna wurde zum Wohngebiet für Arbeitskräfte der sich in Striesen entwickelnden Industrien.

Gruna bildete den südlich von Striesen liegenden Ort, der 1370 als Grunow (Ort der grünen Aue) urkundlich erwähnt wird. Gruna war ein Platzdorf mit Blockstreifen- und Streifenflur und erstreckte sich von der Winterbergstraße bis an den Striesener Friedhof und die Wehlener Straße sowie vom Hepkeplatz bis zur Enderstraße. Gruna befand sich zwischen zwei Altwässern der Elbe. Der südliche Zweig führte zwischen Bodenbacher Straße und Winterbergstraße zum Großen Garten und zur Bürgerweise, der nördliche Zweig liegt heute noch stellenweise bis zu 2 m tiefer als die Umgebung und ist bis zum Frauensteiner Platz mit Kleingärten belegt. Bereits 1309 hatte man in diesem Elbarm einen Landgraben angelegt, der auch zur Entwässerung der Hänge in Leubnitz und Nickern, als Flutrinne, für Nutz- und Löschwasserzwecke und letztendlich als Landwehr diente.

Gruna gehörte im Mittelalter dem Meißner Hochstift, später dem Religionsamt des Dresdner Rates und dem kurfürstlichen Amt. Nach dem Fall der Burg Dohna wurde die nach Bodenbach führende Straße (alte Pirnaer Landstraße, heute Bodenbacher Straße) zu einer wichtigen Verkehrsader nach Böhmen, über die sich auch der Postverkehr bewegte und die durch das Gebiet des späteren Großen Gartens führte. Mit Dresden war Gruna über den Kirchsteig (Comeniusstraße), mit Striesen über den Grunaer Weg (Geisingstraße) verbunden, den auch die Grunaer Kinder benutzten, wenn sie in die Schule nach Striesen gingen.

Ebenso wie Striesen musste Gruna für die Anlage des Großen Gartens 1678 einen Teil seiner Felder abtreten. Im Freiheitskrieg wurde Gruna 11. Oktober 1813 in Brand gesteckt und erhielt für den Wiederaufbau der Häuser und Höfe Steine aus der Umfassungsmauer des Großen Gartens. In den Jahren 1867 bis 1890 vervierfachte sich die Grunaer Einwohnerzahl. Beim Hausneubau wurden im Gegensatz zu Blasewitz keine Villen bevorzugt. Zwei Ziegeleien konnten sich über einen schleppenden Absatz nicht beklagen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichteten Bauvereine und Genossenschaften siedlungsähnliche Hausbauten für Arbeiter und Angestellte, so dass Gruna seinen ländlichen Charakter allmählich verlor.

Ebenfalls im Süden grenzte der Große Garten an Striesen. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurden vom Hof und vom Adel Lustgärten vor den Stadtmauern angelegt. Für den Großen Garten wurden im kurfürstlichen Auftrag Felder von Strehlen, Gruna und Striesen aufgekauft und im Jahre 1676 mit seiner Anlage als kurfürstlicher Jagdgarten im Auftrag Johann Georgs II und Johann Georg III begonnen.

Im Jahre 1698 verlegte man auf Geheiß August des Starken die durch den Garten führende Pirnaer Landstraße außerhalb des Gartens an die nördliche Begrenzung in Form einer neuen Straße (Stübelallee). 1718 folgte eine 2 m hohe Umfassungsmauer. Im November des Jahres 1758 suchte viele Dresdner aus den brennenden Vorstädten im Großen Garten Schutz, als der Siebenjährige Krieg Dresden heimsuchte. 1760 war dann der Große Garten selbst Kriegsschauplatz, viele Anlagen wurden zerstört. Friedrich II. von Preußen nahm einige Figuren mit in den Potsdamer Park. Auch in den Freiheitskriegen im Jahre 1813 blieb der Große Garten nicht verschont und wurde als Kriegsgelände benutzt.

Zur Linderung der Not beim Wiederaufbau der zerstörten Dörfer Gruna und Striesen wurden Steine der Umfassungsmauer für den Häuser- und Hofaufbau freigegeben. Das war kein Gnadenakt des sächsischen Hofes, sondern eine Anordnung des russischen Generalgouverneurs Repnin, der auch die Freitreppe zur Brühlschen Terrasse anlegen ließ. Im Jahre 1873 wurde dann der Große Garten als Volks- und Erholungspark für alle zugänglich.

Im Westen von Striesen liegt anschließend an die Krenkel- und Huttenstraße der Stadtteil Johannstadt, der sich bis zur Sachsenallee und zur Güntzstraße erstreckt und etwa auf der Flur des 1310 erwähnten Dorfes Ranvoltitz liegt. Die Flur gehörte dem Dresdner Augustinerkloster und dem Maternihospital. Nach der Reformation übernahm der sächsische Hof den Augustinerbesitz, und der des Maternihospitals gelangte an den Rat zu Dresden. Die Straße nach Pirna, nach Striesen und nach Blasewitz sowie der Lämmchenweg durchzogen die Flur. Vor dem Ziegelschlag lagen zerstreut im flach hügligen Gelände einige Vorwerke, und auf den Tatzbergen wurde Wein angebaut. Dort befand sich auch die 1837 gegründete Gärtnerei der Familie Seidel.

Die Flächen der Johannstadt waren ursprünglich ein offenes und zum Teil landwirtschaftlich genutztes Land mit den Vorwerken "Hopfgarten", "Lämmchen" (Tatzberg), "Engelhardt", "Stückgießers" und "Antons" und einigen Windmühlen. Im Jahre 1644 erhielt das Vorwerk, der Tatzberg genannt, Brau-, Gast- und Schankrecht. 1742 wurde das Vorwerk "Lämmchen" erstmalig erwähnt, da dort starker Verkehr und der Zuspruch fremden Bieres (Gersdorfer, Gorbitzer und Dresdner Stadt-Bier) zu Beschwerden führten. Aus der Flur des Vorwerkes "Lämmchen" wurde später ein Teil herausgetrennt, aus dem sich die Wirtschaft "Stückgießers" (ungefähr Blumenstraße 48) entwickelte. Die mit Schankrecht ausgestatteten Vorwerke sahen oftmals lustige Geselligkeiten, zu denen sicherlich auch die Striesner beitrugen, zumal sie bei ihrem Gang nach Dresden bei dieser oder jener Gastwirtschaft vorbeikamen.

Im Pestjahr 1680 legte man in einer unbewohnten Gegend vor dem Ziegelschlag den Eliasfriedhof an, der bis 1876 benutzt wurde. Da das Stadtbild erhalten bleiben sollte, erhob man 1826 ein Bauverbot zwischen Elbe und Großen Garten. 1858 folgte eine Parzellierung der Grundstücke, und 1876 wurde das Gebiet im Wesentlichen zum Wohngebiet bestimmt, dessen Wert sich durch den Bau der Albertbrücke (1875/76) steigerte. Um 1900 war dann Johannstadt mit der Pirnaischen Vorstadt und mit Striesen baulich zusammengewachsen.

Die weiteren westlichen Nachbarn Striesens waren natürlich die Dresdner, die oftmals von der Existenz Striesens wenig oder gar nichts wussten. So wurde Striesen als eigentlich aus zwei Dörfern (Striesen und Neustriesen) bestehend aufgefasst oder man fragte sich, wenn die Striesener auf den Ämtern oder beim Rat eine Erledigung treffen mussten: "Striesen - wo liegt denn das?" Der schlechte Ruf, der gelegentlich von Neustriesen ausging, führte zur Redensart "Striesen - stadtverwiesen". Das alles hat aber nur Anekdotencharakter, je besser die Anbindung durch Straßen und Verkehrsmittel und der Bekanntheitsgrad Striesens durch den später einsetzenden Ausflugsverkehr und die Bautätigkeit wurde, um so aufgewerteter wurde Striesen, bis sich letztendlich der Spruch prägte: "Willst du den Leben wohl genießen, so nimm dein Bett und zieh nach Striesen!"

[Bearbeiten] A.34. Die Striesner Kirchen

Striesen gehörte 1572 und auch 1726 noch zur Parochie der Frauenkirche, später zur Kreuzkirche, und wurde von deren Geistlichen mit versorgt. Wer also von den Striesnern sonntags einen würdigen Gottesdienst erleben wollte, musste einen langen An- und Abmarsch in Kauf nehmen und frühmorgens das Haus verlassen, um rechtzeitig in der Frauen- oder Kreuzkirche einzutreffen. Der Weg war beschwerlich, und es waren trotzdem viele, die solcherart Strapazen auf sich nahmen. Mit einer Laterne ausgerüstet, zogen die Kirchenbesucher auf der damaligen Pillnitzer Straße (Borsberg-/Striesenerr Straße) über die Äußere Rampesche Straße nach Dresden zur Kirche.

Die Wiege des kirchlichen Lebens in Striesen bildete das alte Schulhaus am Landgraben 3, dessen Lehrer Müller (1840 bis 1866) und später Oberlehrer Prüfer jährlich sechs Gottesdienste im Schulhaus abzuhalten hatten. Ein kleines Harmonium begleitete den Gesang der Gemeinde.

Außer dem alljährlichen Erntedankfest, das in der Scheune des Gemeindevorstandes auf der Tenne abgehalten wurde, gab es auch ein Fastenbeten an gleicher Stelle. Hierbei wurden die Schulkinder der vier ersten Klassen über einen Teil des Katechismus abgehört. Danach begaben sich die Erwachsenen in die große Gesindestube des Gemeindevorstandes zum Gemeindebier. Das Gemeindebier wurde aus einer Abgabe finanziert, die alle entrichten mussten, die sich im Laufe des Jahres in der Gemeinde angekauft oder das elterliche Erbe angetreten hatten. Mit dieser Zeremonie waren sie als vollwertige Einwohner aufgenommen. Für das Fastenbeten mussten die Striesener Einwohner pro Person eine Gebühr von vier Pfennigen (Opferpfennige) entrichten. In den ersten Jahren nach 1870 wurde diese Art und Weise in Zweifel gezogen, und die Abgaben nicht mehr gezahlt.

Die kirchlichen Abgaben wurden bis kurz nach 1850 in natura erhoben, man sprach vom Dienst-, Metz- und Hufgetreide, das aber oftmals nur aus wertlosen Unkrautsämerein bestand. Nicht selten musste sich der Pfarrer deswegen durch ein diesbezügliches Kanzelwort beschweren: "Trespe, Rad und Vogelwicke - sollt ihr mir nicht zum Dezem schicke. Ich hab Gottes Wort gepredigt lauter und rein, so soll auch mein Dezem sein !"

Im Jahre 1874 fanden die Gottesdienste dann in der neuen Schule in der Wartburgstraße statt. Sie wurden vom Geistlichen Emil Theodor Keller abgehalten, der später böhmischer Pfarrer wurde. Das alte Harmonium zog mit vom Landgraben in die Wartburgstraße um. Dort stand auch ein größerer Raum zur Verfügung, da man die Zwischenwand zwischen zwei Schulräumen weggelassen hatte.

Am 1. Advent (28. November) 1880 war Striesen als Kirchengemeinde durch Auspfarrung aus der Kreuzkirche mit einer eigenen Parochie selbständig geworden. Als Striesen aus der Parochie der Kreuzkirche austrat, musste die Gemeinde einige Jahre lang eine Ablösung in Höhe von 800 Talern jährlich bezahlen. Der erste nun eigene Pfarrer war Dr. von Soden.

Die Erlöserkirche (Wittenberger, Ecke Paul-Gerhardt-Straße) wurde für die Nachfahren böhmischer Exulanten von 1878 bis 1880 errichtet. Ihren Namen bekam sie nach der Heimatkirche der Exulanten in Prag, das sie ihres Glaubens wegen im Dreißigjährigen Krieg verlassen mussten. Die Exulanten hielten ihre Gottesdienste seit 1650 in der alten Johanniskirche (1795 bis 1860) vor dem Pirnaischen Tore, die aber wegen Baufälligkeit 1860 geschlossen wurde. Für den Neubau wählten sie den neuen Standort auch mit Rücksicht auf die zahlreichen Exulantenfamilien unter den Striesener Gärtnern. Ein weiterer Teil der Familien wohnte in der Antonstadt, die auch von ihnen mit gegründet wurde. Die Böhmische Straße erinnert noch daran. Der Architekt Ludwig Möckel wählte für den Kirchenbau neugotische Formen. Am 9. Oktober 1878 erfolgte die Grundsteinlegung und am 20. Juni 1880 wurde die Kirche eingeweiht.

Die Kirchweihe war ein herausragendes Ereignis für die Striesener, und ein langer Festzug bewegte sich durch den Ort zur Kirche. Voran schritt der Musikchor der Striesener Feuerwehr, dem zwei Männergesangsvereine folgten. Schwarzer Frack mit hohem Hut und weißer Binde und weiß gekleidete Jungfrauen mit weißen Lilien, Geschenke der Gärtner, die Pfarrer im Ornat, Baumeister, Schulkinder und viele andere - so konnte man den Festzug durch Striesen ziehen sehen. Kirche und Häuser waren festlich geschmückt.

Die finanziellen Mittel für den Kirchenbau stammten aus dem böhmischen Exulantenfond. Die Kirche fasste 1000 Besucher und wies zwei Seitenschiffe auf. Der Kirchturm war 60 m hoch. Seit 1881 war die Mitbenutzung der Kirche durch die Striesener Gemeinde vertraglich geregelt.

Im Ortsgesetz zur Vereinigung der Landgemeinde Striesen mit der Stadt Dresden ist vermerkt, dass die Parochie Striesen auch nach der Einverleibung eine eigene Parochie bleibt und aus dem Bezirk der Ephorie Dresden II in den Bezirk der Ephorie Dresden I übergeht. Die stürmischen Bevölkerungszunahme Striesens machten weitere Kirchenbauten erforderlich. Im Jahre 1894 wurde die Marienkapelle in der Wittenberger Straße erbaut.

Angesichts der steigenden Bevölkerungszahl in Striesen ergab sich die Notwendigkeit für eine weitere Kirche, denn die Erlöserkirche war für die etwa 28.000 evangelischen Christen in Striesen zu klein. Es hatten sich evangelische Vereine gegründet, die 1907 ein Gemeindehaus erhielten. Gleich neben dem Gemeindehaus wurde zwischen den damaligen Straßen D (Wittenberger Straße) und J (Schandauer Straße) damals noch am Rande eines Kornfeldes im Jahre 1905 der Grundstein für die Errichtung einer neuen Kirche gelegt. Aus einem Wettbewerb um die Baupläne für die Kirche gingen Gustav Rumpel und Arthur Krutzsch als Sieger unter 33 Teilnehmern hervor. Die Altargruppe (Der Gute Hirte) stammt vom Bildhauer Georg Wrba. Der vom Kreuzgang umgebene Hof ist auch dem Gedenken an die Opfer des Ersten Weltkrieges gewidmet. Hierzu gehört auch der Brunnen mit der bronzenen Statuengruppe "Christus als Tröster der Mühseligen und Beladenen" von Prof. Selmar Werner. Die Innenausstattung des mit der Kirche verbundenen Gemeindehauses besorgte der Striesener Maler Max Helas. Die Kirchweihe fand am 20. Juni 1909 statt.

Die Glockenweihe der drei Glocken für die Versöhnungskirche, so der Kirchenname, fand im Jahre 1908 statt. Die Glocken, wie die Kirche, überstanden auch Bombenangriffen und drohende Einschmelzungen und stellen das älteste komplett erhaltene Glockengeläut aus Gussstahl dar. In der Versöhnungskirche war auch eine Diakonie tätig. Ihre Gründung geht auf das Jahr 1880 zurück. Sie umfasste auch zwei Kinderbewahrungsanstalten für berufstätige Mütter und bis 1960 eine Altenküche. Im Gemeindehaus fanden unmittelbar nach den Angriffen am 13. Februar auf Dresden Ausgebombte eine erste Hilfe und Unterstützung.

Die Versöhnungskirche mit Gemeindehaus, in dem sich auch Wohnungen befinden, weist durch das von der Schandauer Straße bis zur Wittenberger Straße durchgehende Grundstück eine ideale Lage auf, das damit von zwei Seiten zugänglich wird. Jährlich finden auf dem Gelände beliebte Stadtteilfeste statt, wobei auch andere Einrichtungen und Vereine mitwirken.

Nach Fertigstellung der Versöhnungskirche wurde die Kirchgemeinde Striesen am 1. Januar 1910 in die Erlöser- und Versöhnungsgemeinde geteilt. Die Grenze zwischen den beiden Gemeinden bildeten Barbarossa- und Markgraf-Heinrich-Straße, Prinzengäßchen und Geisingstraße.

Die Industrialisierung in Striesen war auch mit einem Zustrom von Katholiken verbunden, für die 1905 die Herz-Jesu-Kirche erbaut wurde, die genau an der Gemarkungsgrenze zu Johannstadt liegt und mit geringen Schäden die Luftangriffe überstanden hat. Nach dem Krieg fanden hier auch evangelische Gottesdienste bis 1957 statt. Entworfen wurde die Kirche vom Regierungsbaumeister August Menken aus Berlin. Die Finanzierung erfolgte zum großen Teil von der Spenderin Veronika Fischer, die in der Anton-Graff-Straße 26 wohnte. Der Grafiker Bruno Seener, der für die Glasfenster der Kirche zuständig war, widmete ihr das Veronikafenster. Der Innenausbau nahm noch einige Zeit nach der Baufertgigstellung in Anspruch. Auch hier half die großzügige Spenderin wiederum und sorgte für den Bau der Orgel aus der Werkstatt der Gebrüder Jehmlich. Die Orgel wurde im Jahre 1909 fertig gestellt.

Der Striesener Friedhof an der Gottleubaer Straße ist noch relativ jung. zuvor fanden die Bestattungen der Striesener auf dem Trinitatisfriedhof in Johannstadt oder auf dem Tolkewitzer Friedhof statt. Striesener Friedhof wurde am 17. Juli 1883 eingeweiht. Die Friedhofskapelle stammt von Gotthilf Ludwig Möckel und wurde auch beim Luftangriff auf Dresden beschädigt.

Um den Friedhof befanden sich noch Felder, so ein Feld, das zum Petermannschen Gut in Altstriesen 30 gehörte. Der Gutsbesitzer erlitt im Jahre 1901 einen tödlichen Reitunfall, worauf seine Witwe dieses Feld an die Kirche für den Friedhof verkaufte. Der Striesener Friedhof weist viele stattliche Anlagen und einen umfangreichen Baumbestand auf. Am Striesener Friedhof wurden auch archäologische Funde gemacht. So lässt sich hier Schnurkeramik nachweisen. An gleicher Stelle wurde auch eine Herdgrube gefunden, die mit einem Steinpflaster versehen war.

Zu den bekannten Persönlichkeiten, die auf dem Striesener Friedhof beigesetzt wurden, zählen der Gärtnereibesitzer Hermann Seidel (1833 bis 1896) und der Hoffotograf Franz Zeibig (1860 bis 1902). Auch die Familie Petermann (Altstriesen 30) hatte dort eine Gruft.



[Bearbeiten] A.34a. Überblick Kirchengeschichte nach G. Hiltscher

Jahr Ereignis

1000 Die Frauenkirche war vermutlich noch eine Holzkirche, wie sie in der Zeit der Ottonen als Behelfskirchen in missionierten Landesteilen gebaut wurden, wird als Missionskirche für den ganzen Raum Dresden angenommen, auch für das Dorf Striesen, dessen Gründung für das 10- 12. Jahrhundert angenommen wird und erstmalig 1350 im Lehnbuch Friedrich des Strengen als Dorf mit Vorwerk benannt ist

01.01.1319 Die Geistlichkeit erwirkt vom päpstlichen Stuhl für die Besucher der Kirchenfeste der Kreuzkirche einen vierzigtägigen Ablass

1539 Einstellung der Gottesdienste in der Frauenkirche

01.04.1539 Mit Einführung der Reformation wird die Kreuzkirche zur Ephoralkirche erhoben, die Frauenkirche wird mit den eingepfarrten Dörfern der neuen Ephorie unterstellt

02.05.1539 Verbot der Johannisprozession, an Stelle des Ablassfestes wird 1540 der Johannismarkt eingeführt Die Prozession war das große Volksfest für die gesamte Umgegend von Dresden, bis 20000 Besucher werden zu den Festen berechnet, darunter natürlich auch die Striesener Bauern

1559 Wiederaufnahme der Gottesdienste in der renovierten Frauenkirche

1672 Einführung von Gottesdiensten in deutscher Sprache in der Johanniskirche durch den Pfarrer der Böhmischen Gemeinde, TUhr früh; Pfarrer Martini als erster zweisprachiger Pfarrer, welcher auch die geistliche Versorgung der Gemeinden vor den Toren Dresdens im Notfall mit zu besorgen hatte

1714 Schließung des Frauenkirchhofes

28.06.1726 Der König genehmigt für den Bau der neuen Frauenkirche die Beteiligung der eingepfarrten Dörfer an den Baukosten

09.02.1727 Letzter Gottesdienst in der alten Frauenkirche

28.02.1734 Weihe der neuen Frauenkirche

1815 Weihe des Trinitatisfriedhofes

11.05.1815 Schließung des Johannisfriedhofes

vor 1860 Der Erntedankgottesdienst wird von alters her auf der Tenne eines Gemeindevorstehers gefeiert, der Lehrer hat die Predigt zu halten

1860 Sechs Gottesdienste hat der Lehrer der neu erbauten Schule in Striesen zu halten, wohl schon seit 1840

20.6.1876 Die Kircheninspektion erteilt dem Vereinsgeistlichen der Inneren Mission, Pfarrer Keller, in Dresden, die Genehmigung zu der Abhaltung von Gottesdiensten in der neuen Schule von Striesen

1876 Jubilate 1876, Einführung von Kindergottesdienst in der Schule Wartburgstraße


01.09.1876 Einführung von regelmäßigen Gottesdiensten durch den Stadtverein für innere Mission Dresden in der Schule an der Wartburgstraße

27.01.1877 Erster Rechenschaftsbericht, die Entwickelung des kirchlichen Lebens in Striesen betreffend, wird im Elbthalbote abgedruckt

25.06.1877 Ablehnung des Gesuches der Gemeinde Striesens zur Einpfarrung in die neu erbaute Johanneskirche

27.07.1877 Der Gemeinderat beginnt die Verhandlungen mit der Böhmischen Gemeinde

26.02.1878 Die Böhmische Gemeinde kauft das Grundstück von Herrn Schönhals für 12367 Mark, ein zweites für 1 1 193 Mark (neues Folium 7087 709 Flurbuch Striesen) als Pfarrlehn der Böhmischen Gemeinde für den Kirchbau

09.10.1878 Grundsteinlegung Erlöserkirche

10.07.1879 Hebefest der Erlöserkirche

13.12.1879 Glockenweihe des Es-Dur-Geläutes der Erlöserkirche

03.06.1880 Gründung des Ev. Frauenvereins Striesen

10.06.1880 Der Gemeinderat der Gemeinde Striesen bewilligt 500 Mark für die Feierlichkeiten zur Kirchweihe

20.06.1880 Einweihung der Erlöserkirche an der Wittenberger- und Paul-Gerhardt-Straße Kirche der Böhmischen Exulanten, Die Mitbenutzung der Kirche wird den Striesenern gestattet.

10.09.1880 14.10.1880 Verhandlungen des Gemeindevorstandes, wegen der Auspfändung aus der Stadtephorie mit Sup. D. Franz, Gründung des Kirchenvorstandes der zukünftigen Parochie Striesen

27.11.1880 Auspfarrung aus der Kreuzkirchenephorie, Striesen wird Parochiealort und an die Ephorie Dresden II (Land) gewiesen

16.06.1882 Weihe der Friedhofskapelle Striesens

15.07.1883 Einweihung des Friedhofes, erste Beerdigung war vermutlich am 10. September 1883

1894 Anlegen der Kirchbaukasse, Zuflüsse aus der Besitzwechselabgabe der Ortsgemeinde Striesens, 1898 wird der Bestand mit 71 000 Mark angegeben

14.10.1894 Begründung der Gemeindediakonie, erste Schwester, Anna Kasolowsky, wird in ihr Amt eingeführt

16.11.1884 Gründung des Jungfrauenvereins

03.05.1886 Gründung des ersten Kirchenchores von Männerstimmen, Leitung Kantor Fischer

1892 Das Pfarramt befindet sich im Hause D- Straße 18 part. rechts (1898 als Wittenbergerstraße 18 genannt), Eingemeindung von Striesen nach Dresden, neues Regulativ für kirchliche Amtshandlungen und eine neue Friedhofsordnung treten in Kraft, die zur Ephorie Dresden - Land, der Superintendentur an Frauenkirche, gehörende Kirchgemeinde der Vorstadt Striesen wird an die Ephorie Dresden Stadt verwiesen. Die Kirchgemeinde bleibt unter landesherrlicher Prokuratur (das Recht der Besetzung der Pfarrstelle liegt nicht bei der Gemeinde sondern bei dem Landeskonsistorium).

24.06.1892 Weihe der Glocken der Friedhofskapelle

1894 Kauf des Pfarrhauses Paul Gerhardt Straße 21, erstes Pfarrhaus der Striesener Ev. Gemeinde

17.11.1895 Gründung des Jünglingsvereins

1896 Ostern 1896 wird eine zweite Diakonisse angestellt, Schwester Marie Martius

1896 Begründung der Hilfsorganistenstelle, mit Lehrer Geißler, später Alfred Hottinger und Dr. Schnorr von Carolsfeld

1896 Ein Schuppen hinter dem Pfarrhaus Paul Gehrhardt Straße 21 wird zum Vereinsraum ausgebaut, anfängliche Nutzung durch den Jünglingsverein, dem Nähverein, dem Großmütterchenverein, dem Kirchenvorstand und zur Abhaltung von Konfirmanten- und Bibelstunden, nach Fertigstellung des Gemeindehauses wurde der Raum als Kirchenexpedition genutzt

1896 Am 17. Sonntag nach Trinitatis wurde durch Herrn Ephorus Oberkonsistorialrat D. Dibelius die erste Kirchenvisitation seit der Zugehörigkeit zur Ephorie Dresden I (seit 1892) durchgeführt.

1897 Einführung von regelmäßigen Gottesdiensten auf dem Friedhof Striesen

01.01.1898 Die Neuordnung des kirchlichen Lebens in Striesen tritt in Kraft, der Böhmische Pfarrer übernimmt einen Seelsorgebezirk, die Verteilung der Gottesdienstzeiten für die Striesener Pfarrer und dem Böhmischen werden neu geregelt

1901 Gründung des Großmütterchenvereins

21.05.1901 Ankauf des Nageischen Grundstückes für 150 000 Mark

01.09.1901 Die Stadtverordneten erheben Bedenken wegen des Bauplatzkaufs

14.03.1902 Der Bauausschuss für den Bau der Versöhnungskirche konstituiert sich

20.04.1902 Preisausschreiben für die neu zu erbauende Kirche in Striesen

30.08.1902 33 Endwürfe sind zum Abgabetermin eingegangen

25.09.1902 Der Bauausschuss stimmt mit einer Stimme Mehrheit für den Endwurf „ Kreuzgang" von Kumpel & Krutzsch

09.1903 Ein Gipsmodell der Versöhnungskirche mit der umliegenden Bebauung ist in der Städteausstellung in Dresden ausgestellt, Schöpfer des M.: S.Werner

18.01.1904 Der Bauausschuss beschließt den Bauvertragsabschluss und dem Kirchenvorstand wird empfohlen, die Kirche nach einem im Detail, neu ausgearbeiteten Entwurf, mitbauen zu lassen

08.02.1904 Abschluss des Bauvertrages für die Versöhnungskirche mit der Architektenfirma Kumpel&Krutzsch, Dresden, Moritzstraße 17

25.04.1905 Abbruch des Nageischen Hauses

10.05. 1905 Der Kirchenvorstand beschließt auf Antrag des Kirchvorstehers, Herrn Stadtschreiber der Stadt Dresden, (später Stadtrat), Dr. jur. Matthes der neuen Kirche den Namen „Versöhnungskirche" zu geben

27.06,1905 Die Kircheninspektion genehmigt den Name der Kirche als Versöhnungskirche

17.06.1905 Ansetzen des ersten Steines

14.09.1905 Grundsteinlegung Versöhnungskirche

13.06.1906 Hebefest Versöhnungskirche

27.10.1906 Versetzen der Kreuzblume

20.10.1907 Einweihung des Gemeindehauses der Versöhnungskirche

10.01.1908 Glockenweihe der Versöhnungskirche

12.1908 Der Kirchenvorstand hat die Gründung von zwei Pachorien beschlossen, an Stelle der bisherigen

20.06.1909 Weihe der Versöhnungskirche

27.06.1909 Predigt über das Standbild des guten Hirten, Dr. Martin, Druck

1909 Die Böhmische Gemeinde und die Gemeinde der Vorstadt Dresden-Striesen bereiten einen Vertrag über die Zusammenarbeit und Zusammenlegung der Gemeinden vor. Die Striesener werden Miteigentümer der Erlöserkirche, aber auch die Mitfinanzierer. Das Vermögen der Böhmischen Gemeinde wird von dem Vertrag nicht beruhen.

01.01.1910 Teilung der Parochie Vorstadt Striesen in die Erlöserkirchgemeinde (Gemeindeverband aus der Böhmischen Gemeinde und dem Westteil der Vorstadtgemeinde Striesens) und Versöhnungskirchgemeinde ( Ostteil)

21.02.1910 König Friedrich August besucht die Versöhnungskirche

(Stand 15.4.2008, G. Hiltscher)


[Bearbeiten] A.35. Das Striesner Vereinswesen

Die Vereinswesen hat auch in Striesen seine Anhänger gefunden und sich individuellen und gemeinnützigen Aufgaben gewidmet. Neben den Diskussionen in den Vereinen wurde natürlich auch manches Problem in den zahlreichen Gaststätten zerredet und hoffentlich auch gelöst. Vereine entstanden erst nach 1850, sie wurden auch umbenannt und durch Neugründungen ergänzt.

Im Geschäfts- und Adressbuch Striesen aus dem Jahre 1886 wird als erster Verein der "Allgemeine Grundbesitzer-Verein" genannt, der im Jahre 1874 mit einer Mitgliederzahl von 20 Besitzern gegründet wurde, im Jahre 1886 auf 120 Mitglieder und 1891 auf 197 Mitglieder angestiegen war. "Zweck des Vereins ist, die Interessen der Grundbesitzer zu wahren und für die dieselben tatkräftig einzutreten, sowie die Beziehungen der Mietbewohner zu den Hausbesitzern zu regeln, und hierdurch beide Teile vor Schäden und Verlusten zu schützen."

Weiterhin gab es den "Gemeinnützigen Verein", der im September 1880 gegründet wurde und für ansässige und unansässige Einwohner des Orts offen stand. Diesem Verein stand das Gemeinwohl an erster Stelle, wobei man ähnliche Bestrebungen anderer Vereine unterstützen wollte. Das Jahr 1881 ist noch von besonderer Bedeutung für Striesen. Vom "Gemeinnützigen Verein" von Striesen wird die Bepflanzung der Striesener Straßen mit Bäumen angeregt, eine Besonderheit von Striesen. Viele Grundstücksbesitzer beteiligten sich an der Bepflanzung, die auch für den Verein mit erheblichen finanziellen Belastungen verbunden war. Zum Teil ist noch heute der alte Baumbestand vorhanden oder rechtzeitig durch neue Bäume ersetzt worden. Borsberg- und Schandauer Straße und andere sind Beispiele dafür.

Zur Einweihung der neuen Schule auf der Tittmannstraße 21 am 24. März 1870 sang beim Abschied aus der alten Schule "Am Landgraben" der Altstriesner Gesangsverein "Liederhain". Auch bei anderen Feierlichkeiten war der Gesang der Striesner Gesangsvereine gefragt, so zum Beispiel bei der Einweihung der Erlöserkirche.

Weitere Vereine waren der "Allgemeine Turnverein", der "conservative Verein" (gegründet am 30 September 1886) unter Leitung des Postmeisters, der Striesner Radfahrverein "Berg und Thal" (gegründet am 2. Oktober 1890), der "Frauenverein für Striesen", der sich für die Kinderbewahranstalt und die Pflege der Ziehkinder verantwortlich fühlte, der "Hausbesitzerverein" (gegründet am 13. Januar 1887), der Kriegerverein "Germania", der Männergesangsverein "Eiche" (gegründet am 1. März 1888), der Männergesangsverein "Liedertafel" (gegründet am 1. September 1885), der "Männergesangsverein zu Striesen" (gegründet am 27. Januar 1881), der "Musikverein zu Striesen" (gegründet am 8. Januar 1877), der unter der Leitung des Schuldirektors Rößler stand, der Turnverein "Guts Muths", ein Krankenunterstützungsverein, ein Begräbniskassenverein und ein "Verein gegen die Armennoth".

Der Turnverein "Guts Muths" turnte nicht nur allein, er trat auch in Striesen auf, so oftmals zu Weihnachten in der 24. Volksschule, Haydnstraße. Die nunmehr 18 Vereine (1892) wirken "teils für das Gesamtwohl, teils für das Wohl der einzelnen Mitglieder, wie auch für Unterhaltung und Belehrung."

Nach der Eingemeindung Striesens nach Dresden verloren die rein auf Striesen ausgerichteten Vereine an Bedeutung und gingen mehr und mehr im Dresdner Vereinswesen auf. Die anfangs noch bestehende Abgrenzung entfiel mit der lückenlosen Bebauung der Striesner Flur und dem baulichen Anschluss an Dresden. Auch im Ortsgesetz über die Eingemeindung von Striesen war bezüglich der Vereine nichts vermerkt, offenbar hatte die Obrigkeit mit den Vereinen nichts besonderes im Sinn und betrachtete sie als reine private Angelegenheit.

Der heue noch existierende Männerchor Dresden-Striesen 1881 e.V. geht auf den Männergesangsverein zu Striesen zurück, der am 27. Januar 1881 gegründet wurde. Er probt wohl noch heute im Gemeindesaal der Versöhnungskirche. Weitere Vereine gilt es noch zu erkunden.

[Bearbeiten] A.36. Das Schulwesen in Striesen

Das Dorf Striesen hatte ursprünglich kein Schulhaus. Berichten zufolge, unterrichtete ein Lehrer namens Wolf die Kinder in Bauernstuben und später in seiner Wohnung. Für seinen Unterricht erhielt er von den Bauern freie Kost und einige Groschen Schulgeld, das die Kinder mitbrachten. Als der Lehrer Miete für die als Schulraum benutzte Wohnstube verlangte, wurde dies ihm abgelehnt. "Wenn ein Bauer Mist breiten gehe, brauche er eine Gabel, so müsse der Lehrer eine Schulstube haben, wenn er unterrichten wolle", so lautete die fragwürdige Logik, die man ihm entgegenhielt.

Das erste Striesener Schulhaus wurde von der Gemeinde im Jahre 1839 am Landgraben 3. errichtet. Das Schulhaus trug anfangs eine Inschrift: "Kommt Kinder, kommt, lernt Gottes Wort, - hier ist der rechte Ort, - Lernt Lesen, Schreiben, Rechnen auch, - Und Frömmigkeit nach Christen-Brauch."

Bei der Wahl des Schulstandortes entbrannte ein Streit unter den Striesnern. Die einen wollten, dass die Schule mehr in der Geisingstraße in Richtung Gruna steht, damit die Kinder aus Gruna und Seidnitz, die nach Striesen eingeschult wurden, es näher hatten. Die anderen stimmten für den letztendlich gewählten Platz, gegen den der Striesener Kleber, der auch im Gemeindevorstand war, protestierte. Sein Gut lag dicht hinter der geplanten Schule, die ihm die Aussicht versperren sollte. Klebers Protest hatte keinen Erfolg. Am nunmehr gewählten Bauplatz befand sich zuvor ein Teich, so dass ein Austrocknen notwendig war, was mit Aufwand und Geld verbunden war.

Nicht selten stand Wasser im Keller des Schulhauses. Für den Unterricht wurde Johann Gottfried Müller mit festem Gehalt eingestellt, der vordem als Lehrer in Loschwitz und Blasewitz tätig war. Im Jahre 1866 wurde Müller nach 38jähriger Lehrertätigkeit mit einer Pension von 147 Reichstaler und 10 Groschen in den Ruhestand versetzt. Ihm folgte der Oberlehrer Hermann Prüfer.

Am 18. Mai 1865 wurde die Gemeinde Gruna, die bis dahin ihre Kinder nach Striesen zum Schulunterricht schickte, ausgeschult. Striesen selbst hatte zu diesem Zeitpunkt 126 Schulkinder, Gruna 43.

Die zweite Schule in der Tittmannstraße 21 (Neustriesen, Straße 4) stammte aus dem Jahre 1869 und beherbergte ab 1875 das Gemeindeamt mit Standesamt, Steueramt und Sparkasse. Am 24. März 1870 erfolgte die Einweihung der Schule. Zu Beginn des Festumzuges zum Schulneubau wurde zu einem Programm in den Gasthof Altstriesen (später Restaurant Am Wettinplatz, dann bis 1945 Striesener Ratskeller, Altstriesen 10) eingeladen. Für die Einweihung der neuen Schule gab es sogar ein fein gedrucktes Programmheft. Am nun neuen Schulstandort sang der Altstriesener Gesangsverein "Liederhain", die Weihe nahm der "Consistorialrath Superintendent Dr. Kohlschütter" vor. Erbauer des Schulhauses war der Zimmerpolier Ernst Eduard Hauswald. Die Bausumme des vier Klassenzimmer und eine Lehrerwohnung umfassenden Hauses belief sich auf rund 7930 Reichstaler. Die Schule am Landgraben und die auf der Tittmannstraße fielen dem Luftangriff 1945 zum Opfer.

Am 12. April 1873 fasste der Gemeinderat den Beschluss, ein erneutes Schulhaus (dritte Schule) zu bauen. Durch die rege Bautätigkeit war die Striesener Einwohnerschaft stark angestiegen, so dass die herrschenden Schulverhältnisse für die vielen Kinder nicht mehr ausreichten. Das neue Schulhaus war mit 13 Klassenzimmern und einem Saal ausgestattet und kostete 104 000 Mark. Im Jahre 1874 wurde in der Wartburgstraße. 23 der neue Schulbau vollendet, der 1875 bereits 600 Schüler aufnahm und später zum Stadthaus wurde. Am 25. April 1876 wird der Schuldirektor Rößler eingewiesen.

Die Schule Rosa-Menzer-Str. 24 (damals Markgraf-Heinrich-Straße) stammt aus dem Jahre 1886 und die Polandschule (25. Bezirksschule) aus dem Jahre 1892 (Wormser Straße). Die 25. Bezirksschule erwies sich bald zu klein, so dass der Beschluss gefasst wurde, auf dem benachbarten Grundstück (Polandstraße 42) einen größeren Erweiterungsbau zu errichten, der im Jahre 1898 abgeschlossen wurde. Im Zweiten Weltkrieg diente die Schule als Lazarett.

Im Jahre 1892 zählte man in Striesen 1853 Schüler, die sich auf die Bürgerschule (297), die einfache Volksschule (1361) und die Fortbildungsschule (195) aufteilten.

Im Ortsgesetz zur Vereinigung der Landgemeinde Striesen mit der Stadt Dresden ist zum Schulwesen vermerkt, dass das Schulwesen Striesens aus dem Bezirk der Bezirksschulinspektion Dresden-Land in den Bezirk der Bezirksschulinspektion Dresden-Stadt übergeht.

Am 2. Februar 1904 fassten die Stadtverordneten Dresdens einen Beschluss zur Ausschreibung für den Erwerb eines Schulbauplatzes in der Nähe der Haydnstraße. Am 19. März 1906 wurde dann mit dem Bau begonnen, der am 6. April 1907 mit der Abnahme und Übergabe abgeschlossen wurde und 588.000 Mark kostete. Damit entstand die 24. Bezirksschule in der Haydnstraße 49 als das modernste und zweckmäßigste Schulgebäude in Striesen. Als Architekt fungierte kein geringerer als der damalige Stadtbaurat Hans Erlwein, dessen Bauwerke heute noch baulichen Idealvorstellungen entsprechen.

Die Schule umfasste 40 Klassenzimmer und weitere für damalige Verhältnisse unübliche Räumlichkeiten in einer Schule, wie moderne Turnsäle, Umkleideräume, Bade- und Duschräume, eine Schulbibliothek, Handarbeits- und Werkräume, eine Lehrküche und eine Aula. Eine kleine Sensation war der Einbau von Waschbecken in den Toiletten. Um die "Waschbecken" - heute eine Selbstverständlichkeit - rankten sich viele Diskussionen und ein umfangreicher Schriftverkehr. Mädchen und Jungen mussten über getrennte Eingänge die Schule betreten.

Bereits am 6. April berichtete der "Dresdner Anzeiger" in ausführlicher Form über den Schulneubau, der "dem modernsten Standpunkt der Schulhygiene Rechnung" trug und der am 8. April 1907 von den Kindern in Besitz genommen wurde. Zuvor fand eine Abschiedsfeier in der alten Schule auf der Wartburgstraße 23 statt, an dem sich ein Festumzug in die neue Schule anschloss, der auch durch Altstriesen führte.

Die Haydnschule wurde ab 1944 als Lazarett genutzt und beim Angriff auf Dresden teilbeschädigt, konnte aber bald nach 1945 den Unterricht wieder als 24. Grundschule wieder aufnehmen. Nach 1945 befand sich in den beiden oberen Etagen eine Berufsschule. Der langjährige Schulleiter Hans Arnold hatte sich auch als Bergsteiger einen Namen gemacht. Heute beherbergt das Gebäude das Haydn-Gymnasium

Im Jahre 1897 wurde das Freimaurerinstitut im neugotischen Stil an der Eisenacher Straße als Lehr- und Erziehungsanstalt für Knaben (Realschule) mit Internat und militärischer Erziehung erbaut. Die Schule geht auf eine in der Hungersnot von 1771/72 in Dresden von den Freimaurerlogen gegründete Armenschule zurück, in der 30 Knaben und Mädchen unterrichtet und verpflegt wurden. Den Idealen der Freimaurer folgend, wies die Schule einen hohen Bildungsanspruch auf und förderte ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl der Zöglinge, das sich auch noch nach Jahrzehnten durch Zusammenkünfte und eine eigene Zeitung äußerte. Zucht und Strenge standen im Vordergrund. Die Jungen mussten der Aufsicht wegen in einem gemeinsamen Schlafsaal schlafen. Im Jahre 1933 wurde die Schule in Scharnhost-Heimschule umbenannt. Nach Reparatur der beim Angriff erlittenen Schäden zog 1947 die Ingenieurschule für Bauwesen ein. Weiterhin wurde die Gebäude für die Kreuzschule genutzt. Heute ist die Schule ein evangelisches Gymnasium.

Striesener Schulen im Überblick (Baujahre)

1840 Bau der ersten Schule, Am Landgraben 3 (ab 1870 Wohnhaus, 1945 zerstört) 1869 Bau der zweiten Schule, Tittmanstraße 21 (ehemals 7. Straße Nr. 2, 1945 zerstört) 1874 Dritter Schulbau Wartburgstraße 23 (ehemals Straße D-Nr. 23, nach Neubau der Haydnstr. 49 als Stadthaus, später Geschäfts- und Bürohaus) 1886 10. Bürgerschule Rosa-Menzer-Straße 24 (ehemals 7.Straße Nr. 24, dann Markgraf-Heinrich-Straße 24, ab 1914 höhere Mädchenschule, heute 51. Grundschule 1892 25. Bezirksschule Pohlandstraße 40 (25. Grundschule) 1898 Zweiter Schulbau der 25. Bezirksschule Pohlandstraße 40 (am Pohlandplatz, 25. Mittelschule) 1897 Freimaurerinstitut (ab 1945 Kreuzschule und Kreuzchor, heute Gymnasium) 1907 24. Bezirksschule Haydnstraße 49 (heute Gymnasium)


[Bearbeiten] A.37. Die Industrie in Striesen

Das Handwerk, aus dem sich auch industrielle Strukturen entwickelten, hat in Striesen fruchtbaren Boden gefunden. Bereits die Lokalbauordnung von 1870 setzte fest, dass sich "Fabrikanlagen mit Dampfkraft sowie rauch- und rußverursachende Gewerbe" nur südöstlich des Dorfes jenseits der Pillnitzer Straße (Schandauer Straße) ansiedeln durfte. Im Südwesten der Striesener Flur befanden sich um die Jahrhundertwende noch große, freie Landflächen, die nach 1900 und nach dem Ersten Weltkrieg zum Großen Garten hin mit zum Teil geschlossenen Häuserfronten (siehe Stresemannplatz) bebaut wurden. Im Osten ließen wurde zahlreiche Betriebe der Leichtindustrie gegründet, so Fabriken zur Foto-, Zigaretten-, Kartonagen- und Kunstdruckfertigung an der Schandauer Straße, an der Glashütter und Bärensteiner Straße.

In den Höfen des Wohngebietes kamen Klein- und Mittelbetriebe zur Ansiedlung, die als unabhängige Handwerker oder Produzenten oder als Zulieferer für die Großbetriebe zu einem gewissen Wohlstand kamen. Hier sind als typische Vertreter eine Goldschlägerei, Kinderwagenhersteller, Schuhfabriken oder Porzellanmaler sowie die Fertigung von Hüten Strohgeflecht und Taschen zu nennen. Auch Heimarbeit wurde vergeben. Damit waren Wohnen und Arbeiten auf engem Raum mit kurzen Wegen möglich. Aber auch andere Kleinindustrien siedelten sich in Striesen an und sorgten für Verdienst und Brot für die Einwohner. Die Wäscherei Märksch, die Schuhfabrik Miersch (Eilenburger Str.), die Hamburger Schuhfabrik (Augsburger Straße) und die Eisfabrik Schramm (Hutten-/Dürerstraße, später Autohaus Brückner) sollen als Beispiele genügen.

Auf dem Gebiet von Neustriesen siedelten sich auch Unternehmen an, wie zum Beispiel die Kaffeerösterei Thürmer (1879), die Fabrik pharmazeutischer Präparate Stephan (1882) und die Roggenbrotfabrik Wilhelm (1860), die bis 1935 in Familienbesitz blieb. Alexander Beyer, ein Mühlenbesitzer aus Meißen, führte die Brotfabrik unter dem Namen des Gründers weiter, bis sie 1952 zum VEB Dresdner Konditorei- und Backwarenfabrik (KOBA) wurde. Seit 1997 setzt die Dresdner Backhaus GmbH die Tradition fort und verschickt den bekannten Dresdner Stollen in alle Welt.

o Kamera- und Fotoindustrie

Keimzelle für einen Kameragroßbetrieb war die Tischlerei von Wilhelm Franz Matthias (Fabrik photographischer Apparate W.F. Matthias), in die Heinrich Ernemann Geld investierte und die sich in einem Hinterhaus auf der Güterbahnhofstraße 10 befand. Kameras wurden damals von Tischlern hergestellt, die die notwendigen Metallteile sich bei anderen Handwerken besorgten. Heinrich Ernemann (1850 bis 1928) gründete dann eine eigene Firma, die die Bezeichnung "Dresdner Photographische Apparate-Fabrik Ernemann & Matthias" trug. Matthias verließ die Firma im Jahre 1891, und Ernemann setzte den Kamerabau mit sechs Arbeitern fort, zog in die Pirnaische Str. 16 und 1892 in die Kaulbachstraße 13 um.

Der Betrieb entwickelte sich so rasch, dass Ernemann 1897 eine große Fabrik in der Schandauer Str. 48 errichten ließ, die ein Jahr später in Betrieb genommen wurde. Im gleichen Jahre wandelte sich die Firma in eine Aktiengesellschaft (Heinrich-Ernemann, Aktiengesellschaft für Cameraproduktion in Dresden) um. Es blieb aber nicht allein bei der Herstellung von Fotoapparaten, im Jahre 1903 kamen Kinomaschinen hinzu, so die 1909 auf dem Markt erschiene Kinomaschine "Imperator". Eine Neuheit bildete auch die Ernemannzeitlupe, mit der statt 16 Aufnahme/s 300 Aufnahmen/s gemacht werden konnten.

Wirtschaftlicher Aufschwung und Produktionserweiterung machten bauliche Veränderungen notwendig, die 1906/07 und 1913 in weiteren Gebäudeflügeln (Junghansstraße) ihren Ausdruck fanden. Als Ziel wurde von Ernemann eine großzügige Fabrikanlage angesehen, die von den Architekten Emil Högg und Richard Müller entworfen wurde. Herausragendes Element bildete ein 48 m hoher Turm an der Ecke Schandauer/Junghansstraße mit Überbrückung der Junghansstraße. Der Turm wurde später zum Wahrzeichen der Firma und sollte eine Sternwarte aufnehmen, die aber nicht eingerichtet wurde. Der Neubau war architektonisch wie auch bautechnisch interessant, als dass er einen ersten industriellen Stahlbetonbau mit wenigen Stützsäulen in den Produktionsetagen darstellte. Der Bau wies verschiedene Bauabschnitte auf, 1923 wurde der Turm fertig gestellte, entlang der Glashütter Straße erfolgte die Fertigstellung erst in den 30er Jahren. Im Jahre 1910 übernahm der Sohn Carl Heinrich Alexander Ernemann (1878 bis 1956) die technische Leitung der Firma. Zu dieser Zeit hatte der Betrieb 3000 Beschäftigte.

Im Jahre 1926 fand unter Führung von Carl Zeiß Jena und mit anderen optischen Betrieben die Verschmelzung der Ernemann-Werke mit der Ica (Schandauer Str. 76) zum Betrieb Zeiß Ikon statt, aus dem 1964 das Kombinat VEB Pentacon wurde. Zeiß Ikon leistete auf dem Gebiet des Schmalfilms (Amateurfilmapparat "Ernemann-Kino") und der Kinovorführgeräte Pionierarbeit. Die erste Spiegelreflexkamera der Welt wurde in diesem Industriezweig im Jahre 1936 entwickelt. Vor und während des Zweiten Weltkriegs wurden bei Zeiß Ikon Rüstungsgüter hergestellt, wie Bombenzielgeräte, Granatzünder und andere optische Geräte für das Militär. Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und Gefangene aus den Konzentrationslagern wurden für militärische Produktionszwecke eingesetzt. Nach dem Krieg im Jahre 1946 wurde Ernemann enteignet. Seit 1962 ist im Ernemann-Bau das Technische Museum der Stadt Dresden untergebracht.

Die 1898 gegründete Rheinische Emulsionspapierfabrik hatte ihre Produktion 1904 von Köln-Ehrenfeld nach Dresden in die Bärensteiner Str. 31 verlegt und nannte sich ab 1913 Mimosa. Aus dieser Produktionsstätte ging nach 1945 das Fotopapierwerk der Filmfabrik Wolfen hervor.

o Zigarettenindustrie

Dresden entwickelte sich in günstiger Verkehrslage an der Bahnstrecke zu den Balkanländern zu einem Hauptsitz des deutschen Orienttabakhandels und zu einem wichtigen Standort der deutschen Zigarettenindustrie.

Im Jahre 1862 gründete der Petersburger Baron Joseph Michael von Huppmann-Valbella in Dresden die Firma "Lafermé" als erste Zigarettenfabrik Deutschlands in der Ostraallee 10 (Tabak- und Zigarettenfabrik Lafermé), in die 1867 Georg Jasmatzi, der Sohn einer Türkin und eines Griechens als Werkmeister eintrat. Jasmatzi hatte sich in der Türkei mit den Geheimnissen der Tabakindustrie und der Zigarettenherstellung vertraut gemacht und konnte hier seine Erfahrungen einsetzen. In Dresden lebten zu dieser Zeit viele Juden aus Russland, die sich ihre Papyrossi selbst drehten und für die neue Zigarettenfirma einen aussichtsreichen Markt darstellten. Wenige Jahre (1886) später machte sich Jasmatzi selbständig und eröffnete ein Geschäft (Waisenhausstraße 7), in dem er selbst hergestellte Zigaretten verkaufe. Der Absatz florierte, und 1889 baute Jasmatzi an der Blasewitzer Straße ein Werk, das auch bald wieder zu klein wurde. Es folgten 1900 ein Neubau an der Schandauer Straße 68 und 1910 ein Erweiterungsbau an der Glashütter Straße 94. Die Firma Georg Jasmatzi & Söhne wurde mit den Zigarettenmarken Cheops, Sphinx, Ramses, Zwei Kaiser oder Hellas bekannt, die ein exportträchtiges Geschäft bildeten.

Bis zum Jahre 1913 hatten sich in Dresden über 60 Tabakunternehmen gebildet, Jasmatzi stand dabei im Rang eines Königs. Auch Striesen hatte am Zigarettenboom seinen Anteil. Im Jahre 1924 ging die Firma in den Besitz des Reemtsma-Konzerns über. Weitere Konzentrationen verringerten später die Anzahl der Firmen. Die Veränderungen liefen unbemerkt vom Konsumenten ab, da oftmals die Zigarettenmarken beibehalten wurden.

Eine weitere Zigarettenfabrik war die von Wilhelm Lande, der aus Halberstadt kam und sich auf der Laubestraße niederließ. Im Jahre 1932 siedelte die Firma in modere Fertigungsstätten auf der Junghansstraße Nr. 5 (Räume der ehemaligen Zigarettenmaschinenfabrik United) über. 1933 produzierte die Fabrik mit 600 Arbeitern 1,1 Milliarden Zigaretten. Dem Druck der Nazi gab der Jude Lange schon frühzeitig nach und emigrierte nach den USA. Die Nazis setzten als Betriebsleiter Karl Geisslinger ein.

Die im Jahre 1932 von Lande aufgegebenen Produktionsräume übernahmen die Zigarettenfabriken Julius (sen.) und Hermann (jun.) Lewin mit ihrer Tabak- und Zigarettenfabrik "Yramos". Die Zigaretten trugen die Namen Senat, Türkisch 8 oder Bayrisch Gold. Die Lewins musste auf Druck der Nazis ihre Fabrik im Jahre 1937 aufgeben. Hermann Lewin emigrierte mit seiner Frau in die USA, Julius Lewin blieb und wurde mit seiner Frau nach Theresienstadt deportiert, wo seine Frau Sarah starb. Julius Lewin kam 1945 kurz nach Dresden, bevor er seinem Sohn in die USA folgte.

Andere Zigarettenfirmen waren Bulgaria (Glashütter Straße), Union (Wittenberger Straße 114), Haus Bergmann (Bärensteiner Straße 16/18), Macedonia (Glashütter Straße 66) und Patras (Schandauer Straße 13). Die Anzahl der Zigarettenfirmen stieg in Dresden von 29 Firmen im Jahre 1890 auf 154 im Jahre 1927, in denen 24 Milliarden Zigaretten jährlich hergestellt wurden. 25.000 Arbeitskräfte waren allein in diesem Industriezweig beschäftigt.

Die Zigarettenfabrikation lief auch im Zweiten Weltkrieg auf Hochtouren. Viele Kriegsgefangene und Arbeiter aus anderen Ländern musste für das Stäbchen der Frontsoldaten sorgen. Der Angriff verschonte die Fabrikgebäude einigermaßen, so dass nach dem Krieg bald wieder produziert werden konnte. Die nunmehr volkseigenen Betriebe Jasmatzi, Macedonia, Greiling und Kosmos wurden 1959 zum VEB Vereinigte Zigarettenfabriken zusammengefasst. Die Zigarettenmarken trugen nun die Bezeichnung Juwel, Karo oder f6.

Im Jahre 1978 wurden durch die Gründung des VEB Kombinat Tabak Berlin alle Betriebe der Tabakindustrie zusammengefasst. Ab 1982 war der Sitz des Kombinats in Dresden zu finden. Im Jahre 1990 übernahm die Philip Morris GmbH Werke und Marken. Seit September 1998 steht ein neuer Name am Werk Schandauer Straße: f6 Cigarettenfabrik Dresden GmbH.

Die Zigarettenindustrie hatte auch einen Aufschwung der notwendigen Zulieferindustrie zur Folge. Wurden bis 1920 die Zigaretten vorwiegend in Handarbeit oder mit Hilfe von Maschinen aus den USA gefertigt, so stellte sich der Dresdner Maschinenbau schnell auf die neue Absatzmöglichkeit mit dem Bau von Zigarettenmaschinen ein. Die Firma "Universelle" stellte eine Hochleistungsmaschine her. Andere Firmen folgten, wie I.M. Lehmann AG, Händel & Reibisch Savanta AG und United Cigaretten-Maschinen Co. Daneben gab es im Jahre 1927 24 Firmen für Zigarettenmundstücke und 14 Firmen zur Herstellung von Zigarettenkartonagen Im gleichen Jahre zählte man 88 Rohtabakhandlungen.

o Das Tonband stammt aus Striesen

Als Fritz Pfleumer vor 70 Jahren im Jahre 1928 das Tonband erfand, konnte er nicht vorausschauen, welche Weiterentwicklung er auf dem Gebiete der Magnettontechnik und später der Videotechnik damit anschob. Bis in die Mitte der 30er Jahre musste man sich in den wenigen Geräten zur magnetischen Aufzeichnung, die auf das "Telegraphon" von Valdemar Poulsen zurückgingen, mit einem Stahldraht herumplagen. Der Ingenieur Fritz Pfleumer, geboren am 20. März 1881 in Salzburg, der von 1897 bis 1945 zu seinem Tode in Dresden lebte, brachte hier Abhilfe, in dem er das erste Tonband erfand.

Fritz Pfleumer war dabei gar nicht auf dem Gebiete der Tonspeichertechnik tätig. Sein Fachgebiet war damals die Zigaretten- und Bundpapierherstellung. Dort wurden Silber- und Goldpapier mit Metallpulver und Lack versehen. In dieser Branche hatte er ein Goldmundstück für Zigaretten erfunden, das für die teuren Zigarettensorten aus echtem Blattgold, für die billigeren aus bronziertem Papier bestand. Dieses Papier hinterließ auf Lippen und Fingern unangenehme Spuren. Pfleumer fand einen Ausweg und bettete das Bronzepulver in eine Kunststoffschicht ein, die nicht mehr abfärbte und wie echtes Gold glänzte.

Bei der Suche nach weiteren Verwendungsgebieten für seine neuen Metallfilme stieß er auf die Stahldraht-Tonaufzeichnungsmaschinen, und die Idee für das Tonband war geboren. Anstelle des Stahldrahtes setzte Pfleumer ein dünnes Papier- oder Kunststoffband, das er mit einem Metallpulverbelag versah. Sein zugehöriges Patent trägt die Nr. DRP 500 900 (31.01.1928) und den Titel "Lautschriftträger". Pfleumer hatte auch praktisches Talent, er baute 1928 in seinem Labor auf der Bodenbacher Straße in Dresden-Gruna ein Magnetbandgerät, um seine Bandaufzeichnung vorführen zu können. Später kam es zu einem Vertrag mit der AEG und zur Herstellung von Tonbändern. Wenn auch Pfleumer in Gruna wohnte, sein berufliches Betätigungsfeld lag doch in Striesen, so dass man vom Tonband als eine Striesener Erfindung sprechen kann.


Die Geschichte Dresden-Striesens, Teil 6

[Bearbeiten] A.38. Der 13. Februar 1945 - ein schwarzer Tag auch für Striesen

Der 13. Februar 1945 war ein Faschingsdienstag und ein milder Wintertag. Die kleineren Kinder von Altstriesen feierten den Fasching, wie eben Kinder dies in diesem Alter tun, relativ unbeschwert. Es gab sogar kleine Faschings- und Scherzartikel. in den Geschäften auf dem Platz. Die Bäckerei Troschütz hatte Pfannkuchen gebacken. Der Laden war an diesem Tage wie ausgekehrt. Die Semmeln und gebackenen Pfannkuchen waren alle geworden. Die Einwohner gingen an diesem Tage ihrem täglichen, kriegsbedingten Leben nach.

Viele Städte in Deutschland waren durch Bombenangriffe stark beschädigt und fast zerstört worden. Dresden hatte zwar auch Luftangriffe erdulden müssen, war aber vergleichsweise relativ gut davon gekommen. Es gab die unterschiedlichsten Gerüchte. Dennoch machte sich bei vielen Menschen unbewusst Unruhe und unheilvolle Vorahnung breit. Man brauchte nur das Fortschreiten der Bombardierungen in Richtung Osten verfolgen. Es war lediglich eine Frage der Zeit, wann das relativ verschonte Dresden an der Reihe war. Und am 13. Februar 1945 war es an der Reihe.

Im Jahre 1943 wurde der Platz Altstriesen vollkommen umgestaltet. Der östliche Teil des Platzes erhielt einen einfachen Bunker (Splitterschutzgraben), um die Bevölkerung speziell der kleinen Häuser, die keinen Keller besaßen, im Falle eines Luftangriffs aufzunehmen. Auf dem westlichen Teil des Platzes wurde ein Wasserbecken errichtet, das Wasser für Löschzwecke bereitstellen sollte.

Im Splitterschutzgraben hatten sich bereits beim ersten Luftangriff viele Leute aus der näheren Umgebung eingefunden. Durch die Tage vorher stattgefundene Schneeschmelze stand im Keller das Wasser etwa 10 cm hoch. Jemand hatte sogar seine Ziege mitgebracht, die mitten im Gang stand, der durch eine ständig flackernde Lampe spärlich erhellt wurde. Die Ziege stammte, wie sich später herausstellte, aus dem Gut Müller/Karger, Altstriesen 18. Die Leute aus dem Grundstück waren auch mit im Splitterschutzgraben. Die Bewohner aus den Häusern Altstriesen 8, 10, 12, 14, 16 und weitere hatten ebenfalls Schutz im Splitterschutzgraben gesucht. Der Graben war voll, einige wurden auch abgewiesen. Im Splitterschutzgraben haben Altstriesner die ganze Nacht verbracht, auch den zweiten Luftangriff nach Mitternacht.

Die großen Häuser der geschlossenen Bauweise in Striesen hatten als Luftschutzräume ausgewiesene Keller, ohne dass alle die notwendige Stabilität aufweisen. Ausgesprochene Betonbunker für die Bevölkerung waren nicht vorhanden. In den Reihenhäusern waren Durchbrüche von Keller zu Keller vorbereitet, damit beim Verschütten einzelner Kellerausgänge eine Flucht in die Nachbarkeller und ein entrinnen aus den Kellern ermöglicht wurde. Vielerorts bildeten der Rauch und Sauerstoffmangel die Ursache dafür, dass die Keller verlassen werden mussten. Auch war eine Reihe von Häusern nach dem ersten Angriff noch verschont geblieben oder das Ausbreiten des Feuers konnte verhindert werden.

Die Bewohner versuchten, auf den Böden oder in den Etagen zu löschen. Aber Funkenflug durch die Fenster, brennende Stofffetzen, Holzteile und der sich entwickelnde Feuersturm in den dichteren Bebauungen verbreiteten die Brände mehr und mehr. An manchen Stellen war die Dichte der abgeworfenen Brandbomben so hoch, dass sich schnell ausbreitende Feuernester entwickelten, die niemand löschen konnte. Bomben mit Brandgel, eine Vorstufe des späteren Napalms, taten das Ihrige.

Während es ersten Angriff fielen vor allem Brandbomben, während der größte Teil der Zerstörung auf den zweiten Angriff zurückzuführen ist. Dabei kam es vor, dass die Flammen des einen Hauses auf das Nachbarhaus übergriffen. Ein Löschen im Flammenmeer war nicht möglich. Oftmals blieb von einem Haus, das von einer Sprengbombe getroffen wurde, nur ein Bombentrichter übrig. So erging es dem Haus und den Bewohnern von Altstriesen 19, das neben den Wettin-Häusern stand, und einen Volltreffer erhielt. Vom Haus blieb nichts übrig. Eine Hausbewohnerin, die zum Zeitpunkt des Angriffs nicht in Dresden war und deshalb am Leben blieb, fand nur eine Tür ihre Kleiderschranktür in nächster Nähe.

Als die Altstriesner am Morgen des 14. Februars aus dem Splitterschutzgraben auf dem Platz krochen, waren ihre kleinen Dorfhäuser niedergebrannt. Im Gut Müller/Karger (Altstriesen 18) waren die Tiere umgekommen. Nach den Angriffen und auch später verfasste Erlebnisberichte schildern das durchlebte Grauen an diesen Tagen.

Die Grenze des Bombenabwurfs bildete in Striesen die Bergmannstraße im Osten und etwa die Wormser Straße im Norden. Von Häusern entlang der Borsberg- und Schandauer Straße, Haydn- und Krenkel-, Tischer-, Laube-, Müller-Berset- und Tittmanstraße blieben nur die Ruinen stehen. Schwere Schäden erlitt die Erlöserkirche, die später weggerissen wurde. Vergleichbar wenige Schäden erlitt die Versöhnungskirche. Bedeutsame Lokalitäten fielen auch den Bomben zum Opfer, so das Hammersche Hotel (Augsburger Straße), die Gloria-Palast-Lichtspiele, die Gaststätte "Erdkugel" und der Ratskeller in Altstriesen, die allesamt kulturelle und politische Höhepunkte in den vergangenen Jahren erlebten. Die großen Industriebetriebe im Osten Striesens waren weniger betroffen.

Vom alten Dorf blieben nach dem Luftangriff auf Dresden nur drei Häusleranwesen (Rosa-Menzer-Str. 3 und 7) und ein Fachwerkhaus (Merseburger Str. 17) erhalten, die später Neubauten weichen mussten und 1980 nicht mehr vorhanden waren. Auch das Haus Geisingstraße 5 blieb erhalten, heute nicht mehr vorhanden. Heute ist von Altstriesen nichts mehr vorhanden. Dort, wo einst die Dorfhäuser standen und eine ländliche Idylle darstellten, befinden sich Garagen. Durch den Bombenangriff vom Februar 1945 wurde der alte Ortskern von Striesen (Altstriesen) und weite Flächen an der Borsberg- und Schandauer Straße zerstört. Fast 800 Häuser mit rund 7000 Wohnungen, Fabriken und Werkstätten fielen in Schutt und Asche.

Seltsamerweise sind inmitten der Trümmer einige einzelne Häuser, wie zum Beispiel Laubestraße 13, erhalten geblieben. Hier war es dem Einsatz beherzter Bewohner und auch von Frontsoldaten auf Urlaub zu verdanken, dass trotz Bombenabwurfs Löscharbeiten vorgenommen wurde. Brandbomben wurden am nicht brennenden Ende erfasst und zum Fenster hinaus oder vom Dachboden geworden und der durch Funkenflug durch die geborstenen Scheiben entfachte Brand gelöscht. Das waren aber nur Einzelfälle, nicht jeder hatte dabei Erfolg. Auch wurde das Löschen durch die zweite herankommende Bomberwelle im zweiten Angriff unterbrochen. Neues Feuer breitete sich aus.

Bereits nach dem ersten Angriff und verstärkt nach dem zweiten Angriff verließen viele Striesner das Gebiet von Striesen und liefen um ihr Leben, manche auch mit etwas geretteten Gut, in Richtung Großen Garten, Blasewitz oder Osten, um möglichst schnell dem Rauch und dem Feuer zu entkommen. Niemand wusste, ob erneut ein Angriff folgte, wo es überall brannte und wo man sich rettend verbergen konnte. In den nächsten Tagen erhielten die nicht zerstörten Häuser Einquartierungen von Ausgebombten. Verwandte, Freunde und Bekannte, aber auch völlig Fremde wurden aufgenommen. Die Ortsverwaltung vergab Schlüssel an Wohnungen, die Bewohner vor dem Angriff verlassen hatten. Sie waren vor dem drohenden Einmarsch der Roten Armee und sicherlich nicht ohne Grund, in Richtung Westen verschwunden.

[Bearbeiten] A.39. Neues Leben inmitten der Trümmer

Nach dem Kriege entstand inmitten der Trümmer neues Leben. Anfangs wurden lediglich die Straßen von den Trümmern befreit, so dass der Verkehr wieder rollen konnte. In den von Not und Elend nach dem Krieg gekennzeichneten Tagen versuchten viele Striesner, aus den Trümmern brauchbare Dinge und Sachen zu bergen. Man durchstöberte Keller und Hintergebäude und legte in den freien Flächen zwischen den Ruinen Gärten an.

Auch notdürftige Wohnunterkünfte wurden zwischen den Ruinen und Trümmern angelegt. So baute sich das Ehepaar Thomas im vorderen Teil des Grundstückes Altstriesen 12 ein Holzhaus, das es viele Jahre bewohnte. In Altstriesen 16 wohnte der Autoreparateur Kurt Weichold im Erdgeschoß seines abgebrannten Hauses und brachte auch sieben Garagen wieder in Ordnung, so dass sie vermietet werden konnte. Neben einer bescheidenen Autoreparatur betrieb Weichold auch ein Fuhrunternehmen. So war er für die Heizungsfirma Bastian und für Großküchen tätig und fuhr mittags Essenportionen aus. Sein kleines Unternehmen bestand bis zum Jahre 1956. Auch wurde auf dem Grundstück Hundefutter verkauft, das einen fürchterlichen Gestank verbreitete.

Gleich nebenan in Altstriesen 18 wurden Schweine gehalten, und auch der Lumpenhändler Kampach wohnte eine Zeit lang mit seiner Tochter in den Ruinen. Im Grundstück Altstriesen 14 bewirtschafte ein Ehepaar mit Kind einen Garten. Auch in der Geisingstraße 4 wurden die Ruinen weiter bewohnt. Die Familien Klauschen und Furchbrick bauten sich in diesem Grundstück links und rechts die Erdgeschosse der abgebrannten Häuser aus und wohnten längere Zeit darin. Auf der Eilenburger Straße 13 befand sich vor dem Krieg eine Gärtnerei in Pacht einer Familie Jensen. Nach dem Angriff bewohnte diese Familie ein Gewächshaus.

Inmitten der Trümmer und Ruinen entstanden auch Geschäfte. Als Beispiel seien hier nur die Fleischerei Rasch an der Borsbergstraße Ecke Mosenstraße, die Fleischerei Augst an der Borsbergstraße Ecke Krenkelstraße, den Autozubehörhandel Schlechte in der Schandauer Str., das Milchgeschäft Tänzer am Stresemannplatz und ein Fahrradgeschäft ab der Ecke Schandauer/Bergmannstraße genannt. Manch kleiner Handwerker baute seine Werkstatt in einem ausgebrannten Hintergebäude wieder auf oder fand dort einen neuen Betätigungsbereich. Hier wäre als Beispiel der Klempner Therme in der Schandauer Straße 3 zu nennen.

Es dauerte nicht lange, so veränderte das Ruinengebiet in Striesen sein Aussehen erneut. Straßenweise durchgeführte Sprengungen der Ruinen ließen Trümmerberge und neue Durchsichten zu den wenigen stehen gebliebenen Häusern entstehen. An stehen gebliebenen Häusern wie auch an Ruinen, die aus dem Trümmern ragten, konnte man vereinzelt die Aufschrift LSR in weißer Farbe lesen. LSR bedeutete Luftschutzraum und sollte darauf hinweisen, dass an der Stelle der Buchstaben am Haus der Zugang zum Luftschutzraum des betreffenden Hauses möglich war, wenn im Falle eines Verschüttens des Hauseingangs eine Rettung von außen erforderlich war. Nach dem Krieg wurde LSR zu "Lasst Schutt ruhen" oder "Lasst Stalin regieren" umgedeutet.

[Bearbeiten] A.40. Der Wiederaufbau in Striesen

Dieses und die folgenden Kapitel zeigen die weitere Geschichte Striesens nur in ihren Grundzügen mit Beispielen auf. Eine detaillierte und genaue Darstellung ist weiteren Untersuchungen und Quellenstudien vorbehalten, insbesondere was Einzelmaßnahmen in den verschiedenen Straßen betrifft.

Nach 1956 wurde der Wiederaufbau Dresdens auch auf Striesen ausgedehnt. Dazu mussten zuerst die Trümmer der Ruinen beräumt werden, die in den Jahren zuvor bereits gesprengt worden waren. Kleine Lorenbahnen (Feldbahn, Trümmerbahn) verrichten bei der Beräumung gute Dienste, und manch Striesner leistete hier unbezahlte Arbeitseinsätze. In Erinnerung bleiben die vielen Trümmerfrauen, die tagein tagaus Ziegel putzten und sie zu großen Blöcken aufstapelten, die manch böser Bub nach der Schule auf dem Nachhauseweg wieder einriss. Die Trümmer landeten zum Teil an der Elbe auf dem Gelände der alten Vogelwiese und auf einer Halde an der Salzburger Straße in Laubegast, wohin auch die Trümmerbahnen führten. Vielen Grundstückseignern wurde von der Stadt die Forderung gestellt, die Trümmer ihrer zerbombten Häuser zu beräumen oder an die Stadt zu verkaufen. Die Wenigsten hatten für die Enttrümmerung die notwendigen Voraussetzungen, und so kam die Stadt in den Besitz der Grundstücke, so geschehen auch in Altstriesen.

Zwischen 1952 und 1956 wurden die ersten Neubauten noch in traditioneller Bauweise errichtet. Es handelte sich um Wohnbauten östlich des Stresemannplatzes auf der Mansfelder und Müller-Berset-Straße, Laubestraße und an der Tittman- und Wartburgstraße. Die Bauten zeigten sich in gegliederte Blöcke, deren Fassaden mit Ornamentschmuck verziert waren. Auch wurde dabei zum Teil bündig mit noch existierenden Altbauten, die den Angriff überstanden hatten, gebaut. Der Wohnungsbau war volkseigen und später mit den Arbeiterwohnungsgenossenschaften (AWGs) genossenschaftlich.

Nach einer großflächigen Enttrümmerung begann der Wiederaufbau an der Borsbergstraße in den Jahren 1956 bis 1958 in der beginnenden Großblockbauweise, die heute unter Denkmalschutz steht. Es war der erste Standort des industriellen Bauens in Dresden. Es folgten Neubauten bis zur Bergmannstraße und in den unmittelbar der Borsberg- und Schandauer Straße benachbarten Straßen.

Gegen Mitte der 1960er Jahre wurden in Altstriesen die Häuserreste entfernt, und auf großen Teilen des Platzes Garagen einer Garagengemeinschaft errichtet. Nur das Grundstück Altstriesen 6 des ehemaligen Stellmachers Richter ist heute in seinen Grundzügen noch erhalten und wird von der Firma Thiele (Karosseriebau, später Deicke) bewirtschaftet. Daneben befindet sich auf dem Gelände von Altstriesen 8 (Haus mit den Kanonenkugeln) ein Schuppenbau. Teile des Grundstückes Altstriesen 10 (Ratskeller) sind unbebaut. Dann beginnt die Garagenfläche, die Teile der alten Grundstücke Altstriesen 10, 12 und 14 und Teile des Platzes einnehmen. Um zu den Garagen und zu diesem Grundstück zu gelangen, muss man durch die Geisingstraße, ein kleines Stück Prinzengäßchen und das Doppel-Grundstück Altstriesen 4 (ehemals Kohlenhandlung Steglich und Bäckerei Müller) fahren. Vom Prinzengäßchen ist nur eine Andeutung in Form eines Durchganges von Altstriesen durch die Neubauten zur Schandauer Straße erhalten geblieben.

An der Nordseite von Altstriesen, an der die großen vierstöckigen Wettinhäuser (ungerade Hausnummern) standen, wurden neue dreistöckige Häuser erreichten, die ungefähr die alten Standorte einnehmen und die Hausnummern 19 bis 33 tragen. Die geraden Hausnummern der neuen Häuser Altstriesens sind vom Platz aus gesehen nach hinten versetzt und stehen etwa in Höhe des ehemaligen Prinzengäßchens. Auf dem östlichen Platzteil Altstriesens, wo auch eine öffentliche Bedürfnisanstalt vor dem Angriff stand, ist heue ein Kindergarten angesiedelt.

Weitere Zeilen bzw. Blockbebauungen entstanden bis etwa 1965 im nördlichen Teils von Striesen - Holbein-, Wartburg-, Wittenberger Straße, Altstriesen - und im südlichen Teil - Lipsius-, Comenius-, Laube-, Mansfelder und Müller-Berset-Straße. Es handelt sich um vier- und fünfgeschossige Typenbauten mit nicht ausgebauten Satteldächern. Im Karree Bertold-Brecht-Allee, Tischerstraße, Müller-Berset-Straße und Schandauer Straße befand sich eine Produktionsanlage, die aus in kleine Stücke zermahlten Trümmerziegeln Großblöcke für den Hausbau herstellte.

Die Bauarbeiten waren bis etwa 1970 abgeschlossen. Beim Wiederaufbau in Striesen wurde auch großer wert auf Freiflächen und Grünanlagen gelegt. Die Häuser befinden sich im Gegensatz zu der alten Bebauung oftmals von der Straße aus gesehen zurückgesetzt. Das Straßensystem blieb im Wesentlichen bis auf Altstriesen selbst erhalten.

In der Borsbergstraße entstanden - anschließend an die vom Angriff verschonte Baustruktur - Wohnbauten mit vorgelagerten Geschäften sowie das Cafe Borsberg. Auf dem Gartenareal, das der Weg "Am Landgraben" von Altstriesen zur Spenerstraße durchzog, entstand ein klotziger Großbau für den Maschinenbauhandel und verunstaltet heute das dortige Stadtbild. Weitere Fehlentwicklungen sind ergaben sich leider. Durch die Betonung der industriellen Großblockbauweise in Dresden, besonders in den Neubaugebieten der folgenden Jahre, wurde die Erhaltung der Altbausubstanz sträflichst vernachlässigt. Die Folge ließ nicht lange auf sich warten: Viele alte ehrwürdige Häuser verfielen und wurde sogar abgerissen. So auch die Reste von Altstriesen in der Merseburger Straße und in der Rosa-Menzer-Straße. Die Trümmer Altstriesens selbst wurden in den Jahren 1965 bis 1966 beräumt.

Im Jahre 1950 wurde an der Jakobi/Ecke Augsburger Straße für die evangelisch-methodistische Gemeinde die Zionskirche errichtet. In der Haenel-Clauß-Straße entstand als Neubau eine Schule mit kombinierter Kinderbetreuung.

Der Verfall der Altbausubstanz begann oftmals mit einer defekten Dachrinne, die - nicht rechtzeitig repariert - zu Feuchtigkeit in den oberen Stockwerken führte. Es schloss sich dann ein Wasserstrahl an, der sich über die Fassade von oben nach unter ergoss und zu weiterer Nässe führte. Dann barst das Fallrohr, und der Verfall war nur noch eine Frage der Zeit. "Ruinen schaffen, ohne Waffen" - so prägte der Volksmund einen Ausspruch, der das Verhalten der kommunalen Wohnungsverwaltungen treffend charakterisierte.

Fehlende Handwerker, die auf Großbaustellen eingesetzt wurden oder ihre Kapazität mit der Wohnungsgenossenschaft bilanzieren mussten, und Materialmangel waren nur ein Teil der Ursachen dafür. Zum anderen wurden die vorhandenen Baukapazitäten für Großbaustellen und Schwerpunktzentren eingesetzt, und nicht wenige Bauarbeiter aus Dresden mussten in Berlin arbeiten und mithelfen, das diese Stadt Hauptstadtcharakter erhielt.

Die Wirtschaftsverhältnisse im Sozialismus verhinderten es, Grundstücke und Wohnraum gewinnbringend zu vermarkten. Wer ein Haus erwarb - und ein Mehrfamilien-Wohnhaus war gar nicht teuer zu erstehen - konnte von den Mieteinnahmen allein nicht renovieren. Die Zinsen für einen notwendigen Kredit konnte der Hauseigentümer aus der eigenen Taschen bezahlen - und wer schon interessiert daran, seinen Lohn oder sein Gehalt in ein Haus zu stecken, das keine Rendite abwarf.

So ist es nur verständlich, dass viele Hausbesitzer ihre Mehrfamilienhäuser an die Stadt in kommunale Hände gaben, die aber auch leer waren. Für die Bewohner änderte sich nur der Ansprechpartner, sonst nichts. Einfamilienhäuser dagegen waren - in Striesen weniger vertreten - sehr begehrt, man erhielt sie nicht zum Schätzpreis und musste einiges drauflegen. Nicht selten griffen die Mieter zur Selbsthilfe und übernahmen Reparaturen in eigener Regie. so kam es vor, dass manch Haus sich in annähernd altem Glanz von seiner Umgebung wohltuend abhob. Aber sehr selten.

[Bearbeiten] A.41. Striesen nach der Wende

Erst seit der Wende im Jahre 1990 setzte eine rege Neubau- und Sanierungstätigkeit ein, die manches Gebäude vor dem Abriss rettete und es in alter Schönheit wieder erscheinen ließ. Gleichzeitig wurde Baulücken, die noch aus der Vergangenheit stammten oder durch Abriss entstanden waren, mit neuen Gebäuden in zum größten Teil offener Bebauung in Anlehnung an die bestehende Gebäudesubstanz geschlossen. Auf Grundlage des Sächsischen Denkmalsschutzgesetzes (3. März 1993) sind auch in Striesen eine Reihe von Gebäude als Kulturdenkmale erfasst worden.

Die aus westlicher Richtung etablierte Marktwirtschaft hatte auf die Industrie und die Kleinbetriebe in Striesen eine verheerende Wirkung. Unternehmen mussten schließen, qualifizierte Mitarbeiter wurden in großer Zahl arbeitslos. Das Industriegebiet südlich der Schandauer Straße ähnelte in kaum zwei Jahren nach den Wende verlassenen Goldgräberstädten im Wilden Westen: Leere Fabrikhallen und Gebäude, in denen die Kamera- und Fotoindustrie (Pentacon) zuvor bis in die Nacht hinein produzierte. Manch Industriebau viel dem Abriss zum Opfer, andere wurden zu Büro- und Handelsgebäuden mit mehr oder weniger Leerstand umfunktioniert.

In einen Teil der leer gewordenen Industriebauten zogen die aus dem Westen herüber gekommenen Banken und Firmenvertretungen, die aber nur solange darin blieben, bis im Laufe der Jahre die eigenen Neubauten oder sanierten Altbauten fertig waren.

In einen Teil der Ernemanngebäude mit dem Ernemannturm zog das Technische Museum, das mit seinen Beständen auch an die Kamera- und Fotovergangenheit anknüpft. In ältesten Teil der Ernemanngebäude ist eine Außenstelle der Stadtverwaltung Dresden zu Hause. Bei der Großwäscherei Märksch an der Schandauer Straße hat der ADAC seine Geschäftsstelle eingerichtet, und im Gebäude des VEB Herrenmode (Bärensteiner Straße) befinden sich Büros und Handelseinrichtungen. Das Hochhaus des Maschinenhandels an der Spenerstraße beherbergt eine Billigmöbelhandlung. Einzig und allein der Zigarettenindustrie ist ein Überleben geglückt. Die "f4 Cigarettenfabrik" von Philip Morris hat alte Gebäude der Zigarettenfertigung übernommen und auf den neuesten Stand gebracht.

Auf dem Wohngebäudesektor erfolgte auch ein dramatischer Umbruch, und die Angst um die bewohnten und gewohnten vier Wände ging wie ein Gespenst um. Die Alteigentümer, die in den fünfziger Jahren oder später in Richtung Westen Striesen verlassen hatten, und solche, die ihre Häuser an die Stadt wegen Schwierigkeiten in ihrer Unterhaltung abgegeben hatten, kamen über Restitutionsansprüche wieder in den Besitz ihrer Häuser. Manche renovierten selbst, andere verkauften sofort - manchmal aus der Ferne, ohne das wiedererhaltende Grundstück gesehen zu haben - an Immobilienhändler, die die anschließende Sanierung unter Renditegesichtspunkten betrieben. Dieses Verhalten wurde mit "Einmal saniert, immer kassiert" vom Volksmund kritisch umschrieben.

Damit war die Striesener Flur erneut zu einem erneut Goldgräberland geworden. Finanzkräftige Investoren kauften die halbverfallenen Grundstücke auf. Neben redlichen Absichten, stellten sich auch Spekulanten ein, die oftmals mit leichtem Spiel Schnäppchen für Schnäppchen erwarben, wieder mit Gewinn verkauften oder gewinnbringend sanierten. Zur Sanierung der Grundstücke wurden die Wohnungen oftmals leer "gesteuert", und nach der Sanierung waren neue Mieter an der Reihe, die die erhöhten Mietkosten - zwanzig DM und mehr waren bis etwa 1993/94 keine Seltenheit - aufbringen konnten. Die Folge davon war eine Bevölkerungsumschichtung des Mieterbestandes durch Umzug. In den sanierten Gebäuden wohnt kaum noch eine Familie, die hier 1989 und zuvor lebte.

In der Vergangenheit war es oftmals üblich, dass Mieter über Jahrzehnte, ja manchmal sogar ein Leben lang, im selben Haus blieben. Mit der dieser Gepflogenheit war es nun vorbei, und seit der Wende ist manche Familie bereits mehrmals umgezogen. Zugegeben, manch schon aufgegebenes Haus erstrahlt heute in alter Schönheit und lässt erahnen, wie Striesen um die Jahrhundertwende ausgeschaut hat. Die Wohnungsgenossenschaften in Striesen haben sich dem Sanierungstrend angeschlossen und bieten freundliche Wohnungen zu verträglichen Mieten. Neben den Häusern selbst wurde auch das Grünflächenumfeld mit verjüngt.

Gaststätten eröffneten neu mit altem oder neuem Namen und beleben das Wohnumfeld. Alteingesessene Läden mussten aus ökonomischen Zwängen schließen, so zum Beispiel Lebensmittel Meier oder Eisenwaren Baumgärtel auf der Borsbergstraße 19b bzw. 21. Neue Geschäfte eröffneten und waren bereits nach kurzer Zeit wieder verschwunden. Die Filialen großer Ladenketten dominieren in neu erbauten Geschäftslokalen und Geschäftshäusern.

An der Borsbergstraße, zwischen Tittmann- und Spenerstraße entstand der große Komplex "Kaufland", an der Schandauer Straße in der Nähe der Altenberger Straße wartete das "Striesener Forum" vergeblich auf seine Fertigstellung. Dahinter an der Glashütter Straße steht ein sanierte ehemaliges Pentacon-Gebäude, das auch als "Aquarium" bekannt ist. Es ist - Überkapazitäten zufolge - nicht voll ausgelastet. Am Polandplatz warten Geschäfte in der Pohland-Passage auf Kunden. Vergeblich - denn viele Ladenlokale sind permanent leer. An der Ecke Bergmann/Schandauerstraße, dort wo früher das Ihage-Werk stand, wurde ein großes Geschäfts/Wohnhaus errichtet.

So verändert Striesen abermals und fortlaufend sein Gesicht, und manche Striesener, der nach langer Zeit seine Heimat wieder besucht, hat Mühe, Altvertrautes aus dem Neuen herauszufinden und wieder zu erkennen. Bleibt zu hoffen, dass Striesen auch in Zukunft ein Fleckchen Erde bleibt, auf dem ein friedfertiges, fleißiges Leben lebenswert gedeiht.

Die weitere, tiefgründige Beobachtung und Dokumentation der Entwicklung Striesens wird hier nicht durchgeführt und soll anderen vorbehalten sein, die sich hoffentlich finden werden.

[Bearbeiten] A.42. Literaturverzeichnis

[1] Hahn, A. und Neef, E.: Dresden - Ergebnisse der heimatkundlichen Bestandsaufnahme. Berlin 1985, Akademie-Verlag, Band 42 der Reihe Werte unserer Heimat

[2] Lippert, Woldemar und Beschorner, Hans: Das Lehnbuch Friedrich des Strengen 1349/1350. Leipzig: B.G. Teubner, 1903, S. 36

[3] Urkundenbuch der Städte Dresden und Pirna. Leipzig: Giesecke & Devrient, 1875.

[4] Neue Sächsische Kirchengalerie. Die Ephorie Dresden I.Hrsg. Pfarrer theol. P. Flade, Dresden.- Leipzig: Verlag von Arwed Strauch, 1906.

[5] Ortsgeschichte von Striesen. Adreß- und Geschäftsburch der Gemeinde Striesen 1884 und 1886. Dresden: Albannsche Buchdruckerei

[6] Müller, R.: Alt-Striesen. Mitt. des Landesverein Sächsischer Heimatschutz (1917)6, S. 216 -221

[7] Arlt, Th.: Bilder aus Striesen. Festschrift zur Feier des 50jährigen Kirchweihjubiläums der Erlöserkirche zu Dresden, 1930, S. 81 - 99. Dresden: Hugo Große, 1930

[8] Ein Mühlenbuch - Von Mühlen und Müllern im Arbeitsgebiet des Gebirgsvereins für die Sächsische Schweiz. Hrsg.: Prof. Dr. Alfred Meiche, Dresden. Radeberg: Gebr. Hordler GmbH, 1927.

[9] Zeibig, J.G.: Brief an König Friedrich August vom 30. Juni 1838 Ministerium des Inneren Nr. 2031a (H-St.-A. Reg. 1900 Nr. 404/435)

[10] Die Vereinigung der Landgemeinde Striesen mit Dresden (am 1. 7. 1892). Dresdn. Anzeiger 1892. Nr 182, S. 4.

[11] Fiedler, Dr. A.: Striesen - einst. Dorf vor der Stadt, Teil 1 bis 6, Die Union 31(1976)187 vom 7./8.8.; 193 vom 14./15.8.; 199 vom 21./22.8.; 205 vom 28./29.8.; 211 vom 4./5.9.; 217 vom 11./12.9.

[12] Striesen ... einst ein Vorort von Dresden. Stadtteilgeschichten Teil 1 bis 5. Stadtteilmagazin für Johannstadt, Blasewitz und Striesen, Dresden 2 (1998)13, 14, 16, 17 und 18

[13] Striesen - aus der Geschichte eines Dresdner Stadtteils. Aufgeschrieben von A. Dubbers. Hrsg. Interessengemeisnchaft Striesen und Umweltzentrum Dresden. Dresden: Michel Sandstein, 1998.

[14] Denkmalpflegeplan Dresden-Johannstadt und Dresden-Striesen, Landeshauptstadt Dresden. Denkmalschutzamt, Januar 1996

[15] Vollständiges Staats- Post und Zeitungs-Lexikon von Sachsen von August Schumann. Zwickau: Verlag der Gebrüder Schumann, 1824

[16] Aus Altstriesener Tagen. Kirchenbote der Versöhnungskirche Nr. 32, S.3, Nr. 33, S.2 und Nr. 34, S. 2

[17] Diettrich, A.: Erinnerungen an Alt-Striesen. Kirchenbote der Versöhnungskirche Nr. 9, S.2

[18] Vorstadt Striesen in Wort und Bild. Hrsg. Bezirksverein Dresden-Striesen. Dresden: Verlag E. Clausen, 1901. 40 S.

[19] Beschorner, H.: Unsere eingegangenen Dörfer. Mitteilungen des Landesverein Sächsischer Heimatschutz (1927)16,S. 335 - 347

[20] Geschichtliches von Striesen. Dresdner Nachrichten (1923, 10. Mai)128, S. 4

[21] Alt-Striesen. aus der Geschichte eines Vorortes. Dresdner Nachr. 73(1929, 26. Nov.)554, S. 8 - Dresdner Volkszeitung 40 (1929)284, S. 5

[22] Der Windmühlenberg bei Striesen. Dresdner Annzeiger (1926, 14. März)123, S. 6

[23] Die Parochie der Erlöserkirche (Dresden-Striesen). Neue Sächsische Kirchengalerie S. 664 - 676

[24] Fleischer, W.: Namen und Mundart im Raum von Dresden. Berlin: Akademie-Verlag

[25] v. Brück: 50 Jahre Erlösergemeinde. Festschrift zur Feier des 50jährigen Kirchweihjubiläums der Erlöserkirche zu Dresden, 1930, S. 30 - 54. Dresden: Hugo Große, 1930

[26] Ander, Dr. R.: Erinnerungen an die Erlöserkirche, 100 Jahre Kirchgemeinde Dresden-Striesen

[27] Festschrift zur Einweihung der Versöhnungskirche in Dresden-Striesen (20. Juni 1909)

[28] Traugott Jakob Hermann Seidel. Sächsische Lebensbilder. Hsg. von der Sächsischen Kommission für Geschichte. S. 345 - 353. Dresden: Verlag Wolfgang Jess

[29] Festschrift zur Feier der Einweihung des Neubaus der Lehr- und Erziehungs-Anstalt für Knaben - Freimaurer-Institut - zu Dresden-Striesen am 29. Juni 1899

[30] Festschrift zur 90-Jahr-Feier des Schulstandortes Dresden-Striesen Haydnstraße 1907 - 1997. Hrsg. Förderverein "Gymnasium Dresden-Striesen" e.V. Dresden: 1997

[31] 100 Jahre, 1898 - 1998. 25. Schule Dresden-Striesen. Am Pohlandplatz. Hrsg. Förderverein der 25. Mittelschule am Pohlandplatz e.V. Dresden: 1998

[32] Von Kutschern und Kondukteuren. Die 125jährige Geschichte der Straßenbahn zu Dresden. Dresdner Verkehrsbetriebe AG. 1997

[33] Scheer, A.: Dresden- Johannstadt - die Welt vor dem Ziegelschlag. Geschichtliche Wanderfahrten (1930) H.3. Dresden: Verlag von C. Heinrich, 1930

[34] Hollstein, C.: Die östlichen Vorwerke "Tatzberg", "Lämmchen", "Stückgießers", "Antons" und der Trinitatus-Friedhof. Dresdner Geschichtsblätter (1918)4, S. 161 - 168

[35] Arlt, Wilhelm: Festschrift zum 25jährigen Stiftungsfeste des K.S. Militärvereins "Germania" zu Dresden-Striesen am 8.7.1898. Dresden, 1898, 87 S.

[36] Pläne der Dörfer Striesen und Strehlen um das Jahr 1705. Aus e. Handzeichnungen in Kgl. Hauptarchiv. In: Richter, Otto: Atlas zur Geschichte Dresdens, 1898, Bl. 12a

[37] Roch: Situationsplan von Striesen - Dresden 1888

[38] Arlt, Th:. Aus Altstriesener Tagen. Bll. f. d. Erlöserkirchgemeinde zu Dresden 1916, Nr. 12-13

[39] Arlt, Th.: Striesen 1813. Bll. f. d. Erlöserkirchgemeinde zu Dresden. 1913 Nr. 2, S. 3 - 5.

[40] Stadtlexikon Dresden. Dresden: Verlag der Kunst, 1994. [41] Museum für Vorgeschichte, Archiv [42] Dresdner Verkehrsbetriebe AG, Archiv [43] Geschäfts- und Adreßbuch 1886 Striesen [44] Adreß-Buch der Gemeinde Striesen 1887 [45] Adreß-Buch der Gemeinde Striesen 1892 [46] Ortsgesetz 1892 (16) die Vereinigung der Landgemeinde Striesen mit der Stadt Dresden betreffend [47] Ortsgesetz 1899 (Entwurf) für die Bebauung ... der Vorstadt Striesen ... (48) Otto Richter: Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Stadt Dresden, Dresden 1885 - 1891 (49) Hiltscher, G.: Aufzeichnungen aus Archiveinsichten und Quellenstudien




[Bearbeiten] B. Das Striesen–Archiv, Stand 10.2013 (Gerd Hiltscher)

Die Sammlung begründet sich auf Forschungen zur Kirchengeschichte, die Gerd Hiltscher, Küster an der Versöhnungskirche, seid 1995 zusammengestellt hat. Die Sammlung umfasst urkundliche Einträge, Karten, Bilder und Texte aus Archiven, Sammlungen, Büchern und Zeitungen. In der Sammlung enthaltene Quellen (Standort Stadtmuseum Dresden): Inhalt Ordner 1 • 1. Lehnbuch Friedrich des Strengen, Woldemar Lippert und Hans Beschoner, Verlag B.G. Teubner, Leipzig 1903 • 2. Vollständiges Staats- Post- und Zeitungslexikon von Sachsen, August Schumann, Verlag Gebrüder Schumann, Zwickau 1824 • 2a. Erdbeschreibung der Churfürstlichen… Sächsischen Lande Leipzig 1803 • 2.1 Alphabetisches Ortsverzeichniß des Königreichs Sachsen, 1862,1836 • 3. Sachsens Kirchengalerie, 1836 • 4. Ortsbeschreibung von Striesen, Adressbuch Striesen 1887, Stadtarchiv Dresden • 5. Dresdner Anzeiger 1892, Eingemeindung betreffend 1.7. 1892 • Abschrift A. VI. 126 Vol.II Eingemeindung Striesen Stadtarchiv Dresden • 6. Ortsgesetz, die Vereinigung der Landgemeinde Striesen mit der Stadt Dresden betreffen mit Anhang B, C, D, Stadtarchiv • 7. Ortsgesetz 1892, andere Ausgabe, Stadtarchiv Dresden • 8. Ortsgesetz für die Bebauung… 1899 Archiv Versöhnungskirche, Bauakten • 9. Dresden. Vorstadt Striesen in Wort und Bild. Herausgegeben vom Bezirksverein Dresden-Striesen, 1901, Stadtarchiv Dresden • 10. Aufschließung der Stadt nach Osten, Aufsatz aus Otto Richter, Dresden 1871- 1902, Eingemeindung betreffend • 11. Erinnerungen an Alt- Striesen, Friedensrichter August Diettrich, Gemeindeblatt Nr.9, Versöhnungskirche Striesen, 1913 • 12. Aus Altstriesener Tagen, Arlt, Gemeindeblatt Nr. 32,33,34, Versöhnungskirche Striesen, 1914 • 13. Aus Altstriesener Tagen, Blätter für die Erlöser- Kirche Striesen, 1916, Arlt • 14. Alt- Striesen, Richard Müller, Landesverein Sächsischer Heimatschutz, Heft 6, 1917 • 15. Geschichtliches von Striesen, Dresdner Nachrichten, 10.5. 1923, O.M. • 16. Der Windmühlenberg bei Striesen, Dresdner Anzeiger, 14.3. 1926 • 17. Unsere eingegangenen Dörfer, Heimatschutz 1927 Heft 16 Beschoner • 18. Altstriesen, Aus der Geschichte eines Vorortes, 26. 11. 1929 Dresdner Nachrichten • 19. Bilder aus Striesen, Oberlehrer Arlt, 50 Jahre Erlöserkirche,1930 Hugo Große, Dresden A19 • 20. Striesen, Straßenangerdorf mit Sackgasse, aus der Ausstellung „Vom Dorf zur Stadt“ Stadtmuseum Dresden 1953 • 20a. Auszüge aus dem unveröffentlichten Manuskript, Dr. Alfred Fiedler:„ Meine Kindheit und Jugend“ Erinnerungen an Altstriesen, das am 13. Februar 1945 vernichtet wurde. • Zum Gedenken an den Volkskundler Dr. Alfred Fiedler Zeitungsartikel 1983 • 21. Aus der Vergangenheit für die Gegenwart erzählt, Union 1976, Dr. Alfred Fiedler • 22. Abschrift aus: Werte unserer Heimat, 1985, Striesen • 23. Zur Geschichte der Evang.-Luth. Versöhnungskirchgemeinde in Dresden- Striesen, Dr. Jürgen von Strauwitz, 1995 • 24. Striesen, Stadtteilgeschichte 1 – 5, Beilage, Stadtteilmagazin „mein Johannstadt, Blasewitz und Striesen, 1998 • 25. Striesen 1813, Arlt, wahrscheinlich aus Vaterländisches Lesebuch • 26. Lagerleben 1866, Dresdner Nachrichten, Dresden im Wandel der Zeiten • 27. H.Seidel, Sächsische Lebensbilder, herausgegeben von der Sächsischen Kommission für Geschichte, 1. Band, W. jess, Dresden • 28. Namen und Mundart im Raum von Dresden, Wolfgang Fleischer, Akademie- Verlag- Berlin • Sächsisch Siedlungen im Königreich Sachsen, Gustav Hey, Böhlau- Verlag 1981 Inhalt Ordner 2 • 29. Urkundenbuch der Städte Dresden und Pirna, Giesike & Defrient, Leipzig, 1875 auch Codex Diplomaticus S.R. Auszüge für Striesen • 29a. Registrum Dominorum Marchionum Missnensium Dr. Hans Beschoner, Leipzig 1933, Auszug für Striesen • 30. Das Dresdner Stadtbuch, Auszüge für Striesen, ab 1405 • 31. Otto Richter, Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Stadt Dresden, Auszüge für Striesen • 32. Specifikation der Dorfschaft Striesen, 1708, Staatsarchiv Dresden, mit Karte • 33. Die Pachorie der Erlöserkirche, Neue Sächsische Kirchengalerie • 34.Manuskript zu den Straßennahmen von Striesen, etwa 2000 vermutlich aus Stadtmuseum • 35. Namenbuch der Straßen und Plätze Dresdens, Adolf Hantzsch, 1905, Auszug für Striesen • 36. Adreß- Buch der Gemeinde Striesen. 1891. Verlag von E. Clausen • 37.Acta- Prämiengesuch auf ökonomische Verbesserung betr. Landes Direction Sect. VI. 1832/40 • 38. Erinnerung an die Erlöserkirche, Dr. R. Ander • 39. Ephorie Dresden 1, Handbuch der Kirchenstatistik, 1882


Landkarten

Jahr 2002 Satelitenbild Altstriesen 1983 Altstriesen 1939 II 1945 II 1910 II 1890 II 1883 II 1871 II 1868 II 1705 II 1680 Großer Garten 1936 Striesen Straßenbahn 1914 Bebauungsplan Striesen 1906 Striesen West Grenze 1906 Striesen Blasewitz Farbe 6 Blatt 1898 Striesen Bebauung 1899 Bebauungsplan mit Straßen 1892 Bebauungsplan Westteil 1875 Bebauung Neustriesen 1871 Bebauung Neustriesen 1868 Striesen Flur komplett

2002 Karte Heinrich 1945 II 1944 II 1913 II 1899 II 1874 II 1845 II 1780 II 1705 II

Übersichtskarten A4, Nienburg, Öder, Aster Meyers u.a.






[Bearbeiten] C. Verkehr

[Bearbeiten] D. Stadtteilleben

Die Bevölkerung ist heterogen zusammengesetzt. Die Geburtenrate bei Frauen zwischen 14 und 44 Jahren ist mehrfach höher als in anderen Dresdner Stadtteilen. In Striesen findet man Studenten-WGs genauso wie Renterhaushalte. Im Mietspiegel der Sächischen Zeitung gehört der Stadtteil laut Maklerverband sogar zu den wenigen Stadtteilen, die als Toplage gelten. Das mag vor allem daran liegen, dass die Objekte in exklusiveren Lagen in Striesen besonders oft umgeschlagen werden, das heißt, der Stadtteil ist wirtschaftlich und sozial mehr in Bewegung als man es ihm zunächst ansieht.

Es gibt eine erwähnenswerte Kneipenszene, allerdings ohne sonderliche überlokale Ausstrahlungskraft. Striesen wird im Rahmen eines Pilotprojektes über die GPON-Technologie mit Breitbandinternet versorgt, allerdings meist nur für Mehrfamilienhäuser. Daneben es gibt einige Alternativen wie z. B. die Dresdner Powerkom und WIMAX (maxxonair).

[Bearbeiten] E. Volksmund

"Wer sein Leben will genießen, nimmt sein Bett und zieht nach Striesen."

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