Johann Schneider

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Johann Schneider (* 28. Oktober 1789 in Neugersdorf; † 13. April 1864 in Dresden) war königlich-sächsischer Hoforganist an der Sophienkirche und Instruktor der evangelischen Kapellknaben.[1] Er galt als einer der besten Orgel-Virtuosen seiner Zeit [2] und war ein gesuchter Lehrer des Orgelspiels. Die Dresdner nannten ihn "Orgel-König".

[Bearbeiten] Leben und Wirken

Den ersten Musikunterricht erhielt Schneider im Alter von fünf Jahren von seinem Vater. Im Alter von zehn Jahren trat er in Rumburk bei einem Konzert als Posaunenbläser auf. Neben dem Orgelspiel lernte Schneider auch Klavier spielen, übte alle Orchesterinstrumente und war insbesondere ein talentierter Cellist. 1801 kam Schneider auf das Gymnasium in Zittau. Er sang als Sopran im Kirchenchor und trat mit Sopransoli in Konzerten in Görlitz und Löbau auf. Inzwischen mit einer Tenorstimme ausgestattet wirkte er als Präfekt des Chores. 1810 gab Schneider in Zittau ein Klavierkonzert. Im selben Jahr ging er nach Leipzig. Nach einem kurzen Studium der Rechte bei Haubold, Erhardt, Tilling, Weiß, Platner, Krug und Wieland widmete er sich ganz der Musik und interpretierte als Organist an der Paulinerkirche vorzugsweise Johann Sebastian Bach. Die Stelle hatte Schneider 1811 in der Nachfolge seines Bruders Friedrich erhalten. Im selben Jahr wurde er zudem als Gesanglehrer an der Ratsfreischule angestellt.

Sophienkirche, die Wirkungsstätte Schneiders in Dresden, vor dem Umbau, ca. 1850

1812 kehrte Schneider als Organist an der Hauptkirche St. Peter und Paul in Görlitz in die Oberlausitzer Heimat zurück, wo er für sein Improvisationsvermögen bekannt wurde. Er studierte zudem die Orgelbaukunde, lehrte Orgel, Klavier und Gesang und gründete einen Gesangverein. Ab 1816 gab Schneider Orgelkonzerte, die ihn nach Liegnitz, Zittau, Freiberg, Chemnitz, Gera, Altenburg, Leipzig, Weimar, Gotha, Luckau und Dessau führten. In Görlitz organisierte er Musikfeste. Bei einem Gastspiel in Dresden begeisterte er König Friedrich August derart, dass man ihm die Stelle als Hoforganist an der katholischen Hofkirche in der Nachfolge von Anton Dreyßig anbot, die er aber nicht annahm. Bei seinen weiteren Auftritten in Dresden überzeugte er Christoph Friedrich Ammon und anlässlich der Orgelprüfung der Sibermann’schen Orgel in der Hofkirche im Jahre 1825 Carl Maria von Weber, die ihn als Hoforganisten an die evangelische Sophienkirche empfahlen. Auch an anderen Orten wurde er wiederholt zu Rate gezogen, um Orgelprüfungen vorzunehmen. So spielte er 1825 auf der von ihm geprüften neuen Orgel in Bischofswerda.[3]

Am 12. Dezember 1825 trat Schneider die Nachfolge des evangelischen Hoforganisten Friedrich George Kirsten in Dresden an. Von 1827 bis 1830 konzertierte er abwechselnd in der Sophienkirche und der Kreuzkirche. 1833 ging er mit dem Kölner Männergesangverein nach London zu zwei Konzerten in Exeter-Hall, seit 1830 war er Direktor der Dreyßig’schen Singakademie. Schneider unterrichtete in Dresden über viele Jahre Orgelspiel. Als Lehrer war er so anerkannt, dass die Schüler von weit her zu ihm kamen. Theodor Berthold und Gustav Adolf Merkel gehörten zu seinen bekanntesten Dresdner Schülern. Felix Mendelssohn Bartholdy war mehrfach bei Schneider in Dresden und auch Robert Schumann nahm Stunden.[4]

Schneider war seit dem 2. November 1815 Freimaurer in der Görlitzer Loge "Zur gekrönten Schlange" und ab dem 9. Februar 1827 in Dresden in der Loge Zum Goldenen Apfel, in der er auch als Musikdirektor wirkte.[5],[6] Schneider wohnte Wilsdruffer Gasse 239[7] und später Palmstraße 48.[8]

König Johann verlieh Schneider am 4. März 1857 das Ehrenkreuz des Verdienstordens. Zu seinem 50-jährigen Organistenjubiläum am 21. August 1861 erhielt er das Ritterkreuz des Albrechtsordens und von der Universität Leipzig die Ehrendoktorwürde.[9] Mehrere Dresdner Vereine verliehen ihm eine Ehrenmitgliedschaft, so der Pädagogische Verein, der Tonkünstlerverein, die Liedertafel von Ernst Julius Otto und Orpheus. Die Organisten Dresdens und ehemalige Kapellknaben gründeten eine Johann Schneider-Stiftung, die elternlosen Lehrersöhnen Stipendien für eine Orgelausbildung gewährte. Schneider wurde nach seinem Tod auf dem Trinitatisfriedhof beigesetzt.

[Bearbeiten] Familie

Der Großvater Johann Christoph Schneider, ein armer Häusler und Zwillichweber, war durch sein Musiktalent weit über seinen Heimatort Waltersdorf hinaus bekannt. Dessen Sohn, Johann Schneiders Vater, Johann Gottlob Schneider (* 1.8.1753 in Waltersdorf; † 3.5.1840 in Neugersdorf)[10] musste lange Jahre am Webstuhl arbeiten. Trotzdem lernte er Klavier und Violine und wurde schließlich 1774 Organist, 1779 zusätzlich Unterschulmeister in Waltersdorf, 1787 Hauptlehrer und Organist in Alt- und Neugersdorf. Mit knapp 17 Jahren heiratete er seine Cousine Johanna Eleonore Schneider († 1781) und 1782 die Bleichnerin Anna Rosina Hänisch aus Johnsdorf.[11],[12],[13]

Auch Johann Schneiders Brüder wurden bekannte Musiker. Johann Christian Friedrich Schneider (* 3. Januar 1786 in Waltersdorf; † 23. November 1853 in Dessau) war 1810 Musikdirektor bei Joseph Seconda[14] und später herzoglich-anhaltischer Hofkapellmeister, Johann Gottlieb Schneider (* 12. Juli 1797 in Neugersdorf; † 4. August 1856 in Hirschberg) war Organist an der Kreuzkirche in Hirschberg.

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Königlich Sächsischer Hof-, Civil- und Militär-Staat: im Jahre 1828
  2. Allgemeine musikalische Zeitung, Band 2, Verlag F. Knuf, 1864
  3. Die Orgel der Christuskirche Bischofswerda
  4. Wm. A. Little Prof. Emeritus of German and Music University of Virginia, Mendelssohn and the Organ, Oxford University Press, USA, 2010
  5. C. Lenning (pseud. von Friedrich Mossdorf), Hermann Theodor Schletter, Moritz Alexander Zille, Verein Deutscher Freimaurer: Allgemeines Handbuch der Freimaurerei: Bd. Quaderstein-Zytomierz. Nachträge und Berichtigungen, F.A. Brockhaus, 1867
  6. Eintrag im Freimaurer-Wiki
  7. Dresdner Adress-Kalender 1831
  8. Adressbuch der Stadt Dresden, 1862
  9. Johann Schneider's goldnes Amtsjubiläum]
  10. Rudolf Vierhaus, Band 9 von Deutsche biographische Enzyklopädie, Walter de Gruyter, 2008
  11. Neues Universal-Lexikon der Tonkunst: Für Künstler, Kunstfreunde und alle Gebildeten, Band 3, Schäfer, 1861
  12. Artikel „Schneider, Friedrich“ von Hans Michael Schletterer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 32 (1891), S. 110–119
  13. Rheinische Musik-Zeitung für Kunstfreunde und Künstler, Band 5, Schloss 1854
  14. Band 2 von Conversations-Lexicon: In zwei Bänden. S- Z, nebst Nachträgen, Brockhaus, 1826

[Bearbeiten] Weblinks

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