Friedrich August III.

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Verzweigung.png Dieser Artikel behandelt König Friedrich August III. Zum Thema Kurfürst Friedrich August III. siehe den Artikel Friedrich August der Gerechte.
König Friedrich August III. von Sachsen
Unterschrift von Friedrich August III. auf dem Wappenbrief des Geheimen Kommerzienrates Theodor Bienert

Friedrich August (* 25. Mai 1865 in Dresden; † 18. Februar 1932 in Sibyllenort/Schlesien, heute Polen) war ab 1904 bis zu seiner Abdankung am 13. November 1918 auf Schloß Guteborn bei Ruhland der letzte König des Königreiches Sachsen und trug während seiner Regierungszeit den Namen Friedrich August III..

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Kindheit, Schule und Studium

Friedrich August wurde am Himmelfahrtstag 1865 gegen 21:30 Uhr als viertes Kind und erster Sohn von König Georg von Sachsen (1832-1904) und der Maria Anna von Portugal (1843-1884) geboren. Schon frühzeitig erkannte man in ihm, aufgrund der wenigen männlichen Nachkommen im Hause der Wettiner, einen möglichen Thronfolger, was seine Erziehung und Laufbahn beeinflusste. So war er bereits als Kind auf der Tribüne, als am 11. Juli 1871 am Neumarkt die Siegesparade mit dem Truppeneinzug seines Vaters Georg nach dem Deutsch-Französischen Krieg stattfand.

Bis zum 9. Lebensjahr erhielt Friedrich August Elementarunterricht. Danach besuchte er das Königliche Gymnasium in Dresden-Neustadt. Nach der neunjährigen gymnasialen Oberstufe erhielt er Ostern 1883 sein Abiturientenexamen. Ab Mai 1884 war er an der Universität Straßburg eingeschrieben, wo er zwei Semester Rechts- und Staatswissenschaften sowie Geschichte studierte. Dieses Studium setzte er Ostern 1895 als erster Student aus dem sächsischen Königshaus an der Universität Leipzig fort, wo er ebenfalls zwei Semester blieb. Den praktischen Teil seines Studiums absolvierte er bei der Amtshauptmannschaft und Kreishauptmannschaft Dresden.

Zeit seines Lebens war Friedrich August jedoch von ganzem Herzen Soldat und war geprägt von seiner militärischen Laufbahn.

[Bearbeiten] Militärischer Werdegang

Prinz Friedrich August
König Friedrich August III.

Friedrich August trat mit 12 Jahren, nach dem Brauch des sächsischen Königshauses, 1877 als Leutnant im 1. Leib-Grenadier-Regiment Nr. 100 in die sächsische Armee ein. Unter diesem Dienstgrad nahm er am 19. Juni 1878 zur Feier der Silbernen Hochzeit des Königspaares Albert und Carola auf dem Alaunplatz erstmals öffentlich an der Parade teil. Am 15. September 1882 war er auch bei der Kaiserparade in Riesa sowie bei den zuvor statt gefundenen Kaisermanöver dabei. Am Ende dieser Parade erhielt der junge Prinz aus den Händen des deutschen Kaisers Wilhelm I. (1797-1888) den Schwarzen Adlerorden.

Am 20. Juli 1883 leistete Prinz Friedrich August nach seiner Volljährigkeit auf dem Kasernenhof der Albertstadt den Fahneneid. Dabei war es das erste Mal, dass ein sächsischer Prinz neben der Treue zu seinem eigenen König nun auch nach Artikel VI der preußisch-sächsischen Militärkonvention sowie durch § 64 der Reichsverfassung Gehorsam gegenüber dem deutschen Kaiser schwor.

Am 19. September 1883 wurde er zum Premierleutnant befördert und diente ab Herbst 1886 im Husaren-Regiment Nr. 18 in Großenhain. Am 16. September 1887 erfolgte die Beförderung zum Hauptmann bei der 7. Kompanie des Leibregiments in Dresden.

Ab Sommer 1888 war er Batteriechef des 1. Feldartillerie-Regiments Nr. 12 in Dresden und präsentierte am 17. Juni 1889 seine Einheit bei der Königsparade zu Ehren des 60. Geburtstages des Königs Albert. Wenige Wochen später, am 23. Juli 1889 übernahm er dann die Führung des 1. Bataillons des Leibgrenadier-Regiments und wurde zum Major befördert. Als solcher nahm er am 6. September 1889 an der Parade in Naumburg zum Kaisermanöver als Bataillonschef teil.

Danach wurde er innerhalb weniger Jahre zum General ernannt. 1891 noch Oberstleutnant, 1892 bereits Oberst, wurde er 1894 Generalmajor und Inspektor der Unteroffiziersschule in Marienberg sowie der Soldatenkinder-Erziehungsanstalt in Struppen.

1898 wurde Friedrich August Generalleutnant und Kommandeur des XII. Sächsischen Armeekorps. Diesen Posten gab er mit der Thronbesteigung 1904 auf.

1912 wurde er noch mit dem höchsten militärischen Dienstgrad im Deutschen Reich in den Rang eines Generalfeldmarschalls erhoben, übernahm aber bei Kriegsausbruch 1914 als einziger der vier deutschen Könige nicht den Oberbefehl über die seine eigene, die sächsische Armee, sondern übertrug diesen an seinen Kriegsminister Freiherr Max von Hausen (1846-1922).

Außerdem wurde er als erster sächsischer Wettiner vom Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) à la suite des Seebataillons gestellt und war somit auch der erste Marinesoldat im sächsischen Königshaus.

[Bearbeiten] Reisen ins Ausland

Friedrich August unternahm als junger Mann zusammen mit seinem Adjutanten Hauptmann Freiherr von Wagner längere mehrwöchige Studienreisen.

[Bearbeiten] 1. Reise

Die erste Auslandsreise des jungen Prinzen begann am 2. Juni 1886 und führte ihn über Wien, Salzburg, Pressburg (heute Bratislava/Slowakische Republik), Ofen-Pest (heute Budapest/Ungarische Republik), Belgrad (heute Serbien) weiter in die Karpaten und in die Hohe Tatra, wo er sein Interesse für Bergwanderungen und - besteigungen entdeckte.

Über Breslau (heute Wrocław/ Polen) und Berlin ging es nach Hamburg, wo eine Überfahrt nach England anstand. Am 8. Juli 1886 traf er auf der Insel ein. Er blieb bis zum 2. August in London und bereiste bis zum 18. August desgleichen Jahres das schottisches Hochland. In Edinburgh ging es zurück nach Deutschland, wo er noch Wilhelmshaven, Kiel und Schleswig besuchte.

[Bearbeiten] 2. Reise

Die zweite Reise dauerte über sieben Monate, begann am 16. Oktober 1889 und führte ihn zwei Mal bis nach Afrika. Zunächst ging es wieder über Wien, von da an weiter über Venedig, Mailand, Monza, wo er das dortige Königspaar besuchte, nach Genua. Sein Begleiter auf dieser Reise war der spätere Bischof von Straßburg, Dr. Adolf Fritzen (1838-1919), der von 1874 bis 1877 als sein Hofkaplan und Lehrer in Dresden gewirkt hatte. Mit dem Schiff setzte er nach Barcelona in Spanien über, reiste weiter bis nach Madrid und blieb dort 10 Tage bis zum 30. November, wo er auch von der Königin-Regentin empfangen wurde. Über Valencia, Córdoba, Granada, Sevilla und Cadiz, ging es nun bis nach Afrika, wo er am 3. Dezember 1889 in der deutschen Kolonie in Tanger in Marokko eintraf.

Zurück nach Europa führte ihn sein Weg über Gibraltar, Sizilien und Messina, von wo aus er die Überfahrt nach Alexandria antrat. Er besuchte Kairo und die Pyramiden von Gizeh, bestieg die Cheops-Pyramide und unternahm eine Nilfahrt bis Assuan. Nach dem zehntägigen Aufenthalt in Ägypten ging es weiter per Schiff nach Beirut (heute Libanon), von da an weiter zu Pferd nach Damaskus (Syrien). Das eigentliche Ziel sollte Jerusalem zu den Osterprozessionen sein, wo er am 2. April, vier Tage vor dem Osterfest eintraf. Danach besuchte er noch Bethlehem und Jericho und trat wenige Tage später von der Küste die Heimreise an. Am 2. Mai machte er noch in Konstantinopel einen zweiwöchigen Halt, wo ihm vom Sultan ein prunkvoller Empfang bereitet wurde. Am 22. Mai 1890 traf er über Bukarest (Rumänien) und Wien wieder in Dresden ein.

[Bearbeiten] Weitere Reisen

Weitere Reisen folgten 1894 zu der am 19. November statt gefundenen Beisetzung von Zar Alexander III. (1845-1894) von Russland nach St. Petersburg und im Sommer 1897 zum 60-jährigen Thronjubiläum von Königin Victoria von England (1819-1901). Im März 1903 reiste er - Entspannung nach den schicksalhaften Tagen seit Weihnachten 1902 suchend (siehe nächster Abschnitt) - nochmals nach Sizilien.

[Bearbeiten] Hochzeit, Kinder, Eheskandal und Auflösung der Ehe

König Friedrich August von Sachsen im Kreise seiner Kinder

Am 23. November 1891 wurde Prinzessin Luise von Toskana (1870-1947)aus dem Hause Habsburg, der Ehefrau von Friedrich August in Dresden ein prachtvoller Empfang bereitet. Beide hatten sich vier Jahre zuvor, 1887 in Dresden auf dem Schloss Pillnitz kennen gelernt. Das Eheglück des angehenden Thronfolgerpaares schien anfangs perfekt. Luise gebar in ziemlich rascher Folge sechs Kinder, wovon das vierte kurz nach der Geburt verstarb:

Doch spätestens seitdem mit König Georg ihr Schwiegervater die Macht im Königreich Sachsen übernahm, wurde das Hofleben für Luise mehr und mehr unerträglich. Zudem hatte es bereits vorher Spannungen vor allem auch mit Mathilde von Sachsen (1863-1933), der zweitältesten Tochter von König Georg gegeben.

Nachdem das Thronfolgerpaar Friedrich August und Luisa noch am 4. Dezember 1902 an der im Dresdner Schloss stattfindenden Familientafel teilnahm, reiste die Kronprinzessin - im 5. Monat schwanger - am 9. Dezember vormittags 11:05 Uhr mit dem Zug ab dem Hauptbahnhof nach Salzburg zum Besuch der Eltern, wie es im Hofbericht zunächst verlautete.

Am 17. Dezember meldeten die Zeitungen eine angebliche Erkrankung der Kronprinzessin, die ihre Rückkehr nach Dresden für längere Zeit verhindern würde. Gleichzeitig erschienen bereits in ausländischen Zeitungen Gerüchte über die Trennung des Paares. Am 22. Dezember 1902 wurde dann auch in Dresden amtlich bekannt gegeben, das:

„Ihre Kaiserliche und Königliche Hoheit, die Frau Kronprinzessin in der Nacht vom 11./12. dieses Monats in einem anscheinend krankhaften Zustand seelischer Erregung Salzburg plötzlich verlassen und sich unter Abbruch aller Beziehungen zu höchstihren hiesigen Angehörigen ins Ausland begeben habe.“[1]

Sechs Tage später, am 28. Dezember wurde bekannt gegeben, dass die Kronprinzessin sich mit dem Französischlehrer ihrer Söhne, dem Brüsseler André Giron heimlich getroffen und das Land Richtung Schweiz verlassen habe.

Mit einer Verordnung vom 30. Dezember 1902 strebte König Georg sofort die Ungültigkeits- und Nichtigkeitserklärung der zwischen Friedrich August und Luise geschlossenen Ehe an. Das Urteil wurde am 11. Februar 1903 verkündet, wonach die Ehe nach §1575 des BGB wegen Ehebruchs der Frau Beklagten getrennt sei. Mit einer Verordnung vom 15. Juli 1903 durfte Luise, die bereits am 14. Januar aus dem königlichen Hause ausgeschlossen wurde, den Titel einer Gräfin Montignoso führen. Kronprinz Friedrich August gewährte ihr noch als König eine jährliche Apanage von 30.000 Mark und erkannte auch das siebte Kind:

als das seine an. Prinzessin Anna wurde im Oktober 1907 von ihrer Mutter, die sich nunmehr Gräfin Tosseli nannte, an das sächsische Königshaus ausgeliefert, da Friedrich August auch die Fortzahlung der Apanage davon abhängig machte.

Eine neue Hochzeit von Friedrich August war aufgrund der katholischen Ehe nicht möglich. Die Regeln sahen nur eine Aufhebung der Ehe vor, nicht aber eine Scheidung im heutigen Sinne. Die Ungültigkeits- und Nichtigkeitserklärung vom 11. Februar 1903 hatte streng genommen für die Kinder die Konsequenz der Illegitimität, die allerdings in der Praxis keine Anwendung fand. Alle sechs überlebende Kinder von Friedrich August wuchsen wohlbehütet bei ihm auf.

[Bearbeiten] Weiteres Leben nach 1904

König Friedrich August III. als eingearbeitete Plakette in einer Postkarte

Im Sterbebett liegend übertrug König Georg am 14. Oktober 1904 die Stellvertretung der Regentschaft an Friedrich August, der das Amt nach dem Tod seines Vaters übernahm.

Friedrich August gilt bei den Geschichtsschreibern sowohl als Familienmensch als auch als ein typischer beliebter Landesvater, der stets das Wohl Sachsens im Blick hatte und vielfältig interessiert war. Er war ein Kunstmensch und liebte die Jagd, er förderte die Wirtschaft und galt vor allem deshalb als volkstümlich, weil er nie ein Hehl daraus machte, nicht nur im Gespräch mit dem Volk, sondern auch im Umgang mit den anderen Königshäusern in Deutschland, Sächsisch zu sprechen. Fakt ist, dass seine Abdankung am 13. November 1918 nicht an seiner Person selbst, sondern den historischen Umständen der Novemberrevolution geschuldet war. Er schaffte es in seiner Amtszeit von 14 Jahren, in Sachsen nach seinem unpopulären Vater Georg wieder das Vertrauen in der Bevölkerung zu ihrem König zurück zu gewinnen.

Allerdings ist der ihm nachgesagte historische Satz "Na da machd doch Eiern Drägg alleene." (Na, dann macht doch Euren Dreck alleine!) bei der Abdankung 1918 historisch nicht belegt, auch wenn es dieser Ausspruch mittlerweile in die Liste geflügelter Worte geschafft hat. Auch seine zweite Aussage "Ihr seid mer ja scheene Demogradn!" (Ihr seid mir ja schöne Demokraten!) bei einer Ankunft im Neustädter Bahnhof zu einem Besuch in Dresden und Moritzburg in den 1920er Jahren, als eine jubelnde Menschenmenge ihn empfing, ist ebenso wenig historisch nachweisbar.

Nach 1918 zog sich Friedrich August auf Schloss Sybillenort in Schlesien zurück, das seit 1884 im Besitz des sächsischen Königshauses war. Der neue Freistaat Sachsen fand mit dem Exmonarchen eine gütliche Einigung: Schloß Moritzburg konnte das Haus Wettin behalten. Weiterhin zahlte Sachsen eine Abfindung an das Königshaus. Einerseits zurückgezogen auf seine Landsitze verlebte der ehemalige König seine letzten Lebensjahre. Andererseits unternahm er auch wieder ausgiebige Reisen, so zum Beispiel auf die Kanarische Inseln, nach Brasilien und Ceylon (heute Sri Lanka). Am Morgen des 18. Februar 1932 fand man Friedrich August mit Lähmungserscheinungen bewusstlos im Bett. Er starb noch am selben Abend an dem Gehirnschlag ohne nochmals das Bewusstsein zu erlangen. Sein Leichnam wurde danach nach Dresden überführt.

Friedrich August wurde am 23. Februar in der Katholischen Hofkirche mit einem riesigen und nicht geplanten Volksansturm beigesetzt. Über 500.000 Menschen, aus allen Teilen Sachsens angereist, gaben dem letzten sächsischen König das Trauergeleit. Beigesetzt wurde der Soldat am Volk, als den er sich stets sah, auch mit militärischen Ehren. Die Ehrenformation wurde dabei von zwei späteren prominenten Opfern des Hitlerattentats vom 20. Juli 1944 angeführt: Generalmajor Ludwig Beck (1880-1944) und Oberstleutnant Friedrich Olbricht (1888-1944).[2]

Friedrich August III. war Ehrenbürger von Dresden. Der Titel wurde ihm bereits am 11. Mai 1897 verliehen, als er noch Prinz und Thronfolger war.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Konrad Sturmhoefel: Illustrierte Geschichte des Albertinischen Sachsen, 2. Abt. Von 1815 bis 1904. Hübel und Denck, Leipzig 1908, S.790
  2. Frank-Lothar Kroll: Die Herrscher Sachsens, Markgrafen, Kurfürsten, Könige 1089–1918, C.H. Beck-Verlag, 2004, ISBN 3-406-52206-8, S. 318

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Weblinks

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