Theodor Bienert

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Wappen der Familie Theodor Bienert

Ernst Theodor Bienert (* 18. September 1857 in Plauen bei Dresden; † 20. August 1935 in Dresden), war ein Dresdner Großindustrieller, Fabrikbesitzer der Bienert- und Hafenmühle, Ehrensenator der Technischen Hochschule Dresden sowie Königlich Sächsischer Geheimer Kommerzienrat.[1] Wie bereits sein Vater setzte sich auch Theodor Bienert für die Förderung des Dresdner Vorortes Plauen sowie nach dessen Eingemeindung im Jahr 1903 für die Entwicklung Dresdens ein.

[Bearbeiten] Familie

Die ehemalige Bienert-Villa
Wappenbrief des Geheimen Kommerzienrates Theodor Bienert
Die Hofmühle in Plauen, die spätere Bienertmühle
Antrieb per Transmissionsriemen in der Bienertmühle in Plauen

Theodor Bienert entstammte aus einer traditionsreichen Müllerfamilie Bienert, die bis in das 14. Jahrhundert zurück verfolgbar ist. Theodors Vorfahr, Georg Bienert war 1510 Müller in Leppersdorf bei Radeberg. Theodor wurde am 18. September 1857 im damaligen Dresdner Vorort Plauen als sechstes Kind und ältester Sohn des Bäckers und Müllers Gottlieb Traugott Bienert (* 21. Juli 1813 in Eschdorf; † 22. Oktober 1894 in Dresden) und dessen Ehefrau Christiane Wilhelmine Leitholdt (18191904), Tochter des Rittergutsbesitzers und Landrichters zu Schullwitz sowie späterem Landtagsabgeordnetem Johann Gottlob Leitholdt († 1859)[2] geboren.

Theodor Bienert heiratete 1887 [3] Bertha Suckert (* 14. November 1868 in Langenbielau/ Schlesien, heute Bielawa; † 17. März 1945 in Dresden), Tochter des Fabrikbesitzers Suckert aus Oberlangenbielau in Schlesien. Das Paar hatte fünf Kinder, darunter drei Söhne, wovon zwei im Ersten Weltkrieg gefallen sind:

Die Familie wohnte in Altplauen 21 in der Villa in der Bienertmühle in Plauen.[6]

[Bearbeiten] Leben und Wirken

Nach dem Besuch der Volksschule, der darauf folgenden Realschule und der abschließenden Handelsschule begann Theodor Bienert eine kurze Tätigkeit in der 1855 gegründeten „Sächsischen Gußstahlfabrik“ in Döhlen, einem heutigen Stadtteil von Freital. Danach begann er seine praktische Lehre im väterlichen Mühlenbetrieb. Schon frühzeitig wurden durch seinen Vater Traugott Bienert Theodors Interesse an der Müllerei und Bäckerei geweckt.

1882, im Alter von 25 Jahren wurde Theodor Bienert zusammen mit seinem jüngeren Bruder Erwin (18591930) als Teilhaber in das väterliche Geschäft der 1872 in Familienbesitz übergegangenen Hofmühle in Plauen, der sogenannten Bienertmühle als Teilhaber aufgenommen und ins Handelsregister eingetragen. Danach zog sich sein Vater zu einem großen Teil aus der operativen Führung des Mühlenbetriebes zurück und zog sogar wieder in sein Haus in der Dresdner Neustadt. Bereits zu dieser Zeit setzte Theodor Bienert auch das soziale Engagement seines Vaters fort. Noch im Jahr seines Eintritts als Teilhaber stellte er Lehrmittel für die Plauener Volksschule zur Verfügung. Bereits zwei Jahre später, 1884, konnte mit 130 Schülern das neue Schulgebäude der Höheren Volksschule auf der Räcknitzer Straße (heute: Nöthnitzer Straße) bezogen werden. Dazu schenkte Theodor kostenfrei den Grund und Boden aus seinem Besitz, weiterhin stellten die Bienertschen Stiftungen, wie schon zwei Jahre zuvor, die Lehrmittel zur Verfügung. [7]

Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1894 übernahm Theodor zusammen mit seinem Bruder vollends den Mühlenbetrieb und baute ihn im Sinne ihres Vaters noch weiter aus. 1898 erwarben sie die Königsmühle im Plauenschen Grund. 1911 begannen die Planungen zum Bau einer neuen Mühle, die verkehrsgünstig am Dresdner Alberthafen liegen sollte. Von 1912 bis 1914 ließen die beiden Bienertbrüder die sogenannte Hafenmühle vom Dresdner Architekturbüro Lossow & Kühne am Friedrichstädter Elbhafen errichten, die bereits zum Teil 1913 in Betrieb ging. Die Mühle in der Bremer Straße Nr. 6 [8], die modernste ihrer Art in Europa, bestand aus einer Eisenbetonkonstruktion mit einem markanten Siloturm mit einer Höhe von 63 Metern. Das imposante Bauwerk wurde damit zu einem Bestandteil der Kulisse von Dresden.

Nach der Inbetriebnahme des zweiten großen Bienertschen Mühlenbetriebes planten die Bienertbrüder, den innerbetrieblichen Transport zwischen beiden Standorten in Plauen und Friedrichstadt verkehrs- und kostengünstig mit der Dresdner Straßenbahn durchzuführen. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges und die anschließende Weltwirtschaftskrise Anfang der zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts führten jedoch zweimal zu einer Verschiebung des Bauvorhabens. Erst 1926 entstanden in den Werkstätten der Dresdner Straßenbahngesellschaft ein Gütertriebwagen und drei Beiwagen für den Transport von Mehl per Straßenbahn. Zu dieser Zeit entstanden auch die Gleisanschlüsse in der Bienertmühle in Plauen, wovon es im oberen Betriebsteil mit der Brotfabrik (oberhalb der Bahnlinie nach Tharandt) einen sowie im unteren älteren Betriebsteil einen weiteren Anschluss gab. Noch bis 1965 erfolgte mit diesen Wagen der Transport bei den Dresdner Verkehrsbetrieben.[9]

Am 25. Mai 1912 wurde dem Geheimen Kommerzienrat Theodor Bienert vom sächsischen König Friedrich August III. (18651932) das Recht zuerkannt, dass er, seine Ehefrau und seine Nachkommen berechtigte, fortan das entworfene Familienwappen offiziell zu führen. Unterschrieben wurde die Urkunde vom sächsischen Minister des Innern Christoph Graf Vitzthum von Eckstädt (18631944) sowie vom damaligen Geheimrat im Innenministerium Friedrich Krug von Nidda (18601934).

Im Juni 1914 teilte der Dresdner Oberbürgermeister Gustav Otto Beutler (18531926) Bienert mit, dass er das Ziel habe, aus der Technischen Hochschule eine moderne Universität zu entwickeln. Theodor Bienert schenkte zur Unterstützung dieses Vorhabens 1922 ein Grundstück an der Mommsenstraße für den Bau eines Studentenhauses.[10] Der Bau begann ein Jahr später, 1923. Die feierliche Einweihung fand am 15. November 1925 statt.[11] Bienert wurde anschließend für seine Verdienste bei der Unterstützung der Technischen Hochschule zum Ehrensenator ernannt.

Theodor Bienert hatte neben der Leitung der beiden Mühlen auch mehrere gesellschaftliche Funktionen inne. Als Vorstandsmitglied der Müllerei-Berufsgenossenschaft, der er über 25 Jahre angehörte, gab er wesentliche Impulse zur Entwicklung des Industriezweiges in Dresden und Umgebung. Sein Rat als Fachmann galt auch als wertvoll und geschätzt im Sächsischen Ministerium. Noch im Alter von 75 Jahren, zu dieser Zeit bereits als Geheimrat, leitete Bienert aktiv das Familienunternehmen. Bienert war Vorsitzender der Weißeritz-Gesellschaft und förderte als solcher den Bau der Talsperre Klingenberg, die als Hochwasserschutz und zur Trinkwasserversorgung von 1908 bis 1914 entstand. Von 1910 bis 1911 ließ Bienert den sogenannten „Neuen Bienertpark“ an der Paschky- und Dölzschener Straße am Eingang zum Plauenschen Grund nach Plänen von Max Bertram auf dem Gelände des ehemaligen Ratssteinbruches errichten.[12] Bienert war außerdem ein Initiator und Förderer der Anbindung von Plauen an das Netz der Dresdner Straßenbahn.

Theodor Bienert galt auch als begeisterter Liebhaber von Kunst und Kultur. Er war zusammen mit seiner Frau Bertha Mitglied des Hauptmann-Kreises in Schreiberhau. Zusammen mit seinem Bruder Erwin stiftete er Geld für den Fichtepark sowie für den Müllerbrunnen in Plauen. Bienert legte eine umfangreiche Sammlung von historischen Darstellungen von sächsischen Landschaften und Gebäuden an. Bereits seit den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts bis in die 1920er Jahre sammelte Bienert Zeichnungen, Aquarelle, Kupferstiche, Radierungen, Lithographien sowie Reproduktionen, Fotografien, Postkarten und Stadtpläne. Zuerst nur beschränkt auf Plauen und Umgebung, dehnte Bienert seine Sammlung dann auf Ansichtengesamten sächsischen Raum sowie Nordböhmen aus. Seine Topografie der sächsischen Kulturlandschaft wird heute im Landesamt für Denkmalpflege aufbewahrt.[13]

Bienert engagierte sich auch im Vereinsleben. So besuchte am 24. Mai 1906 der Mühlengesangsverein der Gemeinde Plauen bei Dresden Bienerts auf seiner Vereinsfahrt das Rittergut in Glaubitz im Landkreis Meißen, dass Bienert nach 1896 erwarb.[14][15][16] Über das Rittergut veröffentlichte er 1912 auch zusammen mit sächsischen Geschichtsforschern, unter anderem mit Max Eckardt ein Buch:

Eckardt veröffentlichte 1915 im "Deutschen Rolandbuch für Geschlechterkunde" eine Abhandlung zur Genealogie der Müllerfamilie Bienert inklusive einer Stammtafel.[17]

Theodor Bienert starb am 20. August 1935. Sein Grabstein befindet sich zusammen mit seiner Frau und den beiden Söhnen auf dem Inneren Plauenschen Friedhof. Nach ihm übernahm sein Neffe Friedrich Bienert den Familienbetrieb mit der Bienertmühle in Plauen und der Hafenmühle in Friedrichstadt.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Hugo Ball, Briefe 1904-1927, Band 3, Onlinefassung auf Google Books, S. 44
  2. In vielen Publikationen wird der Name seiner Frau und des Schwiegervaters mit Leuthold(t) angegeben. Die hier verwendete Namensform orientiert sich an dem in der Datenbank des Sächsischen Landtags verwendeten Familiennamens von Johann Gottlob Leitholdt
  3. Gruppenbild des gesamten Personals der Bienertmühle in Plauen (Dresden) anlässlich der Hochzeit von Theodor Bienert in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
  4. Gefallenendenkmal in Glaubitz, Landkreis Meißen, Sachsen
  5. Gefallenendenkmal in Glaubitz, Landkreis Meißen, Sachsen
  6. Adreßbuch der Landeshauptstadt Dresden 1941, Seite 57 auf adressbuecher.genealogy.net
  7. Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Plauen (Dresden)”, s. Abschnitt „Schulen ab dem ersten sächsischen Schulgesetz 1835“
  8. Adreßbuch der Landeshauptstadt Dresden 1941, Seite 57 war auf genealogy.net
  9. Diskussion zum Gleisanschluss in der ehemaligen Hofmühle im Forum Drehscheibe Online
  10. 175 Jahre TU Dresden: Geschichte der TU Dresden 1828-2003, T. Hänseroth & D. Petschel, Onlinefassung auf Google Books, S. 106
  11. 175 Jahre TU Dresden: Geschichte der TU Dresden 1828-2003, T. Hänseroth & D. Petschel, Onlinefassung auf Google Books, S. 154
  12. Bienertpark in Plauen, Meldung vom 24. Februar 2010 im Dresden Fernsehen
  13. Inventarisierung der Theodor-Bienert-Sammlung in der Mitteilung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden vom 17. November 2011
  14. Gruppenbild des Mühlengesangsvereins Plauen bei Dresden auf Sängerfahrt in Glaubitz, Sammlung Theodor Bienert in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
  15. Schloss Glaubitz in www.sachsens-schloesser.de
  16. Schloss Glaubitz im Schlossarchiv
  17. Deutsches Rolandbuch für Geschlechterkunde, herausgegeben vom Rolandverein zur Förderung der Stamm-, Wappen- und Siegelkunde, 1. Band, Dresden 1918, S. 244ff.

[Bearbeiten] Quellen

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