George Bähr

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Die Frauenkirche von George Bähr

Der Architekt und Ratszimmermeister George Bähr (* 15. März 1666 in Fürstenwalde bei Altenberg/Erzgebirge; † 16. März 1738 in Dresden) hat sich mit dem Bau der im Barockstil kühn konstruierten und malerisch wirkenden Dresdner Frauenkirche einen Namen gemacht.[1]

[Bearbeiten] Familie

George Bähr war der Sohn des Fürstenwalder Zimmermanns Andreas Bähr und dessen Ehefrau Susanna geb. Löwe. Nach neueren Forschungen war Bähr viermal, statt wie früher angenommen dreimal verheiratet. 1692 schloss er in Fürstenwalde seine erste Ehe mit Anna Sabina geb. Wentzel († April 1698 in Dresden)[2][3]. Aus dieser Ehe ging eine Tochter hervor, die noch im Kindesalter starb:

Am 16. Oktober 1699 heiratete Bähr in der Dreikönigskirche Maria Magdalena geb. Jentzsch (~ 23. April 1658 in Dresden, Dreikönigskirche; † 1703/04), Tochter des Schiffshandelsmannes Johann Jentzsch († vor 1699)[5] Aus dieser Ehe ging ein Sohn hervor, der allerdings früh starb:

Nach dem Tod seiner zweiten Ehefrau heiratete Bähr Maria Magdalena geb. Schober (* 1657; † April 1729 in Dresden)[7] Diese Ehe blieb kinderlos.

Alle Nachkommen von George Bähr entstammen aus der letzten, 1730 geschlossenen Ehe mit Johanna Juliane geb. Wahl(e) (* 1698; † 8. April 1776 in Dresden), mit der er bereits vor der Ehe, noch zu Lebzeiten seiner dritten Ehefrau eine uneheliche Tochter hatte. Bähr war zu diesem Zeitpunkt bereits über 63 Jahre alt. Insgesamt hatte er mit seiner vierten Ehefrau sechs Kinder:

[Bearbeiten] Leben und Wirken

George Bähr wurde in der Kirche zu Fürstenwalde bei Altenberg im Erzgebirge getauft. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Seine Schulausbildung und seine Zimmermannslehre absolvierte Bähr im erzgebirgischen Lauenstein. 1693 ging Bähr nach Dresden, wo er als Zimmermann seinen Unterhalt verdiente.

1705 wurde Bähr zum Ratszimmermeister berufen. Bis 1708 errichtete er in Loschwitz seine erste und heute nach ihm benannte Kirche. 1710 erbaute er die Waisenhauskirche. Auch das British Hotel (bis 1717) soll von ihm stammen. 1722 erhielt er den Auftrag zum Bau der Frauenkirche, deren Fertigstellung er nicht mehr erlebte. Im Zusammenhang mit der Erweiterung des Eliasfriedhofs im Jahre 1724 entstanden nach seinem Konzept die heute noch teilweise erhaltenen Grufthäuser mit schmiedeeisernen Gittern, im selben Jahr begann der Bau von Schloss und Schlosskirche Seußlitz.[8] Ab 1732 beaufsichtigte Bähr zudem den Bau der Dreikönigskirche. In dem von ihm selbst gebauten Haus in der Seegasse, Ecke An der Mauer, wohnte er bis zu seinem Lebensende.[9] Bähr wurde am 20. März 1738 auf dem Johanniskirchhof beigesetzt, später jedoch in die Frauenkirche umgebettet.

Die George-Bähr-Straße trägt heute seinen Namen. Das George-Bähr-Forum und die George-Bähr-Stiftung in Dresden vergeben alle drei Jahre an junge Architekten und Ingenieure den George-Bähr-Preis für herausragende Beiträge zur Planung und Ausführung bedeutender Bauwerke.[10]

[Bearbeiten] Todesumstände und Selbstmordlegende

George Bähr starb laut Eintrag in den erhalten gebliebenen Kirchennachrichten der Kreuzkirche an den Rat zu Dresden, verfasst am 20. März 1738, „in der Seegasse in eigen Hause“ und natürlich durch „Steckfluß und Verzehrung“. Sein angeblicher Tod vom Gerüst der damals noch nicht vollendeten Frauenkirche tauchte als Gerücht erst etwa einhundert Jahre nach seinem Tod auf und ist auch durch die damaligen Nachrichten in den „Dresdnischen Merckwürdigkeiten“ vom 16. März 1738 nicht erwähnt. In der Absicht seine Gebeine am 14. Juli 1854 auf dem Johanniskirchhof wieder auszuheben, um die sterblichen Überreste in die Katakomben der Frauenkirche zu überführen, wurde sein angebliches Grab geöffnet. Georges Nachkomme, der Maler Professor Johann Karl Ulrich Bähr (18011869), Sohn des Rigaer Kaufmanns Johann Ulrich Bähr erhielt einen dazu verfassten Ausgrabungsbericht. In diesem Bericht wird erwähnt, dass „das Gerippe von dem Schädel über der rechten Augenhöhlung einen 4 Centimeter breiten Bruch zeigte und auch 3 Rippen gebrochen waren“. Das nährte die Legende vom Sturz George Bährs. Aber es waren erhebliche Zweifel angebracht, ob die sterblichen Überreste überhaupt ihm gehörten. Diese Zweifel konnten durch die Wochenauszüge aus den Kirchenbüchern, die oben erwähnten Kirchennachrichten, bestätigt werden.

Tatsächlich stürzte sich am 29. August 1730 früh gegen 7 Uhr der in Altendresden wohnende Baron Melchior Ernst von Kröcher 40 Ellen hoch vom Gerüst der Frauenkirche und blieb seinerzeit am Boden zerschmettert liegen. Dies war wohl die Grundlage des Selbstmordgerüchtes von George Bähr, nachdem man später um die Schwierigkeiten des Baus, vor allem bei der Finanzierung der Frauenkirche erfuhr.[11][12]

Plan des alten Freuenkirchhofes mit dem Grundriss der neuen Frauenkirche
historischer Wiederaufbau der Frauenkirche

[Bearbeiten] Die Frauenkirche

Bährs bedeutenstes Bauwerk entstand nach Rissen und Plänen, denen der Plan der Peterskirche in Rom zu Grunde lag. Die Frauenkirche sollte möglichst viele Leute fassen, man sollte den Prediger von allen Seiten hören und sehen können und es wurden bequeme Zugänge und Treppen verlangt, damit die Besucher bei Gefahr rasch die Kirche verlassen könnten. Daraus ergab sich zwingend das Konzept eines Zentralbaus mit Emporen. Am 26. August 1726 wurde feierlich der Grundstein gelegt. Bähr begeisterte sich und den Stadtrat für die Idee, der Kirche mit einer Kuppel einen monumentalen Abschluss zu geben, denn es "wolle sich für den Rat, da Ihre Majestät an prächtigen Gebäuden eine so große Lust bezeugete, nicht anders schicken, als Derselben einen Dero Residenz convenablen Riß vorzulegen". Obwohl die Kuppel zunächst in Holz mit Kupferbedeckung geplant war, muss Bähr schon während der Gründung des Baues einen anderen Plan verfolgt haben. Am 20. Oktober 1729 berichtete er dem versammelten Rate seine Absicht, die ganze Kuppel in Stein auszuführen, mit dem Hinweis, er habe den Unterbau von vornherein so fest hergestellt, dass er die steinerne Kuppel tragen könne. Der Rat machte ihm wegen dieser Eigenmächtigkeit keine Vorwurf, aber die finanziellen Mittel wurden knapp. Auch August der Starke, der den Bau unterstützte, konnte nicht verhindern, dass der Rat am 3. Januar 1733 beschloss, den weiteren Bau der Kuppel zunächst einzustellen und nur das Innere auszubauen. Erst August III. stellte genügend Mittel bereit, um die Kuppel im Sinne Bährs fertigzustellen.

Die Auftragsvergabe an Bähr machte diesen zur Zielscheibe vieler Eifersüchteleien, insbesondere von Johann Christoph Knöffel und Gaetano Chiaveri, die die Festigkeit der Kirchenkuppel anzweifelten und sogar dem Rat empfahlen, die fertige Kuppel wieder abzutragen. Nach Bährs Tod wurden verschiedene Änderungen an seinen Plänen vorgenommen. Spätestens seit dem Beschuss durch preußische Artillerie 1760 waren die Zweifel an der Kuppelkonstruktion widerlegt.

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Baumeister der Frauenkirche
  2. pdf-Download der George-Bähr Gesellschaft Dresden e.V.
  3. Beerdigt 13. April 1698, Innerer Neustädter Friedhof
  4. Beerdigt am 12. November 1693, Innerer Neustädter Friedhof (Quelle: Totenbuch der Dreikönigskirche)
  5. 1703 gibt es den letzten Eintrag seiner zweiten Ehefrau als Taufpatin im Kirchenbuch der Dreikönigskirche
  6. Beerdigt am 23. August 1701, Innerer Neustädter Friedhof
  7. Beerdigt 1. Mai 1729, Innerer Neustädter Friedhof, gestorben im 72. Jahr an „Stockfluss“.
  8. Informationen zu Seußlitz
  9. Adressbuch der Stadt Dresden, 1738
  10. George-Bähr-Preis
  11. Meister George Bährs Tod, Dr. Otto Richter in: Dresdner Geschichtsblätter, Band 1, 1892–1896, S. 281ff. (S. 292/305)
  12. Zur Geschichte des George Bähr-Hauses, Carl Hollstein in: Dresdner Geschichtsblätter, Band 5, 1909 – 1912, S. 124ff. (S. 127/246)

[Bearbeiten] Weblinks

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