Walther Zenker

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Walther Ludwig Zenker (* 4. Februar 1864 in Dresden-Altstadt; † 12. November 1932 in Dresden) war ein sächsischer evangelisch-lutherischer Theologe, Pfarrer, Hofprediger, Superintendent, Mitglied des Landeskonsistoriums des Königreiches Sachsens im Rang und mit Titel eines königlich-sächsischen Konsistorialrates, zuletzt im Rang als Oberkirchenrat.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Familie

Walther Ludwig Zenker entstammte der Juristen- und Beamtenfamilie Zenker mit Christoph Zenker als Spitzenahn (16191697). Sein Urgroßvater väterlicherseits war Christian Zenker (17661819), königlich-sächsischer Hoffuttermarschall und Geheimer Finanzsekretär, sein Großvater Albert Zenker (17941854), Geheimer Hofrat und Rat im Ministerium des königlichen Hauses sowie Privatsekretär des sächsischen Königs.

Walther Zenker war der zweitälteste Sohn des königlich-sächsischen Geheimen Finanzrates sowie Zoll- und Steuerdirektors, Albert Julius Zenker (* 27. März 1829 in Dresden; † 21. Mai 1886 in Hoflößnitz bei Radebeul) und dessen 1859 geheirateter Ehefrau Agnes Luise geb. Chalybäus (* 20. April 1832 in Kiel; † 6. September 1914 in Dresden), Tochter des Professors für Philosophie und Wirklichen Geheimen Rates Heinrich Moritz Chalybäus (17961862) und dessen zweiter Ehefrau Luise Kohlschütter (* 1805). Zenkers Vater war nicht nur am sächsischen Königshof ein anerkannter Mann, er war auch mit den Dresdner Oberbürgermeister Stübel und dem Leipziger Oberbürgermeister Georgi befreundet. Zenker hatte noch drei Geschwister:

Walther Zenker heiratete in erster Ehe am 4. August 1891 in Berlin Katharina Wilhelmine geb. Schumann (* 19. Juni 1864 in Kiel; ⚰︎ 11. Juni 1902 in Lockwitz), Tochter des Johannes Ferdinand Schumann und dessen Ehefrau Sophie Amalie Wilhelmine geb. Speck.[1] Seine Ehefrau war eine Nichte des Gasanstaltsdirektors Heinrich Speck.[2] Aus dieser Ehe entstammten zwei Kinder:

Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau heiratete Zenker am 29. September 1906 in Dresden Elisabeth geb. Ackermann (* 15. Januar 1881 in Meißen; † 13. März 1978 in Stockholm, Schweden), Tochter des Oberhofpredigers, Vizepräsidenten des evangelischen Landeskonsistoriums Sachsens und Wirklichen Geheimen Rates, Oskar Ackermann (18361913). Kinder aus der zweiten Ehe waren:

Zenkers Witwe wohnte nach dem Zweiten Weltkrieg bei ihrer Tochter Helene in Stockholm.

[Bearbeiten] Leben und Wirken

Walther Zenker wurde in Dresden-Altstadt im damaligen Rosenweg 11 geboren. Er erhielt seine erste Schulbildung ab 1870, im Alter von sechs Jahren in der Böhmeschen Privatschule in der Ferdinandstraße. Seine höhere Schulbildung erhielt er an der Dresdner Kreuzschule. Hier entwickelte er sein Interesse für Theologie und die hebräische Sprache. Wenige Wochen nach seinem 19. Geburtstag bekam er sein Reifezeugnis und wechselte direkt zum Studium, da er aufgrund seines Gesundheitszustandes nicht zur Einjährigen-Dienstpflicht in der sächsischen Armee ausgemustert wurde.

Nach seiner Schulzeit nahm Zenker ab 1883 ein Studium der Theologie an der Universität Leipzig auf, wo er im April desgleichen Jahres immatrikuliert wurde. Nach dem ersten Studienjahr in Leipzig, absolvierte er das zweite an der Universität Tübingen, die für evangelische Studien schon damals bekannt war. Dort hörte er bis Ostern 1885 Vorlesungen an der akten Universität sowie am Tübinger Stift. In Tübingen wohnte Zenker in der Weinwirtschaft Lindenmaier in der Ammergasse. Pfingsten 1884 unternahm Zenker eine Reise in die Alpen in die Schweiz und kehrte danach an die Leipziger Universität zurück.

Am 4. August 1887 bestand Zenker sein 1. Theologieexamen mit der Note "Gut ohne Minderung" und wurde als "wohlerwürdiger Kandidat der Theologie" eingeschätzt. Seine Kandidatenzeit begann Zenker vier Wochen nach dem Examen in der Hamburger Diakonie "Das Rauhe Haus", das 1833 von Johann Hinrich Wichern gegründet wurde. An der dortigen Schule gab Zenker nicht nur Religions-, sondern auch Deutsch-, Mathemaik- und Geschichtsunterricht. Er blieb in Hamburg bis Ostern 1890, um in Dresden sein 2. theologisches Examen zu absolvieren.

Postplatz mit Sophienkirche im Hintergrund, 1913

Anfang Mai 1890 fand Zenkers Examen pro ministerio im alten Ministerpalais in der Seestraße statt, wo er vor dem Landeskonsistorium unter Vorsitz von des Präsidenten von Berlepsch die Prüfung, wiederum mit der Note "Gut" ablegte. Nach einer Aushilfspredigt in Rothschönberg bei Meißen, wurde Zenker vom Landeskonsistorium als Vikar nach Taubenheim bei Meißen versetzt, wo er den schon älteren Pfarrer Crusius unterstütze. Zenker wurde am 17. August 1890 von seinem Onkel Johannes Kohlschütter in sein Amt ordiniert, das er aber dort nur ein knappes Jahr bekleidete.

[Bearbeiten] Lockwitz

Am 9. August 1891, nur fünf Tage nach seiner Hochzeit und der anschließenden Hochzeitsreise in Hernskretschen an der Elbe in der Sächsisch-Böhmischen Schweiz (heute Hřensko/Tschechien), auf der Rückfahrt von Niedersedlitz kommend, wurde Zenker in sein neues Pfarramt in der Schlosskirche Lockwitz eingeführt. Zur Pfarrei Lockwitz gehörte auch das Dorf Nickern, so dass er damals zusammen 2.500 Gemeindemitglieder hatte. Zenker wirkte in dem damals noch selbstständigen Vorort von Dresden 17 Jahre als Pfarrer. Sein Kirchenpatron war der damalige Rittergutsbesitzer auf Lockwitz, Hermann Thomas Freiherr von Kap-herr-Lockwitz. Er kam fast zu jeder Predigt mit Familie, manchmal auch dessen Schwager, der General Georg von Criegern. Zu Zenkers Predigen kamen auch der Fabrikbesitzer der Rügerschen Schokoladenfabrik, Kommerzienrat Otto Rüger mit Familie, die Witwe des Hänichenmüllers, Madame Hänichen, die Ärzte und Heimatforscher Karl Bamberg und Friedrich Theile.

Im April 1899 unternahm Zenker eine Reise nach England, wo er zur Hochzeit seines Schwagers Walther Schumann mit Edith geb. Barlow in Little Stanmore bei London eingeladen war. 1902 starb Zenkers erste Ehefrau, trotz Fürsorge und Behandlung durch den königlichen Leibarzt, Geheimrat Dr. Fiedler. Ungefähr drei Jahre nach dem Tod lernte Fiedler im Haus des Dresdner Oberhofpredigers Dr. Ackermann dessen Tochter kennen, mit der er am 20. April 1906 verlobte. Die Hochzeit wurde vom Schwiegervater selbst in derSophienkirche vollzogen. Die zweite Hochzeitsreise Zenkers führte ihn mit seiner zweiten Ehefrau nach Italien, wo er Lugano, Mailand, Venedig, den Comersee und den Brenner besuchte. Bei seiner Rückkehr konnte die Familie in Lockwitz das neue Pfarrhaus beziehen, das von Max Rüger gestiftet wurde.

[Bearbeiten] Striesen

Nachdem im Frühjahr 1908 Pfarrer Boess der 45.000 Gemeindemitglieder großen Kirchgemeinde in Striesen gestorben war, Zenker als neuer Pfarrer an die im Bau befindliche Versöhnungskirche berufen wurde, zog die Familie im Herbst 1908 in das Pfarrhaus Striesen, in die Paul-Gerhardt-Straße 21. Zenker standen für die große Kirchgemeinde noch vier weitere Pastoren zur Seite. Wenige Monate später, am 20. Juni 1909 wurde die Versöhnungskirche unter Beisein des damaligen Stadtsuperintendenten Dr. Dibelius eingeweiht. Damit wurde auch die bisherige Kirchgemeinde geteilt, ein Teil blieb bei der alten Erlöserkirche mit dem Pfarrer Arthur Neubert, der etwas größere Teil mit 23.000 Gläubigen kam zur Versöhnungskirche unter Leitung von Zenker. Er selbst sprach in seinen Lebenserinnerungen von seinen sieben besten Jahren. Nach 1910 zog er mit seiner Familie in die Glasewaldtstraße 49.

Zum Zeitpunkt des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges weilte Zenker mit seiner Tochter Marianne und seiner Mutter in dem damals ostpreußischen Königsberg, bei seiner Schwester und deren Schwager, Professor Otto Immisch. Aufgrund des Kriegsausbruchs mussten Zenkers überstürzt abreisen, da befürchtet wurde, dass Königsberg von der kaiserlich-russischen Armee eingenommen werde. Kurz nach der Rückkehr nach Dresden starb Zenkers Mutter.

[Bearbeiten] Hofprediger an der Sophienkirche

Im Februar 1915 folgte Zenker dem Ruf, als zweiter Hofprediger an die evangelische Hofkirche zu gehen, wo er alle 14 Tage predigte. Gleichzeitig wurde Zenker vom sächsischen König Friedrich August III. zum außerordentlichen Mitglied des evengelischen Landeskonsistoriums im Rang und mit Titel eines königlich-sächsischen Konsistorialrates berufen. Im Rahmen dieser Tätigkeit als Inspektor der Gerichtsgefängnisse bereiste und kontrollierte er die Gefängnisse in Sachsen, u.a. in der Moltkestraße in Leipzig, in Zwickau und Bautzen. Die Hauptarbeit im Konsistorium bestand im Auftrag, an den Prüfungen pro ministerio teilzunehmen. In dieser Zeit wurde Zenker auch Schriftführer des Landesverbandes für den Christlichen Frauendienst, der durch die beiden Vorsitzenden, Frau verw. Oberst Marie von Carlowitz und Frau verw. Kreishauptmann von Welck geführt wurde, wofür er eine Entschädigung i.H.v. 1.000 Mark jährlich erhielt.

[Bearbeiten] Leipziger Petersgemeinde

Als jedoch bereits ein Jahr später, 1916 in der Leipziger Petersgemeinde das Amt des 1. Pfarrers und Superintendenten aufgrund der Pensionierung des Geheimen Kirchenrats Ernst Bruno Hartung (18461919) nach dessen dortigen 40 Dienstjahren frei wurde, ersuchten die Kirchenvorstandsvorsitzenden, dass Zenker dessen Nachfolger werden solle. Am 13. Oktober 1916 zog die Familie aus Dresden nach Leipzig in die dortige Albertstraße 38 (heute Riemannstraße 38). Zwei Tage später, am 15. Oktober 1916 hielt Zenker seine Antrittspredigt in der der Leipziger Gemeinde, die 33.000 Seelen zählte.

Von April bis Oktober 1917 erkrankte Zenker und musste sich sieben Wochen erholen, zuerst in Bärenfels bei Dresden und danach in Freiburg im Breisgau bei Immischs, bevor er seine Arbeit in der Leipziger Gemeinde wieder aufnehmen konnte. Am 30. Oktober 1921, zum Reformationsfest erhielt Zenker vom Dekan der theologischen Universität der Universität Leipzig für seine Verdienste den Ehrendoktortitel und wurde gewürdigt:

Zenker führte die Leipziger Gemeinde bis zu seinem vollendeten 68. Lebensjahr. 1932 wurde er als Superintendent und Oberkirchenrat a.D. (außer Dienst) unter Fortzahlung einer Pension in den Ruhestand verabschiedet. Seinen kurzen Lebensabend verbrachte er in Dresden, wo er auch starb.

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Datensatz auf Ancestry
  2. Heinrich Speck war der Bruder der Mutter von "Käthe" Wilhelmine Schumann.

[Bearbeiten] Weblinks

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