Kleinwohnungsbauverein Dresden

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Inschrift zum Baubeginn der Anlage Hechtstraße

Der Kleinwohnungsbauverein Dresden war eine Wohnungsbaugenossenschaft, die am 23. Mai 1910 von einer kleinen Schar von 12 Männern gegründet wurde. Nach zweieinhalb Jahren hatte sie bereits 679 Mitglieder (Stand: 1.1.1913). Sie existierte unter verschiedenen Namen bis zum 30. Juni 1986, bis 1977 als relativ eigenständige Genossenschaft und die letzten 9 Jahre als mit der Genossenschaft Dresden-West vereinigte VGWG Dresden-Nord. Ihr finaler Wohnungsbestand (Stand: 1940) wird verschiedentlich mit 1535 Wohnungen angegeben.[1][2]

Ungewöhnlich schnell, nur 9 Monate nach der Gründung konnte die Genossenschaft bereits mit der Übergabe der ersten Wohnungen an die Genossenschaftler aufwarten. Dies erklärte sich zum einen daraus, dass dem Kleinwohnungsbauverein das Gelände, dank des Verkaufs (evtl. auch ein Erbbaurecht-Vertrag) durch das Gründungsmitglied Emil Römmler, dem das Gelände gehörte, sofort zur Verfügung stand. Zum anderen daraus, dass der Genossenschaft in dem späteren TU-Hochschulprofessor Otto Schubert ein baufachmännisches Gründungsmitglied angehörte, das für die zügige Umsetzung des Projektes sorgen konnte. Der Bau selbst wurde mittels einer von der Landesversicherungsanstalt gewährten Hypothek in Höhe von 524.000 M finanziert. "Daß das Unternehmen in dieser großzügigen Weise hat durchgeführt werden können, ist in erster Linie Sr. Majestät dem König zu danken, der die zweite Hypothek von 90.000 M zur Verfügung stellte."[3] Ihm zum Dank erhielt die Anlage den Namen "König Friedrich-August-Häuser".

In nur wenigen Jahren entwickelte sich Otto Schubert zum genossenschaftseigenen leitenden Architekten, auf dessen Entwürfe alle späteren Anlagen des Kleinwohnungsbauvereins, etwa 900 Wohnungen, zurückgingen. Als solcher und als Aufsichtsratmitglied blieb er dem Kleinwohnungsbauverein bis 1929 erhalten.

Die größte und bekannteste Anlage des Kleinwohnungsbauvereins wurde ab 1925 am Nordwestrand der Fluren der Leipziger Vorstadt, am Ende der Hechtstraße errichtet. Ihr Bau erfolgte auf der Grundlage des Bebauungsplanes der Stadt, in dem neben dem Kleinwohnungsbauverein auch der Heimstättenverein Dresden-Nordwest (Mitglied des Allgemeinen Sächsischen Siedlerverbandes (ASSV)) als Bauträger zum Zuge kam. Ihre einheitliche Form erklärt sich daraus, dass auch die Häuser des Heimstättenvereins von Otto Schubert entworfen und geplant worden waren, und dass beide Bauvereine während der Ausführung eng kooperierten. Wegen der Weltwirtschaftskrise wurden die ursprünglichen Bauplan-Vorgaben nie in Gänze verwirklicht.


[Bearbeiten] Bauanlagen des Kleinwohnungsbauvereins

Jahr Adresse Größe Anmerkungen Bild
1911 und 1921/22 König-Friedrich-August-Häuser
Glashütter Straße 52-64
Dornblüthstraße 4-18
Kipsdorfer Straße 61-67
Striesen
15 Häuser mit 124 Wohnungen[4]
  • Architekten Theodor Richter und Reuter
  • 10 Jahre später wurde sie um noch zwei Wohnblocks erweitert.
WPKönig-Friedrich-August-Häuser.jpg

historisch
1911-1912 Gehestraße 1a-d
Eisenberger Straße 16-18
Hallesche Straße 2
Leipziger Vorstadt
75 Wohnungen[4]
  • Architekt Theodor Richter
  • das Bauland wurde vom Sächsischen Finanzministerium zur Verfügung gestellt und Eisenbahner sollten es beziehen
Gehestr1d dresden hallesche.jpg
1913 Zeithainer Straße 1-11
Coswiger Straße 8
Riesaer Straße 26-30
Pieschen
17 Häuser mit 139 Wohnungen[4]
  • Architekt Theodor Richter
  • mit Baderäumen nach dem Vorbild der Erlweinschen Krenkelhäuser
Dresden Riesaer Ecke Zeithainer.jpg

historisch
1913 Emil-Römmler-Häuser
Bischofsplatz 12-16
Johann-Meyer-Straße 2a-c, 4 u. 6a-c
Leipziger Vorstadt
95 Wohnungen[4]
Johann-Meyer-Wohnungsbau.JPG
1914-1920 Seegärten 45-95 u. 46-96
Am Hang 40-42
Stetzsch
Ein-, Zwei- und Vierfamilienhäuser in Reihe
  • an der Gartenstadt Hellerau orientierte, nun von Otto Schubert selbst entworfene Anlage
DD-Seegärten46-88.jpg
1919 und 1925/27 Pennricher Straße 8-20
Gohliser Straße 35-43
Unkersdorfer Straße 1-5b u. 2-6b
Hühndorfer Straße 1-3
Cotta
3 Häuserzeilen (insg. 18 Mehrfamilienhäuser)
3 Doppelwohnhäuser
  • Otto Schubert
  • wurde 1925 um zwei Wohnhausgruppen erweitert
Pennricher Strasse 8-16.jpg

historisch
1925-1929 Hechtstraße 85-135
Niederauer Straße 2-20
Niederauer Platz 1-9
Bärwalder Straße 1-31 u. 2-18
Ottendorfer Straße 17-25 u. 14-22
Seifersdorfer Straße 9-23
Leipziger Vorstadt
16 dreietagigen Hauszeilen mit 88 Häusern
  • Baubüro unter Leitung von Otto Schubert (Rübel & Thiel)
Hechtstrasse 99.jpg

historisch
1926 Kronprinzenplatz 17
Löbtau
einzelnes Mehrfamilienhaus
  • zeitweiser Sitz der Geschäftstelle
Conertplatz 17.jpg
1928-1929 Steinbacher Straße 13-19b u. 12-18b, 20-24
Hebbelplatz 1-5
Hebbelstraße 43
Cotta
6 Häuserzeilen
ein Doppelwohnhaus
  • Otto Schubert
Steinbacher Strasse 20-24.jpg
1936-1937 Schlegelstraße 1-11 u. 2-36
Hausmannstraße 1-11 u. 2-12
Dobritz
35 Mehrfamilienhäuser
  • die letzte vom Kleinwohnungsbauverein selbst errichtete Anlage
  • z.T. wurden die Häuser nach der Fertigstellung an interessierte Bewohner verkauft
Singerstraße.jpg
Cossebauder Straße 23b-c
Mobschatzer Straße 12a-b, 14a-b
Cotta
Doppel- u. Einzelhausblock
  • Diese beiden Hausblöcke gingen 1943 im Zuge der Zwangsanschließung des Spar- und Wohnungsvereins eG mbH an den Kleinswohnungsbauverein über.
Mobschatzer Strasse 12a-14b.jpg


[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Karl-Heinz Löwel: Zur Geschichte des Genossenschaftswesens, in: Wohnungsgenossenschaften in Dresden, Dresden 2004, S. 25f
  2. Tom Henke: Architekten in Cotta. Teil 2: Professor Otto Schuberts Wirken am Hebbelplatz und der Steinbacher Straße, in: Cottaer Froschpost, 1, 2008, S. 6
  3. SLUB, Digitale Sammlungen, Dresdner Nachrichten, Abendausgabe DN 1911-07-28 Seite 2
  4. a b c d Zentralstelle für Wohnungsfürsorge und Verband der gemeinnützigen Bauvereinigungen im Königreich Sachsen, Seite 23-25, 1913.

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Weblinks

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