Trinitatiskirche

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Einstige Trinitatiskirche
Kirchturm der Trinitatiskirche
Blick zum Altar heute
Blick zum Altar, vor 1906

Der Aufschwung nach dem Krieg 1870/71 hatte auch in der damaligen östlichen Pirnaischen Vorstadt zur Folge, dass eine rege Bautätigkeit einsetzte. Die Felder und Gärten wurden mit mehrgeschossigen Häuserzeilen dicht bebaut. Die Einwohner gehörten zur 1878 gegründeten Johannesgemeinde. Diese hatte bei der Weihe ihrer Johanneskirche 23.000 Mitglieder, sechs Jahre später waren es 40.000. Somit war die Kirche zu klein geworden. Es wurde beschlossen, dass Johannstadt als eigene Kirchgemeinde abgetrennt werden soll. Vorübergehend wurde 1888 in der Turnhalle der 20. Bezirksschule am Zöllnerplatz ein Betsaal eingerichtet.

Der Stadtrat übereignete der Gemeinde ein Grundstück am Trinitatisfriedhof. Anfang des Jahres 1888 wurde die Trinitatisgemeinde mit 10.000 Mitgliedern gegründet. Das Bestreben ihrer Mitglieder und des Vorstandes war von nun an auf den Kirchenbau gerichtet, weshalb dazu ein Kirchbauverein zur Durchführung von Geldsammlungen gegründet wurde[1]. Bei einem Architektenwettbewerb zum Bau eines Gotteshauses mit 1.200 Sitzplätzen gingen 22 Beiträge ein. Sie wurden im Februar 1890 im Brühlschen Palais öffentlich ausgestellt. Unabhängige Preisrichter prämierten zwei Entwürfe. Der Kirchenvorstand war mit keinem so richtig zufrieden und beauftragte weitere drei Architekten mit Planungen. Letztlich erhielt der Dresdner Architekt Karl Barth den Auftrag, die Kirche mit einem 65 Meter hohen Glockenturm im Stil der italienischen Renaissance zu errichten. Damit sich jeder ein Bild von der äußeren Gestalt der geplanten Kirche machen konnte, ließ der Kirchenvorstand ein Gipsmodell im Maßstab 1:50 anfertigen und ausstellen.

Am 21. September 1891 erfolgte an der Straßengabelung Blasewitzer/Trinitatisstraße (heute Fiedlerstraße) der 1. Spatenstich und am 21. Oktober des gleichen Jahres die Grundsteinlegung für die vom Kirchenbaumeister Architekt Karl Barth geplante Trinitatiskirche. Soweit möglich wurden sämtliche Arbeiten an Mitglieder der Gemeinde vergeben. Die Ausstattung und Ausschmückung der Kirche wurde durch die Spenden der Kirchgemeinde finanziert.

Der 17. Oktober 1894 war für die Trinitatisgemeinde ein festlicher Tag, denn mit der Weihe ihres Gotteshauses an der Gerokstraße hatten die Gläubigen in der Johannstadt nun endlich eine schöne eigene Kirche. Über dem Hauptportal befand sich die 2,80 Meter hohe Sandsteinstatue des einladenden Christus von Bildhauer Rudolf Hölbe. Im Kircheninneren bildete das Altargemälde „Christus, die Bergpredigt haltend“ des Malers Anton Dietrich den größten Schmuck. Die Orgel wurde durch die Dresdner Orgelbaufirma Kircheisen gefertigt. Die vier mit neugotischen Ornamenten verzierten Glocken kamen aus der Glockengießerei Bierling in Dresden. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 525.615,25 Mark.

Die Zahl der Gemeindemitglieder hatte sich rapide erhöht. So beschloss der Kirchenvorstand der Trinitatiskirche, den südlichen Teil der Parochie auszupfarren und eine neue Gemeinde zu bilden. Am 1.Oktober 1904 wurde die Andreaskirchgemeinde ausgeliedert.

Im Ersten Weltkrieg wurden die Glocken der Trinitatiskirche zu Kriegszwecken beschlagnahmt. Dresden war in 82 Kriegsbezirke unterteilt. Eine der Geschäftsstellen befand sich in der Trinitatiskirche. Der Pfarrer versuchte, die immer knapper werdende Versorgung zu organisieren. Nach Kriegsende beklagte die Gemeinde den Tod von 881 gefallenen Mitgliedern.

1920 wurden drei neue Glocken durch die Firma Bierling gegossen, sie erklingen noch heute.

Nach den Bombardierungen am 13./14. Februar 1945 brannte das Kirchenschiff völlig aus. Die Umfassungsmauern und auch das gegenüberliegende Gemeindehaus wurden schwer beschädigt. Dachstuhl und Innenausstattung der Kirche gingen verloren. Einzig der Turm überstand den Bombenangriff relativ unbeschadet. Wenige Monate danach begann die Gemeinde mit den Enttrümmerungsarbeiten.

Als man Mitte der 1950er Jahre mit der Großflächenenttrümmerung in der Johannstadt begonnen hatte, wurde das ehemals dicht bebaute, jetzt aber völlig zerstörte Umfeld fast vollständig planiert. Das Gemeindehaus wurde wieder aufgebaut und ein kirchlicher Kindergarten eingerichtet. Um den drohenden Abriss der Ruine Ende der 60er Jahre zu verhindern, wurde durch die Gemeinde ein Projekt für einen Gottesdienstraum und eine Tagungsstätte entwickelt. Sie enttrümmerten mit den primitivsten Mitteln in ihrer Freizeit die Ruine, sicherten die Mauerreste und den Turm. Damit wurden auch die Uhr und das Geläut gerettet. Die Ruine blieb zum Gedenken an die Kriegszerstörungen stehen. Heute finden hier gelegentlich Gottesdienste und Konzerte unter freiem Himmel statt. Die Räume werden durch die Johanneskirchgemeinde, in der die Trinitatisgemeinde aufgegangen ist, und den 1996 gegründeten Förderverein für kulturelle Veranstaltungen genutzt.

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Quellen

  1. Adressbuch von 1891
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