Schauburg

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Schauburg 2007
Schauburg 1990
Großer Saal 1990
Schauburg während des Umbaus, Juli 2017

Das Filmtheater Schauburg ist ein Arthousekino in der Äußeren Neustadt. Das markante rotbraun verputzte Gebäude steht an der Kreuzung Königsbrücker Straße/Bischofsweg. Das Kino verfügt über drei Säle mit rund 720 Sitzen: den großen Sergio-Leone-Saal (403 Plätze), den Fritz-Lang-Saal im Keller (208 Plätze) und den Tarkowski-Saal im Obergeschoss (108 Plätze). Die Schauburg ist Spielort des Filmfestes Dresden, des alljährlich in den Herbstferien stattfindenden Kinderfilmfestes Kinolino und kleinerer Filmfestivals wie dem Cinelatino. Auch das Schulkino nutzt die Säle.

Die Schauburg wird geleitet von Stefan Ostertag und betrieben von der Nickelodeon Filmtheaterbetrieb Dresden GmbH, die 1992 von Frank Apel, Sven Weser und Dirk Hennings gegründet wurde.

Inzwischen ist die letzte große Renovierung der Schauburg 20 Jahre her, so dass man dem Kino und vor allem dem Teppich, den Toiletten und den Kinosesseln die rege Nutzung, die sich seit 1998 wieder eingestellt hat, deutlich ansieht. Im Jahr 2014 soll die Schauburg saniert werden.[1]

An der Bischofsweg-Seite der Schauburg hat seit 1. Dezember 1997 die Kartenvorverkaufsstelle SaxTicket ihren Sitz.[2]

Die Schauburg wurde ab 21. Mai 2017 wegen Umbauarbeiten geschlossen. Zwei zusätzliche Säle sollen entstehen, außerdem das Foyer, die drei vorhandenen Säle und die Sanitäranlagen saniert werden. Voraussichtlich am 15. Oktober 2017 wird die Schauburg wieder eröffnet.[3]

[Bearbeiten] Geschichte

Das unter Leitung von Martin Pietzsch 1926 entstandene Filmtheater Schauburg war das erste freistehende Kinogebäude in Dresden und repräsentierte damit das Selbstbewusstsein des erstarkten Mediums Film, das bis dahin nur in Läden oder Hintergebäuden zu erleben war. Am 15. Oktober 1927 wurde der opulente Art-deco-Bau mit dem 1000 Besuchern fassenden Saal eröffnet. Der Stuck im Saal war vermutlich rötlich. Der Erbauer und erste Betreiber war Arnulf Huyras.

Im Zweiten Weltkrieg verschont, hatte ein Teil der ehemaligen Mitarbeiter des Zirkus Sarrasani als „Dresdner Volksvarieté“ am 1. Juni 1945 als erstes regelmäßig spielendes Ensemble auf deutschem Boden die ersten Auftritte. Es bestand bis zum 30. April 1946[4].

In den 1950er Jahren wurde das Gebäude samt Saal umgestaltet, hin zu einer strengeren Komposition. Die Fassade war seinerzeit in ungestrichenem Putz gestaltet. In der 1960er Jahren wurde die Traufgestaltung verändert und zwei Figuren entfernt.

Am 12. April 1953 wurde in der Schauburg die SG Dynamo Dresden gegründet.

Später wurde die Schauburg zum Erstaufführungstheater, bis zur Eröffnung des Rundkinos 1972, da die anderen großen Kinos in der Innenstadt zerstört waren. In diesen Jahren entstand auch, als das Kino unter der Leitung von Kurt Tschierpe stand, die Visionsbar[5]: ein Café im Saal, das nur durch eine Glasscheibe vom Zuschauerraum getrennt war, der deshalb auf 645 Plätze reduziert werden musste. Bei gedämpftem Licht konnte man über Lautsprecher dem Film folgen und sich dennoch unterhalten.

Vom Jahresbeginn 1987 an blieb das Filmtheater für eine umfangreiche Renovierung geschlossen. Am 21. Juli wurde es wiedereröffnet.[6]

Theaterleiter:

1952-1980: Kurt Zschirpe/Tschierpe (?)
?
1986-Juli 1989: Wolfgang Zimmermann

Nachdem 1992 die Visionsbar geschlossen wurde, kaufte am 1. Oktober 1993 der Nickelodeon Filmtheaterbetrieb Dresden GmbH die Schauburg und renovierte sie für insgesamt 3,5 Millionen DM. Es entstanden zwei zusätzliche Säle neben dem großen, der jetzt Sergio-Leone-Saal (403 Plätze) heißt: im früheren Bürotrakt im 1. Obergeschoss der Tarkowski-Saal mit 108 Plätzen und im Keller der Fritz-Lang-Saal mit 208 Plätzen. Im Foyer entstanden vier thematische Sitzplatz-Logen zu den Filmen „Die Legende von Paul und Paula“, „Alexis Sorbas“, „2001: Odyssee im Weltraum“ und Alfred Hitchcocks „Die Vögel“. Bei diesem Umbau erhielt die Schauburg ihre rote Fassadenfarbe. Am 5. Mai 1994 wurde das umgestaltete Haus wiedereröffnet. Bei der Feier trat unter anderem der Schauspieler Horst Krause auf, der damals am Staatsschauspiel engagiert war.[7]

Mitte der 1990er Jahre bot die Schauburg ein Rund-um-die-Uhr-Programm an, d. h. es gab keine Tages- und Nachtzeit, zu der kein Film lief. Obwohl das Publikum positiv auf diese Idee reagierte, gab Frank Apel das Projekt nach reichlich einem Jahr aus organisatorischen Gründen wieder auf (z. B. fehlende Zeiten für Technikwartung und Saalreinigung, schwierige Arbeitsbedingungen).[8]

[Bearbeiten] Umbau 2017/18

Seit Mai 2017 ist eine Generalüberholung im Gange. Geplant haben sie die GnbH-Architekten Benjamin Grill und Hendrik Neumann, die bereits das Kino in der Fabrik gestalteten. Im Zuge der Sanierung entstehen zwei neue Säle: einer unter dem angehobenen Dach an der Hausecke Königsbrücker Straße/Bischofsweg („Arnulf-Huyras-Saal“) und einer im Hof („Charlie-Chaplin-Saal“). Dafür wurde ein Stück des Nachbargrundstücks gekauft. Die „neue“ Schauburg wird in etwa die Kapazität von 1927 haben. Der einst grau gehaltene Fritz-Lang-Saal mit der niedrigen Decke erhielt mehr „Kopffreiheit“ und grüne Farbe. Der Sergio-Leone-Saal, vor 1994 der einzige Saal, ist ganz in Aubergine gehalten, über dem Stuck wurden Lichtbänder eingesetzt. Im Tarkowski-Saal dominiert ein Türkis-Blau, und die historische Wendeltreppe, die einst versteckt zu den Büros führte, wurde sichtbar gemacht und dient nun als Deko-Element. Für den neuen Dachsaal musste das Fundament verstärkt werden. Die Treppe nach oben wurde am früheren Standort des Vorführraumes im 1. Obergeschoss eingebaut. Dabei wurde auch der in den 90er Jahren verkleidete Bogen im Treppenhaus wieder freigelegt. Im Foyer wurden der alte Einbau und die Sitznischen entfernt sowie bodentiefe Fenster zum Bischofsweg eingefügt. Der Thekenbereich im Erdgeschoss wurde unterkellert, um Lagerräume zu schaffen. Neben der digitalen wird in zwei Vorführräumen noch 35-mm-Vorführtechnik vorgehalten.[9]

Eigentlich sollte zum 90. Geburtstag des Hauses im Oktober 2017 ein Saal bespielbar sein, doch das gelang nicht. Alle Arbeiten sollen im Frühjahr 2018 abgeschlossen sein.

Die Kinosessel der „alten“ Schauburg wurden für zehn Euro pro Stück verkauft und stehen nun u. a. in der Kneipe „Planwirtschaft“, im Eventwerk und in diversen Privatwohnungen.[10]

[Bearbeiten] Adresse, Erreichbarkeit und Kontakt

Filmtheater Schauburg
Königsbrücker Straße 55
01099 Dresden
Tel.: (0351) 80 321 85
Fax: (0351) 80 156 45
E-mail: kontakt@schauburg-dresden.de

[Bearbeiten] Siehe auch:

[Bearbeiten] Quellen

  1. Doreen Reinhard: „Kinomüde bin ich nicht, nur geschäftsmüde“. In: Sächsische Zeitung, 7. Oktober 2013.
  2. Sax 12/1997, S. 8
  3. Sandro Rahrisch: Die letzten Tage der alten Schauburg. In: SZ 20.5.2017
  4. Folke Stimmel u. a.: Stadtlexikon Dresden A - Z. 2., überarbeitete Auflage, Verlag der Kunst, Dresden 1998, ISBN 3-364-00304-1
  5. Visionsbars & Co. in der DDR
  6. Dresdner Kino-Spielpläne in der Sächsischen Zeitung, 1987
  7. Video von der Eröffnungsfeier, aufgeführt zur 150. „Rumpelkammer“ in der Schauburg, 29. September 2013
  8. mündliche Auskunft von Frank Apel am 5. August 2009
  9. Auskünfte der Architekten beim Tag des offenen Denkmals, Herbst 2017. SZ-Immo-Magazin Juli/August 2018, S. 24/25.
  10. SZ-Immo-Magazin Juli/August 2018, S. 25.

[Bearbeiten] Weblinks

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