Galerie Nord

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Ausstellungsmacherin Sigrid Walther-Goltzsche, 2012

Die Galerie Nord war eine kommunale Galerie für bildende Kunst im Dresdner Norden. Sie war die erste der sogenannten Stadtbezirksgalerien, wie sie zu DDR-Zeiten nach und nach in allen Dresdner Stadtbezirken gegründet wurden, und wie es sie in anderen Organisationsformen teilweise heute noch gibt: die Galerie Ost im Leonhardi-Museum oder die Galerie Mitte. Mit insgesamt 117 Ausstellungen und Veranstaltungen fand die Galerie einen regen Zuspruch und zeugte vom Anliegen und Organisationstalent der Macher, im an kulturellen Stätten nicht gerade reichen Dresdner Stadtbezirk Nord eine kulturelle Oase geschaffen zu haben.

[Bearbeiten] Geschichte

Seit dem Jahr 1974 existierte die sehr kleine Ladengalerie zunächst an der Leipziger Straße 56, die erste ihrer Art in Dresden, gegründet auf Initiative der damals jungen Künstler Joachim Böttcher, Veit Hofmann, Marlies Lilge, Stefan Plenkers, Rainer Zille und einiger anderer. Zwei Jahre später konnten zusätzlich leer stehende Gewerberäume im Nachbarhaus Nr. 54 gewonnen werden. Den Umbau planten die junge Galerieleiterin Sigrid Walther und der damals ebenfalls junge Stadtbezirksarchitekt Peter Häßner unter schwierigen Bedingungen, denn Handwerkerkapazitäten waren zu dieser Zeit ein knappes Gut. Es entstanden insgesamt fünf, darunter drei große, nach der Straße gelegene Galerieräume, ausgestattet mit einer guten Beleuchtung, einheitlich weißen Wänden und Parkett.

Stets im Programm der über siebzehnjährigen Ausstellungstätigkeit der Galerie Nord waren im meist Sechswochenrhythmus vor allem Vertreter der Dresdner Malerei und Plastik der älteren und mittleren Generation. Aber auch junge Künstler, bekamen in der Galerie Nord ihre ersten Ausstellungen, vor allem in der so bezeichneten Reihe „Junge Künstler“. Immer wurden die Ausstellungseröffnungen von Kunsthistorikergrößen wie Fritz Löffler oder Diether Schmidt vorgenommen, oftmals auch begleitet von musikalischen oder tänzerischen Beiträgen. In den Ausstellungen selbst fanden Konzerte mit klassischer und zeitgenössischer Musik, Tanz- und Puppenspielveranstaltungen und vor allem Schriftstellerlesungen statt.

Die Stasi hatte ihre IMs auf die Galerie Nord angesetzt, wie sich im Nachhinein herausstellte, was aber Zusammenkünfte und Lust auf Dresdner Kunst jenseits der SED-Parteilinie nicht trübte. Zu einem Eklat kam es zur Ausstellungseröffnung des Landschaftmalers Hans-Peter Hund, zu der Diether Schmidt Redeverbot erhielt. Schmidt war kurz zuvor seiner Leitungstätigkeit im Beirat der Galerie Comenius enthoben worden. Zur Eröffnung, die kurzfristig vorverlegt wurde, erschienen vornehmlich Mitarbeiter der Staatssicherheit.

In den 1980er Jahren kam es auch zu ungewöhnlichen Aktionen: Performances zu den Ausstellungsvernissagen wurden auf den Fußweg vor der Galerie verlegt oder schlugen sich in einer neuen bunten Fassadengestaltung nieder, die Galerie verwandelte sich in eine Sandlandschaft, die Autoperforationsartisten ließen im Frühjahr 1989 25 echte Rindsunterbeine als Menetekel aufmarschieren.

Nach der Wende kam der Ausstellungsbetrieb aufgrund politischer Entscheidungen zu einer Rezession, neue Konzepte wurden seitens der Stadt nicht angenommen. Mit einem offenen Brief und Unterschriftensammlung sowie einer Solidaritäts-Ausstellung unter dem Titel Die Agonie der Galerie im Foyer des Kleinen Hauses (7. Juni bis 7. Juli 1991) machte die Dresdner Kunstszene auf die damalige „Kahlschlagpolitik“ aufmerksam. Am 20. Juli 1991 schloss die Galerie Nord mit der Ausstellung Junge Künstlerinnen 91 ihre Türen.

Von 1992 bis 1996 nutzten die Künstlerinnen der Dresdner Sezession 89 die Räumlichkeiten. In der Folgezeit standen die Räume teilweise leer oder wurden als Gewerberäume genutzt. In der Nr. 54 ist heute ein Laden untergebracht, der u. a. Segway-Roller vertreibt.

[Bearbeiten] Zitate über die Galerie


[Bearbeiten] Ausstellungen und Veranstaltungen (Auswahl)

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Weblinks

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