Faunpalast

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Lichtspieltheater Faunpalast heute
Etablissement „Stadt Leipzig“, um 1918
Anzeige im Branchen-Fernsprechbuch 1946

Im Gebäude auf der Leipziger Straße 76 wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts zunächst der Gasthof und Ballsaal „Stadt Leipzig“ eröffnet. Dieser Tanz-Palast bezeichnete sich als „Größtes Konzert - Ball - Garten - Etablissement“, wo sich um die Jahrhundertwende die Arbeiterbewegung getroffen hat.

1929 wurde vom Dresdner Kinoarchitekten Martin Pietzsch darin der Faunpalast mit immerhin 600 Plätzen eingerichtet; er zählte damit zu den größten Kinos der Stadt.

Der Dresdner Wolfgang Roder schrieb im Jahr 2002 seine Kindheits-Kinoerinnerungen auf: „Nicht weit vom Astoria entfernt, fast an der Ecke Oschatzer Straße, stand der Faunpalast. Mit einem sehr großen Kinosaal, gepolstertem Gestühl, einer großen Bühne und hervorragenden Übertragungsmaschinen war er das modernste Filmtheater an der Leipziger Straße. Hier kamen die neuesten Filme zur Aufführung. Besonders begeistert hat mich damals der Kinderfilm 'Emil und die Detektive'. Er war nach einer Erzählung des Schriftstellers Erich Kästner gedreht worden.“[1]

Nach dem Zweiten Weltkrieg war vorgesehen, den Faunpalast für Varietéveranstaltungen zu nutzen. Doch in Dresden waren zu viele Filmtheater den Bomben zum Opfer gefallen, v. a. in der Innenstadt, so dass die Entscheidung nur einen Monat nach Ausbau der Kinobestuhlung zurückgenommen wurde.

Die Kinoverwaltungsbehörden waren bemüht, den Faunpalast auf dem aktuellen Stand der Technik zu halten – immerhin war das Kino nach der Schauburg das zweit-, ab Eröffnung des Rundkinos das drittwichtigste Haus, wenn es um die Verteilung aktueller Filmkopien ging[2]:

„Man erweiterte die Bühne und Bühnennebenräume. 1964 bekam der Faunpalast eine 6 x 13 Meter breite gekrümmte Bildwand, um das Totalvisionsverfahren zu ermöglichen. (Totalvision nannten die DDR-Kinotechniker aus lizenzrechtlichen Gründen das Cinemascope-Format, bei dem das Filmbild mittels einer anamorphotischen Linse auf ein Höhe-Breite-Verhältnis von 1:2,35 verbreitert wird. Anm. Tanja.) Gleichzeitig wurde als Kinomaschine die damals hochmoderne Dresden 21 eingebaut, die mit einem 2,5 KW-Xenonlampenhaus ausgestattet war. Somit war der Faunpalast das einzige Filmtheater bis zur Eröffnung des Rundkinos 1972 mit einer gekrümmten Leinwand, die den Vorteil hatte, dass die Lichtausbeute optimal und die Randverzerrungen des Bildes minimal waren.[3]

Mit seiner nun 12,80 Meter breiten Leinwand hatte der Faunpalast nach der Freilichtbühne Junge Garde die zweitgrößte Leinwand Dresdens. Durch die neue Technik änderte sich auch die Preisstaffelung im Kino, denn die besten Plätze waren nicht mehr hinten, sondern in der Mitte. Der Umbau kostete 250.000 DM. Zur Wiedereröffnung des Hauses am Gründonnerstag 1964 wurde der tschechoslowakische Film „Festung am Rhein“ (1962) gezeigt, der zum Teil auf der Festung Königstein gedreht wurde.[4]

1982 wurde das Kinogestühl erneuert, die Saaldecke verändert und die Wände mit einer verbesserten akustischen Bespannung versehen. Leider gab es nur eine Ein-Kanal-Tonwiedergabe, die allerdings wegen der hochwertigen Akustik des Saales und dem gut proportionierten Lautsprechersystem faszinierend war.“[5]

1991 wurde der Faunpalast aus baupolizeilichen Gründen geschlossen, in das Foyer zogen verschiedene Geschäfte, darunter ein Schuhladen und eine Videothek. Seit der Sanierung des Hauses ist darin ein Fahrzeughändler untergebracht. Der Saal selbst, an der Rückwand des Hauses, wurde 2003 abgerissen und statt dessen ein Lebensmittel-Discounter errichtet.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Quellen

  1. Wolfgang Roder, geboren 1924 in Pieschen, ist seit 1998 Mitglied der Dresdner Seniorenakademie „Gruppe Zeitzeugen“ und wohnt in Dresden-Klotzsche. Roders Text erschien 2008, durch Redakteur Klaus Brendler leicht verändert, in: Die Nordwest-Rundschau, 3. Jg. 2008, Nr. 6, Dezember 2008, S. 2.
  2. Iwailo Schmidt: Der unsichtbare Filmstar. Eine Liebesgeschichte aus der Epoche des Kinos. Dresden 2008. S. 48/49. ISBN 978-3-00-024764-4
  3. Iwailo Schmidt, S. 49/50
  4. SZ 21.3.1964
  5. Iwailo Schmidt, S. 49/50

[Bearbeiten] Weblinks

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