Hirschdenkmal

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das am 7. Oktober 1823 eingeweihte Denkmal für den königlich-sächsischen Hauptmann Johann Baptista Joseph Hirsch (vor 1945)
Heutiger Zustand des Hirschdenkmals
Johannes Ziller (mit Hut) und seine Helfer am Hirschdenkmal, Frühjahr 1977
Hirschdenkmal am heutigen Standort
Standort des Denkmals 1903
Standort des Denkmals seit 1977
Das Denkmal am neuen Standort zwischen Radeburger und Hellerhofstraße, aufgenommen um 1980 von Hans Hanke, Hellerau.

Der nur schwer als Denkmal auszumachende Granitblock steht seit 1977 in unmittelbarer Nähe der Aral-Tankstelle Radeburger Straße (Höhe Hellerhofstraße) in Dresden-Trachenberge. Dass er Teil eines Ehrenmals für den 1777 geborenen königlich-sächsischen Hauptmann Johann Baptista Joseph Hirsch ist, wüssten nur wenige, gäbe nicht die an einem „besonders geschützten Baum“ angebrachte Schrifttafel Auskunft. Der heutige Standort des Denkmals ist allerdings nicht identisch mit dem ursprünglichen.

„Der weitausgedehnte Geländeübungsplatz der Dresdner Garnison am Nordwestrande der Stadt umschließt in seinem östlichen Teile den Kadettenexerzierplatz, in seinem westlichen Teile den Artillerieexerzierplatz. Beide werden durch die alte Schußbahn und den Diebsteig miteinander verbunden. Dieser, ein alter Waldweg, mündet östlich auf die Radeburger Straße, die sich als über den Artillerieexerzierplatz bis zur Hellerschenke fortsetzt und weiter nach Rähnitz führt. Rechts hinter der eben erwähnten Wegeeinmündung und gegenüber der Drachenschlucht steht ein interessantes Denkmal. Es ist ein gewaltiger Granitwürfel, überragt von einem prächtigen antiken Helm. Das Ganze wird von einem schlichten Eisengitter eingeschlossen und liegt im Schatten einer alten Akazie.“[1]

Der Würfel trägt folgende Inschrift:

DEM
KOENIGL. -SAECHS. HAUPTMANN
DES ARTILLERIE CORPS
UND RITTER DES SANCT
HEINRICHS ORDENS
J.B.J.HIRSCH
VON SEINEN TRAUERNDEN
WAFFENBRUEDERN
D. 7. OCTOBER 1822

[Bearbeiten] Johann Baptista Joseph Hirsch

„Als sächsischer Artillerieoffizier erlebte er 1806 in der Schlacht bei Jena und Auerstedt den Zusammenbruch des preußisch-sächsischen Heeres im Kampf gegen die französische Armee Napoleons. Er nahm in dem von nun an unter französischem Kommando stehenden sächsischen Truppenkontinent am österreichischen Feldzug 1809, am Rußland-Feldzug 1812 und 1813 an der Völkerschlacht in Leipzig teil. Während dieser Schlacht wechselte seine Artillerieeinheit am 18. Oktober 1813 eigenmächtig die Stellung, richtete ihre Waffen gegen die französischen Unterdrücker und trug damit zum entscheidenden Sieg der vereinigten russisch-preußischen-österreichischen Heere gegen die napoleonische Fremdherrschaft bei. Hirsch zeichnete sich wiederholt in den bis 1815 stattfindenden Befreiungskriegen aus und wurde mit dem militärischen St. Heinrichs-Orden dekoriert. Im Jahre 1822 verunglückte er hier auf dem Heller tödlich.“[2]

„Nachdem Hauptmann Hirsch, Träger des militärischen St. Heinrichs-Ordens, auf verschiedenen Kriegsschauplätzen im Zentrum, im Westen und Osten Europas dem Tode dutzendmale ins Auge gesehen, setzte ihm im tiefsten Frieden, im Sande der Dresdner Heide, aber dennoch im Dienste, ein tragischer Unglücksfall seiner vielversprechenden militärischen Laufbahn ein vorzeitiges Ende.“[3]

„Nach der am meisten verbreiteten Überlieferung geschah das Unglück, als er am 7. Oktober 1822 aus den Moritzburger Jagdstallungen zurückkehrte und sein Pferd auf dem Heller scheute. Es warf ihn ab, er blieb im Steigbügel hängen und wurde über den Waldboden geschleift. Man fand den Schwerverletzten und brachte ihn in die Stadt. Noch am selben Tag erlag er seinen Verletzungen und wurde am 10. Oktober 1822 auf dem Alten Neustädter Friedhof beigesetzt. Sein Grab ist nicht mehr vorhanden. Ein Jahr nach diesem Unglücksfalle setzten ihm seine Kameraden an dieser Stelle einen Denkstein.“[4]

Der Entwurf des Gedenksteins wird Franz Seraphim Pettrich, einem der bedeutendsten klassizistischen Bildhauer Deutschlands, zugeschrieben. Möglich ist, dass das 1814 eingeweihte Moreau-Denkmal auf der Räcknitzhöhe als Vorbild gedient hatte.

[Bearbeiten] Umzug des Denkmals

„Der Weg des Denkmals vom Heller an seinen jetzigen Standort war mühevoll und mit dem großen persönlichen Einsatz des Dresdner Bürgers Johannes Ziller verbunden. Er wohnte auf der Hellerhofstraße in unmittelbarer Nähe zum Denkmal und hatte erleben müssen, wie es nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört wurde - zerstört aus Unwissenheit in einer Zeit, in der man die Schrecken des Krieges noch vor Augen hatte.“[5]

Als dann Mitte der 1970er Jahre die Radeburger Straße verbreitert wurde, war es der Initiative des ehrenamtlichen Denkmalpflegers zu danken, dass der „ramponierte“ Rest des bereits aufgegebenen Denkmals geborgen und am heutigen Standort wieder aufgestellt werden konnte. „Das wertvolle klassizistische Kunstwerk wurde 1974/77 bei Bauarbeiten geborgen und auf den sogenannten Affenberg nahe der Hellerhofstraße umgesetzt.“[6]

Da der antike Helm nicht mehr auffindbar war, gab die Evangelisch-lutherische Dreikönigskirchgemeinde einen ähnlichen vom aufgekündigten Grabmal (Innerer Neustädter Friedhof) des Oberleutnants im Königl.–Sächs. Generalstab Horst Robert Steiger (18301863) kostenlos ab. Der „neue“ Helm wurde auf eine Steinplatte gesetzt, auf deren Rückseite die Inschrift „Geborgen und umgesetzt 1974–1977. J. Zi.“ zu lesen war (J. Zi. steht für Johannes Ziller). Der 1974 im Hellersand gefundene „Rest“ des Originalhelmes aus dem Jahre 1823 befindet sich heute im Garten des Wohnhauses von Johannes Ziller.

Am 21. November 1990 wurde als erste BP-Tankstelle im östlichen Teil Deutschlands die heutige ARAL-Tankstelle (Radeburger Straße/Hellerhofstraße) durch Robert B. Horton, Chairman The BPC, eingeweiht und ihrer Benutzung übergeben.

In den 1990er Jahren wurde „der Helm samt Steinplatte vom Sockel gestürzt“ und von Mitarbeitern der Tankstelle dem Denkmalschutzamt übergeben. Seitdem wird er im Lapidarium des Amtes für Kultur und Denkmalschutz der Stadt Dresden aufbewahrt.

[Bearbeiten] Quellen

  1. Verlag „Der Kamerad“ - Deutsches Soldaten-, Wander- und Trinkliederbuch, Berlin-Wannsee, 1913, Nr. 3
  2. Text auf der Tafel am „Besonders geschützten Baum“, der letzten Schwarzkiefer des Dresdner Hellers
  3. Verlag „Der Kamerad“ - Deutsches Soldaten-, Wander- und Trinkliederbuch, Berlin-Wannsee, 1913, Nr. 3
  4. Wolfgang Müller in der Sächsischen Zeitung vom 4./5. Juli und 11./12. Juli 1981
  5. Wolfgang Müller in der Sächsischen Zeitung vom 4./5. Juli und 11./12. Juli 1981
  6. Der Stadtbezirk Nord der Stadt Dresden/aus der Geschichte seiner Stadtteile, 1982
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