Bruno Gimpel

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Bruno Gimpel (* 14. Januar 1886 Rostock, † 28. April 1943 Dresden) war ein von den Nazis verfolgter jüdischer Maler und Grafiker.

[Bearbeiten] Biografie

[Bearbeiten] Familie

Bruno Gimpel stammte aus einer Rostocker Kaufmannsfamilie. Er blieb auch während der Dresdner Zeit seiner Heimat stets verbunden und hielt sich während der Sommermonate in der Künstlerkolonie Ahrenshoop auf. Ab 1923 war er mit der Musikerin Irene Herzing verheiratet, einer Tochter des Dresdner Malers Andreas Herzing.

[Bearbeiten] Ausbildung

Nach einer Lehre als Dekorationsmaler und einem Studium an der Kunstgewerbeschule Düsseldorf kam Gimpel 1911 nach Dresden zu Otto Gussmann, zuletzt bis 1919 als Meisterschüler. Gussmann prägte ihn nachhaltig. Gimpels frühe Arbeiten orientierten sich am Jugendstil und galten vielfach der Dekoration von Bauwerken. Wie viele von Gussmanns Schülern stand Gimpel der Dresdner Sezession 1919 um Otto Dix nahe, ohne ihr allerdings beizutreten.

[Bearbeiten] Künstlerisches Schaffen während der Weimarer Republik

Gimpel zog 1921 endgültig nach Dresden und begann sich auf die Gebrauchsgrafik zu konzentrieren. In diesem Jahr entstanden zwei seiner bekanntesten Plakate für die Dresdner Werbeschau Lennéstraße [1] und die Kunstausstellung Brühlsche Terrasse.[2] Ab 1923 leitete er die Dresdner Ortsgruppe des Bundes Deutscher Gebrauchsgraphiker (BDG), der u. a. Arno Drescher, Friedrich Kurt Fiedler, Dore Mönkemeyer-Corty, Willy Petzold und Paul Sinkwitz angehörten. Der BDG war 1927 bei der Jahresschau Deutscher Arbeit mit einer eigenen Halle vertreten, für deren Innenausgestaltung neben Drescher und Fiedler auch Gimpel verantwortlich zeichnete. Bruno Gimpel malte aber auch und beteiligte sich an Wanderausstellungen der Fraternitas-Loge in Dresden.[3] Sein bekanntestes Werk, Meine Frau mit Laute von 1930, befindet sich seit 1980 in der Galerie Neue Meister durch einen Ankauf von Rita Schwickardi.

[Bearbeiten] Verfolgung durch die Nazis

Bruno Gimpel hatte sich als deutscher Patriot freiwillig zum Dienst als Krankenpfleger im Ersten Weltkrieg gemeldet und glaubte zunächst, nicht unmittelbar vom aufkommenden Antisemitismus betroffen zu sein. Im Vorraum der Semper-Synagoge hing bis zu ihrer Zerstörung am 9. November 1938 eine von Gimpel geschaffene Gedenktafel an die Gefallenen des 1. Weltkrieges.

Seine Funktion im Bund Deutscher Gebrauchsgraphiker musste Gimpel schon 1933 abgeben. Zwei Jahre später erhielt er Berufsverbot. Es blieben ihm nur noch Arbeiten im Rahmen der Jüdischen Gemeinde. 1934 fand eine große Ausstellung seiner Gemälde in den Räumen der Fraternitas-Loge statt.[4] Das Interview im Gemeindeblatt führte Eva Büttner. Er wirkte am Gemeindeblatt mit, gab Kindern z. B. im Kinderheim Porschendorf Zeichenunterricht und zeichnete 1938 die Dresdner Semper-Synagoge.[5] Als Kupferstich vervielfältigt wurde die Zeichnung jenen Gemeindemitgliedern mitgegeben, die Dresden verließen. Sie erinnerte sie an ihre verlorene Heimat.

1943 musste Gimpel - wie Victor Klemperer - zur Zwangsarbeit in die Teefabrik Willy Schlüter in der Wormser Straße 30c. Die zunehmende Erblindung eines Auges, wiederholte Verhaftungen und Verhöre, die ständigen Schikanen gegen seine nichtjüdische Ehefrau, die sich nicht hatte scheiden lassen, die bevorstehende Ausweisung aus seinem Zuhause in der heutigen Mendelssohnallee 10 sowie schließlich die angedrohte Deportation in die Vernichtungslager hatten an seinem Lebensmut gezehrt. Die vermutliche Ermordung seines Freundes Heinrich Conradi, eines Bakteriologen und Professors an der TH Dresden, am 26. April im Polizeigefängnis war der endgültige Auslöser für Gimpels Freitod. Sein Grab befindet sich auf dem Neuen Israelitischen Friedhof an der Fiedlerstraße.

Im Oktober 1945 würdigten die Dresdner Gebrauchsgraphiker ihren langjährigen Vorsitzenden; sie erhoben sich bei ihrer ersten Sitzung in ehrendem Gedenken von den Plätzen.

[Bearbeiten] Quellen

  1. Dresdner Werbeschau 1921
  2. Kunstausstellung Brühlsche Terrasse 1921
  3. Fraternitas-Loge Bnei Brith
  4. Agata Schindler: Dresdner Liste: Musikstadt Dresden und nationalsozialistische Judenverfolgung 1933-1945 in Wort und Bild: ein Beitrag zur Dresdner Musikgeschichte. 2003
  5. Die alte Dresdner Synagoge

[Bearbeiten] Weblinks

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