Synagoge

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Jüdische Synagoge in Dresden, erbaut von Gottfried Semper, zerstört 1938
Lageplan: Am rechten Bildrand die Semper-Synagoge zwischen dem Gondelhafen, dem Militärbauhof und der Augustusstraße, Auszug aus dem Stadtplan von 1849
Querschnitt der Alten Synagoge
Lithographie um 1860 der Semper-Synagoge

Die Semper-Synagoge entstand als jüdisches Gotteshaus 1838 zwischen Zeughausstraße und der Elbe und war nach langer Zeit das erste offizielle Bethaus der Juden in Dresden.

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Vorgeschichte

Das jüdische Leben in Dresden reicht bis in das 13. Jahrhundert zurück. In der Judenordnung von 1265 von Markgraf Heinrich der Erlauchte (1218-1288) wird auch die erste Dresdner Synagoge in der Judengasse erwähnt. 1411 konfisziert Friedrich der Streitbare (1370-1428). Obwohl sich seine Ehefrau Katharina von Braunschweig (1395-1442) nach dem Progrom von 1411 für die Juden einsetzt, verlieren sie danach für Jahrhunderte ihre Rechte in Dresden. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts war es Juden nicht erlaubt, ihre Toten in Sachsen, geschweige denn in Dresden beizusetzen. So mussten alle gestorbene Angehörige außerhalb des Landes, bis in das seinerzeit habsburgische Teplitz (heute Teplice/ Tschechische Republik) geschaffen und dort beerdigt werden. Erst ab 1751 besaßen die Juden wieder einen Friedhof in der Pulsnitzer Straße im Stadtteil Neustadt. Jüdische Gottesdienste durften nur in Privathäusern abgehalten werden.

[Bearbeiten] Bau der Synagoge

Nach dem Erlass des Gesetzes zur Religionsausübung der Juden bekam Gottfried Semper (1803-1879) den Auftrag zum Bau einer Synagoge an der Elbe zwischen dem Gondelhafen, dem Militärbauhof und der Augustusstraße. Die Gemeinde stand seinerzeit unter der Leitung von Oberrabbiner Zacharias Frankel.

Die Synagoge selbst hat einen quadratischen Grundriss von 20 mal 20 Metern. Über dem Mittelraum wurde ein achteckiger Tambour mit vier Rundbogenfenstern und einem Zeltdach errichtet. An der Westseite des Gebäudes befand sich eine Eingangshalle mit zwei Türmen. Der Synagogenbau war eine Kombination romanischer Grundformen mit einer orientalischen Kuppel. Durch die kubische Geschlossenheit mit Elementen aus der französischen Revolutionsarchitektur fügte sich das jüdische Gotteshaus von außen in eine zu dieser Zeit von aufstrebendem Deutschtum gekennzeichneten Umgebung ein. Konträr war dagegen die Innenausstattung in Anlehnung an das Leben maurischer Juden. Die Zeichnungen nach orientalischem Stil fertigte Semper persönlich an.

Die Tür und Fenstereinfassungen bestanden aus sächsischem Sandstein. Sonst wurde bis auf die hölzerne Kuppelkonstruktion normaler Putzbau angewandt. Die Synagoge hatte eine Kapazität von 300 Sitzplätzen für Männer in den Schiffen des Gebäudes sowie 200 Sitzplätzen für Frauen auf den Emporen. Die Höhe des Innenraumes bis zur Kuppeldecke betrug 23,50 Meter.

In der Synagoge war eine Jehmlich-Orgel eingebaut, die von Carl Eduard Jehmlich (2. Generation) konzipiert wurde[1].

Gemessen an anderen Bauten Gottfried Sempers gehört die Synagoge nach der Meinung verschiedener Experten nicht zu seinen Glanzleistungen. Es war ein Auftrag, den er eher rational und konventionell löste.

[Bearbeiten] Nutzung der Synagoge bis 1938

Bereits mit der Zuschüttung des Gondelhafens 1852 sowie der Bebauung der umliegenden Grundstücke wurde die architektonische Lage der Synagoge in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu ihrem Nachteil beeinflusst. Trotzdem entwickelte sich mit der Semper-Synagoge das jüdische Leben in Dresden bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts positiv.

Nach der Machtergreifung durch Hitler 1933 sowie dem Erlass der Nürnberger Rassengesetze 1935 wurde das jüdische Leben auch in Dresden immer mehr ausgegrenzt. Negativer Höhepunkt dieser Entwicklung war die Zerstörung der Semper-Synagoge durch nationalsozialistische SA-Truppen in der Reichsprogromnacht vom 9. auf den 10. September 1938. Das Feuer breitete sich in der Synagoge mit der Holzbestuhlung sowie über die hölzerne Kuppel schnell aus. Die Feuerwehr verhinderte lediglich das Übergreifen des Feuers auf benachbarte Gebäude. Die Ruine des ausgebrannten Gotteshauses wurde noch im gleichen Jahr gesprengt und abgetragen.

Das letzte Paar, das in der Synagoge getraut wurde, waren Werner Steinhart und Marga Goldblum. Sie heirateten am 5. November 1939.

[Bearbeiten] Jüdisches Leben nach 1945

Ab 1950 fanden wieder Gottesdienste in der Totenhalle am Neuen Jüdischen Friedhof in der Fiedlerstraße statt. 1975 wurde an der Stelle der ehemaligen Synagoge ein Gedenkstein von der Stadt Dresden zur Erinnerung an die Reichskristallnacht aufgestellt. Nach einem 1997 ausgeschriebenen Wettbewerb wurde von 1998 bis 2001 am Platz der alten Semper-Synagoge die Neue Synagoge errichtet.

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. http://www.jehmlich-orgelbau.de/deutsch/geschichte/firmengeschiche.htm

[Bearbeiten] Weblinks

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