Max Barth

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Max Barth während der Zeit als Präsident der Reichsbahndirektion Dresden

Max Alban Barth (* 27. Mai 1883 in Oberlungwitz bei Zwickau; † 5. Mai 1960 ebenda) war ein sächsischer Arbeiter, Widerstandskämpfer gegen den Faschismus sowie ab 1945 Eisenbahner in den Ämtern als Präsident der Reichsbahndirektion, zuerst in Dresden, danach in Berlin.

[Bearbeiten] Familie

Max Barth entstammte der sächsischen Familie Barth. Seine nähere Verwandtschaft war in der Strumpfindustrie in seinem Heimatort tätig. Barth war seit 1907 verheiratet und hatte eine Tochter, die 1921 geboren wurde.

[Bearbeiten] Leben und Wirken

Max Barth erlernte nach seiner Schulbildung den Beruf eines Nadelmachers. Als solcher ist der 1909 im Adressbuch für Hohenstein-Ernstthal sowie der umliegenden Orte in Oberlungwitz im dortigen Gemeindeweg im Haus 360 verzeichnet.[1] Barth nahm als Soldat am Ersten Weltkrieg teil und arbeitete in den 1930er Jahren in der Oberlungwitzer "Wirkmaschinenfabrik Carl Lieberknecht", dessen Inhaber Richard Lieberknecht war.[2] Diese Fabrik war eine der fünf Maschinenfabriken aus Chemnitz, Hohenstein-Ernstthal und Oberlungwitz, die sich 75 % der Weltproduktion von Cottonmaschinen teilten. Auf ihr konnten feinste Seidenstrümpfe produziert werden, die in der ganzen Welt gefragt waren. Im Adressbuch der Stadt Chemnitz wohnte Barth als Nadelrichter 1927 im Haus 454 in Oberlungwitz.[3]

Barth war Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), die gegen die hohe Arbeitslosigkeit in der Strumpfindustrie während der 1929 einsetzenden Weltwirtschaftskrise vorging und blieb auch nach der 1933 erfolgten Machtergreifung der Nationalsozialisten und dem Verbot der KPD - wenn auch in beschränktem Maße - politisch aktiv. Er wurde am 21. Oktober 1936 festgenommen und kam zusammen mit weiteren fünf Genossen der kommunistischen Ortsgruppe Oberlungwitz am 5. November 1936 in Untersuchungshaft. Barth wurde angeklagt 1934 etwa 5 bis 6 mal Parteibeiträge in Höhe von 50 bis 60 Reichspfennigen bezahlt zu haben sowie im Zeitraum von 1934 bis 1935 insgesamt dreimal die illegal gedruckte KPD-Zeitung "Rote Fahne" gekauft zu haben. Das Gericht wies dabei die Aussage von Barth zurück, dass er von seiner Partei aufgefordert wurde, diese Zahlungen zur Unterstützung von Häftlingen zu leisten.

Mit 18 weiteren Angeklagten wurde Barth am 13. April 1937 vom Oberlandesgericht in Dresden wegen "gemeinschaftlicher Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens sowie wegen die in verbrecherischer Weise gegen die staatliche Ordnung erfolgte Auflehnung" zu zwei Jahren und zwei Monaten Zuchthaus verurteilt.[4] Seine Haftstrafe verbüßte Barth in den Zuchthäusern Zwickau [5] und Waldheim.[6] Nach 1940 soll Barth im Lager Hohnstein in Schutzhaft genommen worden sein.

Obwohl Barth über keinerlei Erfahrungen im Eisenbahnbetrieb verfügte, löste er nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges Barth auf Befehl der sowjetischen Militäradministratur am 23. August 1945 den bisherigen amtierenden Präsidenten der Reichsbahndirektion Dresden, Hanns Reinige ab, der dieses Amt seit dem 9. Mai 1945 nur etwa dreieinhalb Monate führte. Ausschlaggebend für die Stellenbesetzung dieses wichtigen Amtes waren Barths KPD-Mitgliedschaft sowie seine Vergangenheit als Antifaschist. Barth erhielt damit den Dienstrang eines Reichsbahnoberdirektors.

Da dass bisherige Direktionsgebäude der Reichsbahndirektion Dresden und früheren Generaldirektion der sächsischen Staatseisenbahnen durch die Luftangriffe am 13. Februar 1945 fast total zerstört wurde, rief Barth die Dresdner Eisenbahner und Arbeiter auf, beim Wiederaufbau des Gebäudes des ehemaligen nationalsozialistischen Reichsnährstandes als Direktionsgebäude in der Ammonstraße zu helfen. In diesem Gebäude schuf beim Wiederaufbau Hans Moeller-Uetersen zwei Sgraffitos, von denen eines den Ingenieuren und Baueisenbahnern gewidmet ist.

In seiner Amtszeit als Präsident der Reichsbahndirektion Dresden waren seine Hauptaufgaben:

Dazu reiste Barth oft zu anderen Baustellen des Direktionsbezirkes Dresden.

Im März 1949 wurde der bisherige Präsident der Reichsbahndirektion Berlin, Willi Kreikemeyer zum Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn berufen, nachdem dieser bereits vorher mit der Leitung der Deutschen Reichsbahn beauftragt wurde. Nach einer kurzen Amtszeit des vorherigen Vizepräsidenten der Reichsbahndirektion Schwerin, Franz Schmidtke, löste Max Barth im Juni 1950 diesen wiederum als Präsidenten der Berliner Direktion ab.[7] Barths Amtsgeschäfte in Dresden übernahm ab offiziell ab dem 13. Juni 1950 Hans Uhle.[8] Im gleichen Jahr wurde Barth als Verfolgter des Naziregimes (VdN) offiziell anerkannt.

Als im Zusammenhang mit dem Volksaufstand am 17. Juni 1953 in der DDR es auch zu Anschlägen auf Eisenbahnen kommen sollte, um diese still zu legen, befahl der Minister für Eisenbahnwesen der DDR, Roman Chwalek am 21. Juni allen Präsidenten, Amtsvorständen, Werkdirektoren sowie Leitern der Betriebe und Dienststellen, "bis auf Widerruf ab 20 Uhr für alle Kader höchste Alarmbereitschaft". Weiter ordnete Chwalek an, dass die Präsidenten ab 24 Uhr alle zwei Stunden Meldung an das Ministerium machen müssen.

Nachdem der zu diesem Zeitpunkt bereits 70-jährige Barth seinen Vizepräsidenten, Kurt Freitag mit dem Bereitschaftsdienst beauftragt hatte, er selbst schon vier Tage kaum geschlafen hatte, ging er an jenem Abend des 21. Juni gegen 20 Uhr nach Hause, um sich etwas auszuruhen. Diese Tatsache führte dazu, dass Minister Chwalek Barth wegen seiner "ungeheuren Pflichtverletzung" sofort vom Amt entband, wozu er nicht berechtigt war, denn für den Einsatz und die Abberufung in den Leitungsfunktionen entschied auch das Sekretariat des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Chwalek beantragte nachträglich am nächsten Tag die Bestätigung seiner Maßnahme, außerdem ein Parteiverfahren gegen Barth sowie die sofortige Versetzung in den Ruhestand.

Der Stellvertreter des Ministers für Eisenbahnwesen und Leiter der Politischen Verwaltung der Deutschen Reichsbahn, Robert Menzel, befürwortete zwar die Amtsenthebung, empfahl aber Barth weiter in einer untergeordneten Funktion der Deutschen Reichsbahn arbeiten zu lassen, wozu es aber nicht mehr kam. Mit Barths Absetzung übernahm am 22. Juni 1953 die Amtsgeschäfte des Präsidenten der Reichsbahndirektion Berlin der bisherige Vizepräsidenten, Kurt Freitag. Am 31. Juli 1953 empfahl die Zentrale Parteikontrollkommission der SED - sicher auch Aufgrund der Verdienste Barths als Widerstandskämpfer in der Zeit des Nationalsozialismus - nur eine strenge Rüge wegen seiner Pflichtverletzung gegen Barth. Dies wurde nachträglich durch das Sekretariat des Zentralkomitees der SED am 10. September 1953 im Punkt 25 des Protokolls der Sitzung bestätigt.

Barth zog sich daraufhin an seinen Geburtsort Oberlungwitz zurück, wo er wenige Tage vor seinem 77. Geburtstag verstarb.

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Adressbuch Hohenstein-Ernstthal 1909, SLUB, S. 231
  2. Adressbuch Hohenstein-Ernstthal 1909, SLUB, S. 231
  3. Adressbuch Chemnitz 1927, SLUB, S. 1205
  4. Akte DY 55/V 287/628 im Bundesarchiv
  5. Sächsisches Staatsarchiv, 30071 Zuchthaus Zwickau (zusammengefasster Bestand), Nr. 512, Datensatz im Hauptstaatsarchiv Sachsen
  6. Sächsisches Staatsarchiv, 20036 Zuchthaus Waldheim, Nr. 12694, Datensatz im Hauptstaatsarchiv Sachsen
  7. Präsidenten der Reichsbahndirektion Berlin auf www.bahnstatistik.de
  8. Helga Kuhne: Deutsche Eisenbahndirektionen, Eisenbahndirektion Dresden 1869-1993. VBN Verlag B. Neddermeyer, 2010, ISBN 978-3-941712-05-8, S. 137
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