Max Barth

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Max Barth während der Zeit als Präsident der Reichsbahndirektion Dresden

Max Otto Oswald Barth (* 10. Juli 1894 in Dresden) war ein sächsischer Soldat, Arbeiter, Gewerkschafter, KPD-Mitglied und Widerstandskämpfer gegen den Faschismus sowie ab 1945 Eisenbahner in den Ämtern als Präsident der Reichsbahndirektion, zuerst in Dresden, danach in Berlin.

[Bearbeiten] Leben und Wirken

Nach seiner Schulbildung arbeitete Max Barth zuerst bei einem Großbauern auf der Insel Rügen. Anschließend heuerte er bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 zuerst als Schiffer in Stralsund und danach als Seemann auf einem Hamburger Segelschiff an. Während dieser Zeit trat er dem Transportarbeiterverband bei.

Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde Barth zur kaiserlichen Kriegsmarine als Marinesoldat eingezogen. Dort engagierte er sich erstmals politisch und verteilte u.a. Flugblätter. Dadurch wurde er zunächst strafversetzt und kam ab Oktober 1918 in Haft auf einem Stabsschiff der Vorpostenflottille. Nach seiner am 7. November 1918 erfolgten Befreiung im Zuge des Kieler Matrosenaufstandes beteiligte sich Barth auf Seiten der revolutionären Matrosen an den Kämpfen der Novemberrevolution. Noch im gleichen Jahr wurde er Mitglied der neugegründeten Kommunistischen Partei Deutschlands.

Nach dem Krieg kehrte Barth 1919 nach Dresden zurück, wo er in eine Wohnung in der ersten Etage in der Cossebauder Straße 33 zog. Hier ist er erstmals im Dresdner Adressbuch 1920 als Soldat verzeichnet.[1] Anfang der 1920er Jahre erhielt er eine Anstellung als Güterbodenarbeiter in der Güterabfertigung des Bahnhofs Dresden-Altstadt.[2] Diesen Beruf übte er bis 1933 aus.[3] Von 1920 bis 1933 war Barth Vorsitzender des Betriebsrates dieser Betriebsstätte sowie zeitweise auch Mitglied des Bezirksbetriebsrates der Reichsbahndirektion Dresden. Nach eigenen Angaben wurde er bereits 1923 im Rahmen der ersten Spaltungsphase als eines der ersten Mitglieder aus der im Juli 1916 gegründeten sozialdemokratischen Eisenbahnergewerkschaft, des Deutschen Eisenbahner-Verbands (DEV) ausgeschlossen. Hintergrund dürften seine agitatorischen Aktivitäten als Mitglied der KPD gewesen sein. 1930 und 1931 kandidierte Barth auf den Listen der Revolutionären Gewerkschaftsopposition (RGO) neben dem Bezirks- auch für den Hauptbetriebsrat der Deutschen Reichsbahn. Die RGO war bei den Eisenbahnern zwar nicht zu vernachlässigen, erreichte aber nie einen Einfluss wie die Gewerkschaft DEV.[4] Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Barth in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933, aufgrund seiner Tätigkeit für die KPD und der Verhaftungswelle nach dem Brand des Reichstagsgebäudes verhaftet. Barths Ehefrau Maria Elisabeth Barth blieb nach seiner Verhaftung bis 1936 dort wohnen,[5] war aber arbeitslos.[6]

1936 aus der Haft entlassen, zog Barth nach Loschwitz in die dortige Calberlastraße 1 und verdiente sich seinen Lebensunterhalt als kaufmännischer Vertreter,[7] betätigte sich aktiv aber auch weiterhin illegal im Widerstand gegen die nationalsozialistische Regierung. In der Erdgeschosswohnung der Loschwitzer Villa ist er bis 1938 aufgeführt.[8][9] Nach seiner erneuten Verhaftung zog Barths Ehefrau wieder zurück in die Cossebauder Straße, diesmal in die Hausnummer 35. Sie arbeitete fortan als Packerin,[10] wo sie bis 1944 im Adressbuch verzeichnet ist.[11] Nach 1940 soll Barth im Lager Hohnstein in Schutzhaft genommen worden sein.

Obwohl Barth über keinerlei Erfahrungen im Eisenbahnbetrieb verfügte, löste er nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges Barth auf Befehl der sowjetischen Militäradministratur am 23. August 1945 den bisherigen amtierenden Präsidenten der Reichsbahndirektion Dresden, Hanns Reinige ab, der dieses Amt seit dem 9. Mai 1945 nur etwa dreieinhalb Monate führte. Ausschlaggebend für die Stellenbesetzung dieses wichtigen Amtes waren Barths KPD-Mitgliedschaft sowie seine Vergangenheit als Antifaschist. Barth erhielt damit den Dienstrang eines Reichsbahnoberdirektors. Bereits am 3. August 1945 eröffnete Barth zusammen mit sowjetischen Offizieren die am Ende des Zweiten Welzkrieges zerstörte Eisenbahnbrücke bei Leisnig, die innerhalb von nur drei Monaten mit Unterstützung von sowjetischen Pionieren der Roten Armee wieder aufgebaut wurde.[12]

Da dass bisherige Direktionsgebäude der Reichsbahndirektion Dresden und früheren Generaldirektion der sächsischen Staatseisenbahnen durch die Luftangriffe am 13. Februar 1945 fast total zerstört wurde, rief Barth die Dresdner Eisenbahner und Arbeiter auf, beim Wiederaufbau des Gebäudes des ehemaligen nationalsozialistischen Reichsnährstandes als Direktionsgebäude in der Ammonstraße zu helfen. In diesem Gebäude schuf beim Wiederaufbau Hans Moeller-Uetersen zwei Sgraffitos, von denen eines den Ingenieuren und Baueisenbahnern gewidmet ist.

In seiner Amtszeit als Präsident der Reichsbahndirektion Dresden waren seine Hauptaufgaben:

Dazu reiste Barth oft zu anderen Baustellen des Direktionsbezirkes Dresden. 1946 wurde Barth Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), dem Zusammenschluss von KPD und SPD in der sowjetischen Besatzungszone.

Im März 1949 wurde der bisherige Präsident der Reichsbahndirektion Berlin, Willi Kreikemeyer zum Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn berufen, nachdem dieser bereits vorher mit der Leitung der Deutschen Reichsbahn beauftragt wurde. Nach einer kurzen Amtszeit des vorherigen Vizepräsidenten der Reichsbahndirektion Schwerin, Franz Schmidtke, löste Max Barth im Juni 1950 diesen wiederum als Präsidenten der Berliner Direktion ab.[13] Barths Amtsgeschäfte in Dresden übernahm ab offiziell ab dem 13. Juni 1950 Hans Uhle.[14] In Berlin wohnte Barth von 1950 bis 1953 im Köpenicker Ortsteil Spindlersfeld im dortigen Angersteinweg.

1950 wurde Barth als Verfolgter des Naziregimes (VdN) offiziell anerkannt. Als Präsident der RBD Berlin war seine erste große Amtshandlung die publikumswirksame Einweihung der S-Bahn-Strecke nach Königs Wusterhausen am 1. Mai 1951. Im Juni desgleichen Jahres hielt er auch eine Festrede im Friedrichstadt-Palast zum erstmalig in der DDR begangenen "Tag es Eisenbahners". Im Herbst 1951 widmete Barth dem Tod des Eisenbahners Ernst Kamieth einen Nachruf.[15] Barth nahm an der Eröffnungsfeier zur Fertigstellung des südlichen Berliner Außenrings am 11. Dezember 1951 teil, zusammen mit dem DDR-Verkehrsminister Hans Reingruber und dem Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn, Erwin Kramer teil.[16] Ende 1952 stoppte Barth eine Planung zum neuen Winterfahrplan der Berliner S-Bahn 1952/53, wonach die S-Bahn-Züge im Westen Berlins auf den jeweils letzten westsektoralen Bahnhöfen enden sollten, so dass von den bisher durchgehend fahrenden Zügen nur noch einzelne in den Ostteil der Stadt fahren sollten.[17]

Als im Zusammenhang mit dem Volksaufstand am 17. Juni 1953 in der DDR es auch zu Anschlägen auf Eisenbahnen kommen sollte, um diese still zu legen, befahl der Minister für Eisenbahnwesen der DDR, Roman Chwalek am 21. Juni allen Präsidenten, Amtsvorständen, Werkdirektoren sowie Leitern der Betriebe und Dienststellen, "bis auf Widerruf ab 20 Uhr für alle Kader höchste Alarmbereitschaft". Weiter ordnete Chwalek an, dass die Präsidenten ab 24 Uhr alle zwei Stunden Meldung an das Ministerium machen müssen. Nachdem Barth seinen Vizepräsidenten, Kurt Freitag mit dem Bereitschaftsdienst beauftragt hatte, er selbst schon vier Tage kaum geschlafen hatte, ging er an jenem Abend des 21. Juni gegen 20 Uhr nach Hause, um sich etwas auszuruhen. Diese Tatsache führte dazu, dass Minister Chwalek Barth wegen seiner "ungeheuren Pflichtverletzung" sofort vom Amt entband, wozu er nicht berechtigt war, denn für den Einsatz und die Abberufung in den Leitungsfunktionen entschied auch das Sekretariat des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Chwalek beantragte nachträglich am nächsten Tag die Bestätigung seiner Maßnahme, außerdem ein Parteiverfahren gegen Barth sowie die sofortige Versetzung in den Ruhestand. Sein Nachfolger im Amt als Präsident wurde sein bisheriger Stellvertreter Kurt Freitag.[18]

Der Stellvertreter des Ministers für Eisenbahnwesen und Leiter der Politischen Verwaltung der Deutschen Reichsbahn, Robert Menzel, befürwortete zwar die Amtsenthebung, empfahl aber Barth weiter in einer untergeordneten Funktion der Deutschen Reichsbahn arbeiten zu lassen, wozu es aber nicht mehr kam. Mit Barths Absetzung übernahm am 22. Juni 1953 die Amtsgeschäfte des Präsidenten der Reichsbahndirektion Berlin der bisherige Vizepräsidenten, Kurt Freitag. Am 31. Juli 1953 empfahl die Zentrale Parteikontrollkommission der SED - sicher auch Aufgrund der Verdienste Barths als Widerstandskämpfer in der Zeit des Nationalsozialismus - nur eine strenge Rüge wegen seiner Pflichtverletzung gegen Barth. Dies wurde nachträglich durch das Sekretariat des Zentralkomitees der SED am 10. September 1953 im Punkt 25 des Protokolls der Sitzung bestätigt.

Ab 1954 lebte Barth dann wieder in Dresden. In einer Chronik der Reichsbahn aus den 1980er Jahren wurde sein 1953 begangenes "Vergehen" nicht mehr erwähnt.

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Adressbuch Dresden 1920, S. 93, SLUB
  2. Erstmals als solcher im Adressbuch Dresden 1924/25, S. 90, SLUB
  3. Adressbuch Dresden 1933, S. 72, SLUB
  4. Bernhard Schoßig (Hrsg.): Unter dem geflügelten Rad, Institut für zukunftsweisende Geschichte e.V., München 2001, Lesevorschau auf Google Books, ISBN 3-8311-2208-3, S. 188f.
  5. Adressbuch Dresden 1934, S. 168, SLUB
  6. Adressbuch Dresden 1936, S. 149, SLUB
  7. Adressbuch Dresden 1937, S. 169, SLUB
  8. Adressbuch Dresden 1938, S. 149, SLUB
  9. Adressbuch Dresden 1933, Häuserbuch, S. 1492, SLUB
  10. Adressbuch Dresden 1939, S. 150, SLUB
  11. Adressbuch Dresden 1943/44, S. 129, SLUB
  12. Modelleisenbahner 1995, im Internet Archiv
  13. Präsidenten der Reichsbahndirektion Berlin auf www.bahnstatistik.de
  14. Helga Kuhne: Deutsche Eisenbahndirektionen, Eisenbahndirektion Dresden 1869-1993. VBN Verlag B. Neddermeyer, 2010, ISBN 978-3-941712-05-8, S. 137
  15. Dem Vergessen entreißen: Vor 60 Jahren – Ernst Kamieth, ein Opfer des Kalten Krieges, Online auf www.unz.de
  16. Archiv Neues Deutschland, Dezember 1951, Vorschau auf /www.nd-archiv.de
  17. Das große Netz in: DER SPIEGEL 44/1952, Spiegel-Archiv auf www.spiegel.de
  18. Königliche Eisenbahndirektion zu Berlin auf www.bahnstatistik.de
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