Hieronymus Gottfried Behrisch

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Hieronymus Gottfried Behrisch (* 7. Juli 1645 in Weißenfels;[1]10. April 1726 in Dresden)[2][3] war ein deutscher Jurist, Rechtskonsulent und Ratsherr von Dresden, zuletzt als Stadtsyndikus. Als Rittergutsgesitzer war er außerdem Erb-, Lehn- und Gerichtsherr auf Untergreißlau bei Weißenfels sowie später auch auf Volkersdorf bei Radeburg.

[Bearbeiten] Familie

Hieronymus Gottfried Behrisch entstammte der Gelehrtenfamilie Behrisch, die bereits Anfang des 18. Jahrhunderts über 200 Jahre zurückverfolgt werden konnte und in vielen öffentlichen Ämtern der damaligen Zeit zu finden war.

Hieronymus Gottfried Behrisch wurde am 7. Juli 1645 als Sohn des Juristen, Dr. jur. Christian Behrisch geboren, Fürstlich-Sächsisch-Merseburgischer Hof- und Justizienrat sowie Erb-, Lehn- und Gerichtsherr auf Untergreißlau. Sein Großvater war Hans Behrisch, anfangs kursächsischer Schulverwalter der Fürstenschule zu Grimma, später Amtsgeleitmann in Weißenfels. Sein Urgroßvater Hannß Behrisch (d.Ä.) war Oberzeugschreiber am Dresdner Hof des Kurfürsten Christian I.. Hieronymus Gottfrieds Mutter, Anna geb. Nüchter war die Witwe des Advokats und Bürgermeisters zu Weißenfels, Johann Grumpen. Seine Großmutter Magdalena geb. Freudiger war die Tochter des kursächsischen Amtsvogts zu Oschatz, Hieronymus Freudiger.

Hieronymus Gottfried Behrisch heiratete am 23. August 1675 in Dresden Rahel Sophia Jünger (* 24. April 1654 in Dresden; † 19. Oktober 1694 ebenda), die Tochter des Dresdner Bürgermeisters Franz Jünger, die im Kindsbett ihres jüngsten Sohnes gestorben war.[4] Das Paar hatte zehn Kinder:

1694, zum Zeitpunkt des Todes von Behrischs Mutter Rahel Sophia waren allerdings bereits drei Söhne und zwei Töchter verstorben. Beim Tod von Hieronymus Gottfried Behrisch lebten nur noch Burkhard Leberecht und Friedrich.

Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau heiratete Hieronymus Gottfried Behrisch am 27. August 1696 Johanna Emilia geb. von Hantzschmann († 1. April 1726 in Volkersdorf bei Radeburg), Tochter des ehemaligen kaiserlichen Hauptmannes im Regiment des Grafen von Promnitz, George von Hantzschmann, später kursächsischer Offizier im Cannischen Regiment.[6] Mit seiner zweiten Ehefrau hatte Behrisch nochmals vier Kinder:

Bei seinem Tod hatte Hieronymus Gottfried Behrisch außerdem bereits sieben Enkel und einen Urenkel.

[Bearbeiten] Leben und Wirken

Hieronymus Gottfried Behrisch erhielt anfangs Privatunterricht im elterlichen Haus in Merseburg und wurde für die höhere Schulbildung nach Ostern 1658 in die Fürstenschule nach Schulpforta bei Naumburg geschickt, wo er sechs Jahre blieb. 1664 ging Behrisch an die Universität nach Leipzig, wo er sich zwei Jahre dem Studium der Philosophie, der politischen Geschichte und Kunstwissenschaften studierte. 1666 ging er an die Universität nach Jena, wo er seine Studien auf dem Gebiet der Rechtswissenschaften fortsetzte und im März 1669 seine juristische Dissertation ablegte.[8]

Am 14. August 1669 verließ Behrisch Jena und ging nach Dresden, wo er am 22. August desselben Jahres ankam. In Dresden wurde Behrisch Hofmeister der Freiherren Hiob Adam und George Rudolf von Gersdorff. In diesem Amt blieb er bis 1670, um sich danach als praktizierender Jurist niederzulassen. Bereits am 6. April 1671 wurde Behrisch auf Empfehlung des Appellations- und Oberkonsistorialrats Dr. Jacobi zum Stadtschreiber in Dresden gewählt, am 8. April auf sein neues Amt vereidigt und am 28. April in seine Amtsgeschäfte eingeführt. Diese Funktion übte er bis 1680 aus, als er zum Vize-Syndikus der Stadt Dresden gewählt wurde.

1697 wurde Hieronymus Gottfried Behrisch nach dem Tod seines Amtsvorgängers, des Appellationsrats Färber, schließlich zum Stadtsyndikus von Dresden berufen. Auch im Dresdner Adressbuch von 1702 ist Behrisch als Mitglied des Stadtmagistrats und Ratsherr in der Funktion des Stadtsyndikus verzeichnet.[9] Zu seinem 50-jährigen Dienstjubiläum im Jahr 1721 reichte Behrisch seinen Rücktritt ein und wurde pensioniert.

Bereits 30 Jahre vor seinem eigentlichen Tod begann Behrisch die Vorbereitungen für sein Ableben und ließ seinen Sarg anfertigen. In einer Urkunde vom 3. Mai 1711 dankte er Gott für sein erfülltes Leben. Nach seinem 70. Geburtstag bereitete er sein Testament vor und ließ es am 8. November 1715 beurkunden.

Am 21. März 1726 befiel Behrisch eine Krankheit mit Kopf- und Magenschmerzen. Sein Sohn Christian Gottfried und der Arzt Dr. Bergmann versuchten ihn mit Medizin zu heilen. Zu den Schmerzen stellte sich später noch Fieber und weiteres Unwohlsein ein, so dass er seinen Beichtvater, den Superintendent Dr. Valentin Ernst Löscher zu sich rief. Bereits selbst im Krankenbett in Dresden, erhielt er am 1. April die Nachricht, dass seine Ehefrau Johanna Emilia mittags 12 Uhr an einem Schlaganfall gestorben sei. Behrisch überlebte sie 10 Tage und starb selbst 14 Wochen vor seinem 82. Geburtstag.

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Dies entspricht dem 17. Juli 1645 nach dem heute gültigen Gregorianischen Kalender. Bis 1700 galt in allen protestantischen Reichsständen im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation noch der Julianische Kalender. Deshalb spricht Löscher in der Leichenpredigt davon, dass Behrisch 14 Wochen bis zu seinem 82. Geburtstag fehlten.
  2. Datensatz zu Hieronymus Gottfried Behrisch auf eod search
  3. Hieronymus Gottfried Behrisch im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  4. Der bey seinen Gläubigen in aller Noth treu aushaltende Gott bey Leichbestattung der Fr. Rachel Sophien Behrischin geb. Jüngerin ... , Bernhard Schmidt, Dresden, 1694 digitalisierter Druck aus der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB)
  5. Geburts- und Sterbedaten auf www.familysearch.org, abgerufen am 12. Februar 2012
  6. Das gebrochene Closter-Gelübde wolten Ihrer geliebtesten Schwester/ Jungfer Johanna Emilia geb. Handschmannin... [Onlineausgabe der ULB Sachsen-Anhalt]
  7. Der Titel „Doctor beyder Rechte“ bedeutet, dass der Doktortitel sowohl im weltlichen (Jurist) als auch kanonischen Recht (Kirchenrecht) abgelegt wurde.
  8. Dissertatio iuridica de diligentia, 1669, Onlineausgabe der Bayrischen Staatsbibliothek
  9. Adressbuch "Königliches Dresden in Meissen", 1702, SLUB Dresden, S. 102
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