Ehrenfried Walther von Tschirnhaus

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Ehrenfried Walther von Tschirnhaus

Ehrenfried Walther von Tschirnhaus (* 10. April 1651 auf Kieslingswalde (Oberlausitz); † 11. Oktober 1708 in Dresden) war ein Mathematiker und Philosoph. Tschirnhaus errichtete die ersten Glashütten in Sachsen und war beteiligt an der Erfindung des Meißner Porzellans.

[Bearbeiten] Leben und Wirken

[Bearbeiten] Ausbildung

Tschirnhaus wurde mit seinen Brüdern in der Oberlausitz von mehreren Gelehrten unterrichtet, darunter einem Magister Nathanael Heer, dem sie nach Lauban folgten, als er dorthin zum Prediger berufen wurde. Tschirnhaus besuchte danach das Gymnasium Görlitz, das er bereits im 15. Jahre „unter dem berühmten Vechnero in prima classe“ studierte. Zusätzlich bildete der Junge sich autodidaktisch weiter, vor allem in der Mathematik. Mit 17 Jahren ging Tschirnhaus 1668 auf die Akademie nach Leyden, überstand hier eine Pesterkrankung und verließ die Akademie 1672 zwischenzeitlich, als Frankreich in die Niederlande einfiel. Tschirnhaus trat als Freiwilliger der holländischen Armee bei und hielt in dieser Zeit auch der Belagerung von Wesel mit stand. Obwohl ihm eine Beförderung zum Hauptmann in Aussicht gestellt worden war, verließ Tschirnhaus nach anderthalb Jahren die Armee wieder. Danach setzte er seine Studien besonders der Physik, Mathematik und Mechanik in Leyden fort.

[Bearbeiten] Auf Reisen

1675 verließ Tschirnhaus Holland und unternahm ausgedehnte Reisen. Er ging zunächst nach England, hielt sich dann vom September 1675 bis zum November 1676 in Paris auf, reiste von hier über Lyon nach Italien, besuchte Turin, Mailand und Venedig und verweilte etwa ein Jahr in Rom (1677 bis 1678). Bis nach Sizilien und Malta erstreckten sich seine Fahrten. Überall knüpfte er mit hervorragenden Gelehrten Bekanntschaft, so in Holland mit Hudden und Huyghens, in England mit Newton, Collins und Oldenburg und in Italien mit Michael Angelo Ricci, Kircher, Alphons Borelli. Auch mit Spinoza kam er während seines holländischen Aufenthalts in Berührung. Namentlich aber lernte er in Paris Leibniz persönlich kennen, mit dem er sich anfreundete. 1682 berief ihn die Akademie der Wissenschaften Frankreichs zum Mitglied. Als 1684 sein Vater starb, kehrte Tschirnhaus auf die Familiengüter zurück.

[Bearbeiten] Entwicklung seiner Philosophie

In seiner Schrift »Medicina mentis sive artis inveniendi praecepta generalia« von 1687 mit ihren weiteren Auflagen in den Jahren 1695 und 1705 legte Tschirnhaus die Grundzüge seiner Philosophie dar. Er war darin von Descartes, Spinoza und Leibniz beeinflusst. Seine »Medizin des Geistes« war als eine Methodologie des Erkennens und der Wissenschaft (eine »ars inveniendi«) gedacht, eine »sachliche Philosophie« (»philosophia realis«) gegenüber der bloß verbalen.

[Bearbeiten] In Dresden und Umgebung

Sphärischer Brennspiegel im Mathematisch-Physikalischen Salon
Tschirnhaus cubic

Nach Sachsen zurückgekehrt, erwarb sich Tschirnhaus vor allem dadurch Verdienste, dass auf sein Betreiben hin die ersten drei Glashütten im Land angelegt wurden. Er entdeckte in Sachsen zudem eine besondere Art von Edelsteinen, bei der sich in einer Masse Jaspis, Chalcedon und Amethist finden; auch zeigte er viele Korallen- und Achat-Brüche an. In der Mathematik und Physik hat sich Tschirnhaus durch seine Quadratur-, Rektifikations- und Tangentenmethoden, seine Brennlinien, Brenngläser und seine Auflösung der Gleichungen große Verdienste erworben. Als August der Starke am Weißeritzmühlgraben einen Eisenhammer in eine Schleif- und Poliermühle für Edelsteine umwandeln ließ, stellte Tschirnhaus in dieser Spiegelschleife die von ihm 1687 erfundenen Brennspiegel her. Diese bestanden aus Kupferplatten von 1,9 Meter Durchmesser und 1,26 Meter Brennweite.[1] Auf Befehl des sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs August des Starken gehörte Tschirnhaus bis 1708 einer geheimen Mannschaft zur Herstellung von Gold zusammen mit Johann Friedrich Böttger, Jacob Bartolomäi und Michael Nehmitz an. Letztlich war dies die Geburtsstunde des Meißner Porzellans. Die Tschirnhausstraße erinnert heute an seine Verdienste.

[Bearbeiten] Grundthesen der Philosophie von Tschirnhaus

Alle Erkenntnis beruht nach Tschirnhaus auf Erfahrung und deren begrifflichen Verarbeitung, zunächst auf innerer Erfahrung, aus der sich vier feste Grundtatsachen ergeben:

Wissenschaft entsteht nach Tschirnhaus erst durch die Arbeit des logischen Denkens und ist apriorisch-begrifflicher, demonstrativ-deduktiver Art, ihre Methode ist die mathematische. Durch sichere Erfahrungen wird das Denken bestätigt, die sinnlichen Wahrnehmungen und Vorstellungen aber sind keine Erkenntnis. Verstand und Einbildungskraft (»imaginatio«) müssen scharf auseinander gehalten werden. Wahr ist, was sich begreifen lässt (»quod potest concipi«), falsch, was unbegreifbar ist. Alle Irrtümer entspringen der Einbildungskraft, nicht dem Verstande. Die Elemente des Mathematischen sind Punkte, die Elemente des Realen die Materie und deren Bewegung, von welcher die Ausdehnung abhängig ist. Auf der Physik (Naturwissenschaft) beruhen alle empirischen Wissenschaften; die Physik ist eine »göttliche« Wissenschaft, denn die Gesetze, mit denen sie sich beschäftigt, rühren von Gott, der in der Welt wirkt, her. Die Physik ist auch für die Ethik grundlegend, indem sie die Menschen dadurch von den Leidenschaften befreit, dass sie den Ursprung derselben in der Einbildungskraft zeigt und die Menschen auf deren Abhängigkeit von Gott aufmerksam macht.

[Bearbeiten] Familie

Tschirnhaus' Vorfahren waren aus Mähren und Böhmen eingewandert und schon seit vier Jahrhunderten in der Oberlausitz erbeingesessen. Sein Vater, Christoph von Tschirnhaus, war kurfürstlich sächsischer Rat und Landesältester im Görlitzischen Fürstentum. Seine Mutter, Elisabeth Eleonore, war eine geborene Freiin von Stierling und Achyl. Tschirnhaus hatte zwei Brüder, Friedrich Gottlob und Georg Albrecht.

1682 heiratete Tschirnhaus Elisabeth Eleonore von Lest. Aus dieser Ehe gingen drei Söhne und drei Töchter hervor. Nach neun Jahren als Witwer heiratete Tschirnhaus im Februar 1702 Elisabeth Sophie von der Schulenburg. Sie hatten zusammen zwei Kinder. Schon nach vier Jahren starb auch seine zweite Frau.

[Bearbeiten] Quellen

  1. Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 3. Leipzig 1905, S. 390.

[Bearbeiten] Weblinks

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