Belagerung von Dresden (1760)

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Die erfolglose Belagerung von Dresden vom 13. Juli bis zum 22. Juli 1760 durch die Preußische Armee war ein Teil des Siebenjährigen Krieges (auch Dritter Schlesischer Krieg).

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Vorgeschichte

[Bearbeiten] 1756: Umkehrung der europäischen Allianzen

Friedrich der Große eröffnete den Siebenjährigen Krieg, indem er am 29. August 1756 ohne vorherige Kriegserklärung in Sachsen einfiel. Er hegte sehr ambitionierte territoriale Expansionspläne vor allem auf Kosten des benachbarten Sachsens, die sich aber erst 29 Jahre nach seinem Tod mit dem "Friedens- und Freundschaftsvertrag" vom 18. Mai 1815 erfüllten. In der Teilung des Königreiches Sachsen verlor das Land etwa 60 % seiner Fläche mit etwa 40 % seiner Einwohner (850.000 sogenannten "Beutepreussen") durch erzwungene Abtretung an Preußen.[1]

Am 16. Januar 1756 war die Konvention von Westminster zwischen Preußen und dem Britischen Königreich beschlossen wurden, ein Garantievertrag zwischen Friedrich II. – König in Preußen – und Georg II. von Großbritannien und Hannover.

Daraufhin schlossen die bisherigen Erzrivalen Frankreich und Österreich am 1. Mai 1756 den Vertrag von Versailles als als Neutralitätskonvention und Defensivbündnis. Frankreich befand sich mit dem Britischen Königreich seit 1754 im Siebenjährigen Krieg in Nordamerika um die dortige Vorherrschaft.

Frankreich – seit 1659 die vorherrschende Macht in Europa - trennte sich damit von seinem bisherigen Bündnispartner Preußen und leitete das Renversement des alliances (deutsch: die „Umkehrung der Allianzen“) ein.

In der Folge löste der Deutsche Dualismus Österreich–Preußen den Dualismus Österreich–Frankreich als mitbestimmende Mächtekonstellation in der europäischen Pentarchie (Frankreich, England, Rußland sowie Österreich und Preußen) ab.

Preußen überfiel des taktischen Vorteils wegen das benachbarte, sogar im gleichen Obersächsischen Reichskreis liegende, aber mit Österreich verbündete Sachsen. Das Kurfürstentum Sachsen war ganz im Gegensatz zu dem Kurfürstentum Brandenburg durch die Günstlingswirtschaft des Königs August III. und die Selbstbereicherung von Graf Heinrich von Brühl und anderen wirtschaftlich ausgeblutet und deswegen auch militärisch am Boden war. Beide Potentaten waren gleich auf die als uneinnehmbare Festung Königstein geflüchtet.

Friedrich der Große kam damit lediglich einem bereits abgesprochenen koordinierten Angriff einer Allianz praktisch aller direkten Nachbarn Preußens einschließlich der Großmächte Österreich, Frankreich und Russland um wenige Monate zuvor. Dieser Plan ging wesentlich auf die Bemühungen des streng katholischen österreichischen Kanzlers Wenzel Anton von Kaunitz-Rietberg zurück. Dessen Bruder war Domherr, sein Onkel Bischof. Kaunitz versuchte mit allen Mitteln, den Protestantismus zurückzudrängen und insbesondere Schlesien für Österreich von Preußen wiederzugewinnen.

[Bearbeiten] 9. September 1756: kamplose Besetzung Dresdens durch die Preußen

Bereits am 9. September zog die preußische Armee kampflos in Dresden ein und Friedrich II. von Preußen nahm vor dem Goldenen Reiter seine Truppenparade ab [2]. Er errichtete in Dresden eine preußische Besatzung und stzte einen preußischen Gouverneur ein. Am 16. Oktober kapitulierte die militärisch gefangene sächsische Armee am Lilienstein, wurde zerschlagen und größtenteils in die preußische Armee eingegliedert.

Damit hatte Friedrich der Große Landfriedensbruch im Sinne des damaligen Ewigen Landfrieden vom 7. August 1495 begangen:

[Bearbeiten] 1757: Reichsexekution

Für die Wahrung des Ewigen Landfriedens war als oberste Rechtsinstanz das Reichskammergericht (seit 1689 in Wetzlar) zuständig. Dieses faßte am 17. Januar 1757 einen Reichsschluß gegen das hohenzollernsche Brandenburg-Preußen zur Reichsexekution, welche der Reichsarmee übertragen wurde. Dieser Beschluß wird allgemein als die wichtigste Reichsexekution des Heiligen Römischen Reiches angesehen.

Mit der Durchsetzung des ewigen Landfriedens von 1495 in den einzelnen Regionen waren ab 1500 die damals neu geschaffenen Reichskreise betraut. Der Fränkische, der Schwäbische, der Oberrheinische, der Kurrheinische, der Niederrheinisch-Westfälische und der Niedersächsische Reichskreis stellten daraufhin mit großer Verspätung Truppen.

[Bearbeiten] 5. November 1757: Sieg der Preußen bei Roßbach - Dresden bleibt unter preußischer Besatzung

Die Reichsexekutionsarmee unter dem kaiserlichen Generalfeldmarschall Joseph Friedrich von Sachsen-Hildburghausen vereinigte sich mit der französischen Armee unter Charles de Rohan, prince de Soubise. Diese Koalitionsarmee war mit 41.000 Soldaten doppelt so groß wie die eingesetzte preußische Armee mit 22.000 Soldaten, die Friedrich der Große von Dresden kommend um Leipzig gesammelt hatte. Dennoch besiegte er am 5. November 1757 bei Roßbach (heute zu Weißenfels-Reichardtswerben) die Koalitionäre, die in völliger Auflösung und unter Zurücklassung der meisten Geschütze flüchteten. Die Reichsarmee wurde daraufhin im Volksmund als "Reißausarmee" verspottet, die französische Armee stieß erst ein halbes Jahrhundert später unter Napoleon so weit in den Osten Deutschlands vor.

Friedrich der Große blieb weiterhin im Besitz Dresdens. Er galt allgemein als Vertreter der evangelischen Sache in Europa und empfing deshalb große Sympathien von den deutschen protestantischen Soldaten, die sich nicht für die römisch-katholischen Ziele der Österreicher einspannen lassen wollten. Es gab deswegen massenhafte Desertionen besonders von Reichsarmeeangehörigen zu den preußischen Fahnen, vor allem aus Württemberg, aber sogar aus Sachsen, wo nur eine kleine Elite um den polnischen König und sächsischen Kurfürsten August III. römisch-katholisch war, das Land aber überwiegend lutherisch.

Die Reichsarmee sammelte sich wieder und nahm auch weiterhin am Kampf der kaiserlichen Österreicher gegen Friedrich den Großen teil. Sie konnte aber aufgrund ihrer miserablen wirtschaftlichen Konstitution und der mangelhaften Motivation der Truppe keinen bedeutenden Beitrag zur militärischen Entwicklung des Krieges mehr leisten.

[Bearbeiten] Anfang November 1758: Belagerung von Dresden durch eine Koalitionsarmee aus Reichsarmee und österreichischer Armee

Anfang November 1758 näherten sich die Reichsarmee und die österreichische Hauptarmee unter dem österreichischen kaiserlichen Generalfeldmarschall Leopold Joseph von Daun der Stadt Dresden. Die Belagerung von Dresden beginnt.

[Bearbeiten] 10. November 1758: Abbrennen der Pirnaischen Vorstadt durch die preußische Besatzung

Daraufhin ließ der preußische Gouverneur, Generalleutnant Karl Christoph Graf von Schmettau, durch Pechkränze die Pirnaische Vorstadt abbrennen, wobei 285 Häuser in Flammen aufgingen.[3]

[Bearbeiten] 1759: Abbrennen von Teilen der Wilsdruffer Vorstadt durch die preußische Besatzung

1759 befahl der Kommandant der preußischen Besatzung auch noch einen Teil der Wilsdruffer Vorstadt niederzubrennen, um so freies Schussfeld für die Abwehr von Belagerern zu schaffen. Der Rest der Gebäude fiel der preußischen Belagerung von Dresden im darauffolgenden Jahr zum Opfer.

[Bearbeiten] 26. August 1759: Belagerung Dresdens durch eine allierte russisch-österreichische Armee

Die verheerende Niederlage der preußischen Armee in der Schlacht bei Kunersdorf nutzten die russischen (55.000 Mann) und österreichischen (24.000 Mann) Alliierten, um am 26. August 1759 vor Dresden zu erscheinen. Die Verteidigung von Sachsen war Prinz Heinrich von Preußen übertragen worden. Preußischer Gouverneur von Dresden war seit 1758 Generalleutnant Karl Christoph Graf von Schmettau. Eine erneute Belagerung von Dresden nach der Belagerung von Dresden von 1758 beginnt. Die Preußen konnten zunächst nur aus der Neustadt verdrängt werden.

[Bearbeiten] 5. September 1759: Abzug der Preußen und Übergabe Dresdens an die Reichsarmee

Schon am 5. September 1759 übergab der preußische Gouverneur von Dresden, Generalleutnant Karl Christoph Graf von Schmettau die Festung Dresden. Er hatte nur eine kleine Besatzung zur Verfügung und Entsatz war nicht zu erwarten. Er und seine Leute erhielten freien Abzug mit allen Ehren und Gepäck. Aus formellen Gründen besetzte die Reichsarmee auf Grundlage einer geschlossenen Kapitulation vom 4. September 1759 die ganze Stadt Dresden. Hierfür war Rücksprache mit Friedrich dem Großen notwendig geworden. Damit endete fast auf den Tag genau nach drei Jahren die Preußische Besetzung von Dresden.

[Bearbeiten] Die Belagerung 1760

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Anmerkungen

  1. Nur so konnte König Friedrich August der Gerechte die Liquidation Sachsens abwenden, wie sie beim Reichsdeputationshauptschluss erst im Jahre 1803 selbst für die kirchlichen Kurfürstentümer angewendet wurde und mit dem 5 Millionen Einwohner neue Landesherrren erhielten.
  2. Klaus Hoffmann-Reicker: Die Rache des Königs, in: DNN 04. September 2006
  3. Hans von Bobrowicz: Dresden historisch, in: SZ 1.4.1972
  4. Fritz Löffler: Das Alte Dresden. Dresden 1956., S. 99
  5. "Dresden ist nicht mehr vorhanden. Sein Schönstes und Bestes liegt in Asche. Seine grössten Paläste und Strassen, wo Kunst und Pracht miteinander um den Vorrang stritten, sind Steinhaufen, die Haupt- und Kreuzkirche nebst deren Thurm haben Feuerkugeln und Bomben ruinirt. Die reichsten Einwohner sind arm geworden. Wirft man einen Blick auf die Vorstaedte - o was für Verwüstung und öde Plätze sieht man nicht allda. Hier hat der Feind durch dreimalige Abbrennung derselben vollends den Garaus gemacht." In: "Die Bauten, technischen und industriellen Anlagen von Dresden", 1878, S. 121.
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