Scherschicz

Stadtwiki Dresden - Freiraum für Ideen und Wissen über Dresden
Wechseln zu: Navigation, Suche

Scherschicz war der altsorbische Name für Zschertnitz.

Das Dorf lag auf dem Gelände, wo sich heute die fünf Hochhäuser der Michelangelostraße befinden[1]. Das Vorwerk Scherschicz lag in der Nähe des heute denkmalgeschützten Dreiseithofs auf der Caspar-David-Friedrich-Straße 52 (Josefstraße 52). Es ist unwahrscheinlich, daß dieses Gebäude aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts genau den Ort des ehemaligen Vorwerks markiert. Bei dem Vorwerk hat es sich eher um einen vorwerkenden Gutshof als um ein befestigtes Vorwerk wie im benachbarten Uzmik gehandelt.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] 16. Oktober 1308: Ersterwähnung von Otte von Scherschicz

Scherschicz wurde am 16. Oktober 1308 erstmals urkundlich in der Namensform des "Otte von Scherschicz" erwähnt:

[Bearbeiten] 1309: Schyrschytz

1309 findet eine Erwähnung in der Namensform Schyrschytz statt.[4]

[Bearbeiten] 1349/50: Im Besitz der Söhne des Nycolai de Jochgrimme

Die Söhne des Nycolai de Jochgrimme besitzen 1349/1350 Scherschicz und einen Hof ("1 curiam") innerhalb der Mauern ("intra muros"), also in der Stadt Dresden selbst.[5]

Ursprünglich stammte die Familie aus dem Dorf Jochgrim, welches später in der am Fuß der Burg Stolpen gegründeten Stadt aufging und als Altstadt bezeichnet wurde. 1349/1350 hatte sich die Familie offenbar auch in Dresden wieder aufgespalten. Während die Familie des Nycolai von Jochgrimme auf dem Familienhof in der Stadt saß, saß der andere Familienzweig wahrscheinlich auf seinem Allodium im Dorf Uzmik.

Die Söhne eines de Jochgrimme unbekannten Namens (der Vorname ist im Lehnbuch von 1349/1350 unleserlich) besitzen nicht nur das Allodium Uzmik, sondern auch einen Teil des Dorfes Kicz (Kaitz).[6] In Frage kämen Johannes de Jockerim (als erster der Familie in den Ratsakten in einer Urkunde vom 10. Februar 1328 und Ratsherr von da an bis 1337) oder Ticzce Jockrim (Ratsherr ebenfalls 1337 - er hat womöglich Johannes ersetzt).

1349/1350 war Scherschicz bereits ein markgräfliches Lehen und Allodium (altniederfränkisch allōd „volles Eigentum“, zu all „voll, ganz“ und ōd „Gut, Besitz“; mittellateinisch allod oder allodium) des Dresdner Ratsherrengeschlechts de Jochgrimme (vgl. auch: Jokerim (Ratsherrngeschlecht)).

Wahrscheinlich war Scherschicz eine späte sorbische Dorfgründung. Das Dorf scheint erst durch Rodung im 13. Jahrhundert entstanden zu sein.

[Bearbeiten] Etymologie

Der Ortsname ist aus dem Altsorbischen abgeleitet. Eine Möglichkeit ist die Abstammung von "cirtica" = Rodungsort, eine andere von "cert" = Teufel als "Ort des Teufels" ("Teufelsdorf" oder "Teufelsort" gibt es auch im Tschechischen von "Čert" = Teufel und "vesnice" = Dorf). Bei den frühen Slawen wurde der Wald oft als Ort unheimlicher Mächte, als Hort des Bösen oder des Teufels angesehen. Auch im benachbarten Uzmik, welches nicht so tief im ursprünglichen Wald lag wie Scherschicz, gab es den Hellengrund (oder auch Höllengrund). Bei einer Ableitung von einem Personennamen würde Scherschicz oder Schyrschytz "Leute des Srsa" bedeuten.[7]

Die Nisaner haben wahrscheinlich den "Teufelsort" im tiefen Wald als Besiedlungsplatz zunächst gemieden - genauso wie sie hochwassergefährdete Orte gemieden haben.[8]

Gerodetes Land wurde seitens der Fürsten als Allodialgut betrachtet und verlehnt. Die sorbischen Bauern waren dadurch den wohlhabenden Dresdner Ratsherrengeschlechtern dienst- und zinspflichtig. Diese reichten einen kleinen Teil davon dem Kurfürsten als Abgabe weiter.

[Bearbeiten] 1408: Im Besitz von Hans Münzmeister

1408 ging Scherschicz ("Czerticz")[9] in den Besitz von Hans Münzmeister über (vgl. Münzmeister (Ratsherrngeschlecht)). Dieser wurde als Lehnsherr dann 1411 Mitglied des Rates zu Dresden. Ebenfalls 1408 besaß der Ratsherr (ab 1403) Nicolaus Munczmeister gemeinsam mit seinen Brüdern Francz, Paule und Peter sowie weiteren Familienmitgliedern Lehen am halben Vorwerk Räcknitz und einem Weinberg in Kötzschenbroda.

[Bearbeiten] 1972/73: Abriß des Dorfkerns

Der Dorfkern Altzschertnitz wurde 1972/73 vollständig abgebrochen. An seiner Stelle entstanden die sechs Hochhäuser der Michelangelostraße.[10][11] 2008 wurden Fördermittel dafür eingesetzt, wegen angeblich zu hohem Leerstand mit dem Rückbau zu beginnen. Diese geförderte Aktion fand zum Glück nach dem Abriß eines der Hochhäuser mangels weiterer Gelder ein jähes Ende. Wohnungsmangel war ein Grund zum Abriß des alten Dorfes, welches über nur 20 Wohnungen verfügt hätte.

Lediglich ein Dreiseithof auf der Caspar-David-Friedrich-Straße 52 (Josefstraße 52) aus Zeit nach 1813 hat den Abriß überstanden. Es ist eher unwahrscheinlich, daß er am Ort des alten Vorwerks steht.[12][13] Dieses Gehöft ist nur eines der sechs ausgebrannten Gehöfte, die nach der Schlacht um Dresden wieder aufgebaut wurden.[14] Es ist noch nicht einmal überliefert, ob eines der Gehöfte des 19. Jahrhunderts aus dem Vorwerk hervorging.

[Bearbeiten] Anmerkungen

  1. Bis 2008 waren es sechs Hochhäuser - eines wurde wegen dem angeblichen Wohnungsüberschuß mittels Fördermittel abgerissen
  2. Codex diplomaticus Saxoniae regiae II 5 DD Nr. 23, S. 18.
  3. Codex diplomaticus Saxoniae regiae II 5 DD Nr. 23, S. 19.
  4. "1309: Schyrschytz." In: Zschertnitz im HOV.
  5. "Item filiis Nycolai de Jochgrimme allodium Scherschicz; item 1 curiam intra muros." In: "Das Lehnbuch Friedrichs des Strengen, Markgrafen von Meissen und Landgrafen von Thüringen, 1349/1350." Verlag B.G. Teubner, Leipzig 1903, S. 38.
  6. "16. Item filiis . . Jochgrimme contulit allodium in Uzmik8); item 4 1/2 solidos census in villa Kicz." In: "Das Lehnbuch Friedrichs des Strengen, Markgrafen von Meissen und Landgrafen von Thüringen, 1349/1350." Verlag B.G. Teubner, Leipzig 1903, S. 38.
  7. Zschertnitz bei dresdner-stadtteile.de (archivierte Version).
  8. vgl. Artikel zu Brockwitz, 1013 noch zu Nisan, Anm. 11.
  9. "1408: Czerticz." In: Zschertnitz im HOV.
  10. "Der alte Dorfkern Zschertnitz mit seinen 20 Wohnungen wurde 1972/73 Opfer des Wohnungsbauprogramms. Es entstanden an seiner Stelle die Hochhäuser der Michelangelostraße und unterhalb der Südhöhe das Neubaugebiet an der Ludwig-Renn-Allee." Räcknitz / Zschertnitz mit Strehlen-Südwest auf der Webseite der Stadt Dresden.
  11. "Mit dem Beschluss zum Bau eines großen Neubauviertels veränderte sich das Ortsbild völlig. Der Dorfkern Altzschertnitz wurde 1973/74 vollständig abgebrochen. An seiner Stelle entstanden sechs Wohnhochhäuser, die eine neue Dominante auf der Südhöhe bildeten. Weitere Wohnblocks wurden zwischen 1971 und 1976 auf Freiflächen rund um den Ort errichtet. Neben ca. 3.300 Wohnungen entstanden auch einige gesellschaftliche Bauten zur Versorgung der Bevölkerung. Zschertnitz bei dresdner-stadtteile.de (archivierte Version).
  12. "Caspar-David-Friedrich-Straße 52 (Josefstraße 52)" Vorwerk Zschertnitz bei altesdresden.de.
  13. "Das Gehöft Caspar-David-Friedrich-Straße 52 blieb als einziges Zschertnitzer Gut 1973 vom Abriss verschont. Ob es sich dabei um das ehemalige Vorwerk handelt, ist nicht belegt." Dresden: Vorwerk Zschertnitz auf der Webseite des Projektes "Sachsens Schlösser".
  14. "1813 wurde Zschertnitz durch die Schlacht auf der nahegelegenen Räcknitzhöhe schwer in Mitleidenschaft gezogen. Im Anschluss wurden die sechs abgebrannten Gehöfte wieder aufgebaut und bis zum Ende des 19. Jahrhunderts landwirtschaftlich genutzt." In:Zschertnitz bei dresdner-stadtteile.de (archivierte Version).
Meine Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Navigation
Werkzeuge