Richard Selbmann
Friedrich Richard Selbmann (* 11. Oktober 1851 in Burgstädt; † 11. April 1937 im Stadteil Weißer Hirsch, Dresden)[1] war ein sächsischer Kaufmann, Unternehmer und Fabrikinhaber einer der ältesten Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik Dresdens, der Schokoladenfabrik Richard Selbmann, nach dem Ausbau zu einem großen Filialnetz auch Großunternehmer mit dem Titel eines königlich-sächsischen Kommerzienrates.
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[Bearbeiten] Familie
Friedrich Richard Selbmann entstammte der sächsischen Familie Selbmann.[2] Er war der Sohn des Burgstädter Schuhmachermeisters Friedrich August Selbmann. Sein Vater führte 1867/68 einen Prozess gegen den Lohgerber August Friedrich Wilhelm Lehmann in Heiersdorf.[3] Richard Selbmann heiratete 1884 in Dresden Maria Susanna geb. Fischer.[4] Seine Witwe ist ab 1938 im Dresdner Adressbuch verzeichnet. Sie wohnte bis mindestens 1944 weiter in der ehemals gemeinsamen Villa im Stadtteil Weißer Hirsch.[5]
[Bearbeiten] Leben und Wirken
Selbmann war der Gründer und der alleinige Inhaber der Dresdner Schokoladenfabrik Richard Selbmann, die spätestens Anfang des 19. Jahrhunderts als eine der ältesten und leistungsfähigsten Schokoladenfabriken Dresdens galt. Er gründete sein Unternehmen am 1. Februar 1877, zu dieser Zeit noch in bescheidenen Anfängen mit einer Bonbonfabrikation. Ein Jahr später, 1878 ist er als Kaufmann und Inhaber des Chocoladen- und Zuckerwaarengeschäft in der Dresdner Neustadt in der Victoriastraße 27 erstmals verzeichnet.[6] Im gleichen Jahr zog er in die Zeughausstraße 3,[7] 1881 in die Güterbahnhofstraße 5, wo er im ersten Obergeschoss wohnte und im Erdgeschoss seine Firma hatte.[8]
1886, nach der Fertigstellung des neuen, eigenen Fabrikgebäudes am Dammweg, in der Eschenstraße 5b,[9] bezog Selbmann eine Wohnung in der dritten Etage der Königsbrücker Straße 80b,[10] nach der Umnummerierung der Straße in gerade und ungerade Hausnummern je Straßenseite die Hausnummer 42.[11] Ab 1894 verlegte Selbmann den Eingang in seine Schokoladenfabrik von der Eschenstraße in die Grenadierstraße.[12] 1896 hatte Selbmann mittlerweile neben seiner Filiale an der Fabrik weitere neun Filialen seines Schokoladen- und Zuckerwarengeschäfts:
- am Neumarkt 4, in der Stiftsstraße 6, der Leipziger Straße 16, der Großen Meißner Straße 5, der Bautzner Straße 31, der Grunaer Straße 18, der Pillnitzer Straße 22, am Dippoldiswaldaer Platz 2 und am Königsbrücker Platz 1.[13]
Im gleichen Jahr zog er privat in sein 1895 von dem Blasewitzer Hotelier Christian Friedrich Lorenz[14] gekauftes Haus in der Löbauer Straße 22. Dort zog er in das erste Obergeschoss, nachdem der bisherige Mieter, der ehemalige Gerichtsamtmann Arthur Graf zu Solms-Tecklenburg (1808–1896) verstorben war.[15] Gleichzeitig eröffnete er in jenem Jahr weitere Filialen, so in der Annenstraße 31/33 und in der Blasewitzer Straße 30.[16]
1899 verlagerte Selbmann seine Fabrik in seine neue Produktionsstätte in der Schönbrunnstraße 5. Hinzu kamen weitere Filialen seiner Geschäfte:
- in der Kurfürstenstraße 24, der Grunaer Straße 18, der Wilsdruffer Straße 2, der Reichsstraße 8, der Gerokstraße 57, der Torgauer Straße 6, der Ostraallee 14 und am Bischofsweg 32.[17]
1902 feierte Selbmann sein 25-jähriges Firmenjubiläum.[18] Mittlerweile war sein Filialnetz in Dresden auf 38 Geschäfte gestiegen. Er besaß außerdem eine Kaffeerösterei in der Schönbrunnstraße 5 und in seinem ehemaligen Schokoladen-Fabrikgebäude in der Eschenstraße 11. Weiterhin ergänzte er seine Geschäftstätigkeit um eine Automatenfabrik in der Königsbrücker Straße 68.[19] Selbmann erhielt für seine Produkte auf den Schokoladen- und Zuckerwarenausstelungen in Berlin, Düsseldorf, Köln, Hannover und Dresden mehrere Auszeichnungen und Medaillen.
1905 mietete Selbmann eine Sommerwohnung im Dresdner Vorort Weißer Hirsch, dort in der Marienstraße 3.[20] Eigentümerin der Villa war die Witwe Susanne Fischer.[21] Dort wohnte er in den Sommermonaten bis 1913. 1909 wurde Selbmann auch Geschäftsführer einer weiteren Schokoladenfabrik, der „Santosa-Kakao- & Schokolade-Gesellschaft m.b.H.“.[22] 1913 kaufte Selbmann von der Ehefrau des Dresdner Fabrikbesitzers Edmund Peschel, Elise Peschel[23] die Villa Waldblick im Vorort Weißer Hirsch in der dortigen Albertstraße 4.[24] Er blieb jedoch Hausbesitzer in der Löbauer Straße.[25] In der Villa Waldblick wohnte Selbmann bis 1926.
1914 erhielt Selbmann vom letzten sächsischen König Friedrich August III. den Titel eines königlich-sächsischen Kommerzienrates.[26] Zu seinem 75. Geburtstag erschien einen Tag später, am 12. Oktober 1926 ein Artikel zu seinem Jubiläum. Zu dieser Zeit hatte sein Großunternehmen, das er immer noch als alleiniger Inhaber führte, 500 Verkaufsstellen in Deutschland, davon allein 50 in Dresden selbst. In Riesa befanden sich zu dieser Zeit acht Filialen.[27] Im gleichen Jahr kaufte Selbmann das Haus in der Broizemstraße 2 im Stadtteil Weißer Hirsch und zog dort in die Wohnung im Erdgeschoss,[28] wo er bis zu seinem Tod lebte.
Ein weiterer Artikel erschien in mehreren Zeitungen zum 50. Firmenjubiläum am 1. Februar 1927, u.a. auch überregional, so im Landecker Stadtblatt in Schlesien. Nach seinem Tod wurde die Urne von Richard Selbmann auf dem Waldfriedhof Weißer Hirsch beigesetzt. Das Grab ist erhalten.[29] Richard Selbmann war wie sein Mitbewerber Conrad Otto Rüger Mitglied des Verbandes deutscher Schokoladenfabrikanten, dessen Geschäftsstelle sich in Dresden befand. Zu den weiteren Mitgliedern gehörten u.a. die Schokoladenfabrikanten Hartwig & Vogel, Petzold & Aulhorn und Jordan & Timaeus.[30]
[Bearbeiten] Quellen und Einzelnachweise
- ↑ Datensatz auf Ancestry, Dresden, Einäscherungsregister 1911-1952.
- ↑ S.a. Datensatz Ancestry, Dresden, Heiratsregister 1876-1927.
- ↑ Datensatz in der Deutschen Digitalen Bibliothek.
- ↑ Datensatz auf Ancestry, Dresden, Heiratsregister 1876-1927.
- ↑ Adressbuch Dresden 1943/44, S. 831, SLUB.
- ↑ [https://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/76197/401 Adressbuch Dresden 1878, S. 377, SLUB.
- ↑ Adressbuch Dresden 1879, S. 386, SLUB.
- ↑ Adressbuch Dresden 1882, S. 367, SLUB.
- ↑ Hinweis: spätere Hausnummer 11 nach der Umnummerierung der Straße in gerade und ungerade Hausnummern je Straßenseit.
- ↑ Adressbuch Dresden 1887, S. 495, SLUB.
- ↑ Adressbuch Dresden 1893, S. 679, SLUB.
- ↑ Adressbuch Dresden 1894, S. 697, SLUB.
- ↑ Adressbuch Dresden 1896, S. 750, SLUB.
- ↑ Adressbuch, Häuserbuch Dresden 1894, S. 1139, SLUB.
- ↑ Adressbuch, Häuserbuch Dresden 1896, S. 1225, SLUB.
- ↑ Adressbuch Dresden 1897, S. 494, SLUB.
- ↑ Adressbuch Dresden 1899, S. 571, SLUB.
- ↑ Statistisches Jahrbuch für die Stadt Dresden, Dresden 1903, Snippet-Ansicht auf Google Books, S. 226.
- ↑ Adressbuch Dresden 1903, S. 677, SLUB.
- ↑ Adressbuch Dresden 1905, Teil II, Vororte: Weißer Hirsch, S. 457, SLUB.
- ↑ Adressbuch Dresden 1905, Teil II, Vororte: Weißer Hirsch, S. 460, SLUB.
- ↑ Adressbuch Dresden 1910, S. 878, SLUB.
- ↑ Adressbuch Dresden 1913, Teil II, Vororte: Weißer Hirsch, S. 581, SLUB.
- ↑ Adressbuch Dresden 1914, Teil II, Vororte: Weißer Hirsch, S. 596, SLUB.
- ↑ Adressbuch, Häuserbuch Dresden 1914, S. 411, SLUB.
- ↑ Erstmals als solcher im: Adressbuch Dresden 1915, Teil II, Vororte: Weißer Hirsch, S. 502, SLUB.
- ↑ Riesaer Tageblatt und Anzeiger, Ausgabe vom 12. Oktober 1926, Digitalisat der SLUB, S. 2.
- ↑ Adressbuch, Häuserbuch Dresden 1926/27, Teil II, S. 95, SLUB.
- ↑ Datensatz auf Ancestry, Find a Grave.
- ↑ Lennart Kranz, Artikel: Otto Rüger, in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde, Onlineartikel der Sächsischen Biographie.
[Bearbeiten] Weblinks
- Friedrich Richard Selbmann auf Familysearch, allerdings mit falschen Jahresangaben.