Georg von Carlowitz

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Georg von Carlowitz, auch George von Carlowitz (* um 1533; † 22. April 1547 in Magdeburg) war ein sächsischer protestantischer Theologe und Administrator, zuletzt als Domherr zu Meißen, Merseburg, Naumburg, Zeitz und Magdeburg sowie als Domdechant zu Meißen.

[Bearbeiten] Familie

Georg von Carlowitz entstammte der aus dem sächsischen Uradel stammenden Familie von Carlowitz. Erstmals erwähnt mit Otto von Karlwiz im Jahre 1311 beginnt die ununterbrochene Stammreihe 1375 mit Hans von Carlowitz, Lehnsmann der Burggrafen zu Dohna. Von Carlowitz entstammte der Hauptlinie Borthen der Familie. Sein Großvater Wilhelm I. von Carlowitz († 1536) war Amtmann in Dresden und Oberschenk des Herzogs Georg von Sachsen und dessen Ehefrau Anna von Carlowitz.

Georg von Carlowitz war der Sohn des Ritters und Erbherrn zu Sedlitz, Wilhelm II. von Carlowitz († 1577 in Meißen) und dessen erster Ehefrau. Sein Vater erhielt 1537 bei der Teilung des väterlichen Grundbesitzes das Dorf Sedlitz. Die Familie wohnte aber in der Burg Dohna, bis sein Vater 1558 einen Totschlag beging und Dohna verlassen musste. Georg von Carlowitz holte seinen Vater und dessen 1541 geheiratete Ehefrau Margarete geb. von Theler († um 1580 in Meißen) nach Meißen. Die Grabmale seines Vaters und dessen Ehefrau befinden sich im Meißner Dom und gehören zu den ersten evangelischen Grabmalen in der Kirche.

Georg von Carlowitz war verheiratet. Petrus Albinus erzählt in seiner Genealogie der Grafen von Leisnig, dass das Grab des Bischofs Albert III. zu Meißen († 2. März 1312 in Meißen) nach über 200 Jahren geöffnet wurde, um den Leichnahm der Gemahlin des Georg von Carlowitz, Domherrn zu Magdeburg, Meißen und Naumburg dort zu begraben. Bei dieser Gelegenheit fand man noch den Bischofsstab und einen goldenen Kelch.[1]

[Bearbeiten] Leben und Wirken

Von Carlowitz erhielt seine höhere Schulbildung an der damals neu gegründeten Landes- und Fürstenschule St. Afra in Meißen, in die er am 10. August 1543 als Schüler eintrat. Er galt später als Mann hoher Bildung und beherrschte mehrere Fremdsprachen.

Von Carlowitz war einer der 23 adeligen Schüler, die der damals noch sächsische Kurfürst Johann Friedrich aus der ernestinischen Linie der Wettiner am 16. April 1547 während des Schmalkaldischen Krieges auf Anraten seines thüringischen Oberjägermeisters Georg von Goldacker von der Fürstenschule entführen ließ. Die Schüler wurden mit einem Boot auf der Elbe nach Wittenberg, dem damaligen Herrschaftssitz gebracht. Nachdem jedoch der Kurfürst selbst am 24. Mai 1547 festgesetzt werden konnte und kaiserlicher Gefangener wurde, erhielten die Adeligen ihre Freiheit gegen die des Kurfürsten wieder zurück. In der Folge des Schmalkladischen Krieges ging die Kurwürde an die albertinische Linie der Wettiner, d.h. an Johann Friedrichs Vetter Moritz von Sachsen über.

Von Carlowitz verließ die Schule in Meißen zu Ostern 1549 und immatrikulierte sich am 22. Juli 1549 an der Universität in Wittenberg, wo er Theologie studierte. 1553 wurde er im Meißner Domkapitel aufgenommen. Zum Sommersemester 1555 wechselte er an die Universität nach Leipzig. Bereits 1557, seinerzeit noch unter dem katholischen Domdechant Julius Pflugk wurde von Carlowitz als Mitglied des Domkapitels Domherr zu Meißen. Danach unternahm er eine Reise in den Süden der deutschen Länder und nach Italien, wo er am 6. Mai 1558 im norditalienischen Padua eintraf. 1559 weilte er in Bologna und bis 1563 in Rom, dem Sitz des Vatikans.

1570 wurde von Carlowitz auch Domherr im Domkapitel zu Merseburg, wo er auch 1591 Kantor und 1596 zum Senior des Domkapitels ernannt wurde. Außerdem war von Carlowitz ebenfalls Domherr in Naumburg und Zeitz in den dortigen sächsischen Ämtern sowie im Dom in der damals freien Reichsstadt Magdeburg,[2] wo er auch als Administrator wirkte. Dort setzte er zusammen mit Ernst von Mansfeld am 8. September 1587 die Wahl des dänischen Prinzen Ulrich zum Domherrn durch. Später wurde dieser wie Carlowitz auch Domherr in Meißen, Zeitz und Naumburg.[3] Nach dem Tod des bisherigen Domdechants zu Meißen, Hans Löser, der dieses Amt seit 1576 ausgeübt hatte, übernahm von Carlowitz 1582 die Würde des Vorstehers des Meißner Domkapitels.[4]

Von Carlowitz starb nicht, wie oft fälschlicherweise angegeben wird, 1598 in Meißen, sondern schon im Vorjahr in Magdeburg, wo er auch im dortigen Dom beigesetzt wurde. Sein Nachfolger im Amt des Domdechants zu Meißen wurde 1598, also fast ein Jahr nach seinem Tod Johann von Cracau.

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Prof. Dr. Schönwälder (Hrsg.): Neues lausitzisches Magazin, Im Auftrage der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften, Band 54, Görlitz 1878, Digitalisat auf Google Books, S. 120
  2. Ernst Schubert (Dr. phil.), Peter Ramm: Die Inschriften der Stadt Merseburg, Akademie-Verlag, 1968, Snippet-Ansicht auf Google Books, S. 50, Fußnote 46
  3. Aloys Meister: Der Strassburger Kapitelstreit 1583-1592, Strassburg 1899, Leseprobe auf Google Books, S. 307
  4. Friedrich Adolf Ebert: Der Dom zu Meißen: Mit 24 Tafeln, Meißen 1835, Digitalisat auf Google Books, S. 149
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