Lahmann-Sanatorium

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Ansichtskarte von 1899: in der Mitte das Damenbad mit Doktor- und Hirschhaus, rechts hinten Villa „Heinrichshof“
Blick von der Bautzner Landstraße auf Ärztehaus (rechts), Villa „Heinrichshof“ (hinten Mitte) und Damenbad (links, durch Baum verdeckt), um 1920
Villa Urvasi
Badebereich des Damenbades
Umkleidekabinen (?) im Damenbad
Bodenfliesen im Damenbad
Speisesaal von außen
Speisesaal innen
Deckendetail im Speisesaal
Villa Heinrichshof 2019

Das Lahmann-Sanatorium war eine große Kur- und Heilstätte im heutigen Stadtteil Weißer Hirsch am Elbhang. Geleitet wurde sie vom Arzt und Naturheilkundler Heinrich Lahmann und seinen Nachfolgern. Das 36.000 Quadratmeter[1] große Sanatoriums-Gelände liegt am südlichen Rand der Dresdner Heide und wird von der Bautzner Landstraße und der Stechgrundstraße begrenzt.

Das Areal seines späteren Sanatoriums entdeckte Heinrich Lahmann, als er als junger Arzt während eines Urlaubs durch den „Klimatischen Kurort“ Weißer Hirsch wanderte. Die Landschaft, die gute Luft und das Frida-Bad mit seinen vielfältigen Möglichkeiten für Wasseranwendungen boten in seinen Augen ideale Bedingungen für eine Naturheil- und Kurstätte. 1887 pachtete Lahmann zunächst das Bad, im Folgejahr konnte er es kaufen.[2]

Am 1. Januar 1888 eröffnete der 27-jährige Lahmann sein „Physiatrisches Sanatorium“ mit zehn Angestellten. [3] Die Resonanz war hervorragend. Lahmann musste immer mehr Personal einstellen und zusätzliche Villen bauen lassen oder ankaufen, um die Patienten unterzubringen. Zuletzt gehörten ihm 15 Villen im Kurort Weißer Hirsch.

Die Kurbehandlung sah eine umfassende Therapie mit Bewegung an frischer Luft, gesunder Kost mit viel Gemüse, Gesprächen mit den Ärzten, Massagen, Wasseranwendungen, Licht- und Luftbädern sowie anderen Abhärtungsmaßnahmen vor. Viele Sanatoriumsgäste kamen um abzuspecken. Man kann davon ausgehen, dass ein Großteil der Gäste an chronischen psychosomatischen Beschwerden litt. Durch die gesündere Lebensweise und die ganzheitliche Behandlung besserten sich meist auch diese Symptome. Nicht aufgenommen wurden akut Kranke sowie Menschen mit Tuberkulose und Geschlechtskrankheiten.[4]

Nur sehr wohlhabende Menschen konnten sich einen Aufenthalt im Sanatorium leisten. Vor dem Ersten Weltkrieg kamen vor allem Adlige und die Zarenfamilie aus Russland, Deutschland, Asien und Europa, aber auch Schauspieler und andere Künstler, wie zum Beispiel Franz Kafka, Rainer Maria Rilke, Thomas Mann, Großadmiral Heinrich Prinz von Preußen und die Generäle von Brauchitsch und von Richthofen. Nach dem Ersten Weltkrieg besuchten hauptsächlich Industrielle das Sanatorium. Aber auch Ufa-Stars wie Heinz Rühmann, der Komponist Paul Linke, Jean Gilbert, Victor Hollaender, Zarah Leander, Claire Waldorf, Gustav Gründgens, Heinrich George, Paul Kemp, Johannes Heesters oder Marika Rökk kurten auf dem Weißen Hirsch. Aber auch Joseph Goebbels und seine Frau Magda weilten in Lahmanns Sanatorium.[5]

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Gebäude auf dem Sanatoriumsgelände

[Bearbeiten] Damenbad

das ehemalige Frida-Bad

[Bearbeiten] Herrenbad

Das Herrenbad wurde 1904/05 erbaut.[6] Im Turm des Herrenbades befand sich ein riesiger Zinkbehälter als Wasserspeicher. Heinrich Lahmann ließ dafür extra Wasser aus dem Stechgrund nach oben pumpen. Der Hochbehälter sollte den gesamten Weißen Hirsch mit Wasser versorgen. Ein bis 1914 andauernder Streit Lahmanns mit dem Besitzer des benachbarten Parkhotels verhinderte das jedoch.[7]

[Bearbeiten] Heinrichshof

Im „Heinrichshof“, einer 1897 errichteten Villa am Rand des Sanatoriumsgeländes, wohnte Heinrich Lahmann selbst mit Frau und Kindern. Der Architekt Paul Kayser (1850–1921) hatte das repräsentative Gebäude entworfen.[6][8]

[Bearbeiten] Speisesaal

Die Decke des Speisesaals ist kunstvoll gestaltet und mit Blattgold verziert.[1] An der Stirnseite prangte Lahmanns Leitspruch „Treu der Natur widerfährt dem Menschen nichts Übles!“[9]

[Bearbeiten] Ärztehaus

Das denkmalgeschützte Eckgebäude Bautzner/Stechgrundstraße diente zu Lahmanns Zeiten als Ärztehaus. Das Gebäude war nobel: Das Foyer war mit dunklem Holz getäfelt, die Gäste meldeten sich an einer halbrunden Rezeption mit geschnitzten Holzsäulen an. Nach der Sanierung soll in das Ärztehaus ein „Naturheilkundliches Kompetenzzentrum“ einziehen, in dem Mediziner und Therapeuten verschiedener Fachrichtungen praktizieren.[10]

[Bearbeiten] 1939 bis 1991

1939 zog die deutsche Wehrmacht ein. Während des Zweiten Weltkrieges diente das Sanatorium als Lazarett.[7][2]

Zu Kriegsende diente das ehemalige Sanatorium als Unterkunft für Ausgebombte. Von 1946 bis 1991 nutzte die Sowjetarmee das Areal als Lazarett und ging mit der Bausubstanz nicht pfleglich um. So sägten die Soldaten etwa Löcher für Wasserleitungen in die Türen, um die Wände nicht aufstemmen zu müssen. Die frühere Prominentenabteilung an der Nordseite des Areals wurde abgerissen und statt dessen LKW-Garagen mit einem metertiefen Fundament errichtet.[7][6]

[Bearbeiten] 1991 bis 2011

Nach dem Abzug der Armee stand das Areal 23 Jahre leer. Zunächst verhindern unentschiedene Besitzansprüche der Lahmann-Erben eine Um- und Weiternutzung des Areals. 1996 erwarb die Augustinum Wohnstifte gGmbH aus München den Gebäudekomplex. Der Plan, das frühere Sanatorium zu einem Seniorenwohnort mit gehobenem Standard umzugestalten, wurde jedoch nicht in die Tat umgesetzt.[6]

[Bearbeiten] Sanierung und Umbau

2011 kaufte Berndt Dietze von der Baywobau das Areal und begann mit der Beräumung des Geländes. Das ehemalige Sanatorium soll zu einem hochwertigen Wohnpark namens „Dr.-Lahmann-Park“ umgebaut werden. In fünf denkmalgeschützte Gebäude (Damen- und Herrenbad, Doktor- und Hirschhaus, Heinrichshof) werden Eigentumswohnungen eingebaut. Das ehemalige Herrenbad erhält einen zweiten Turm. Jeweils eine Etage der verbundenen Zwillingstürme bildet dann eine Wohneinheit; insgesamt fünf große Wohnungen sollen entstehen. Im Bad-Teil werden weitere Fenster und 26 Wohnungen eingebaut. Für die 16.000 Quadratmeter große Freifläche sind Eigenheime und Wohnvillen mit Eigentumswohnungen geplant.

Die Bau- und Sanierungsarbeiten auf dem Sanatoriumsgelände sollen im Herbst 2012 beginnen, bis 2013 soll alles fertig sein.[11][12] Für die Ausgestaltung und die Initiative des Wohnpark Dr.-Lahmann-Park erhielt die Baywobau eine Auszeichnung 2017.

Das Wohngebiet „Dr.-Lahmann-Park“ befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Lahmann-Sanatoriums, die U-förmige angelegte Straße trägt den Namen Hermann-Hesse-Straße.

[Bearbeiten] Quellen und Literatur

  1. a b Imagefilm auf http://www.dr-lahmann-park.de (Stand: 7.1.2012)
  2. a b Eva Förster: Lüster, Sonne, Baumwollschlüpfer. Feature über das Lahmann-Sanatorium am Weißen Hirsch Dresden. MDR Figaro, 2009.
  3. http://www.diabetesgeschichte.de/Dr_Heinrich_Lahmann.467
  4. Marina Lienert in: Eva Förster: Lüster, Sonne, Baumwollschlüpfer. Feature über das Lahmann-Sanatorium am Weißen Hirsch Dresden. MDR Figaro, 2009.
  5. SZ vom 9./19. Februar 2019
  6. a b c d http://www.dr-lahmann-park.de/mythos-lahmann.html (Stand: 7.1.2012)
  7. a b c Vortrag von Berndt Dietze (?) beim Tag des offenen Denkmals, 11. September 2011.
  8. http://www.dresdner-stadtteile.de/Nordost/Page10246/Strassen_Weisser_Hirsch/Lahmann-Sanatorium/lahmann-sanatorium.html (Stand: 7.1.2012).
  9. historische Postkarten auf http://www.dr-lahmann-park.de (Stand: 7.1.2012) und eigene Aufnahme (siehe Bild)
  10. Kay Haufe: Lahmanns Ärztehaus wird wiederbelebt. In: SZ 17.5.2014
  11. freitagSZ 16.12.2011.
  12. http://www.dr-lahmann-park.de (Stand: 7.1.2012).

[Bearbeiten] Weblinks

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