Andreas Riccius

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Andreas Ricchius war der Sohn des gleichnamigen ersten Pfarrers von Pulsnitz. Er studierte in Frankfurt, Wittenberg und Leipzig und wurde 1570 ordiniert. Zunächst wirkte er sieben Jahre lang in Pulsnitz als Schuldirektor und Diakon an der Seite seines Bruders Adam, der 1564 dem Vater im Amt gefolgt war. 1573 wurde er Pfarrer in Königsbrück. Nach dem Tod des Bruders bewarb er sich am 27. Dezember 1581 beim Kollator Hans Wolf von Schönberg um das Pulsnitzer Pfarramt, der ihn vorbehaltlich seiner Zustimmung zu einer Anzahl "Punkte und Artikel" auf Walpurgis 1581 zum Pfarrer berief.

1588 warf Schönberg ihm vor, er habe einer ungebührlichen Rebellion der Bewohner beigewohnt und Beifall gegeben. Ein Magister Magdeburger schrieb für Ricchius eine "Branderrettung", die der Pfarrer durch Ursula von Schönberg an den Patron überreichen ließ. Für diesmal wurde ihm verziehen.

Am 22. Januar 1594 beschwerte sich Peter Kalman aus Pulsnitz bei Schönberg, er habe den Pfarrer zwischen Bautzen und Göda "bezecht und im Kot umgesielt" angetroffen und ihm seinen Rock und die Handschuhe abnehmen wollen "damit er nicht alles so garstig mache". Sie stritten und schließlich zog Ricchius die "Wehr" und wollte auf Kalman zuhauen, der sich zur Wehr setzte. Es ging darum, dass Kalman behauptet hatte, Ricchius habe seinen Abschied bekommen.

Schönberg sandte dieses Schreiben mit einer Bestätigung der Kündigung an den Pfarrer. Der verfasste eine Rechtfertigungsschrift und bat Dr. Freistein in Pirna um Vermittlung. Es ging darum, dass Ricchius für die Pulsnitzer, die gegen die Aufhebung ihrer niederen Gerichtsbarkeit rebellierten, auf offener Kanzel gebetet hatte, aber auch um sein "Fressen, Saufen und Spielen". Wieder wurde die Kündigung bestätigt.

Nun erwiderte Ricchius: Er habe nicht für die Aufrührer gebetet, sondern für die meißnischen Dörfer, wenn ein anderer Pfarrer sich auf die Kanzel dränge, würde er nicht angehört und er wäre nicht allein von Schönberg, sondern auch vom Rat voziert - dem Rat sei der halbe Teile der Geistlichkeit zuständig. Der Rat stellte ihm ein Leumundszeugnis aus: Er habe sich nicht in strittige Sachen eingelassen, sei auch nicht unmäßig, sondern mit wenigem vergnügt und habe zur Mäßigkeit, Zucht und Ehrbarkeit angeleitet. Die Pulsnitzer baten, den Pfarrer im Amt zu lassen.

Der Bautzner Domdechant Leisentritt setzte sich für Ricchius ein, der eine Wöchnerin und acht Kinder zu Hause hatte. Der Pfarrer bekam auch sechs Wochen Frist und zog nach Reichenbach bei Görlitz, wo er 1603 verstarb.

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