Pillnitzer Fähre
Die Pillnitzer Fähre (Linie F 14) verkehrt auf der Elbe zwischen Kleinzschachwitz und Pillnitz. Von Pillnitz aus wird der Fährbetrieb aller Fähren der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB AG) organisiert. Hier liegen die nicht eingesetzten Fahrzeuge und hier befindet sich auch ein kleiner Reparaturstützpunkt.
Zum Einsatz kommen folgende Fährboote:
- Fährboot "Erna", Baujahr 1927, gebaut in der Schiffswerft Dresden-Übigau; Einsatz: Direktes Übersetzen als Personenfähre zwischen Kleinzschachwitz und Pillnitz
- Fährboot "Elbflorenz", Baujahr 2000, gebaut in der Schiffswerft Dresden-Laubegast; Einsatz: Fotofahrten von Kleinzschachwitz vorbei am Schloss Pillnitz zum Anleger der "Weißen Flotte"
- Wagenfähre "Schloßfähre", Baujahr 1994, gebaut in der Schiffswerft Dresden-Laubegast, Einsatz: Direktes Übersetzen für Pkw und Personen zwischen Kleinzschachwitz und Pillnitz
[Bearbeiten] Geschichte
Ursprünglich wurde die Fähre zum Transport von Material für den Bau des Schlosses Pillnitz eingerichtet, das ab 1720 vom alten Renaissance-Schloss zu einem zeitgemäßen Barockschloss ausgebaut wurde. Ebenfalls 1720 wurde mit dem Bau des Wassserpalais begonnen (beendet 1721).
Am 16. August 1721 tauchen in überlieferten Dokumenten in diesem Zusammenhang erstmals Kosten für eine Fähre in Pillnitz auf.
Von 1722 bis 1723 wurde das Bergpalais in Pillnitz erbaut - allerdings zunächst noch ohne die Seitenflügel. Ab 1723 war Schloss Pillnitz die Sommerresidenz vom Dresdner Hof; im Schlosspark dienten verschiedene Spielanlagen dem Zeitvertreib der Höfischen Gesellschaft.
Wenn König August der Starke im Schloss Pillnitz weilte, wurde die Fähre jedes Mal aus Laubegast nach Kleinzschachwitz verlegt. Diese königlichen Aufenthalte ließen nach dem Tod August des Starken unter seinem Thronfolger August III. deutlich nach, da sich dieser als König von Polen oft in Warschau aufhielt und nach dem Ausbruch des Siebenjährigen Krieges im Jahr 1756 ganz dorthin flüchtete.
Nach dem Ende der Personalunion zwischen Sachsen und Polen durch den Tod Augusts III. im Jahr 1763 wurde das Schloss ab 1765 von Kurfürst Friedrich August III. (dem Gerechten), einem Urenkel von August dem Starken, als Sommerresidenz genutzt.
So kam es zur Einrichtung einer "fliegenden Fähre", eines Katamarans für eine Wagenfähre. Ein Kommando Pontoniere bediente im Sommer, wenn der Hof in Pillnitz weilte, diese "fliegende Fähre".
Es handelte sich um eine Gierseilfähre. Damit durften bis 1849 allerdings nur Angehörige des Hofes übersetzen. Die Fährbetreiber, sogenannten Pontonniers, also Pioniere des Militärs, waren schon damals linkselbisch im heutigen Fährhaus untergebracht. Seinerzeit war das Gebäude ein kleines Kastell.
Am Anfang des 19. Jahrhunderts zog man nach dem Bau der Leuben-Pillnitzer Chaussee (1878 Königs-Straße oder auch Königs-Allee; heute Berthold-Haupt-Straße) mit Anschluß nach Dresden in Erwägung, die Fähre ganzjährig zu betreiben. Dagegen legte allerdings der Laubegaster Fährmann erfolgreich Einspruch ein.
1842 einigte man sich, die Laubegaster Fähre nach Pillnitz zu verlegen, wenn der Hof im Winter in der Residenzstadt Dresden weilte.
Nachdem der Maiaufstand 1849 auch das Fährprivileg des Hofes gebrochen hatte, sollte ab 1850 die Pillnitzer Fähre ununterbrochen das Jahr über in Betrieb sein. Der Laubegaster Fährmann erhielt eine deshalb jährliche Entschädigung von 80 Talern für seinen Umsatzausfall, welche 1893 auf 600 Mark festgelegt wurde.
Für das Fährkommando wurde 1860 eine Kaserne auf der linken Elbseite gebaut, welche auch gleichzeitig das Forstamt beherbergte.
Im Jahr 1911 übernahm die Sächsisch-Böhmische Dampfschiffgesellschaft den Betrieb der Fähre. Der bisherige Fährmann Streidt wurde entschädigungslos entlassen. Von der SBDG erhielt der Fährmann den Betrag von 14.200 Mark für Betriebsmittel erstattet.
Ein Jahr später wurde die Elbe erstmals mit einem motorgetriebenen Schiff gequert, das aber noch immer an einem Gierseil hing. Wegen Treibstoffmangel im Ersten Weltkrieg musste der Motor-Fährbetrieb 1915 eingestellt werden. Erst ab 1930 fuhr wieder eine Motorfähre: die „Pillnitz I“. Sie fuhr bis nach Kriegsende 1945.
Aus der Sächsisch-Böhmischen Dampfschifffahrtsgesellschaft wurde 1945 die Abteilung Personenschifffahrt der VBB Land Sachsen Schifffahrts- und Umschlagebetriebe. Dieser Betrieb besaß seit dem 1. August 1911 die Fährgerechtigkeit für diese Fähre, die am 2. Februar 1949 erneuert wurde.
Ab dem 1. März 1950 erhielt das damalige Kommunalwirtschaftsunternehmen der Stadt Dresden, Abteilung Verkehrsbetriebe, die Verleihung des Rechts zum gewerbsmäßigen Betrieb der Fähre Kleinzschachwitz - Pillnitz. Dafür mussten außer der Wasserstraßenabgabe auch 5% der jährlichen Bruttoeinnahmen an das Land Sachsen gezahlt werden.
Nach der Enteignung der Dampfschiffgesellschaft übernahmen die Dresdner Verkehrsbetriebe den Fährbetrieb. Ab 1961 fuhr eine elektrisch betriebene Gierseilfähre über die Elbe. Seit 1994 ist die „Schloßfähre“ mit zwei Pumpjetmotoren im Einsatz, die noch heute in Betrieb ist. Sie kann acht Autos transportieren und hängt nicht mehr an einem Gierseil, sondern kann sich frei auf der Elbe bewegen.
Wenn die „Schloßfähre“ gewartet wird oder Unterstützung benötigt, kommt Fähre „Erna“ (gebaut 1927 in der Schiffswerft Übigau) zum Einsatz.
[Bearbeiten] Quellen
- Klaus Stein: "Fähren der Oberelbe in Sachsen und Böhmen", Verlag: Edition Freiberg, 2013, ISBN: 978-3-943377170.
- 300 Jahre Fähre "Kleinzschachwitz - Pillnitz" auf www.nahverkehr-dresden.de: "Am 15. August 2021 begingen die Dresdner Verkehrsbetriebe das Jubliäum 300 Jahre Fähre "Kleinzschachwitz - Pillnitz". Genau genommen wurde die Feierlichkeit um einen Tag vor das eigentlich historische Datum verlegt. Denn die tatsächliche Geburtsstunde der Fähre war am 16. August 1721."
- Hauke Heuer: Am Gierseil über den Fluss. In: DNN 23.10.2015, S. 14