Otto Bandmann

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Dr. Otto Bandmann (* 6. November 1886 in Hamburg; † 3. Oktober 1944 KZ Auschwitz) war ein Dresdner Journalist.

Nach seinem Studium in Heidelberg bei Prof. Dr. Adolf Koch wurde Bandmann zunächst Redakteur bei der Neuen Badischen Landeszeitung in Mannheim. Im Jahr 1909 promovierte er in Leipzig über das Thema „Die deutsche Presse und die Entwicklung der deutschen Frage 1864-1866“.

Anfang 1911 wechselte Bandmann zu den Dresdner Neuesten Nachrichten unter Chefredakteur Julius Wollf und wurde dort Politikchef. Nach zwei durch Bandmann verursachten Presseprozessen, darunter ein Streit mit dem Soziologen Max Weber um eine verweigerte Duellforderung, der deutschlandweit für Aufsehen sorgte, schied er jedoch bereits im Frühsommer 1912 wieder aus der DNN-Redaktion aus. Bandmann blieb in Dresden und machte sich mit einem eigenen Redaktionsbüro selbständig. Seine von 1912 bis 1933 bestehende „Sächsisch-Böhmische Korrespondenz“ war eine landespolitische Nachrichtenagentur, die vor allem die bürgerliche Provinzpresse im Deutschen Reich belieferte. Sein Redaktionsbüro befand sich von ca. 1919 bis 1933 in der Bernhardstraße 2.

In den 1920er Jahren war Bandmann in Dresden ein sehr einflussreicher Journalist.[1] Er unterhielt enge Beziehungen zur Nachrichtenstelle der Sächsischen Staatskanzlei und veröffentlichte in der von ihr herausgegebenen Sächsischen Staatszeitung auch selbst Artikel. Von 1920 bis 1930 war er zudem Vorsitzender des Landesverbandes der sächsischen Presse. Im Oktober 1923 wurde ihm vorübergehend die Lizenz für die Pressetribüne des Sächsischen Landtags entzogen, weil er eine Telefonistin dazu angestiftet hatte, ein Gespräch der KPD-Fraktion abzuhören.[2]

Aufgrund seiner jüdischen Herkunft wurde Bandmann durch die Nationalsozialisten massiv angegriffen, die auch vor körperlichen Angriffen nicht Halt machten. Während der Besetzung des Sächsischen Landtags durch NSDAP-Mitglieder unter der Führung des Gauleiters Martin Mutschmann am 9. März 1933 wurde Bandmann auf der Treppe im Landtagsgebäude von einem SA-Trupp mit der Waffe bedroht, heftig antisemitisch beleidigt, drangsaliert und gewürgt. Nach seiner eigenen Aussage verhinderte nur das Eingreifen des kurz zuvor ernannten Reichskommissars Manfred von Killinger Schlimmeres.[3]

Nach diesen Erfahrungen mit den neuen Machthabern verließ Bandmann Dresden und zog nach Berlin-Charlottenburg. Von dort aus emigrierte er im April 1939 in die Niederlande, wo er bis 1943 lebte. Von seiner Familie war er zu dieser Zeit bereits getrennt. Am 21. Juli 1940 wurde die Ehe mit seiner „arischen“ Frau Dora Johanna geschieden. Wenige Monate zuvor waren die Niederlande vom Deutschen Reich besetzt worden. 1941 erkannte man Bandmann in Deutschland seinen akademischen Grad ab.[4] Am 4. Juni 1943 wurde er ins Durchgangslager Westerbork eingeliefert und im Januar 1944 ins Ghetto Theresienstadt verlegt. Schließlich verschleppte man ihn am 1. Oktober 1944 ins Vernichtungslager KZ Auschwitz-Birkenau, wo Otto Bandmann zwei Tage nach seiner Ankunft für tot erklärt wurde.

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Matthias Lau: Pressepolitik als Chance. Staatliche Öffentlichkeitsarbeit in den Ländern der Weimarer Republik. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2003, S. 201.
  2. Janosch Pastewka: Koalitionen statt Klassenkampf. Der sächsische Landtag in der Weimarer Republik (1918–1933). Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2018, S. 119.
  3. Janosch Pastewka: "Ein erschütternder Anblick“. Der Überfall auf den sächsischen Landtag am 9. März 1933 (Fundstücke aus der Landtagsgeschichte). In: Landtagskurier, Ausgabe 5-2015, S. 22–23. (Online).
  4. Veröffentlicht im Deutschen Reichsanzeiger und Preußischen Staatsanzeiger am 4. Januar 1941.
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