Moritz Thierbach

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Karl Moritz Thierbach, früher auch Carl Moritz Thierbach (* 3. Juni 1825 in Leipzig; † 20. Dezember 1906 in Dresden) war ein königlich-sächsischer Offizier, zuletzt im Rang als Oberst. Er war Militärhistoriker und Waffenexperte sowie einer der Mitbegründer des sächsischen Militärmuseums.

[Bearbeiten] Familie

Karl Moritz Thierbach war der älteste Sohn es Juristen Karl Philipp Heinrich Thierbach (17911877), zuletzt Vizepräsident am Dresdner Oberappellationsgericht und dessen Ehefrau Pauline († 1886 in Dresden). Seine Mutter wohnte nach dem Tod des Vaters Thierbachschen Haus in der Bautzner Straße.[1] Sein Bruder, Max Alfred Thierbach (18341929) war wie sein Vater Jurist, zuletzt Senatspräsident am sächsischen Oberlandesgericht im Rang und mit Titel eines Geheimen Rates. Dessen Tochter Martina heiratete den österreichischen Komponisten, Klarinettisten und Hochschullehrer Rudolf Jettel (19031981).[2]

[Bearbeiten] Leben und Wirken

Moritz Thierbach kam 1841 als Kadett auf die Dresdner Militärbildungsanstalt, die sich damals noch im Kadettenhaus in der Dresdner Neustadt befand. 1845 wurde er Portepee-Junker. Ein Jahr später, 1846 erhielt er sein Offizierspatent in der sächsischen Infanterie als Leutnant. 1849 wurde Thierbach im Rang eines Oberleutnant bei den Straßenkämpfen bei der Märzrevolution in Dresden gegen die Demonstranten eingesetzt. 1854 wohnte er im elterlichen Haus.[3]

1860 wurde Thierbach zum Hauptmann befördert und diente im 10. Infanterie-Bataillon unter der Führung des damaligen Bataillonskommandeurs Hans Karl von Kirchbach.[4][5] Im Deutschen Krieg 1866 nahm er am Feldzug teil und befehligte er eine Kompanie. Im gleichen Jahr noch zum Major befördert, wurde er als Stabsoffizier in das 8. Infanterie-Regiment Nr. 107 versetzt, wo er unter der Führung von Bernhard August Alban von Leonhardi diente.[6]

Im Deutsch-Französischen Krieg 1870 war Thierbach im Rang eines Majors Bataillonskommandeur im 8. Infanterieregiment Nr. 107. In diesem Krieg wurde er in der Schlacht bei St. Privat durch einen Schuss in sein Bein schwer verwundet. Daraufhin kehrte er ins Militärlazarett nach Sachsen zurück, musste aber noch im November desgleichen Jahres aufgrund einer erneuten Erkrankung seinen Dienst an der Front quittieren.

1871 wurde Thierbach im Rang eines Oberstleutnants aufgrund seines Gesundheitszustandes zur Disposition (z.D.) gestellt und in den vorläufigen Ruhestand vom aktiven Dienst versetzt. Ab diesem Zeitpunkt leitete er als Militärvorsitzender und Bezirkskommandeur den Landwehrbezirk Schneeberg im Erzgebirge und war im Falle der Mobilmachung für die Aushebungs-Bezirke Schwarzenberg, Schneeberg, Auerbach und Falkenstein verantwortlich, d.h. für die Auffüllung der III. Infanterie-Brigade Nr. 47,[7] dort genau für das 2. Bataillon des 5. Landwehrregiments Nr. 104.[8][9]

1881 erhielt Thierbach noch den Rang eines königlich-sächsischen Oberst z.D. und wirkte weiter als Militärinspizient. Er kehrte 1882 im Rang als Oberst in das Thierbachsche elterliche Haus in die Bautzner Straße nach Dresden zurück,[10] Thierbach beschäftigte sich im Laufe der Jahre immer mehr mit der historischen Waffenkunde, galt als wichtigster deutscher Waffenexperte des 19. Jahrhunderts und war einer der Mitinitiatoren und -gründer des sächsischen Militärmuseums im Arsenal. Thierbach gilt als der Begründer der historischen Waffenkunde.[11] Mit dem Überlinger Fabrikanten Karl Stierle stand er in engem Briefkontakt.[12] Thierbach war Mitglied in meherern Vereinen und Institutionen, u.a. Ehrenmitglied des Geschichts- und Altertums-Vereins zu Leisnig.[13]

Nach dem Tod seiner Mutter erbte er zusammen mit seinen Geschwistern das Thiermannsche Haus in der Bautzner Straße 9, verkaufte es aber. Anschließend zog er in die Alaunstraße 1, wo er bis zuletzt wohnte und wo ihm seine jüngere Schwester Theresa Franziska Thierbach († 1910 in Dresden)[14] den Haushalt führte.[15]

[Bearbeiten] Auszeichnungen (Auswahl)

[Bearbeiten] Veröffentlichungen (Auswahl)

[Bearbeiten] Quellen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Adressbuch Dresden 1878, S. 428, SLUB
  2. Festschrift für Hans Wagner zum 60. Geburtstag, Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Selbstverlag der Gesellschaft, 1982, Snippet-Ansicht auf Google Books, S. 260
  3. Adressbuch Dresden 1854, S. 157, SLUB
  4. Adressbuch Dresden 1860, S. 242, SLUB
  5. Staatshandbuch für das Königreich Sachsen 1863, Digitalisat auf Google Books, S. 454
  6. Staatshandbuch für das Königreich Sachsen 1867, S. 472f.
  7. Staatshandbuch für das Königreich Sachsen 1877, Digitalisat auf Google Books, S. 404 und 429
  8. Staatshandbuch für das Königreich Sachsen 1878, Digitalisat auf Google Books, S. 430
  9. Rangliste der Königlich-Sächsischen Armee vom Jahre 1876, Dresden, Digitalisat auf Google Books, S. 86
  10. Adressbuch Dresden 1883, S. 428, SLUB
  11. Franz-Josef Heuser, Christian Hermann, Gerhard Bauer: Hinterlassenschaften aus fünf Jahrhunderten: Ausstellungsstücke, Militärhistorisches Museum der Bundeswehr in Dresden, 2004, Snippet-Ansicht auf Google Books, S. 36
  12. Martin Baur: Weitweit einmalige historische Geschosse lagen 100 Jahre unentdeckt im Überlinger Museum, im: Südkurier vom 30. Januar 2016, abreufen am 8. Dezember 2019
  13. Wilhelm Haan: Mitteilungen des Geschichts- und Altertums-Vereins zu Leisnig, IV. Band, Leisnig 1876, Digitalisat auf Google Books, S. 103
  14. Adressbuch Dresden 1910, S. 1046, SLUB
  15. Adressbuch Dresden 1907, S. 1020, SLUB

[Bearbeiten] Weblinks

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