Bunte Republik Neustadt
Die Bunte Republik Neustadt (BRN) war ein seit 1990 stattfindendes Stadtteilfest in der Äußeren Neustadt. Sie fand bis 2019 jedes Jahr im Juni statt.
[Bearbeiten] Geschichte
Die erste BRN fand vom 22. bis 24. Juni 1990 statt. Die Grenzen der Bunten Republik Neustadt wurden mit einem weißen Strich auf der Straße markiert und umfassten das Karree Bautzner Straße, Königsbrücker Straße, Bischofsweg, Prießnitzstraße.
Die Entwicklung der Neustadt in den nächsten zehn Jahren war geprägt durch einen Sanierungsboom, stark steigende Mieten und die Etablierung einer kulturellen Infrastruktur, die zunehmend nur noch auf ein kaufkräftiges Publikum ausgerichtet ist. Die damit einhergehende Gentrifizierung des Stadtteils führte zur Verdrängung von weniger finanzstarken Bevölkerungsteilen und zur Degradierung der Subkultur zu einer Kulisse für den "Livestyle". Für die Konsumenten wurde die bunte, lebendige, aufregende Neustadt mit ihren bettelnden Punks nur die ideale Szenerie für ihren Partytourismus. Widersprüche, Armut und Ausgrenzung werden seitdem auf ein Erlebnisfeld reduziert.
Andererseits wurden Punks und Hausbesetzer im Zuge dieser "Aufwertung" zunehmend direkten und indirekten Repressionen wie Räumungen, Personenkontrollen, Platzverweise auf der Alaunstrasse etc. ausgesetzt. Die Politik des damaligen Oberbürgermeisters Herbert Wagner war geprägt durch das Weitersanieren, um ein Klima schaffen, in dem sich die sog. "Chaoten" nicht mehr willkommen fühlen.
Die Kommerzialisierung auch durch den BRN e.V. führte zwar 2001 zu einem Rekord von 150.000 Besuchern - ihre einseitige Ausrichtung auf Clubs, Kneipen und ihr eigenes Klientel drängte Eigeninitiativen aber an den Rand. Die Punkkonzerte des Merkwürden e.V. im Alaunpark, eine der wenigen unabhängig vom BRN e.V. organisierten Veranstaltungen sollten folgerichtig durch die Polizei aufgelöst werden (Samstag, den 16. und Sonntag, den 17. Juni 2001).[1] Die Losung "NEUSTADT STATT PREUSSSTADT" (Preuss war einer der Protagonisten der Kommerzialisierung in der Neustadt, führendes Mitglied im BRN e.V. und Inhaber der Jim Beams Bar) kennzeichnete diesen Konflikt, der schon vor der BRN bestand und zum Rücktritt des BRN e. V. als Veranstalter führte.
Seit 2002 wird das Stadtteilfest ohne einen Gesamtveranstalter ausgerichtet, die beteiligten Personen und Lokale melden Einzelveranstaltungen mit einem Formular bei der Stadt an.
Aufgrund der vorausgegangenen Gewalttätigkeiten wird die BRN von einer umfangreichen Polizeipräsenz begleitet. Trotz zahlreicher kommerzieller Veranstalter konnten sich etliche Privatinitiativen ohne kommerzielle Interessen erhalten, welche seit jeher ein wesentliches Merkmal der BRN sind.
Insbesondere die Talstraße ist frei von kommerziellen Angeboten und bietet traditionell Betätigung für kleine und große Kinder.
Das Gebiet der BRN ist während des Festes für fahrenden und ruhenden Verkehr gesperrt. Entlang der Görlitzer/Rothenburger Straße findet jedoch fast regelmäßig ein Umzug aus skurrilen, selbstgebauten Fahrzeugen, begleitet von Musik und Tanz, statt.
2006 besuchten in der Zeit vom 16. bis 18. Juni über 150.000 Besucher das Neustädter Stadtteilfest. [Typische Szene von 2012 des Festes| [2] ]
2020 sollte vom 19. bis 21. Juni die BRN mit dem 30-jährigen Jubiläum stattfinden. Aufgrund der Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie musste die BRN aber abgesagt werden. Das Straßenfest zur BRN 2021 (geplant 18. bis 20. Juni) musste ebenfalls abgesagt werden. In den Folgejahren fand die BRN ebenfalls nicht mehr statt. 2023 scheiterte sie an einem fehlenden Gesamtveranstalter.[3] Freundlicherweise fanden anstatt dessen eine Vielzahl an kleinen Straßenfesten statt, die dem ursprünglichen lokalen Charakter und Charme des Festes wieder näher kamen.
[Bearbeiten] Weblinks
- Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Bunte Republik Neustadt“
- brn-dresden.de
- neustadt-ticker.de/brn
- Bildermanns Fotos von der 1990er BRN (Archivversion)
- Twitter-Gezwitscher anlässlich der #BRN09
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Als am Samstag, dem 16. Juni, eine Konzertveranstaltung im Alaunpark beendet war und Polizei massiv aufmarschierte, kam es zu den ersten Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Konzertbesuchern. Da die Polizei allerdings lediglich mit einer Hundertschaft anwesend war und nicht mit einer derartigen Eskalation gerechnet hatte, war sie überfordert und zog sich zurück. Die Bilanz: zwölf Beamte wurden verletzt und vier Personen festgenommen. Eine Barrikade brannte und eine Kneipe wurde teils zerstört. Daraufhin wurden mehrere Einsatzhundertschaften angefordert: aus Bayern, Hessen, Thüringen und Brandenburg. Eingesetzt wurde außerdem eine Hundertschaft Dresdner Bereitschaftspolizei sowie eine Hundertschaft Bundesgrenzschutz. Sonntag, den 17. Juni 2001 stürmten gegen 20.00 Uhr vom Bischofsweg die ersten Einheiten in die Alaunstrasse und trieben wahllos die Leute Richtung Louisenstrasse. Sie griffen auch wahllos Passanten an und gingen ohne Grund gegen Personen vor, so zum Beispiel wurde ein Tango tanzendes Pärchen verprügelten und auch ältere Personen an den Straßentischen ausnahmslos verjagt. Leute wurden in die Kneipen getrieben und in diese dann CS-Gas gesprüht.
- ↑ https://m.youtube.com/watch?v=U38lL2Iw6l8
- ↑ Bunte Republik Neustadt findet 2023 nicht statt, dresden.de, 10. Januar 2023.