Zar Alexander I. in Dresden
Zar Alexander I. (russisch: Александр I Павлович; * 12. Dezember 1777 in Sankt Petersburg; † 19. November 1825 in Taganrog) war Zar von Russland (1801–1825), König von Polen (1815–1825), erster russischer Großfürst von Finnland (1809–1825) aus dem Hause Romanow-Holstein-Gottorp und von 1801 bis 1807 sowie von 1813 bis 1818 Herr von Jever.
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[Bearbeiten] Herr über die Herrschaft Jever
- Die Herrschaft Jever kam 1689 durch einen Vergleich auf dem Reichstag als reichsunmittelbares Gebiet zurück und ging an den Fürsten Johann VI. von Anhalt-Zerbst, Neffe des letzten Herrschers von Jever aus der Oldenburger Linie, Anton Günther († 1667). Als mit Friedrich August von Anhalt-Zerbst im Jahr 1793 auch diese Linie im Mannesstamm ausstarb, wurde die Herrschaft Jever aufgrund ihres Status als Kunkellehen nicht in die Zerbster Teilung mit einbezogen, sondern fiel 1793 an die nächste Verwandte, die russische Zarin Katharina II. (die Große), die damit nun Landesherrin von Jever wurde. Als Statthalterin wurde von Katharina die Witwe des letzten Zerbster Fürsten, ihre Schwägerin Friederike Auguste Sophie von Anhalt-Bernburg, eingesetzt. Dieses Amt versah sie mit Umsicht und Reformeifer bis zur Besetzung des Jeverlandes durch napoleonische Truppen im Oktober 1806. Zar Alexander I. trat die Herrschaft Jever am 7. Juli 1807 im Frieden von Tilsit an das unter napoleonischer Vorherrschaft stehende Königreich Holland ab und eroberte sie im November 1813 wieder zurück. Zwischenzeitlich war das Gebiet von 1810 bis 1813 ein Teil des Kaiserreichs Frankreich gewesen und hatte zum Département Ems-Oriental gehört. Nach dem Rückzug der napoleonischen Truppen trat 1813 Russland wieder in seine Rechte ein, gab die Herrschaft Jever aber 1818 an das 1815 errichtete Großherzogtum Oldenburg ab.
[Bearbeiten] Zar Alexander I. in Dresden
[Bearbeiten] Nach Heinrich Zschokke 1818
[Bearbeiten] 1813
Der russische Zar Alexander wohnte 1813 im Brühlschen Palais und ließ sich den Gartenpavillon nach seinem Geschmack herrichten.
Die "Historisch-topographische[n] Kontraste, den Gartensaal und die Brühlsche Terrasse in Dresden betreffend"[1] führen dazu aus:
Ein neues, regsames Leben erhielt auf einmal der Garten, als Kaiser Alexander, vor der
Lützner Schlacht einsprach, den Brühlschen Pallast bewohnte, dessen Gartenterrasse zu seinem
Liebling=Spaziergange wählte, ein Gartenhaus dort zu seinem Gebrauch einrichten und den
ehemaligen Ausstellungssaal der Kunst in eine russische Kapelle umwandeln ließ.
- In Alexanders Garten=Fußtapfen trat nachher sein Generalgouverneur in Sachsen, Fürst
Repnin. Dieser ließ den Zugang zum Garten von der Brücke her, erst durch eine kleine
hölzerne Treppe, der russischen Kirche wegen, erleichtern, dann durch eine große dreiund=
zwanzig Ellen breite steinerne Steintreppe förmlich eröffnen.
- Eine solche war übrigens keine neue, sondern nur eine ergriffene, vorgefundene
Idee; denn auch unser verehrter König hatte vor langer Zeit schon, den Werth des Gartens
nicht verkennend, Zeichnungen von dessen Treppen zu dessen Eröffnung von der Brückenseite her sich
vorlegen lassen, die Ausführung aber nur aus den tristigsten ökonomischen Rücksichten immer
verschoben.
Mit Lützner Schlacht ist die Schlacht bei Großgörschen vom 2. Mai 1813 auf den Ebenen bei Lützen gemeint. Da Napoleon in der Nacht vor der Schlacht bei Großgörschen demonstrativ am Gedenkstein für Gustav Adolf übernachtete, umgeben von seinen Truppen, wird diese manchmal auch als Schlacht bei Lützen bezeichnet.
[Bearbeiten] Russischer Choral nach dem Zapfenstreich veranlaßt Friedrich Wilhelm III. zur Einführung eines abendlichen Gebets
Nach der Schlacht von Großgörschen besichtigte der preußische König Friedrich Wilhelm III. zusammen mit dem russischen Zaren Alexander I. am Abend das russische Lager. Hierbei erlebte er, wie die Soldaten – so wie es im russischen Heer üblich war – nach dem Zapfenstreich noch einen Choral sangen. Beeindruckt und ergriffen erließ er mit Kabinettsorder vom 10. August 1813 auch für die preußischen Truppen die Einführung eines Gebetes nach dem Zapfenstreich. Damit erlangte der Zapfenstreich – wenn auch zunächst nur in Preußen – seine erste zeremonielle Bedeutung.
[Bearbeiten] Nach Adolf Hantzsch 1918
Zu den Aufenthalten von Zar Alexander I. in Dresden schrieb Adolf Hantzsch im Jahr 1918:
[Bearbeiten] 1805
- [166] - Nr. 162. Alexander I., Pawlowitsch, Kaiser von Rußland, 1777–1825. Es waren kriegerische Verhältnisse, die ihn nach Dresden geführt haben. Erstmalig besuchte er unsere Stadt am 11. November 1805, nachdem er unmittelbar vorher in Potsdam mit Friedrich Wilhelm III. von Preußen ein Bündnis gegen Napoleon I. geschlossen hatte und nun nach Mähren reiste, um dort sein Heer zu besichtigen. Geleitet von einer Schwadron kurfürstlicher Gardereiter, die ihm bis Meißen entgegengekommen war, hielt er in der 12. Nachtstunde unter Geschützdonner und den Jubelrufen der bereits seit dem Nachmittag seiner Ankunft harrenden Einwohner Dresdens hier seinen Einzug. Der Kurfürst mit den übrigen Gliedern seiner Familie empfing den hohen Gast im Schlosse, in dem dieser für die zwei Tage seines hiesigen Aufenthaltes Wohnung nahm. Am 12. November beteiligte sich der Kaiser mit dem Kurfürsten zunächst an einer Truppenschau, besichtigte sodann die Gemäldesammlung, die Mengs'schen Gipsabgüsse und das Grüne Gewölbe. Seine größte Aufmerksamkeit freilich brachte er den von den verschiedenen Kriegsschauplätzen in Dresden bei ihm eingehenden Nachrichten [167] entgegen, die mancherlei sofortige militärische Besprechungen nötig machten. Zwar besuchte Kaiser A. auch die Oper, doch nahm er nach derselben an der ihm zu Ehren veranstalteten Hoftafel nicht teil. Dem von ihm hochgeschätzten Maler Seydelmann, den er am Nachmittag zu sich ins Schloß hatte kommen lassen, erteilte er den Auftrag, ihm für seine Petersburger Galerie von einigen Meisterwerken der Dresdner Gemäldesammlung Nachbildungen zu schaffen. Als A. am Vormittage des 13. Novembers unter dem Donner der Kanonen zu Wagen unsere Stadt verließ, mußten die Truppen der kurfürstlichen Garde ein Stück des Weges das Geleit geben.
[Bearbeiten] 1813
- "In dem furchtbaren Kriegsjahre 1813 kam Kaiser A. und zwar diesmal für längere Zeit wieder nach Dresden. Am Mittag des 24. Aprils hielt er hier mit seinem Bundesgenossen, dem König Friedrich Wilhelm III. von Preußen, unter Glockengeläut und von einer überaus zahlreichen Volksmenge freudig begrüßt und vom Rate und der Geistlichkeit der Stadt ehrfurchtsvoll willkommen geheißen, seinen festlichen Einzug. Der Kaiser bezog das für ihn vorgerichtete Brühl'sche Palais, zuletzt Augustusstraße 3. In den nächsten Tagen gab es Besichtigungen sowohl der mit den beiden genannten Fürsten angelangten, als auch der erst nach ihnen hier angekommenen russischen und preußischen Truppen, von denen jedoch der größte Teil nach der Gegend von Weißenfels abzog. Am 30. April früh 3 Uhr folgte ihnen Kaiser A., fünf Stunden später auch der König von Preußen. Man rechnete hier auf die baldige Rückkehr der beiden Fürsten, da ihre Wohngebäude mit Wachposten besetzt geblieben waren. In der Tat traf am Nachmittag des 4. Mai König Friedrich Wilhelm in Dresden wieder ein, während dies von seinem Bundesgenossen abends 8 Uhr geschah. Freilich erschienen sie nicht als Sieger, obgleich ein in unserer Stadt umlaufendes und sich zwei Tage haltendes Gerücht sie als solche hinstellte. Erst die beiden am 6. Mai veröffentlichten amtlichen Berichte gaben darüber Auskunft, daß trotz der von den beiden Verbündeten errungenen Vorteile in der am 2. Mai stattgefundenen Schlacht bei Lützen der Sieg von Napoleon errungen worden sei. Da dieser mit seinem Heere gegen Dresden vorrückte, verließen die bisher hier zurückgebliebenen preußischen und russischen Truppen bis auf einen geringen Teil, der den Rückzug decken mußte, unsere Stadt und zogen nach der Lausitz. Am frühen Morgen des 8. Mai brach Kaiser A., um die Mittagsstunde auch König F. W. III. ebenfalls dahin auf."
- "Zwar sind beide Fürsten in den Tagen vom 25. bis 27. August 1813 noch einmal in der unmittelbaren Nähe Dresdens gewesen, ohne jedoch die Stadt zu betreten. Kaiser A. hatte nämlich während der großen Schlacht seine Wohnung in Nöthnitz, der König von Preußen in Lockwitz."[2]
[Bearbeiten] Quellen
- ↑ "Historisch-topographische Kontraste, den Gartensaal und die Brühlsche Terrasse in Dresden betreffend." In: Heinrich Zschokke (Hrsg.): "Ueberlieferungen zur Geschichte unserer Zeit." Jahrgang 1818, Heinrich Remigius Sauerländer, Aarau 1818.
- ↑ Adolf Hantzsch: "Hervorragende Persönlichkeiten in Dresden und ihre Wohnungen: Alexander I. von Rußland." (= " Mitteilungen des Vereins für Geschichte Dresdens." Heft 25.) Lehmannsche Buchdruckerei und Verlagsbuchhandlung, Dresden 1918, S. 166f.