Wolf Heinrich Siegmund von Thümmel
Wolf Heinrich Siegmund von Thümmel, auch Wolf Heinrich Sigismund von Thümmel (* 18. Mai 1733 [1] in Gruna bei Doberlug in der Niederlausitz; † 21. März 1810 in Wurzen)[2] war ein kurfürstlich-sächsischer und zuletzt königlich-sächssicher Offizier und General, zuletzt als Chef eines Infanterieregiments im Rang eines Generalmajors.
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[Bearbeiten] Familie
Wolf Heinrich Siegmund von Thümmel entstammte der meißnischen, bürgerlichen Familie Thümmel, die ursprünglich aus Polen stammen und dort Timmelovski geheißen haben soll. 1370 soll Johann Timmelovski Stallmeister des polnischen Königs Ludwig gewesen sein. Dessen vier Söhne sollen sich nach Sachsen begeben haben. Wahrscheinlicher ist, dass die Familie aus der Gegend um Leipzig stammt, wo sie seit Jahrhunderten zum Leipziger Patriziat gehörte. Bereits seit 1404 besaßen Georg und Nicolaus Thümmel das Rittergut Schönefeld bei Leipzig, allerdings wird die Familie erst seit Mitte des 17. Jahrhunderts zum Adel gezählt.[3] Moritz Thümmel war 1557 Baumeister des Leipziger Ratskollegiums.[4] In Sachsen besaß die Familie die Rittergüter Danna bei Wittenberg, Dittersdorf, Hemsendorf bei Schweinitz Oegelas, Paunsdorf, Plaussig, Volkmannsdorf und Schönefeld, alle bei Leipzig, Pfuhl, Schmölen bei Bischofswerda, Sellerhausen und Thümmel.[5] Von Thümmels Urgoßvater väterlicherseits war der herzoglich-Sachsen-Naumburgische Oberhofmeister Hans Georg von Thümmel auf Schönefeld und Volkmarsdorf († 1690), sein Großvater der kursächsische Major Adolph August von Thümmel auf Schönefeld († 1713).
Von Thümmel war der zweitälteste Sohn des kursächsischen Wirklichen Landkammerrates Carl Heinrich von Thümmel auf Schönefeld und Volkmarsdorf (* 10. März 1710 in Schönefeld bei Leipzig; † 23. Mai 1788 in Zwickau) und dessen 1731 geheirateter Ehefrau Ludmilla Charlotte Sabine geb. von Böhlau aus dem Hause Wünschendorf (* 30. November 1711 in Jessen bei Wittenberg; † 8. Juli 1785 in Zwickau). Von Thümmel hatte noch fünf Schwestern und vier Brüder, wovon der älteste im Kindesalter starb. Die anderen waren u.a.:
- [[Wikipedia:Moritz August von Thümmel|Moritz August von Thümmel (1738–1817), Sachsen-Coburgischer Geheimer Rat, quittierte den dortigen Staatsdienst als Minister bereits 1783, widmete sich den Wissenschaften und der Schriftstellerei ⚭ 1779 Friedrika Magdalena Johanna Sophie Marie geb. von Wangenheim (1748–1799).
- Wilhelmine Henriette von Thümmel (1740–1826), gestorben in Altenburg ⚭ 1767 Ernst Friedrich von Stutterheim (1713–1773).
- Hans Wilhelm von Thümmel (1744–1824), Sachsen-Gothaischer Geheimer Rat, Diplomat, Kammerpräsident und Obersteuerdirektor in Altenburg ⚭ Freiin Charlotte geb. von Rothkirch und Trach (1765–1839).
- Friedrich Christian von Thümmel (1745 – 1778), kaiserlich-österreichischer Kämmerer ⚭ Friederike geb. von Wangenheim aus dem Hause Sonneburg, drei Kinder.
Wolf von Thümmel heiratete am 14. Mai 1770 Louise Agnesa Friederika geb. von Zanthier (* 1709; † 21. Januar 1791 in Eilenburg), Tochter des Hans Heinrich von Zanthier aus Poseck († 1744). Das Ehepaar hinterließ keine Nachkommen.
[Bearbeiten] Leben und Wirken
Wolf von Thümmel war 1736 Exspektant (Anwärter) im Domstift in Naumburg. Er begann seine Karriere bei der kursächsischen Armee 1752 als Portepee-Fähnrich und damit als Offiziersanwärter. Ein Jahr später, 1753 erhielt er sein Offizierspatent im ersten Leutnantsdienstgrad als Sous-Lieutenant in der sächsischen Infanterie. Ab 1756 nahm er an dem Siebenjährigen Krieg, der bis 1763 andauerte, teil. Während dieses Krieges, 1757 wurde von Thümmel zum Premier-Lieutenant befördert, womit er auch zum Stellvertreter seines Kompaniechefs wurde. 1761 erhielt von Thümmel seine Beförderung zum Kapitän, was dem heutigen Dienstgrad eines Hauptmannes entsprach. Damit befehligte er nun eine Grenadierkompanie als Kompaniechef.
Am 1. Oktober 1778 wurde von Thümmel Major und damit auch Stabsoffizier in seinem Regiment. Im gleichen und im Folgejahr machte er den sächsischen Feldzug nach Böhmen und innerhalb Sachsens mit. Von Thümmel diente 1783 als wirklicher Major im Infanterieregiment von Bennigsen in den Standquartieren in Leipzig, Eilenburg und Delitzsch. Damit kommandierte er ein Grenadierbataillon in seinem Stammregiment. Chef dieses Infanterieregiments war der sächsische Generalleutnant Gustav Adolph von Bennigsen, der das Regiment 1781 vom sächsischen Kurfürsten Friedrich August der Gerechte erhalten hatte. Sein Regimentskommandeur war zu dieser Zeit Oberst Hans Gottlob von Ziegler und Klipphausen.
Nachdem General von Bennigsen 1784 gestorben war, übernahm Generalmajor Carl Heinrich von Reitzenstein ab dem 28. Dezember desgleichen Jahres das Infanterieregiment als Chef, das fortan seinen Namen trug. Nach dem Tod des bisherigen Regimentskommandeurs Oberst von Ziegler und Klipphausen im Jahr 1787 wurde Oberst Hans Rudolph von Wiedemann neuer Regimentskommandeur und damit auch Vorgesetzter von Thümmel. 1788 dienstältester Major in seinem Regiment, wurde von Thümmel am 1. August 1790 unter zum Oberstleutnant in seinem Stammregiment befördert. Sein Regiment wurde im gleichen Jahr vom sächsischen Generalmajor Heinrich von Wolfersdorff als Chef übernommen, weil der mittlerweile zum Generalleutnant beförderte von Reitzenstein Anfang des gleichen Jahres zum wirklichen Gouverneur der Stadt Leipzig ernannt wurde, nachdem er dieses Amt bereits interimsweise einige Zeit ausgeübt hatte. Als Kommandeur eines Grenadier-Bataillons mit 652 Soldaten im Rang eines Oberstleutnants war von Thümmel nun zugleich stellvertretender Kommandeur von Oberst von Wiedemann in der Garnison Leipzig. Nach dem Tod seines Regimentschefs von Wolfersdorff im darauffolgenden Jahr und Versetzung seines Regimentskommandeurs Oberst von Wiedemann erhielt von Thümmel mit dem damaligen Oberst Christian Heinrich Sänger am 5. Juli 1791 einen neuen Regimentskommandeur und direkten Vorgesetzten und bereits drei Tage vorher seinen neuen Regimentschef, Generalmajor Siegmund Friedrich August von der Heyde. In jenem Jahr diente von Thümmel in der Garnison Eilenburg.
18. Juli 1794 wurde von Thümmel vom sächsischen Kurfürsten unter gleichzeitiger Beförderung zum Oberst selbst neuer Regeimentskommandeur in seinem Stammregiment, das mittlerweile den Namen „Infanterieregiment von der Heyde“ trug. Sein bisheriger Vorgesetzer, Oberst Sänger war zuvor zum „Infanterieregiment Prinz von Gotha“ versetzt worden. Von Thümmel führte sein Stammregiment aber nur wenige Monate. 1794 und 1795 machte von Thümmel mit dem vereinigten preußischen und sächsischen Heer die Feldzüge mit dem deutschen Reichskontingent an den Rhein gegen die französischen Armee mit.[6]
Noch im gleichen Jahr wurde von Thümmel als neuer Regimentskommandeur „Infanterieregiment Prinz Xaver“ versetzt, nachdem der bisherige Kommandeur Oberst Freiherr von Niesemeuschel zum Generalmajor befördert wurde und Chef des bisherigen Wiedemannschen Infanterieregiments wurde. Von Thümmels neues Infanterieregiment war in den Standquartieren in den damals sächsischen Städten Naumburg, Merseburg, Eckhartsberga und Laucha disloziert. Von Thümmel selbst diente im Regimentsstab in der Stiftstadt Naumburg. Am 27. Oktober 1801 wurde von Thümmel in seiner Dienststellung als Regimentskommandeur des Regiments Prinz Xaver vom sächsischen Kurfürsten zum Generalmajor ernannt.
Nachdem der bisherige Generalleutnant von Nostitz 1801 Gouverneur von Leipzig wurde, gab dieser 1802 sein bisheriges Infanterieregiment als Chef ab. Der sächsische Kurfürst Friedrich August der Gerechte übertrug am 7. Mai 1802 von Thümmel dieses Regiment, das für die nächsten Jahre dessen Namen führte. Von Thümmel wwar acht Jahre in der Dienststellung als Chef seines Infanterieregiments. Obwohl ihm als Chef des Regiments alle Einkünfte seines Truppenteils zustanden, von denen er auch seine Ausgaben bezahlen musste. Allerdings muss er sich schon nach wenigen Jahren in finanziellen Schwierigkeiten befunden haben, wovon zwei Schuldenklagen zeugen. 1803 gab es die Schuldenklage des Domherrn Christian Heinrich August von Elffel in Naumburg gegen den Generalmajor Wolf von Thümmel.[7] 1804 bis 1805 gab es eine weitere Schuldenklage, diesmal des Obersts Moritz Ulrich Friedrich von Barneckow, ebenfalls gegen den Generalmajor Wolf von Thümmel, die beide im Hauptstaatsarchiv Dresden erhalten sind.[8]
Am 19. August 1808, nach 56 Dienstjahren in der sächsischen Armee wurde von Thümmel vom sächsischen König Friedrich August I. unter Fortzahlung einer gesetzlichen Pension, mit der Erlaubnis des Tragens der Generalsuniform in der Öffentlichkeit und im Rang eines Generalmajors a.D. (außer Dienst) in den Ruhestand verabschiedet. Knapp zwei Jahre später starb von Thümmel im 79. Lebensjahr.
[Bearbeiten] Quellen
- Genealogische Angaben aus:
- Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon, Band 9, 1870, Digitalisat auf Google Books, S. 199ff.
- Horst Heldmann: Moritz August von Thümmel, sein Leben sein Werk, seine Zeit, Teil 1, 1964, Snippet-Ansicht auf Google Books.
- Geschichte und gegenwaertiger Zustand der Kursaechsischen Armee, Digitalisierte Bände, 1783 bis 1802.
- Stamm- und Rang-Liste der Chur-Sächsischen Armee, Digitalisierte Bände, 1803 bis 1806.
- Stamm- und Rang-Liste der Königl.-Sächsischen Armee, Digitalisierte Bände, 1807 bis 1810.
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Nach Angaben im Deutschen Adelslexikon 1732 geboren. In den Ranglisten der sächsischen Armee wird 1731 und als Geburtsort Schönefeld bei Leipzig angegeben.
- ↑ Abgang an Pensionär-Offiziers im 1sten Quartal in: No.12: Nachträge aus dem Monat März 1810 in: Stamm- und Rang-Liste der Königl.-Sächsischen Armee auf das Jahr 1810, 1810, Digitalisat der SLUB, S. 3.
- ↑ Stammbuch des blühenden und abgestorbenen Adels in Deutschland, Band 2, 1865, Digitalisat auf Google Books, S. 78.
- ↑ Schönefeld in Otto von Moser: Die Umgebung Leipzig's in geschichtlichem Abriß der nächstliegenden 56 Dörfer dargestellt, 2025, Leseprobe auf Google Books, S. 89.
- ↑ Leopold von Ledebur: Adelslexicon der Preussischen Monarchie, Band 3, 1854, Digitalisat auf Google Books, S. 16f.
- ↑ Georg von Schimpff: Geschichte des Kgl. Sächs. Garde-Reiter-Regiments, im Auftrage des Regimentes zusammengestellt, 1880, Digitalisat auf Google Books, S. 259.
- ↑ Archivale 11321, Datensatz im Sächsischen Staatsarchiv.
- ↑ Archivale 13608, Datensatz im Sächsischen Staatsarchiv.
[Bearbeiten] Weblinks
- Wolf Heinrich Siegmund von Thümmel, Datensatz auf FactGrid.
- Wolf Heinrich Siegmund von Thümmel, Datensatz auf WIAG: Wissensaggregator Mittelalter und Frühe Neuzeit.
- Wolf Heinrich Siegmund von Thümmel auf familysearch, Anmeldung erforderlich.
- Wolf Heinrich Siegmund von Thümmel auf MyHeritage, Anmeldung erforderlich.
- Feld-Infanterie-Regiment von Thümmel (Saxony) auf weltseele.miraheze.org.