Wolf Caspar Abraham von Gersdorff
Wolf Caspar Abraham von Gersdorff (* 7. April 1704 in Siegersdorf; † 2. Januar 1784 in Barby) war ein sächsischer Kriegsrat, Kirchenlieddichter und führendes Mitglied der Herrnhuter Brüdergemeine Dresden, die sich in der Zeit der drei Ausweisungen der Gemeine aus Sachsen (1732/1738 bis 1747) von 1739 bis Ende 1740 in seiner Wohnung (wahrscheinlich beim Jägerhof) traf.
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[Bearbeiten] In Siegersdorf (heute: Zebrzydowa) bei Naumburg am Queis (heute: Nowogrodziec)
Das oberlausitzsche Siegersdorf an der Grenze zu Schlesien, die über Jahrhunderte durch die Queis gebildet wurde, fiel 1650 an das oberlausitzsche Uradelsgeschlecht Gersdorff. Dieses erreichte das Privileg zur Abhaltung zweier Jahrmärkte und eines Viehmarkts. Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) diente die Siegersdorfer Kirche von 1654 bis 1741 als bedeutende Zufluchtskirche für evangelische Schlesier. Am 16. Dezember 1740 führte Preußen eine Armee von 27.000 Soldaten nach Schlesien hinein. Der protestantische Teil der Bevölkerung begrüßte die Preußen als Befreier von religiöser Behinderung. Ende Januar 1741 war Schlesien von österreichischen Truppen geräumt.
Siegersdorf gehörte Wolf Kaspar von Gersdorff (* 3. Januar 1655).[1] Er war in erster Ehe verheiratet mit Anna Maria Dorothea von Uechtritz (* 1656; † 31. Mai 1686). Die Ehe blieb kinderlos.[2]
Daraufhin heiratete er etwa 1690 Ursula Katharina von Loeben (* 1674)[3], von der ihm am 20. Oktober 1691 in Siegersdorf seine älteste Tochter Albertine Dorothea Elisabeth entbunden wurde.[4]
Als Stammhalter wurde am 6. April 1698 Johann Gottlob von Gersdorff geboren[5], und schließlich noch am 7. April 1704 als zweiter Sohn Wolf Caspar Abraham von Gersdorff.[6]
Schon im Jahr darauf, am 17. November 1705, starb Wolf Kaspar von Gersdorff gerade einmal mit 50 Jahren in Görlitz. Nachfolger wurde mit erst 7 Jahren sein ältester Sohn unter Vormundschaft seiner Witwe.
Diese ehelichte am 21. April 1710 in Siegersdorf den sieben Jahre jüngeren und gerade zum Witwer ohne Kinder gewordenen Hans Friedrich von Falkenhayn (* 23. Februar 1681).[7]
Am 22. November 1714 starb in Kießlingswalde der Stammhalter Johann Gottlob von Gersdorff mit gerade einmal 16 Jahren, so daß Wolf Caspar Abraham diesem mit gerade einmal 10 Jahren nachfolgte - unter der Vormundschaft seines Stiefvaters Hans Friedrich von Falkenhayn.
Ursula Katharina von Gersdorff verkraftete den frühen Tod ihres Sohnes nicht und folgte ihm schon zu Heiligabend am 24. Dezember 1714 nach. Hans Friedrich von Falkenhayn suchte schnellstmöglichst Ersatz für die verstorbene Mutter seines Stiefsohnes und heiratete bereits am 20. Februar 1716 in Prinsnig die jung verwitwete Sara Eleonore von Landscron (* von Kreckwitz am 29. Januar 1683 in Hermsdorf; verw. 1713 nach nur drei Jahren Ehe).[8]
1725 wurde Wolf Caspar Abraham von Gersdorff volljährig. Am 9. Oktober 1725 schrieb er sich in das 1724 in Leipzig begonnene Stammbuch des Jurastudenten und späteren brandenburgischen Hof- und Kammergerichtsrat in Berlin, Jacob Ludwig Truzettel[9], ein.[10] Am 23. November 1729 heiratete er ebenfalls in Prinsnig (heute Brennik) bei Groß Tinz (heute: Tyniec Legnicki) seine Stiefschwester Helene Sofie von Landscron (* 18. Februar 1713 in Prinsnig)[11], Tochter aus der ersten Ehe seiner Stiefmutter mit Christoph Wilhelm von Landscron (* 19. November 1673; Heirat am 10. Februar 1710; † 23. September 1713).[12]
Am 24. Februar 1732 wurde in Siegersdorf Wolf Caspar Abraham von Gersdorff das erste Kind Eleonore Catharine Sophie geboren.[13] Die zweite Tochter Friederike Albertine wurde am 25. Juni 1736 in Dresden geboren.[14] Am 7. März 1739 wurde dann ebenfalls in Dresden der Stammhalter Adolf Friedrich Abraham von Gersdorff geboren.[15]
Durch den dritten und letzten und endgültigen Ausweisungsbeschluß der Brüdergemeine aus Sachsen von 1738 verließ Wolf Caspar Abraham von Gersdorff Siegersdorf im Jahr 1739 engültig in Richtung Dresden, wo er aber auch nichts für sich und die Seinen ausrichten konnte und Ende 1740 nach Herrnhaag weiterflüchtete - nachdem er noch 1740 Siegersdorf notgedrungen an die Familie von Wobeser verkaufen mußte. Siegersdorf entwickelte sich auf Grund des günstigen Notverkaufes zum Spekulationsobjekt: 1744 erwarben es mit sattem Aufschlag die Freiherrn von Braun, die es schon 1746 mit nochmaligem Gewinn an die Familie von Lindenau verkauften.
[Bearbeiten] In Dresden
Der Cousin von Wolf Caspar Abraham und Sohn seines Onkels Melchior Abraham, Erasmus Leopold von Gersdorff, hatte Johanna Charlotte von Seidlitz geheiratet und lebte mit ihr in Dresden. Dem Paar wurde 1729 der Sohn Gottlob Leopold (Taufe am 15. Juni 1729 in Dresden[16]) und 1730 ein weiterer Sohn Adolf Erasmus (Taufe am 21. Juli 1730 in Dresden[17]) geboren.
Am 5. Januar 1734 ist Wolf Caspar Abraham von Gersdorff in Dresden Zeuge der kurfürstlichen Belehnung von Bieberstein an Moritz Friedrich und Caspar von Schönberg und ihre Erben.[18]
Spätestens seit 1736 weilte auch Wolf Caspar Abraham von Gersdorff regelmäßig in Dresden. Während noch am 24. Februar 1732 ihm das erste Kind Eleonore Catharine Sophie in Siegersdorf geboren wurde[19], wurde die zweite Tochter Friederike Albertine wurde am 25. Juni 1736 in Dresden geboren.[20] Am 7. März 1739 wurde dann ebenfalls in Dresden der Stammhalter Adolf Friedrich Abraham von Gersdorff geboren.[21]
[Bearbeiten] 1739: die Dresdner Brüdergemeine versammelt sich bei Wolf Caspar Abraham von Gersdorff
1739 versammelten sich die Geschwister in der Wohnung des Geheimen Kriegsrathes und Kirchenlieddichters Wolf Caspar Abraham von Gersdorff (1704 bis 1784)[22], einem weitläufigen Verwandten des Grafen von Zinzendorff aus der Familie seines Großvaters Nicolaus von Gersdorf (* 9. Juni 1629 in Doberschütz; † 23. August 1702 in Dresden). Wolf Caspar Abraham von Gersdorff war 1738 noch nicht in Dresden verzeichnet[23] und wohnte 1740 in der Neustadt beym Herrn Geheim=Caemerer Rudolphen[24]. Das Haus von J.(ohann) Sim.(on) Rudolph [25] wird am Jaegerhof vermutet[26]. Er war 1738 ebenfalls noch nicht in Dresden verzeichnet.[27] Es war die Zeit der Bedrängnis der Gemeine seitens der Obrigkeit, und dennoch wuchs die Zahl der Teilnehmer an den Betstunden binnen Jahresfrist von sechs Frauen und drei Männern auf bis zu 48 Personen.
[Bearbeiten] Ende 1740: von Gersdorff verläßt Dresden und geht nach Herrnhaag in der hessischen Grafschaft Ysenburg-Büdingen-Büdingen
Ende 1740 verließ Wolf Caspar Abraham von Gersdorff mit seiner Frau und seinen drei kleinen Kindern fluchtartig Sachsen und damit natürlich auch Dresden und ging in den Zufluchtsort der Herrnhuter Brüdergemeine Herrnhaag, der zwei Jahre zuvor vom Grafen Zinzendorf gegründet worden war. Zinzendorf hielt sich auch dort auf. Zuvor verkaufte von Gersdorff noch gezwungenermaßen die väterliche Herrschaft Siegersdorf, die so zum Spekulationsobjekt degradiert innerhalb von nur sechs Jahren vier verschiedene Besitzer hat.
Nach der zweiten Verbannung aus dem Kurfürstentum Sachsen 1736 fanden die Glaubensflüchtlinge zunächst Unterschlupf auf der Ronneburg. Als der Platz dort nach zwei Jahren zu knapp wurde, zogen die Brüder auf Einladung des Grafen Ernst Casimir zu Ysenburg und Büdingen in Büdingen im Jahr 1738 auf den in Sichtweite von Büdingen befindlichen Herrnhaag in der Ysenburg-Büdingen-Büdingen.
- vgl. Ansicht der Siedlung Herrnhaag nahe Büdingen 1745 bei WMF Commons
Bereits mit einem Toleranzedikt von 1712 lud Graf Ernst Casimir I. zum Bau in Büdingen ein, damals eine der größten Festungsstädte Deutschlands. In der Folge entstand bis 1724 vor dem Untertor (Jerusalemer Tor) die Vorstadt, in der sich Glaubensflüchtlinge wie Hugenotten, Waldenser und Inspirierte aus anderen Gegenden ansiedelten.
Nachdem der Adlige von Gersdorff Dresden verlassen hatte, fand die Gemeinschaft bei dem Schneidermeister Johann Georg Kühne zusammen, der sich daraufhin auch zu ihrem Führer und geistigen Fürsprecher entwickelte.
[Bearbeiten] Herkunft
Nyckil von Gerhardisdorf gen. Thausos († nach 1360)[28]
- Henczil von Gerhardisdorf gen. Thausos (1374 urkundlich; † 1374 oder später)[29]
- Hans von Gerhardisdorf gen. Thausos (erwirbt 1397 lt. einer Urkunde König Wenzels IV. von Böhmen die Herrschaft Ruhland, im Mittelalter und in der frühen Neuzeit Grenz- und Zollstation zwischen der Oberlausitz und Sachsen; † bis 1400)[30]
- Nickel von Gerhardisdorf gen. Thausos († 1430 bis 1434)[31]
[Bearbeiten] Die Abrahams von Gersdorff
Mit Abraham von Gersdorff, dem Sohn Georgs d. J. von Gersdorff, beginnt die Reihe der Abrahams in dieser Linie.
Abraham von Gersdorff (aus welcher Ehe seines Vaters er stammt ist im Gotha Adel A 1923, 246, nicht eindeutig; † bis 1609)[38]
- Abraham von Gersdorff (* 1582; verheiratet mit Sabina von Gersdorff; † 19. Februar 1636)[39]
- Melchior Abraham von Gersdorff (Heirat am 30. Oktober 1640 in Bautzen mit Anna Dorothea von Gersdorff; 2 Töchter * 3. Februar 1645 und später; kein Stammhalter; † bis 1648)[40]
- Erasmus von Gersdorff (* 18. August 1619; verheiratet mit Dorothea von Nostitz gest. 1665[41]; † 21. November 1660[42]
- Wolf Abraham von Gersdorff (* 23. Februar 1649; Heirat am 28. Februar 1673 mit Anna Maria von Nostitz in Mückenhain; Tochter Eleonore Marie * 2. Februar 1685[43]; "Sr. Königl. Majest. und Chur-Fürstl. Durchl. zu Sachsen ... Rath/ und Ampts-Haupt-Mann des Fürstenthums Görlitz"; † 23. Oktober 1710)[44]
- Melchior Abraham von Gersdorff (Heirat 1688 mit Katharina Charlotte von Gersdorff - Ehevereinbarung am 1. Juni 1688 in Wigandsthal; † 15. September 1727)[45]
- Wolf Kaspar von Gersdorff (* 3. Januar 1655; † 17. November 1705)[46]
Letztgenannter Wolf Kaspar von Gersdorff war der Vater von Wolf Caspar Abraham von Gersdorf, der seinen einzigen Sohn ebenfalls Abraham nannte: Adolf Friedrich Abraham von Gersdorff (* 7. März 1739 in Dresden.[47]
Dieser Abraham in der sechsten Generation war es, der in Herrnhut als Bruder Abraham Gersdorf bezeichnet wurde (bei der Herrnhuter Brüdergemeine waren die Standesunterschiede aufgehoben):
- 1765: [242] ♂ d. 17tn Sept. reisten also unsre Geschwister Belows, die Witwe Anna Schneiderin u. die ledige Schwester Juliana Schneiderin, [243] nachdem sie noch gestern in der Singstunde dem Segen der Gemeine empfohlen worden, über Copenhagen nach St Thomas ab; desgleichen Geschwister Waiblingers nach Gnadenbergel, u. Geschwister Abraham Gersdorfs mit der ledigen Schwester Anna Elisabeth Grillichin nach Zeist[48]
[Bearbeiten] Kinder von Wolf Caspar Abraham von Gersdorff
Wolf Caspar Abraham von Gersdorff[49] hatte zu diesem Zeitpunkt bereits drei Kinder: Eleonore Katharina Sophie von Gersdorff (1732-1787), Friederike Albertine von Gersdorff (1736-1806) und Adolf Friedrich Abraham von Gersdorff (1739-1810)[50]
[Bearbeiten] Lebenslauf der Tochter Eleonore Catharine Sophie von Gersdorff (1732-1787)
- "7.) Die ledige Schwester Eleonore Catharine Sophie v. Gersdorf (in Herrnhut) war die älteste Tochter unsers seligen Bruders Abraham v. Gersdorf. Sie hat folgende Nachricht von sich hinterlassen: „Ich bin geboren d. 24 Febr. 1732 in Siegersdorf. Von meinen zarten Kinderjahren an hatte ich eine Nervenschwäche, u. lernte auch erst im 7tn Jahre reden. Anno 1740 brachten [240] mich meine seligen Eltern mit zur Gemeine nach Herrnhaag. Ich kam in die Mädchenanstalt, wo ich Anfangs recht vergnügt war; ich merkte aber bald, daß mir das Leben im Herzen fehlte, u. ich bat den Heiland angelegentlich, mir doch auch die Gnade zu schenken, die ich an so manchen andern Kindern bemerkte. Er erhörte mein Gebet, es wurde mir leicht u. wohl ums Herz, u. ich kam in einen vertraulichen Umgang mit Ihm. Und da ich in meinem 12ten Jahre anfing in schlechte Dinge hinein zu gerathen, wurde ich gleich in meinem Herzen darüber bestraft, u. ruhete nicht eher, bis ich die Vergebung des Heilandes darüber fühlte. Ich wurde den Kindern als Aeltestin vorgestellt, welches mir sehr wichtig u. eine Gelegenheit war, daß ich viel betete u. weinte. Anno 1745 kam ich unter die größern Mädchen, u. hatte von da an wieder eine besondere Gnadenzeit. Mein [241] Grundverderben wurde mir immer mehr aufgedeckt, welches mir eine Veranlaßung war, daß ich mich desto mehr nach dem Genuß des heiligen Abendmahls sehnte. Diese Gnade widerfuhr mir im April 1747. Im Jun. desselben Jahres wurde ich zur Akoluthie angenommen. Ich war sehr beschämt über alle Gnade, die mir der Heiland widerfahren ließ, u. gab Ihm Herz u. Hände zum Treuseyn bis ans Ende. Mit zunehmenden Jahren verlor sich aber das kindliche u. gerade Wesen, ich gerieth in Einbildung von mir selbst, wurde unzutraulich, u. ging meinen Gang für mich allein so hin. In diesem Zustande reiste ich mit der Mädchenanstalt im Sept. 1750 von Herrnhaag nach der Oberlausiz, u. Anno 1751 im Merz zogen wir hier in Herrnhut ein. Da es sich nun ganz mit mir geändert hatte, u. ich zu nichts mehr gebraucht wurde, regte sich Verdruß u. Eigenliebe gar stark bey mir, u. ich [242] kam darüber in ein recht bedenkliches u. melancholisches Wesen. Der Heiland schenkte mir zwar manchen Gnadenblick, da ich aber meine schlechten Ecken doch noch nicht gründlich erkannte, ging es sehr abwechselnd mit mir. Im Jun. desselben Jahres wurde ich ins ledige Schwesternchor aufgenommen, u. einige Zeit darauf in einer Mädchenstube als Gehülfin angestellt. Anno 1755 gereichte mir eine gründliche Unterredung mit der seligen Anna zum großen Segen. Der Heiland schenkte mir Gnade, mich selbst im rechten Licht zu erkennen, u. da sahe ich, daß der Hochmuth bey mir viel tiefer saß, als ichs je geglaubt hatte. Ich schämte mich darüber vor dem Heiland, u. erhielt einen kräftigen Trost Seiner Vergebung. In diesem Jahre zog ich auch ins Chorhaus ein, da mir der grade u. aufrichtige Umgang meiner Chorgespielen zu vielem [243] Segen u. Ermunterung war. Der Einzug in unser neues Chorhaus war eine besondere Gnadenzeit für mein Herz. Wenn ich zurückdenke, daß ich mir so manche Stunden selbst verdorben habe, und der Heiland mich doch so unbeschreibliche Barmherzigkeit hat geniessen lassen, so fließen meine Sünderthränen in reichem Maaß u. s. w.“ So weit schrieb die selige Schwester im Jahr 1760."
- "In der Folge wurde ihr Gnadengang noch manchmal durch neben einkommende Natur-Fehler u. Eigenheiten gestört; aber bey allen Schwachheiten u. Gebrechen ihres Herzens u. Gemüths war u. blieb sie doch ein besonderes Objekt der Gnade u. Liebe ihres Erbarmers, u. Er wußte sie immer wieder zurückzuführen auf den ersten Grund, den sie in Seinem Blut u. Wunden gefunden hatte. Sie kannte u. liebte Ihn als den Versöhner ihrer Sünden, u. hatte einen kindlich vertraulichen Umgang mit Ihm. Anno 1774 bekam sie epileptische Zufälle, die aller [244] angewandten Mittel ohngeachtet in der Folge mehrmalen vorkamen. Diese Krankheit gab ihr Gelegenheit zu manchen trüben Kummerstunden, diente ihr aber auch dazu, daß sie desto mehr ihre Zuflucht zum Heiland nahm. Ueber ihre damalige Herzensstellung äusserte sie sich in einem Briefe unter andern so: „Wenn ich zurückdenke, was für Barmherzigkeit der Heiland an meiner Seele gethan hat, so beugt es mich in Staub vor Ihm. Komme ich aber auf die verlorne Zeit zurück, u. wie ich mir so manchen Gnadenbesuch verscherzt habe, so bin ich sehr betrübt. Ach wie oft habe ich die Stimme des heiligen Geistes überhört, u. habe mich von meinem eignen Geiste regieren lassen, war eingebildet von mir selbst, u. wolte immer gern etwas seyn. Das waren beständig meine Gedanken; aber des Heilandes Gedanken waren ganz anders über mich; Er hat michs fühlen lassen, daß Er mit meinem Gang nicht zufrieden seyn konte, u. [245] hat aus Treue solche schwere Zufälle über mich kommen lassen; ich habe es aber nicht gleich einsehen wollen, daß es mir an einem Sünderherzen fehlt, sondern ich war unwillig u. ungeduldig; endlich kam ich in eine ernstliche Unruhe über mich, u. weinte Tag u. Nacht, bis die erwünschte Stunde kam, da Er sich meiner wieder erbarmen konte. Nun ist mein beständiges Bitten zu Ihm, daß Er mich in der Gnade erhalten, u. mich immer kleiner u. sünderhafter machen wolle; ich fühle wol, daß noch gar vieles an mir abzuschmelzen ist, und dazu hat Er mich in Seine Cur genommen: ach möchte es Ihm nur ganz mit mir gelingen!“ Seit dem Anfang des Jahrs 1787 hatte sie nichts von den Anfällen ihrer Krankheit gehabt, klagte aber öfters über Kopfschmerzen u. Nervenschwäche. Uebrigens war sie seit einiger Zeit ungewöhnlich heiter u. vergnügt, erzehlte auch vor kurzem [246] einer Schwester, was sie oft in der Stille für selige Stunden habe, wenn sie so allein für sich singe oder bete. Ueberhaupt erklärte sie sich ausnehmend dankbar über alles. Am 16 Aug. war sie Vormittags noch ganz wohl, Nachmittags aber glaubte sie die Annäherung ihrer Krankheit zu bemerken. Den folgenden Morgen um 4 Uhr fand sich der Paroxysmus ein, u. zugleich ein Steck- u. Schlagfluß, der sie in wenig Minuten ins gesunde Reich versezte. Wir segneten (schreiben die Schwestern) ihre Ruhe unter dem Gesang: Schlaf, liebes Kind, mit der Gemeine Jesu Frieden p. Sie war im 56ten Jahre ihres Alters."[51]
[Bearbeiten] Nachlaß
Der Nachlaß von Wolf Caspar Abraham von Gersdorf befindet sich im Archiv der Evangelischen Brüder-Unität in Herrnhut[52], so auch ein Brief an ihn und Sophie von Gersdorff aus dem Jahre 1764[53]. Eine Akte über seine Vermögensverhältnisse von 1738 bis 1754 verwahrt das Sächsische Staatsarchiv[54].
[Bearbeiten] Anmerkungen
- ↑ Wolf Kaspar VON GERSDORFF bei Gedbas.
- ↑ Anna Maria Dorothea VON UECHTRITZ bei Gedbas.
- ↑ Ursula Katharina VON LOEBEN bei Gedbas.
- ↑ Albertine Dorothea Elisabeth VON GERSDORFF bei Gedbas.
- ↑ Johann Gottlob VON GERSDORFF bei Gedbas.
- ↑ Wolf Kaspar Abraham VON GERSDORFF bei Gedbas.
- ↑ Hans Friedrich VON FALKENHAYN bei Gedbas.
- ↑ Sara Eleonore VON KRECKWITZ bei Gedbas.
- ↑ Der brandenburgische Hof- und Kammergerichtsrat in Berlin Jacob Ludwig Truzettel heiratete 1837 Auguste Elenora (* 17. Juli 1716 in Eilenburg; † 1739, Tochter des lutherischen Theologen Christoph Heinrich Zeibich (* 28. Juni 1677 in Mölbis; † 24. Juni 1748 in Wittenberg)
- ↑ Stammbuch Jacob Ludwig Truzettel, Blatt 174: Gersdorff, Wolf Caspar Abraham von.
- ↑ Helene Sofie VON LANDSCRON bei Gedbas.
- ↑ Christoph Wilhelm VON LANDSCRON bei Gedbas.
- ↑ Eleonore Katharina Sophie VON GERSDORFF bei Gedbas.
- ↑ Friederike Albertine VON GERSDORFF bei Gedbas.
- ↑ Adolf Friedrich Abraham VON GERSDORFF bei Gedbas.
- ↑ Gottlob Leopold VON GERSDORFF bei Gedbas.
- ↑ Adolf Erasmus VON GERSDORFF bei Gedbas.
- ↑ "König August II. von Polen, Kurfürst von Sachsen, belehnt Moritz Friedrich und Caspar von Schönberg und ihre Erben mit dem Ober- und Niederschloss Bieberstein, dem Vorwerk, Kirchlehn und dem ganzen Dorf Bieberstein, dem ganzen Dorf Burkersdorf (Burckersdorf), dem ganzen Dorf Hohentanne (Hohe Tanne), dem ganzen Dorf Rothenfurt (Rothenfurth) und dem halben Dorf Krummenhennersdorf (Crommenhennersdorf)" - Zeugen: Heinrich von Bünau zu Seußlitz und Rackwitz, Geheimer Rat und Kanzler; Jacob Born, Vizekanzler; August Beyer; Christian Heinrich Drewer; Rudolph Albrecht von Wichmanshausen; Carl August Rex, Geheimer Rat und Oberhofrichter in Leipzig; Johann Friedrich Bastineller; Ernst Abraham von Osterhausen zu Rüben; Wolf Caspar Abraham von Gersdorff und andere. - Beglaubigungsmittel: Größeres Siegel des Ausstellers angekündigt; SP an schwarz-gelber Seidenschnur.- Eigenhändige Unterschrift des Königs. - Orginaldatierung: "... zu Dreßden am fünfften Monats-tag Januarii, Nach Christi Jesu ... Geburth im Eintausend Siebenhundert und Vier und Dreyssigsten Jahre." - Ausstellungsort: Dresden - Beschreibstoff: Pergament. vgl. Sächsisches Staatsarchiv, 10145 Grundherrschaft Bieberstein, Nr. 463.
- ↑ Eleonore Katharina Sophie VON GERSDORFF bei Gedbas.
- ↑ Friederike Albertine VON GERSDORFF bei Gedbas.
- ↑ Adolf Friedrich Abraham VON GERSDORFF bei Gedbas.
- ↑ Gersdorff, Wolf Caspar Abraham von bei Deutsche Biographie.
- ↑ Adressbuch von 1738/G.
- ↑ Adressbuch von 1740/G.
- ↑ Adressbuch von 1740.
- ↑ Adressbuch von 1740/R.
- ↑ Adreßbuch von 1738/R.
- ↑ Nyckyl VON GERHARDISDORF GEN. THAUROS bei Gedbas.
- ↑ Henczil VON GERHARDISDORF GEN. THAUROS bei Gedbas.
- ↑ Hans VON GERHARDISDORF GEN. THAUROS bei Gedbas.
- ↑ Nickel VON GERHARDISDORF GEN. THAUROS bei Gedbas.
- ↑ Hans VON GERSDORFF bei Gedbas.
- ↑ Nickel VON GERSDORFF bei Gedbas.
- ↑ Christoph VON GERSDORFF bei Gedbas.
- ↑ Nickel VON GERSDORFF bei Gedbas.
- ↑ Georg VON GERSDORFF bei Gedbas.
- ↑ Georg d. J. VON GERSDORFF bei Gedbas.
- ↑ Abraham VON GERSDORFF bei Gedbas.
- ↑ Abraham VON GERSDORFF bei Gedbas.
- ↑ Melchior Abraham VON GERSDORFF bei Gedbas.
- ↑ Dorothea VON NOSTITZ bei Gedbas.
- ↑ Erasmus VON GERSDORFF bei Gedbas.
- ↑ Eleonore Marie VON GERSDORFF bei Gedbas.
- ↑ Wolf Abraham VON GERSDORFF bei Gedbas.
- ↑ Melchior Abraham VON GERSDORFF bei Gedbas.
- ↑ Wolf Kaspar VON GERSDORFF bei Gedbas.
- ↑ Adolf Friedrich Abraham VON GERSDORFF bei Gedbas.
- ↑ Gemeinnachrichten der Herrnhuter Brüdergemeine 1765,2, S. 242f.
- ↑ Sohn von Wolf Kaspar von Gersdorff (1655-1705), Enkel von Erasmus von Gersdorff (1619 bis 1660), Urenkel von Abraham von Gersdorff (1582 bis 1636) und Bruder von Albertine Dorothea Elisabeth von Gersdorff (1691-1721, verheiratet von Kreckwitz) und Johann Gottlob von Gersdorff (1698-1714); GEDBAS: Nachkommen von Abraham VON GERSDORFF.
- ↑ Ein weiteres Kind, Anna Dorothea von Gersdorff, wurde 1751 noch recht spät geboren und verstarb 1757 noch als Kind.
- ↑ "Gemein-Nachrichten der Herrnhuter Brüdergemeine", Beylage zur 8. Woche 1788, I. Lebensläufe, S. 239-246.
- ↑ Nachlaß Wolf Caspar Abraham von Gersdorf/ Archiv der Evangelischen Brüder-Unität <Herrnhut> bei Kalliope-Verbund.
- ↑ Brief von Johann Beckmann an Wolf Caspar Abraham von Gersdorff und Sophie Gersdorf/ Archiv der Evangelischen Brüder-Unität <Herrnhut> bei Kalliope-Verbund
- ↑ Sächsisches Staatsarchiv, Bestand 10025: Geheimes Konsilium, Teil 097: Schulden - 097.04 Korporationen, Städte und Private (alphabetisch nach Schuldnern bzw. anderen Beteiligten), Loc. 05587/04: Des Geheimen Kriegsrats Wolf Caspar Abrahams von Gersdorff Schuldwesen (1738 bis 1754).