Wilhelm Fratzke
Wilhelm Fratzke (* 27. August 1870 in Wolsko, Kreis Wirsitz, Preußen, heute olen;[1] † 9. April 1942 in Dresden) war ein deutscher Philologe, Lehrer und Schulrektor, zuletzt in Dresden mit dem Titel eines sächsischen Oberfachschulrates. Fratzke war Verhandlungsführer der Deutschen bei der polnischen Besetzung der Stadt Kolmar in Posen 1919. Er veröffentlichte noch im gleichen Jahr eine Schulchronik der evangelischen Schule in Kolmar, wo er viele Jahre als Rektor wirkte.
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[Bearbeiten] Familie
Wilhelm Fratzke enstammte der ursprünglich aus Preußen stammenden Familie Fratzke/ Fratzcke. Er war der Sohn von Gottfried Fratzke (* 23. November 1823 in Wolsko; †) und dessen am 22. April 1851 auf dem Rittergut in Brostowo, Kreis Wirsitz geheirateter Ehefrau Henriette Meyer (* 28. Dezember 1831 in Wolsko; †).[2]
Wilhelm Fratzke war zweimal verheiratet. In erster Ehe heiratete er am 30. Mai 1893 Anna Elisabeth geb. Schulz (* 28. April 1872 in Weißenhöhe, Kreis Wirsitz/ Preußen, heute Białośliwie/ Polen; † 1905),[3] Tochter des August Schulz (* 1844) und dessen 1867 geheirateter Ehefrau Helene Albertine geb. Plath (* 1841).[4] Aus dieser Ehe entstammten folgende Kinder:
- Ernst August Fratzke (* 24. Februar 1896 in Schneidemühl, heute Piła/ Polen; †/⚔ März 1916),[5] wohnte zuletzt in Schneidemühl bei Kolmar in Posen, fiel als Gefreiter in der 1. Kompanie des Reserve-Jäger-Bataillons Nr. 5 des VI. königlich-preußischen Armeekorps im Ersten Weltkrieg.[6]
- Charlotte ("Lotte") Fratzke (* 1. Juni 1898 in Schneidemühl; † 1918).[7]
Wilhelm Fratzke heiratete in zweiter Ehe Erna Laura geb. Meyer (* 29. Januar 1885 in Posen, heute Poznań/ Polen; † 22. Mai 1945 in Dresden), Tochter des Friedrich Emil Meyer und dessen Ehefrau Klara Ottilie geb. Soschinsky. Sie wurde im Familiengrab auf dem Dresdner Nordfriedhof beerdigt.[8] Seine Frau war ebenfalls Lehrerin und arbeitete u.a. als Mittelschullehrerin an der städtischen höheren Mädchenschule in Nakel.[9] Als Witwe ist sie ab 1943 in der ehemals gemeinsamen Wohnung in der Arnimstraße 21 verzeichnet.[10] Aus dieser Ehe entstammte eine weitere Tochter:
- Erna Adele Fratzke (* 7. Mai 1915 in Kolmar in Posen; †). Sie besuchte ab Ostern 1921 bis zum 31. März 1924 die 22. Volksschule in der Louisenstraße in Dresden).
[Bearbeiten] Leben und Wirken
Wilhelm Fratzke studierte klassische Philologie und entschied sich für eine Laufbahn als Lehrer. Anfangs unterrichtete er in der Schule im damals preußischen Schneidemühl (heute Piła/ Polen).
1903 übernahm Fratzke das Amt des Rektors der evangelischen Zentralschule im preußischen Kolmar (heute Chodzież/ Polen) von seinem Amtsvorgänger Otto Casten († 1913), der dieses Amt seit 1885 – dem Weggang des damaligen Rektors Sachse, der später in Nakel wirkte – inne hatte. Als solcher ist Fratzke auch 1907 nachgewiesen.[11] Ab 1910 bis zum Ende seiner Schulzeit als Rektor in Kolmar 1919 arbeitete Fratzke an der Schulchronik der evangelischen Stadtschule dieser Stadt, die neben der Geschichte der Schule auch einen breiten historischen Abriss der Stadt enthielt. Bevor Fratzke Kolmar 1920 mit seiner Familie verließ, verkaufte er die von ihm meist handschriftlich niedergeschriebene Chronik der Stadt Kolmar für 1.000 Mark an die Stadtverwaltung. Dieses Buch blieb erhalten und ist heute als Digitalisat der Wojewodschaftsbibliothek Poznań öffentlich zugänglich.
Als nach dem Ende des deutschen Kaiserreiches und der Novemberrevolution in Deutschland am 27. Dezember 1918 der Posener Aufstand ausbrach, marschierten Einheiten der im Dezember 1918 neu augestellten polnische Armee auch auf Kolmar zu. Deren Kommandeur, Stanisław Miedziński konnte den deutschen Arbeiter- und Soldatenrat in Kolmar zur kampflosen Kapitulation der Stadt am 5. Januar 1919 bewegen. Der katholische Pater Ignacy Czechowski vermittelte zwischen den polnischen und deutschen Gesprächspartnern hinsichtlich der Einnahme von Kolmar durch polnische Truppen. Die abschließenden Verhandlungen fanden in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar 1919 in Budzin statt. Die deutsche Delegation wurde dabei von Wilhelm Fratzke, dem Rektor der evangelischen Schule in Kolmar, geleitet, während die polnische Delegation von Leutnant Włodzimierz Kowalski vertreten wurde. Der Leutnant präsentierte sich als vollumfänglich bevollmächtigter Vertreter einer mehrerer tausend Mann starken polnischen Armee, die den Befehl hatte, in Richtung Schneidemühl zu marschieren und die Linie des Flusses Netze zu erreichen. Er forderte von Fratzke nachdrücklich, dass alle deutschen Truppen in Kolmar die Waffen niederlegen und sich kampflos jenseits des Flusses Netze zurückziehen sollten. Der Bluff einer mehrerer tausend Mann starken polnischen Armee ging auf. Die Deutschen ergaben sich kampflos und polnische Truppen besetzten am 8. Januar 1919 Kolmar.[12] Nach weiteren Verhandlungen zogen sich diese noch in derselben Nacht wieder zurück; die Stadt wurde neutral, bis nach knapp einem Monat, am 3. Februar deutsche Truppen wieder einmarschierten. Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags kam Kolmar 1920 jedoch an den polnischen Staat und hieß von da an offiziell wieder Chodzież.
Danach ging Fratzke mit seiner Familie nach Mitteldeutschland, zuerst nach Weimar, wo er noch 1919 das Vorwort zu seiner Schulchronik schrieb. 1920 kam er mit seiner Familie nach Dresden, wo er erstmals 1921 im Dresdner Adressbuch, weiterhin noch als Rektor, in einer Wohnung im ersten Obergeschoss in der Königsbrücker Straße 27 verzeichnet ist.[13] Fratzke arbeitete anfangs in Dresden als Privatlehrer und konnte in den Nachkriegszeiten nicht sofort eine offene Stelle in den staatlichen Schulen finden.
Ab dem Schuljahr 1924/25 nahm Fratzke eine Lehrerstelle als Oberfachschulrat im sächsischen Bildungswesen auf. Gleichzeitig zog er in eine Wohnung in die erste Etage in der Wasserstraße 11.[14] 1928 zog er in die Wasserstraße 2,[15] 1931 dann in die Arnimstraße 21.[16] 1937, nach Vollendung seines 67. Lebensjahres wurde Fratzke als Oberfachschulrat a.D. (außer Dienst) pensioniert.[17]
Fratzke starb im 72. Lebensjahr und wurde auf dem Dresdner Nordfriedhof in der Dresdner Albertstadt am Kannenhenkelweg 1 in einer Familiengrabanlage beerdigt. Das Grabmal mit einer schmiedeeisernen Begrenzung im Jugendstil ist erhalten.
[Bearbeiten] Werke/ Veröffentlichungen (Auswahl)
[Bearbeiten] Quellen und Einzelnachweise
- ↑ Datensatz auf MyHeritage, Anmeldung erforderlich.
- ↑ Datensatz auf Find a Grave.
- ↑ Datensatz auf Find a Grave.
- ↑ Datensatz auf MyHeritage, Anmeldung erforderlich.
- ↑ Datensatz auf Find a Grave.
- ↑ Preußische Verlustliste Nr. 480, veröffentlicht am 15. März 1916, Datensatz auf MyHeritage], Anmeldung erforderlich.
- ↑ Datensatz auf Find a Grave.
- ↑ Datensatz auf Find a Grave.
- ↑ Datensatz, I. HA Rep. 76, XI Nr. 89 auf archivdatenbank.gsta.spk-berlin.de.
- ↑ Adressbuch Dresden 1943/44, S. 187, SLUB.
- ↑ Mitteilungen aus der Stadtbibliothek, Bände 1–3, Ausgabe 2, Bromberg/ Preußen 1907, Snippet-Ansicht auf Google Books, S. 33.
- ↑ Powstanie Wielkopolskie na terenie północnej Wielkopolski, Onlineartikel vom 27. Dezember 2021 auf www.asta24.pl.
- ↑ Adressbuch Dresden 1921, S. 172, SLUB.
- ↑ Adressbuch Dresden 1925/26, S. 197, SLUB.
- ↑ Adressbuch Dresden 1929, S. 175, SLUB.
- ↑ Adressbuch Dresden 1932, S. 171, SLUB.
- ↑ Adressbuch Dresden 1938, S. 180, SLUB.
[Bearbeiten] Weblinks
- Familiengrab Fratzke auf dem Dresdner Nordfriedhof, Wikimedia Commons.
- Detail des Familiengrabes Fratzke auf dem Dresdner Nordfriedhof, Wikimedia Commons.