Wilde Sau
Die Wilde Sau gehört als ein linker Nebenfluss der Elbe zum Landschaftsschutzgebiet Linkselbische Täler. Sein tiefes Kerbtal bildet die natürliche historische Grenze zwischen Nisan und Daleminzien.
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[Bearbeiten] Verlauf
Der etwa 22 km lange Fluß entspringt am Tharandter Wald im Tharandter Ortsteil Pohrsdorf und mündet beim Klipphausener Ortsteil Gauernitz in die Elbe. Zwischen Quelle und Mündung liegen etwa 250 m Höhenunterschied.
[Bearbeiten] Pohrsdorf und ehemaliger Wallgraben der Turmhügelburg Pohrsdorf
Die Wilde Sau entwässert das Gebiet nördlich des 426 m hohen Landberges und entspringt in Pohrsdorf, einem Waldhufendorf von 312 ha, dessen Dorfstraße sich an seinem Lauf gebildet hat. Der Landberg bildet als nördlichste Landmarke des Tharandter Waldes und sogar des gesamten Erzgebirges die Wasserscheide zwischen den Elbe-Zuflüssen Wilde Sau und Triebisch.
Südlich von Pohrsdorf (Pohrsdorfrand, Landbergstraße und Landbergweg) entwässert die Triebisch den Tharandter Wald. Dort befindet sich auch der Triebischsee.
Die Wilde Sau speiste ab etwa 1215 den Wallgraben der Burg Pohrsdorf, durch welche der Alte Längenweg vom Meißner Land ins Erzgebirge und weiter nach Böhmen führte. Auch die Sächsische Frankenstraße wurde durch die Burg geschützt.
- Boriwo de Tarant (1206 Vasall des Meißner Bischofs mit einem Herrensitz in Grumbach und auf dem Rittergut Kleinopitz) war mindestens vom 21. Januar 1216 bis 1242 Burgverwalter (Burgvogt, Burghauptmann) der Meißner Markgrafen auf der Burg Tharandt. Er hatte davor zur Burgbesatzung Döbeln gehört und dort Erfahrungen gesammelt. Die Burg Tharandt wurde wahrscheinlich zwischen 1206 und 1215 gebaut, um Gebietsansprüche der Wettiner gegen die Burggrafen von Dohna mit Wehranlagen in Rabenau und Ruppendorf durchzusetzen. Zur Versorgung der Burg Tharandt gliederte Boriwo de Tarant seinen Besitz in Grumbach aus und legte damit um 1215 den Grundstein für die Pohrsdorfer Waldhufenflur (Boriwois Dorf, 1350 Borsdorf[1]). Gleichzeitig ließ er dort die Turmhügelburg Pohrsdorf errichten und besetzte sie mit eigenen Leuten. An den zwei Enden des Wallgrabens dieser Burg befand sich je ein Torhaus, durch die der so genannte Alte Längenweg vom Meißner Land ins Erzgebirge und weiter nach Böhmen führte. Er wurde auch Riesenburger Weg bzw. Alte Meißner Straße genannt, weil er von Meißen nach Riesenburg bei Ossegg führte. Im Tharandter Wald ist er noch als Altwegerelikt Langer Weg erhalten.
- Neben dem Alten Längenweg schützte die Turmhügelburg von etwa 1215 gleichzeitig den Jakobsweg, der hier Teil der Sächsischen Frankenstraße war. Die Burg Tharandt selbst war für diese Schutzfunktion zu weit abgelegen. Deshalb wurde ab 1162 (dendrologisch) der Wächter-Ort Warnsdorf (heute Wüstung) gegründet und die Vorposten Markgrafenstein (414 m, Wachtturm durch Dietrich den Bedrängten kurz nach 1197/1200), Kienberg (369 m, bei Hetzdorf) und Borschelberg (388 m, an der Freiberger Straße von Tharandt) aufgebaut. Zwischen Grillenburg (vermutetes Pilgerhospiz) und Wilsdruff (Jakobikirche) war die Wegführung mit dem meißnisch-fränkischen Weg der Jakobspilger im Zuge der Alten Frankenstraße identisch. Diese Route nutzte ab dem 16. Jahrhundert auch der für Bischof Benno von Meißen eingerichtete Heilige Weg. Die Burg Pohrsdorf war damals allerdings bereits im Hussitenkriegen um 1430 zerstört worden - genau so wie das Pilgerhospiz in Grillenburg.
[Bearbeiten] Grumbach
Nach Pohrsdorf führt die Wilde Sau in einem Bogen nach Grumbach, während die Pohrsdorfer Straße geradliniger nach Grumbach führt.
An der Wilden Sau hat sich die Straße Zur Aue entwickelt. Aber auch die verläßt den Fluß und trifft an einem kleinen See auf den Kirchweg, der ab dort bis kurz hinter dem von Westen einmündenden historischen Längenweg Zur Aue heißt. Der lange Kirchweg von Pohrsdorf nach Grumbach führt nahe am Kleinspeicher Pohrsdorf Wilde Sau vorbei, der als Teich Pohrsdorf auch als Badesee genutzt wird. Der Kirchweg endet an der Eiche am Radweg Pohrsdorf-Grumbach, danach führt die Wilde Sau wieder zurück zur Pohrsdorfer Straße, die sie am Orteingang Grumbach erreicht.
In Grumbach führt diese Straße bis zu ihrer Einmündung in die Tharandter Straße. Hier beendet die Wilde Sau ihren langen Bogen über den Osten nach Westen und knickt direkt nach Norden ab, im Osten flankiert von der Tharandter Straße und im Westen von der Straße Am Oberen Bach. Nach der Vogelweide treffen diese Straßen aufeinander, und der Gartenweg führt an der Wilden Sau entlang. Auch der führt wieder zurück auf die lange Tharandter Straße, welche die Wilde Sau nun östlich begleitet, die hinter dem Rathaus Grumbach nach Osten abknickt und dadurch die Straße unterquert (Saubachbrücke).
Kurz darauf unterquert sie auch noch nahe der Straße Am Wehr die Kesselsdorfer Straße, die heute ein Teil der Bundesstraße 173 ist. Die B 173 folgt von Hof bis Zwickau der Via Imperii und weiter nach Dresden weitgehend der historischen sächsischen Frankenstraße. Östlich dieser Saubachbrücke lag die Kurfürstliche Haupt-Geleits-Einnahme zu Grumbach (heute: Buswendeplatz mit historischem Nachbau der Geleitschranke und einer Kursächsischen Halbmeilensäule sowie einem Königlich-sächsischer Ganzmeilenstein). Hier befand sich der Grumbacher Hof als Ausspann.
Hinter dieser verkehrswichtigen Stelle folgt die August-Bebel-Straße der Wilden Sau, bis diese den Verbindungsweg zwischen dieser Straße und der Straße An der Mühle unterquert (Saubachbrücke]) und von letzterer begleitet wird. Hier stand vor Jahrhunderten einmal eine Mühle. An der Mühle mündet in den Mühlweg, welche von der Wilden Sau unterquert werden muß (Saubachbrücke). Danach folgt der Mühlweg der Wilden Sau, welche kurz vor dessen Einmündung auch noch den Zeisigweg unterqueren muß (Saubachbrücke). Im weiteren Verlauf begleitet der Mühlweg die Wilde Sau südlich und der Zeisigweg nördlich.
Am Ende dieser Straßen unterquert der Fluss die Niedergumbacher Straße (Saubachbrücke) und wird danach von der Straße Am Unteren Bach begleitet, die kurz darauf wie die Wilde Sau in den Wald führt und erst nach mehreren Kilometern in die Limbacher Straße mündet. Diese begleitet die Wilde Sau bis zum Lehrbienenstand des Imkervereins Wilsdruff. Dort unterquert der Fluß einen Waldweg (Saubachbrücke) und knickt dann nach Osten ab - im Süden von diesem Waldweg begleitet, im Norden vom Landbergweg (ebenfalls ein Waldweg). Nach mehreren Kilometern durch den Wald erreicht der Fluß den Oberen Stadtpark von Wilsdruff.
[Bearbeiten] Wilsdruff
Die einzige Stadt, durch welche die Wilde Sau fließt, ist Wilsdruff. Auf dem Markt dort steht eine Bronzeplastik mit einer Sau (und zwei Ferkeln), die laut der Saubachsage den Fluß gefunden haben soll.
- vgl. Die Bronzeplastik auf dem Marktplatz von Wilsdruff: illustriert eine Sage, die das Flüsschen „Wilde Sau“ betrifft, das die Stadt durchfließt. Die Gegend wurde vor der Ansiedlung deutscher Kolonisten ab der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts nur von Slawen bewohnt. Die heutige Bezeichnung erhielt das Flüsschen vermutlich infolge volkstümlicher Interpretation des ursprünglich slawischen Namens, der in etwa die Bedeutung „Sturzbach“ hatte. Nach einer Sage, die sich auf die deutschsprachige Namensinterpretation bezieht, stieß eine Bache, die mit ihren Frischlingen auf einer Wiese wühlte, auf die Quelle der „Wilden Sau“. (bei Wikimedia Commons)
[Bearbeiten] Weblinks
- Wilde Sau (Q279293) bei Wikidata (Fluss in Deutschland)
- Wilde Sau (Fluss) in der deutschsprachigen Wikipedia