Viktoriahaus

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Kolorierte Ansichtskarte mit Viktoriahaus

Das Viktoriahaus[1], auch Victoriahaus, an der Ringstraße 18/Ecke Seestraße entstand 1892 im Auftrag des Hof-Juweliers und Goldschmiedes Jakob Heinrich Wilhelm Mau. Der Architekt William Lossow erstellte die Bauzeichnungen für das Geschäfts- und Wohnhaus gemeinsam mit seinem Kollegen Hermann Viehweger (1846–1922).[2]

Die Fassade des fünfgeschossigen Gebäudes bestand aus Alt-Warthauer Sandstein (polnisch: Piaskowiec Wartowice), einem traditionsreichen Naturstein aus der Region Warthau (heute Wartowice) in Niederschlesien. Eine besondere Zierde war eine vier Meter hohe, vergoldete Viktoria-Skulptur des Bildhauers Hugo Spieler (1854–1924) auf dem Giebel zur Prager Straße.

Der erste Besitzer, Heinrich Mau, vermietete ab 1. Oktober 1892 die Läden und Geschäftsräume im I. und II. Obergeschoss. Er warb Geschäftsleute als Gewerbemieter mit der günstigen Lage an der Waisenhaus-, Ring- und Seestraße sowie mit dem Hinweis auf die Größe der Räume bis zu 700 Quadratmeter. Der Neubau war mit einer Zentralheizung und einem Aufzug sowie elektrischer Beleuchtung ausgestattet.[3] Zu den Gewerbemietern gehörten im Laufe der Zeit u. a. das Architekturbüro Max Kühne und der Pianoforte-Fabrikant sowie Kantorensohn Oscar Hermann Wolfframm (1842–1902).[4] Der Verkauf von Klavieren und Flügel sowie Harmoniums der Firma H. Wolfframm erfolgte in den Räumen des Verkaufs- und Verleihmagazins im Viktoriahaus, II. Obergeschoss (Eingang Ecke Seestraße[5]) gemeinsam mit Fabrikaten seiner Firma „Apollo“ Pianofortefabrik. Das Magazin war zeitweilig das größte „Piano-Etablissement“ in Dresden.[6])

Die deutsche Kaiserin Auguste Viktoria besuchte am 5. Oktober 1894 den im Viktoriahaus befindlichen Gemäldesalon.[7] Dort wurde u. a. das Aquarell Die drei Grazien vom Kunstmaler Paul Heydel neu ausgestellt. Der Kunsthändler Theodor Lichtenberg aus Breslau hatte 1892 hell beleuchtete Ausstellungträume im neuen Viktoriahaus als Filiale seines Geschäfts angemietet.[8] Im April 1893 wurde sein bisheriger Socius Ferdinand Morawe (1865–1931)[9] Eigentümer der Gemäldeausstellung sowie auch der Kunsthandlung. Weitere adelige Besucher waren u. a. der „Prinz und die Frau Prinzessin Johann Georg“ in Lichtenbergs Gemäldesalon.[10]

Die Firma Lichtenbergs Kunstsalon Nachfolger bestand im Viktoriahaus bis 1896. [11] In der nachfolgenden Einrichtung im Viktoriahaus „Dresdner Kunstsalon Arno Wolfframm“[12][13] wurde 1900 eine Ausstellung mit Werken belgischer Meister gezeigt. Die Kollektion umfasste nahezu 100 Werke der Malerei und Plastik.[14]

Mit Kunstgewerbe-Artikeln, Stoffen und Kleinmöbeln wurde im Viktoriahaus ansässigen Geschäft „Dürerhaus“ gehandelt.

Ein Restaurant betrieb der Gastwirt Reinhold Pohl in diesem Prachtbau im Stil der Neorenaissance von 1893 bis 1907. Der Eingang zum Restaurant befand sich im Erdgeschoss, von der Prager Straße aus gesehen, und führte weiter zu den Gasträumen bzw. Sälen im I. Obergeschoss. Der Berliner Verlag „Urania“, Graphisches Institut Charlottenburg publizierte eine Ansichtskarte in Schwarz-Weiß mit Blick in den Gastraum des Restaurants „Victoriahaus“. Ein Saal mit langgezogener Tafel vor der Fensterfront sowie der sich anschließende Präsidiumstisch an der Stirnseite war für Versammlungen besonders geeignet. Dieser wurde durch drei an der Decke hängende großformatige Leuchter mit jeweils sechs Glühlampen über der Sitzungstafel hell erleuchtet.[15] Zu den Räumen in der Schank- und Speisewirtschaft zählten weiter das Bismarckzimmer, genutzt u. a. für Vorträge[16] und das sogenannte Rote (Versammlungs-)Zimmer.[17]

Pohls Nachfolger Oscar (auch Oskar) Hoffmann[18] nannte die Gaststätte im Erdgeschoss Zum Viktoriahaus. Von 1905 bis 1910 diente es u. a. dem antisemitischen Deutschen Reformverein als Vereinslokal.[19][20]

Im Viktoriahaus hatten verschiedene Vereine und Verbände ihren Sitz, so ca. ab 1908 für viele Jahre der Verband deutscher Schokoladenfabrikanten, der Verein deutscher Holzstofffabrikanten und der Verband der deutschen Zigarettenindustrie.[21]

Im Jahre 1911 wurde im Viktoriahaus die „Russische Bibliothek und Lesehalle zum ehrenden Gedächtnis an Prof. A. J. Tschuproff“ (1842–1908)[22] eingerichtet.[23][24]

Der Lutherverein zur Erhaltung der deutschen evangelischen Schulen in Österreich (Ortsgruppe Dresden) hielt am 15. Januar 1913 im Viktoriahaus seine Hauptversammlung ab. Ihr schloss sich dort ein geselliges Beisammensein an.[25]

Nach dem Tod des Hofjuweliers Heinrich Mau wurde seine Witwe Laura Rosalie Mau Eigentümerin des Viktoriahauses.[26] Der Sohn Johannes („Hans“ genannt) führte das Juweliergeschäft im Erdgeschoss fort.

Die letzte Eigentümerin des Gebäudes vor dem Zweiten Weltkrieg war die Schuhfabrik Salamander Aktiengesellschaft mit Hauptsitz in Kornwestheim.[27] Das Viktoria-Haus ging 1935 in den Besitz dieser Schuhfirma für den Kaufpreis in Höhe von einer Million Reichsmark über.[28]

Bei den Luftangriffen im Februar 1945 trafen Bomben das Viktoriahaus, und die Ruine wurde später abgerissen. Die Deutsche Fotothek Dresden veröffentlichte eine Foto-Ansichtskarte mit dem Viktoriahaus und der Angabe des Standortes Prager Straße, aufgenommen von Reinhard Kallmer[29] vor der Zerstörung, erschienen im VEB Foto-Verlag Erlbach im Vogtland.[30]

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Quellen

  1. Adreßbuch für Dresden und seine Vororte 1906, Teil III, S. 532, Sp. 4 [„Viktoriahaus“]
  2. P. Sch.: Kunst auf der Straße. In Die Gartenlaube, Heft 41 aus 1895, S. 708.
  3. Zeitungs-Annonce z. B. in Kölnische Zeitung (Erste Morgen-Ausgabe), 31. März 1892, S. 3 Sp. 2/3.
  4. Dresdner Nachrichten (Abendausgabe), 27.Mai 1900, S. 3. Sp. 4 [Piano-Verkauf H. Wolfframm, Viktoriahaus]
  5. Annoncen von H. Wollframm im Dresdner Anzeiger, 18. Oktober 1895, S. 18 Sp. 3; S. 19 Sp. 2 [Pianino-Verkauf]
  6. Adressbuch Dresden, Bandzählung 1902, Teil IV, S. 94 Sp. 1
  7. Dresdner Journal, 6. Oktober 1894, S. 2, Sp. 4.
  8. Kunstchronik. Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe. Neue Folge, Heft 4/1893, S. 67 („Korrespondenz aus Dresden“)
  9. Katalog der Deutschen Nationalbibliothek GND
  10. Dresdner Journal, 12. Dezember 1895, S. 2 Sp. 4
  11. Verkauf der Kunsthandlung an den langjährigen Mitarbeiter Max Sinz. N. F.: Th. Lichtenberg Nachf. Max Sinz. / Ferdinand Morawe DNB
  12. DNB
  13. Geschäftsbriefbogen Dresdner Kunstsalon
  14. Dresdner Nachrichten (Frühausgabe), 25. März 1900, S. 3 Sp. 3
  15. Postkarte Nr. 1246 aus dem Graphischen Institut Urania, abgestempelt DRESDEN-ALTST. im April 1911 (Privat-Sammlung).
  16. Dresdner Nachrichten (Abendausgabe), 5. Juni 1908, S. 2 Sp. 3
  17. Sächsische Volkszeitung, 12. Mai 1911, S. 3 Sp. 3
  18. Adressbuch Dresden 1920, IV. Teil, S. 152 Sp. 1. (Hoffmann, Oskar Zum Viktoriahaus, Ringstraße 18)
  19. Adreßbuch für Dresden und seine Vororte 1905, II. Teil, S. 175, Sp. 3.
  20. Adreßbuch für Dresden und seine Vororte 1910, III. Teil, S. 169, Sp. 1.
  21. Adreßbuch für Dresden und seine Vororte 1908, III. Teil, S. 557, Sp. 2.
  22. Porträt des Ökonoms und Statistikers Alexander Iwanowitsch Tschuproff (Tschuprow) Foto: MAX FISCHER, Hofphotograf
  23. Friedrich Kummer: Dresden und das Elbgelände, Hrsg. Verlag des Verein zur Förderung des Fremdenverkehrs Dresden, (1914), S. 126 (Dauernder Aufenthalt)
  24. Zu dieser Bibliothek siehe: Gottfried Kratz: Die Dresdner Russische Tschuproff-Bibliothek und ihr Vorsitzender Jakob Mulmann. In: ders. (Hrsg.): Russische Bibliotheken in Deutschland. Peter Lang, Berlin u. a. 2020, ISBN 978-3-631-79891-1, S. 41-62.
  25. Dresdner Journal, 18. Januar 1913, S. 5, Sp.2
  26. Adreßbuch für Dresden und Vororte 1916, III. Teil, Sp. 2 (Viktoriahaus, Ringstraße 18, ehemalige Friedrichs-Allee 2).
  27. Adressbuch Dresden 1943/44, Teil V, S. 685 Sp. 1.
  28. Sächsische Volkszeitung für christliche Politik und Kultur, 9. Oktober 1935, S. 4 Sp. 2.
  29. Fotograf und Verlagsinhaber in Zwickau laut Adressbuch Zwickau und Umgebung 1947/48, 41. Ausgabe, Abschnitt III, S. 115, Sp. 1.
  30. Druck-Genehmigung A 3/86 IV-14-483 07 12 31 227
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